780 Kilometer durch Alpenpässe, Weinberge und historische Städte – der Radweg München Venedig ist jetzt offiziell eröffnet und verbindet zwei der schönsten Metropolen Europas auf einer der ambitioniertesten Radrouten des Kontinents. Die Strecke, die von der Isar bis zur Lagune führt, durchquert drei Länder, überwindet über 5.000 Höhenmeter und passiert UNESCO-Welterbestätten wie die Dolomiten oder die Altstadt von Verona. Radfahrer können die Tour in 10 bis 14 Etappen bewältigen, wobei die gut ausgeschilderten Abschnitte sowohl Genussradlern als auch sportlichen Ambitionierten gerecht werden.
Für viele Radbegeisterte ist der Radweg München Venedig längst ein Traumprojekt, doch jetzt gibt es klare Wegweisung, einheitliche Beschilderung und offizielle Unterstützung durch Kommunen und Tourismusverbände. Die Route nutzt bestehende Radwege, stillgelegte Bahntrassen und wenig befahrene Landstraßen – ideal für alle, die eine mehrtägige Tour mit kulturellen Highlights und alpiner Natur verbinden wollen. Ob als Sommerabenteuer oder in kürzeren Abschnitten: Die Strecke bietet Flexibilität und lässt sich mit Bahnanbindung an beiden Endpunkten leicht planen.
Von der Idee zur Realität: Jahrzehnte im Planungsdasein
Der Traum eines durchgehenden Radwegs von München nach Venedig reifte über Jahrzehnte – doch aus der Vision wurde lange Zeit kein Asphalt. Erste konkrete Pläne tauchten bereits in den 1980er-Jahren auf, als Radtourismus in Europa langsam an Fahrt aufnahm. Doch während andere Fernradwege wie der Donau-Radweg zügig Realität wurden, haperte es hier an Koordination: Drei Länder, unzählige Kommunen und unterschiedliche Verkehrsstandards machten das Projekt zum Geduldsspiel.
Besonders knifflig gestaltete sich die Trassenführung durch die Alpen. Wo Autotunnel und Serpentinenstraßen die Landschaft zerschneiden, musste der Radweg sich behutsam einfügen – ohne Naturzerstörung, aber mit ausreichender Sicherheit für Radfahrer. Eine Machbarkeitsstudie des Bayerischen Staatsministeriums für Verkehr aus dem Jahr 2015 zeigte: Allein für den deutschen Abschnitt wären 120 Brücken und 30 Tunnel nötig, um Steigungen von maximal sechs Prozent einzuhalten.
Doch der Durchbruch kam, als sich 2018 regionale Initiativen mit der Europäischen Union vernetzten. Mit Fördergeldern aus dem Interreg-Programm flossen erstmals signifikante Mittel in die Planung. Österreich und Italien zogen nach, und plötzlich rückte das ehrgeizige Ziel in greifbare Nähe. Kritische Stimmen, die das Projekt als „utopisch“ abtaten, verstummten, als 2020 die ersten 150 Kilometer zwischen München und Salzburg asphaltiert wurden.
Die letzte Hürde war paradoxerweise die einfachste Strecke: die Po-Ebene. Hier verzögerten sich Bauarbeiten wegen archäologischer Funde aus der Römerzeit, die bei Erdarbeiten ans Licht kamen. Statt wie geplant 2022 öffnete der Radweg erst 2024 – doch die Wartezeit lohnte sich. Heute verbindet er nicht nur zwei Kulturmetropolen, sondern zeigt, wie aus beharrlicher Planung und grenzüberschreitender Zusammenarbeit ein Leuchtturmprojekt entsteht.
Streckenprofil: Alpenüberquerung und Flusslandschaften auf 780 Kilometern
Wer die neu eröffnete Radroute von München nach Venedig in Angriff nimmt, durchquert auf 780 Kilometern einige der spektakulärsten Landschaften Mitteleuropas. Die Strecke führt zunächst durch das voralpine Hügelland Oberbayerns, wo sanfte Anstiege zwischen grüner Weidelandschaft und ersten Ausläufern der Alpen auf die kommenden Herausforderungen einstimmen. Ab Rosenheim wird es anspruchsvoller: Hier beginnt der Aufstieg über den 984 Meter hohen Achenpass, der mit einer maximalen Steigung von 12 Prozent selbst geübte Radfahrer fordert. Dafür belohnt der Pass mit einem atemberaubenden Panorama über die Tiroler Bergwelt – ein erster Höhepunkt der Tour.
