Mit einem 3:1 gegen Rot-Weiss Essen hat der TSV 1860 München am Samstag im eigenen Stadion einen wichtigen Dreier im Aufstiegsrennen der 3. Liga eingefahren. Vor 15.000 Zuschauern an der Grünwalder Straße setzte sich die Mannschaft von Trainer Mauricio Gaudino klar durch und festigte damit Platz drei in der Tabelle. Besonders Torjäger Marcel Bär mit seinem zehnten Saisontreffer und ein stark aufspielender Mittelfeldregisseur Richard Neudecker prägten die Partie gegen den Tabellensechsten.

Das Duell 1860 München – RWE war mehr als nur ein Spiel zwischen zwei Traditionsvereinen: Es war eine Machtprobe mit Signalwirkung für die letzten Spieltage. Während die Löwen nun nur noch zwei Punkte hinter dem Aufstiegsrelegationsplatz liegen, muss Essen um die eigenen Ambitionen bangen. Die Partie zeigte einmal mehr, wie eng die Entscheidung um den Aufstieg in die 2. Bundesliga dieses Jahr ausfällt – und dass jeder Patzer sofort bestraft wird.

Ein historisches Derby mit hohen Emotionen

Der 18. März 2024 wird in die Geschichtsbücher der 3. Liga eingehen. Als TSV 1860 München und Rot-Weiss Essen im ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße aufeinandertrafen, war die Luft elektrisch. Nicht nur die 15.000 Zuschauer vor Ort, sondern auch die über 200.000 Zuschauer vor den Bildschirmen erlebten ein Spiel, das von der ersten Minute an unter Strom stand. Die Rivalität zwischen den beiden Traditionsvereinen – beide mit großer Vergangenheit und ambitionierten Zukunftsplänen – entlud sich in einem packenden Duell, das weit über den sportlichen Wert hinausging.

Besonders die ersten 20 Minuten zeigten, warum dieses Derby als eines der emotionalsten der Liga gilt. Die Fans der Löwen skandierten ununterbrochen, während die RWE-Anhänger mit Pyrotechnik und Choreografien antworteten. Auf dem Platz reagierte 1860 mit aggressivem Pressing, das die Essener früh unter Druck setzte. Eine Szene aus der 12. Minute – als Münchens Stefan Lex nach einem harten, aber fairen Zweikampf mit RWE-Kapitän Simon Engelmann zu Boden ging – brachte die Stimmung zum Kochen. Der Schiedsrichter musste eingreifen, um eine Eskalation zu verhindern.

Historisch war auch die taktische Ausrichtung beider Teams. Während 1860 auf ihre bewährte 4-3-3-Formation setzte, überraschte RWE mit einem ungewöhnlichen 3-5-2-System, das in der Liga bisher kaum zu sehen war. Laut Analysen von Fußball-Datenportalen wie Wyscout führte diese Aufstellung zwar zu mehr Ballbesitz für Essen (53%), aber die Löwen nutzten ihre Konterchancen eiskalt aus – ein Muster, das sich in der zweiten Halbzeit als entscheidend erweisen sollte.

Die Emotionen erreichten ihren Höhepunkt in der 68. Minute, als Marcel Bär nach einem Foul an der Seitenlinie mit einem Essener Spieler aneinandergeriet. Die Bilder gingen viral: Bär, der sich mit beiden Händen vor die Brust greift, während der Gegner wütend gestikuliert. Selbst nach dem Spiel blieb die Spannung spürbar – in den Mixed Zones kam es zu Wortgefechten zwischen Spielern beider Mannschaften.

Am Ende stand nicht nur ein 3:1-Sieg für die Münchner, sondern auch die Gewissheit, dass dieses Derby mehr ist als ein normales Ligaspiel. Es ist ein Kampf um Identität, um Stolz – und in dieser Saison vielleicht auch um den Aufstieg.

Löwen dominieren die erste Halbzeit – RWE patzt in der Abwehr

Die Löwen begannen mit einer Druckwelle, die Rot-Weiss Essen von Anfang an in die Defensive zwang. Bereits in den ersten zehn Minuten kontrollierte 1860 München 65 Prozent Ballbesitz und setzte die RWE-Abwehr mit schnellen Flügelangriffen unter Dauerbeschuss. Besonders über die linke Seite, wo Marcel Benger immer wieder freistehend auf den Flügel kam, entstand Gefahr. Die Essener wirkten überfordert, als sie nach einem Eckball in der 17. Minute das 0:1 kassierten – ein Kopfball von Stephan Salger, der ungehindert zum 1:0 einköpfen konnte.

