Ab Dezember rollt der erste direkte Nachtzug von München nach Amsterdam – und das schon ab 29 Euro. Die Verbindung, betrieben von European Sleeper, verkürzt die Reisezeit zwischen den beiden Städten auf rund zehn Stunden und bietet eine klimafreundliche Alternative zu Kurzstreckenflügen. Mit modernisierten Liegewagen und Schlafwagen setzt der Betreiber auf Komfort, der selbst anspruchsvolle Reisende überzeugen soll. Die Tickets sind seit dieser Woche buchbar, und die Nachfrage übertrifft bereits die Erwartungen.
Für Pendler zwischen Deutschland und den Niederlanden ändert sich damit die Reiseplanung grundlegend. Wer bisher zwischen teuren Flügen oder umständlichen Umstiegen im Fernverkehr wählen musste, kann nun bequem über Nacht von München nach Amsterdam reisen – ohne Stress, ohne CO₂-Belastung. Besonders für Geschäftsreisende und Touristen, die Wert auf Zeitersparnis legen, wird die Strecke attraktiv. Die Verbindung ist nicht nur ein Gewinn für den europäischen Schienenverkehr, sondern auch ein klares Signal: Die Renaissance der Nachtzüge ist in vollem Gange. Und München nach Amsterdam ist erst der Anfang.
Die Rückkehr der Nachtzüge in Europa
Die Nachtzüge erleben in Europa eine unerwartete Renaissance. Nach Jahrzehnten des Rückgangs setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass schienengebundene Nachtverbindungen nicht nur klimafreundlicher sind als Kurzstreckenflüge, sondern auch eine entspannte Alternative zu überfüllten Tageszügen bieten. Studien der Europäischen Umweltagentur zeigen, dass ein Nachtzugreisender im Vergleich zu einem Flugpassagier bis zu 90 Prozent weniger CO₂ verursacht – ein Argument, das angesichts der Klimaziele immer mehr Gewicht gewinnt.
Deutschland und die Niederlande gehören zu den Vorreitern dieser Entwicklung. Während die Deutsche Bahn ihre Nachtzugflotte in den 2000er-Jahren fast vollständig abschaffte, kehrt man nun schrittweise zum alten Konzept zurück. Die neue Verbindung München–Amsterdam ist nur ein Baustein in einem größeren Netz, das bis 2030 deutlich ausgebaut werden soll. Verkehrsexperten betonen, dass besonders die Strecke durch die hohe Nachfrage nach grenzüberschreitenden Verbindungen zwischen den Wirtschaftsmetropolen ideal für den Nachtzugbetrieb ist.
Doch nicht nur die Ökobilanz überzeugt. Reisende schätzen zunehmend den Komfort, morgens erholt am Ziel anzukommen, ohne wertvolle Urlaubs- oder Arbeitstage mit der Anreise zu verlieren. Die Betreiber setzen auf moderne Schlafwagen mit privatem Bad, Steckdosen an jedem Platz und ruhigen Liegewagen für Budget-Reisende – ein Konzept, das besonders bei jüngeren Zielgruppen und Geschäftsleuten Anklang findet.
Kritiker weisen zwar auf die noch immer bestehenden Herausforderungen hin, etwa die begrenzte Geschwindigkeit auf einigen Streckenabschnitten oder die Notwendigkeit, internationale Kooperationen zu stärken, um Umsteigezeiten zu verkürzen. Doch die Signale stehen auf Wachstum: Allein 2024 sollen mindestens fünf neue Nachtzugverbindungen in West- und Mitteleuropa an den Start gehen.
Strecke, Preise und Komfort im Überblick
Die neue Nachtzugverbindung zwischen München und Amsterdam legt eine Strecke von rund 700 Kilometern zurück – quer durch Deutschland und die Niederlande. Die Reisezeit beträgt etwa zehn Stunden, wobei der Zug abends in München Hbf abfährt und morgens im Amsterdamer Hauptbahnhof ankommt. Damit entfällt nicht nur das lästige Umsteigen, sondern auch die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit am Zielort.
Mit Preisen ab 29 Euro im Sitzwagen und ab 49 Euro im Liegewagen positioniert sich das Angebot als attraktive Alternative zu Flugreisen oder langwierigen Tagesverbindungen. Studien der Deutschen Bahn zeigen, dass Nachtzüge bei Strecken über 600 Kilometer besonders beliebt sind, da sie Zeit und Geld sparen – ein Trend, den die neue Verbindung aufgreift.