Nach der Alpenüberquerung wechselt das Terrain radikal. Ab Innsbruck schlängelt sich die Route entlang der Etsch durch das Südtiroler Weinland, wo mediterranes Flair und alpine Schroffheit aufeinandertreffen. Radtechnisch wird es nun entspannter: Über 200 Kilometer folgen flussbegleitende Abschnitte mit minimalen Steigungen, ideal um Kraft für die letzten Etappen zu sammeln. Experten des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) betonen, dass gerade diese Passagen mit ihrer gut ausgebauten Infrastruktur und den zahlreichen Rastmöglichkeiten in Weinorten wie Tramin oder Kurtatsch zu den familienfreundlichsten Abschnitten der gesamten Strecke zählen.
Das letzte Drittel der Tour steht im Zeichen italienischer Flusslandschaften. Von Verona aus begleitet der Radweg den Po durch die weiten Ebenen der Po-Ebene, wo Reisfelder und Pappelalleen das Bild prägen. Hier zeigt sich, wie vielfältig die Route angelegt ist: Während die Alpenetappen Kondition erfordern, verlangt die flache, aber oft windige Po-Ebene Ausdauer und gleichmäßiges Tempo. Die letzten 50 Kilometer vor Venedig führen schließlich durch das Delta des Brenta-Kanals – ein labyrinthartiges Netz aus Wasserwegen, das mit seinen historischen Villen und Fischerdörfern einen kontrastreichen Abschluss zur hochalpinen Anfangsetappe bildet.
Unterwegs ohne Stress: Routenführung, Rastplätze und Radler-Infrastruktur
Wer die 780 Kilometer von München nach Venedig auf zwei Rädern zurücklegt, braucht mehr als Kondition: Eine durchdachte Routenführung macht den Unterschied zwischen Stress und Genuss. Der offiziell eröffnete Radweg führt durch vier Länder und nutzt zu 80 Prozent bestehende Radinfrastruktur – von asphaltierten Wegen entlang der Isar bis zu ruhigen Landstraßen in Südtirol. Digital unterstützt die offizielle Webplattform mit GPX-Tracks, Höhenprofilen und Etappenempfehlungen, die selbst ungeübte Radfahrer sicher ans Ziel bringen. Besonders praktisch: Die Strecke ist in 12 Tagesetappen unterteilt, die jeweils zwischen 50 und 70 Kilometern umfassen – ideal für eine entspannte Reiseplanung.
Rastplätze und Übernachtungsmöglichkeiten sind strategisch entlang der Route verteilt. Alle 20 bis 30 Kilometer finden Radler geschützte Picknickbereiche, oft mit Trinkwasserstellen und Sanitäranlagen. In Bayern und Österreich kooperiert der Weg mit dem Bett+Bike-Netzwerk, das über 5.000 radfreundliche Unterkünfte zertifiziert – von einfachen Gasthöfen bis zu Bio-Bauernhöfen mit Werkstattservice. Studien des ADFC zeigen, dass gut ausgestattete Rastplätze die Zufriedenheit von Radtouristen um bis zu 40 Prozent steigern.
Die Infrastruktur glänzt vor allem in den Alpenabschnitten. Zwischen Innsbruck und Trient sorgt der Brenner-Radweg mit breiten, getrennten Spuren und regelmäßigen Steigungsangaben für Sicherheit. Kritische Passagen wie der Reschenpass werden durch Umleitungen oder Shuttle-Dienste entschärft. In Italien übernimmt dann die Ciclovia del Sole die Führung – eine der bestausgebauten Radrouten Europas, die bis nach Venedig führt. Wer unterwegs technische Hilfe braucht, findet in fast jedem größeren Ort Fahrradwerkstätten, die auf Tourenräder spezialisiert sind.
Für spontane Pausen lohnen sich Abstecher zu lokalen Highlights: die Therme Bad Aibling nach der ersten Etappe, die Weinberge bei Tramin oder die Lagunenlandschaft bei Jesolo kurz vor dem Ziel. Die offizielle Route vermeidet bewusst stark befahrene Straßen, ohne dabei kulturelle Hotspots auszulassen.
Gepäcktransport und Übernachtungen: So klappt die Tour ohne Ballast
Wer die 780 Kilometer von München nach Venedig mit dem Rad bewältigen will, steht vor der Frage: Wie viel Gepäck ist wirklich nötig? Radtouristik-Experten raten zu maximal 15 Kilogramm pro Person – inklusive Zelt, Schlafsack und Reparaturwerkzeug. Wer leichter packt, spart nicht nur Kraft, sondern vermeidet auch unnötige Pausen durch überladene Räder. Die Devise lautet: Funktion vor Komfort. Ein wasserdichter Packsack mit Wechselkleidung, Regenjacke und Grundausstattung an Werkzeug reicht für die meisten Etappen. Alles andere lässt sich unterwegs besorgen.
Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Route sind vielfältig. Von einfachen Campingplätzen bis zu familiengeführten Gasthöfen in Südtirol oder Venetien – die Strecke führt durch Regionen mit gut ausgebauter Radler-Infrastruktur. Besonders beliebt sind die rund 50 zertifizierten Bett+Bike-Betriebe zwischen München und Venedig, die spezielle Services wie abschließbare Fahrradgaragen oder Trockenräume für nasse Kleidung anbieten. Eine Reservierung im Voraus ist in der Hochsaison (Juni bis September) ratsam, da einige Unterkünfte nur wenige Plätze für Radfahrer vorhalten.
Für alle, die keinen schweren Gepäcktransport riskieren wollen, gibt es praktische Alternativen. Gepäcktransferdienste wie Alpenverein Aktiv oder lokale Anbieter übernehmen das Transportieren der Taschen von Etappenort zu Etappenort – gegen eine Gebühr von etwa 10 bis 15 Euro pro Strecke. So lässt sich die Tour mit nur einem Tagesrucksack bestreiten. Studien der European Cyclists’ Federation zeigen, dass über 60 Prozent der Fernradler auf solchen Routen mindestens einmal auf externe Transportdienste zurückgreifen, um die Belastung zu reduzieren.
Wer ganz ohne Ballast unterwegs sein will, setzt auf Mikroabenteuer-Taktiken: Ultralight-Ausrüstung, digitale Karten statt schwerer Reiseführer und lokale Märkte für frische Verpflegung. Die Route führt durch Dörfer mit guter Versorgung – von Münchner Voralpen bis zu den Weinbergen des Friaul. Ein Tipp von erfahrenen Radreisenden: Die Apotheke in Rosenheim oder die Fahrradwerkstatt in Lienz sind bekannte Anlaufstellen für Notfälle.
Ausbaupläne: Wo die Route noch Lücken hat und was als Nächstes kommt
Der Münchner Radweg nach Venedig ist zwar offiziell eröffnet, doch zwischen den 780 Kilometern Abenteuer klaffen noch einige Lücken. Besonders im österreichischen Abschnitt zwischen Salzburg und Lienz fehlen durchgehende, gut ausgebaute Strecken. Hier müssen Radfahrer derzeit auf stark befahrene Landstraßen ausweichen oder Umwege über Feldwege in Kauf nehmen. Laut einer aktuellen Erhebung des Alpenvereins sind rund 120 Kilometer der geplanten Route noch nicht radwegtauglich – ein Fünftel der Gesamtstrecke.
Die größten Baustellen liegen in Kärnten, wo drei kritische Abschnitte dringend saniert werden müssen. Zwischen Spittal an der Drau und Oberdrauburg fehlt eine durchgehende Beschilderung, und die bestehenden Radwege enden abrupt an Bundesstraßen. Die regionalen Behörden haben hier bereits Gelder aus dem EU-Förderprogramm für nachhaltige Mobilität beantragt, doch mit dem Baustart wird frühestens 2025 gerechnet.
In Italien hingegen ist die Situation entspannter: Die letzten 200 Kilometer von Tarvis bis Venedig gelten als vorbildlich. Hier führte die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden Friuli-Venezia Giulia und Venetien zu einer fast lückenlosen Radinfrastruktur mit einheitlicher Beschilderung und Servicepunkten alle 30 bis 40 Kilometer. Einzig der Abschnitt um Portogruaro erfordert noch kleinere Nachbesserungen, um den Ansprüchen von Radreisenden gerecht zu werden.
Für die nächsten zwei Jahre steht der Fokus auf der Schließung der österreichischen Lücken. Priorität hat die Drauradroute, die als Rückgrat des Projekts gilt. Parallel laufen Verhandlungen mit Grundbesitzern, um fehlende Trassen zu sichern. Radtourismus-Experten gehen davon aus, dass die Strecke bis 2027 vollständig befahrbar sein wird – vorausgesetzt, die geplanten Mittel fließen wie vorgesehen.
Der Münchner Radweg nach Venedig ist mehr als nur eine neue Route – er ist ein 780 Kilometer langes Versprechen für Abenteuer, Kultur und grenzenlose Freiheit auf zwei Rädern. Mit der offiziellen Eröffnung steht Radbegeisterten nun eine perfekt markierte Strecke zur Verfügung, die Alpenpanorama mit venezianischem Flair verbindet und unterwegs historische Städte wie Innsbruck oder Verona streift.
Wer die Tour plant, sollte die Etappen sorgfältig nach Kondition und Interessen wählen: Die anspruchsvollen Alpenpässe fordern Ausdauer, während die flachen Abschnitte in Oberitalien zum Genießen einladen. Packliste, Wettercheck und frühzeitige Unterkunftsbuchung in der Hochsaison sind Pflicht – spontane Pausen in Weinbergen oder an Seen aber ausdrücklich erlaubt.
Dass diese Route erst der Anfang ist, zeigt das wachsende Netz europäischer Radwege, die Städte wie nie zuvor verbinden und nachhaltiges Reisen zur Selbstverständlichkeit machen.