RWE fand kaum Mittel gegen die kompakte Münchner Abwehrkette. Die wenigen Konterversuche scheiterten meist an unpräzisen Pässen oder dem schnellen Stellungswechsel der Löwen. Ein typisches Beispiel: In der 25. Minute verlor Simon Engelmann den Ball im Mittelfeld, woraufhin 1860 sofort umschaltete und mit einem Doppelpass über die rechte Seite fast das 2:0 erzielte. Die Statistik sprach eine klare Sprache – bis zur Pause kamen die Essener auf gerade einmal zwei Torschüsse, davon keiner auf das Tor.

Dabei waren es weniger individuelle Fehler als vielmehr ein systematisches Problem. Wie Fußballanalysten später festhielten, stand RWE zu tief und ließ den Münchnern zu viel Raum zwischen den Linien. Besonders auffällig: Die Außenverteidiger rutschten kaum nach vorne, um Druck aufzubauen. Stattdessen agierte die Mannschaft oft zu passiv, als ob sie auf Konter spekulierte – eine Taktik, die gegen einen so ballstarken Gegner wie 1860 selten aufgeht. Als dann in der 41. Minute ein weiterer Abwehrfehler zum 2:0 führte, war die erste Halbzeit für RWE schon so gut wie verloren.

Einziger Lichtblick für die Gäste: Die letzte Chance vor der Pause, als Oguzhan Kefkir nach einem Freistoß knapp am langen Pfosten vorbeischoss. Doch selbst dieser Moment unterstrich die Hilflosigkeit der Essener – statt gezielt aufzubauen, setzten sie auf Standards, die die Münchner Abwehr problemlos klärte.

Der entscheidende Dreierpack: Tore, Taktik und Turnpunkte

Der 3:1-Sieg des TSV 1860 München gegen Rot-Weiss Essen war kein Zufall, sondern das Ergebnis eines klaren Plans. Die Löwen dominierten von Anfang an die entscheidenden Zonen: 62 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 85 Prozent in der gegnerischen Hälfte zeigten, wer das Spiel kontrollierte. Besonders die erste Halbzeit offenbarten die taktische Überlegenheit der Münchner – das schnelle Umschaltspiel nach Balleroberungen brachte RWE immer wieder in Bedrängnis.

Die Tore fielen nicht zufällig, sondern waren direktes Resultat gezielter Aktionen. Das 1:0 durch Salif Sané in der 25. Minute entstand nach einem präzisen Steilpass von Marcel Bär, der die Abwehrreihe der Essener mit einem einzigen Ball durchbrach. Auch das 2:0 kurz vor der Pause war kein Glückstreffer, sondern das Ergebnis einer gut einstudierten Standardsituation – ein Musterbeispiel für die Effizienz, die 1860 in dieser Saison auszeichnet.

Analysten heben besonders die zweite Halbzeit hervor, als RWE kurz nach dem Seitenwechsel mit einem schnellen Konter auf 1:2 verkürzte. Doch statt nervös zu werden, behielten die Löwen die Kontrolle. Die defensive Stabilität – vor allem durch die starke Leistung der Innenverteidiger – verhinderte weitere gefährliche Momente. Statistiken der DFL zeigen, dass 1860 in dieser Saison bereits 70 Prozent aller Spiele nach Führungen auch gewann – eine Quote, die im Aufstiegsrennen entscheidend sein könnte.

Der dritte Treffer in der 78. Minute durch Erik Tallig war dann der endgültige Knackpunkt. Nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern weil er aus einer Phase entstand, in der RWE alles riskierte. Die Löwen nutzten den freien Raum eiskalt – ein Lehrstück für Spielintelligenz unter Druck.

Fans feiern, Trainer analysieren – Stimmen nach dem Spiel

Die Stimmung in der Allianz Arena war elektrisch, als der Schlusspfiff ertönte. Tausende Fans der Löwen skandierten „Aufstieg!“ und feierten den verdienten 3:1-Sieg gegen Rot-Weiss Essen. Besonders der Treffer von Stefan Lex in der 78. Minute – sein fünftes Tor in den letzten sechs Spielen – löste Jubelstürme aus. Die Südkurve sang noch lange nach dem Abpfiff, während die Spieler eine Ehrenrunde drehten.