Der Komfort an Bord überzeugt mit modernen Schlafwagen, die entweder als Privatabteile oder geteilte Liegewagen gebucht werden können. Jedes Abteil verfügt über Steckdosen, Leselampen und klimatisierte Luft. Wer es günstiger mag, findet im Sitzwagen bequeme, verstellbare Sitze mit ausreichend Beinfreiheit. Ein Bordbistro sorgt für Snacks und Getränke während der Fahrt.
Besonders für Geschäftsreisende oder Urlauber, die früh am Ziel sein müssen, erweist sich die Nachtverbindung als praktische Lösung. Während andere noch im Stau stehen oder auf den Check-in am Flughafen warten, rollt der Zug bereits durch die Nacht – und die Passagiere wachen erholt im Herzen Amsterdams auf.
Buchung, Gepäck und Bordservices im Detail
Die Buchung des Nachtzugs von München nach Amsterdam erfolgt über die Website der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die den Nightjet betreibt. Reisende können Tickets ab 29 Euro im Sitzwagen ergattern, wobei die Preise je nach Auslastung und Buchungszeitpunkt steigen. Wer früh bucht, sichert sich nicht nur günstigere Tarife, sondern hat auch die beste Auswahl an Liege- und Schlafwagenplätzen. Die Bezahlung läuft unkompliziert per Kreditkarte oder PayPal, und die digitalen Tickets lassen sich direkt in der ÖBB-App hinterlegen.
Beim Gepäck gelten großzügige Regeln: Jeder Fahrgast darf zwei Stücke à 75 x 53 x 30 cm sowie ein Handgepäckstück kostenlos mitnehmen. Für Fahrräder oder Sperrgepäck wie Ski fällt eine Zusatzgebühr von 10 Euro an, wobei die Kapazitäten begrenzt sind. Studien der Deutschen Bahn zeigen, dass Nachtzugreisende im Schnitt 20 % mehr Gepäck mitführen als Tagesreisende – ein Hinweis darauf, dass viele die Reise für längere Aufenthalte nutzen. Die Gepäckablagen befinden sich direkt bei den Sitzplätzen oder in separaten Abteilen der Liegewagen, wo sie während der Fahrt sicher verstaut bleiben.
An Bord erwarten die Passagiere Services, die den Komfort einer Übernachtung erhöhen. In den Schlafwagen sind Bettwäsche, Handtücher und ein kleines Willkommensgetränk im Preis inbegriffen. Wer im Sitzwagen reist, kann gegen Aufpreis ein Frühstückspaket buchen oder sich an den Bordbistro wenden, das bis Mitternacht warme Mahlzeiten anbietet. Die Steckdosen an jedem Platz und kostenloses WLAN (bis 1 GB Datenvolumen) runden das Angebot ab. Besonders praktisch für Geschäftsreisende: Die Nachtzüge verfügen über ruhige Arbeitsbereiche mit Tischen und Leselampen.
Für Familien oder Gruppen lohnt sich die Buchung eines gesamten Abteils im Liegewagen, das bis zu sechs Personen Platz bietet. Kinder unter sechs Jahren reisen kostenlos, ältere Kinder erhalten Ermäßigungen. Die ÖBB empfiehlt, bei der Buchung direkt anzugeben, ob man ein unteres oder oberes Bett bevorzugt – die unteren Plätze sind oft schneller vergeben.
Wie der Nachtzug Auto und Flugzeug Konkurrenz macht
Der Nachtzug von München nach Amsterdam beweist: Schienenverkehr kann auf der Langstrecke mehr als nur eine ökologische Alternative sein. Mit Preisen ab 29 Euro im Sitzwagen und Liegewagen ab 59 Euro unterbietet die Verbindung nicht nur viele Inlandsflüge, sondern oft auch die Spritkosten für eine Autofahrt. Bei einer Strecke von rund 700 Kilometern spart ein Reisepaar im Nachtzug gegenüber dem Auto leicht 120 Euro – und das ohne Staus, Parkplatzsuche oder Mautgebühren in den Niederlanden.
Dass die Nachfrage nach Nachtzügen steigt, bestätigt auch der aktuelle Bahn-Trendreport 2024 des Verkehrsclubs Deutschland. Demnach nutzen bereits 18 Prozent der Langstreckenreisenden in Europa gelegentlich Nachtzüge, Tendenz stark steigend. Besonders bei jüngeren Zielgruppen zwischen 25 und 40 Jahren setzt sich die Erkenntnis durch: Wer abends einsteigt, kommt ausgeruht am Ziel an – während Autofahrer oft acht Stunden pure Fahrzeit plus Pausen einplanen müssen.