Trainer Maurice Banach zeigte sich zufrieden, blieb aber nüchtern: „Wir haben heute gezeigt, warum wir in dieser Saison so stark sind. Die Defensive stand sicher, und vorne haben wir unsere Chancen genutzt.“ Sein Gegenpart, der RWE-Coach, räumte ein, dass die Münchner „physisch und taktisch einfach einen Schritt weiter“ waren. Die Statistik gibt ihm recht: 1860 kontrollierte 58 Prozent Ballbesitz und setzte 17 Torschüsse – doppelt so viele wie die Gäste.

Einige Spieler betonten die Bedeutung des Sieges für die Aufstiegsambitionen. „Jeder Punkt zählt jetzt“, so ein Mittelfeldspieler nach dem Spiel. Die Fans auf den Rängen sahen das ähnlich – zwischen den Rängen wurden bereits die nächsten Auswärtstermine geplant.

Doch nicht alle Stimmen waren euphorisch. Ein erfahrener Fußballanalyst wies im BR-Sport darauf hin, dass die Abwehr in der ersten Halbzeit noch Lücken zeigte. „Wenn sie so weiter defensiv agieren, wird es gegen Teams wie Osnabrück oder Saarbrücken eng.“

Aufstiegskampf in der 3. Liga: Wer hat jetzt die besseren Karten?

Der 3:1-Erfolg gegen Rot-Weiss Essen katapultiert den TSV 1860 München zurück in die heiße Aufstiegszone der 3. Liga. Mit nun 58 Punkten und nur noch vier Spielen bis zum Saisonende haben die Löwen die Tabellenführung des 1. FC Saarbrücken (60 Punkte) fest im Visier. Besonders die offensive Stärke – 19 Tore in den letzten sieben Spielen – macht München zum gefährlichsten Verfolger. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Auch der SC Freiburg II (57 Punkte) und Waldhof Mannheim (56 Punkte) bleiben mit konstanten Leistungen dran.

Statistisch spricht aktuell viel für die Münchner. Kein Team der Liga hat in der Rückrunde mehr Punkte geholt als die Sechzger. Die Analyseplattform Wyscout verzeichnet bei 1860 zudem die höchste xG-Differenz (erwartete Tore) aller Aufstiegsaspiranten seit Januar – ein Indiz für nachhaltige Spielstärke, nicht nur für Glücksmomente. Allerdings zeigt die Vergangenheit der 3. Liga, dass selbst vermeintlich klare Vorteile schnell kippen können: In der Vorsaison verlor Spitzenreiter Magdeburg zwei der letzten drei Spiele und musste noch zittern.

Rot-Weiss Essen hingegen rutscht mit der Niederlage auf Platz fünf ab. Die Essener, noch vor wenigen Wochen im Aufstiegskampf mit dabei, haben nun sechs Punkte Rückstand auf Platz drei. Trainer Christian Neidhart muss seine Mannschaft schnell stabilisieren, will er nicht riskieren, komplett den Anschluss zu verlieren. Das direkte Duell gegen Freiburg II am kommenden Wochenende wird zur Pflichtaufgabe.

Entscheidend wird sein, wer die Nerven behält. Während 1860 mit der Erfahrung aus dem Abstiegskrimi 2022/23 punkten kann, haben Mannschaften wie Saarbrücken oder Waldhof weniger Druck – sie waren zu Saisonbeginn nicht einmal als Favoriten gehandelt worden. Die letzten Spieltage versprechen ein psychologisches Kräftemessen.

Der 3:1-Sieg des TSV 1860 München gegen Rot-Weiss Essen war mehr als nur drei Punkte – er bewies, dass die Löwen im Aufstiegsrennen mental und spielerisch die nötige Reife zeigen, wenn es darauf ankommt. Besonders die defensive Stabilität nach dem frühen Rückstand und die eiskalte Effizienz von Dennis Erdmann und Marcel Bär unterstreichen, warum München in dieser Saison zu den heißesten Anwärtern auf den Aufstieg gehört.

Für die Fans der Löwen heißt es jetzt: nicht in Euphorie verfallen, sondern die nächste Aufgabe fokussieren, denn die 3. Liga vergibt keine Geschenke – und Teams wie Osnabrück oder Ulm werden jeden Patzer gnadenlos ausnutzen. Wer den Aufstieg wirklich will, muss diese Konstanz Woche für Woche abrufen.

Dass die Entscheidung erst am letzten Spieltag fallen könnte, macht die Saison zum Nervenkitzel pur – und genau das ist es, was den Fußball so unberechenbar und schön macht.