Die Zeitersparnis wird zum entscheidenden Argument. Während ein Flug von München nach Amsterdam inklusive Check-in und Transfer zum Stadtzentrum schnell fünf Stunden verschlingt, rollt der Nachtzug direkt ins Amsterdamer Zentrum. Kein Warten am Security-Check, kein Gepäckstress – und wer im Schlafwagen reist, hat sogar ein eigenes Waschbecken. Für Geschäftsreisende, die morgens frisch bei Meetings erscheinen müssen, wird der Zug damit zur echten Option.
Hinzu kommt die Flexibilität: Anders als bei Billigflügen mit starren Buchungsfristen lassen sich Nachtzug-Tickets oft kurzfristig buchen oder umbuchen. Wer spontan am Wochenende nach Amsterdam will, findet selbst zwei Tage vor Abfahrt noch Plätze – zum gleichen Preis. Das Auto mag zwar Tür-zu-Tür fahren, doch wer die Parkplatzpreise in Amsterdam kennt (bis zu 7,50 Euro pro Stunde in der Innenstadt), rechnet schnell um.
Dass die Bahn hier punkten kann, liegt auch an den neuen Komfortstandards. Moderne Nachtzüge wie der Nightjet bieten Steckdosen an jedem Platz, klimatisierte Abteile und sogar ein Bordbistro mit regionalen Snacks. Wer früher Nachtzüge mit stickigen Couchettes und holprigen Fahrten verband, wird überrascht sein. Die Strecke München–Amsterdam fährt zudem über gut ausgebaute Hochgeschwindigkeitsabschnitte in Deutschland und den Niederlanden – Schlafstörungen durch ruckelnde Züge gehören der Vergangenheit an.
Ausbaupläne: Weitere Ziele ab 2025
Der Start der Nachtzugverbindung zwischen München und Amsterdam ist erst der Anfang. Ab 2025 plant die Deutsche Bahn gemeinsam mit europäischen Partnern eine deutliche Ausweitung des Netzes. Geprüft werden derzeit Verbindungen nach Barcelona, Rom und sogar bis nach Lissabon – Ziele, die bisher nur mit Umstiegen oder dem Flugzeug erreichbar waren. Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) aus dem Jahr 2023 könnten Nachtzüge auf diesen Strecken bis zu 30 Prozent der Kurzstreckenflüge ersetzen, wenn die Taktung stimmt.
Besonders im Fokus steht die Achse München–Paris. Hier soll ab 2026 ein zweiter Nachtzug die bestehende Tagesverbindung ergänzen, um die Auslastung zu erhöhen. Die Strecke gilt als wirtschaftlich vielversprechend, da sie zwei der wichtigsten Wirtschaftsmetropolen Europas verbindet. Gleichzeitig arbeiten die Bahngesellschaften an kürzeren Reisezeiten durch optimierte Trassen und weniger Halte.
Auch die Kapazitäten sollen wachsen. Während der neue Zug nach Amsterdam zunächst mit 200 Plätzen startet, sind für die kommenden Jahre längere Züge mit bis zu 350 Sitz- und Liegeplätzen geplant. Besonders die Nachfrage nach Liegewagen steigt: Bei Umfragen unter Vielfahrern gab über die Hälfte an, für Komfort auch höhere Preise zu akzeptieren.
Langfristig könnte München zum Drehkreuz für Nachtzüge in Mitteleuropa werden – ähnlich wie Wien oder Zürich. Entscheidend wird sein, ob die Politik die nötigen Investitionen in Gleise und Bahnhöfe freigibt. Ohne moderne Infrastruktur bleiben selbst die ehrgeizigsten Pläne Theorie.
Der neue Nachtzug zwischen München und Amsterdam ab Dezember beweist, dass umweltfreundliches Reisen nicht nur möglich, sondern auch erschwinglich ist – mit Preisen ab 29 Euro bietet er eine echte Alternative zu Kurzstreckenflügen und langwierigen Autofahrten. Wer früh bucht, sichert sich nicht nur die günstigsten Tarife, sondern kann auch die Annehmlichkeiten wie Liegewagen oder Privatabteile nutzen, die den Komfort deutlich steigern.
Für alle, die die Strecke testen möchten, lohnt sich ein Blick auf die Buchungsplattform der Deutschen Bahn, wo die Tickets bereits verfügbar sind und flexible Stornierungsoptionen angeboten werden. Mit der Ausweitung des Nachtzugnetzes in Europa könnte diese Verbindung erst der Anfang sein – und das Zeitalter der klimafreundlichen Fernreisen endlich an Fahrt aufnehmen.

