Nach fast zwei Jahren akribischer Restaurierungsarbeit gibt das Ägyptische Museum München nun ein Meisterwerk altägyptischer Handwerkskunst zurück: eine 1.200 Jahre alte Mumienmaske aus Kartonage, deren leuchtende Farben und filigrane Verzierungen nun wieder in ursprünglicher Pracht erstrahlen. Die Maske, die einst den Kopf eines Verstorbenen aus der Spätzeit umhüllte, zählt zu den seltenen Zeugnissen dieser Epoche – nur etwa 20 vergleichbare Stücke sind weltweit erhalten. Besonders bemerkenswert ist die detailreiche Darstellung der Göttin Nut auf der Innenseite, ein Motiv, das sonst kaum in dieser Qualität überliefert ist.
Die Präsentation der restaurierten Maske markiert einen Höhepunkt für das Ägyptische Museum München, das damit nicht nur ein zentrales Exponat seiner Sammlung zurückgewinnt, sondern auch Einblicke in die hochentwickelten Techniken altägyptischer Handwerker bietet. Für Besucher wird die Maske ab sofort im Rahmen einer Sonderausstellung zugänglich sein – eine Gelegenheit, die Verbindung von Kunst, Religion und Todeskult im alten Ägypten hautnah zu erleben. Das Ägyptische Museum München unterstreicht mit diesem Projekt einmal mehr seine Rolle als bewahrende und vermittelnde Institution zwischen antiker Tradition und moderner Forschung.
Ein Schatz aus dem alten Ägypten kehrt zurück
Nach Jahrzehnten im Depot kehrt ein außergewöhnliches Zeugnis altägyptischer Handwerkskunst ins Rampenlicht zurück: eine 1.200 Jahre alte Mumienmaske aus Kartonage, die nun im Ägyptischen Museum München zu sehen ist. Das Stück stammt aus der Spätzeit (664–332 v. Chr.) und zeigt die typische Mischung aus ägyptischen und griechischen Stilelementen, die diese Epoche prägte. Besonders bemerkenswert ist die feine Bemalung mit Goldblatt-Applikationen, die trotz ihres Alters noch immer leuchtet.
Die Maske gehörte ursprünglich zu einer weiblichen Mumie aus dem Nildelta. Archäologen vermuten, dass sie für eine Frau aus der Oberschicht gefertigt wurde – ein Hinweis darauf sind die aufwendigen Verzierungen und die Verwendung von kostbarem Pigment. Laut Angaben des Museums ist sie eines von nur etwa 20 vergleichbaren Objekten weltweit, die in einem derart guten Erhaltungszustand überliefert sind.
Bevor das Stück wieder ausgestellt werden konnte, durchlief es eine aufwendige, zweijährige Restaurierung. Konservatoren entfernten vorsichtig jahrhundertelange Staubschichten und stabilisierten die brüchige Kartonage mit speziellen Klebstoffen. Besonders knifflig war die Behandlung der Goldauflagen, die bei falscher Handhabung unwiederbringlich beschädigt worden wären. Heute ist die Maske in einer klimatisierten Vitrine zu sehen, die optimale Bedingungen für ihren langfristigen Erhalt garantiert.
Besucher können das Exponat ab sofort in der Dauerausstellung des Museums bewundern – als Teil einer neu gestalteten Sektion zur Bestattungskultur des alten Ägypten. Die Maske wird dort gemeinsam mit anderen Grabbeigaben präsentiert, darunter ein Sarg aus derselben Epoche und mehrere Uschebti-Figuren. Wer genau hinschaut, erkennt auf der Rückseite sogar noch Spuren der ursprünglichen Leinenbinden, mit denen die Maske einst an der Mumie befestigt war.
Die aufwendige Restaurierung einer 1.200 Jahre alten Maske
Die Restaurierung der 1.200 Jahre alten Mumienmaske aus dem Ägyptischen Museum München war ein Projekt von ungewöhnlicher Komplexität. Über 18 Monate arbeiteten Spezialisten für antike Materialien an dem Stück, das aus vergoldetem Kartonage besteht – einem Verbundmaterial aus Leinen, Gips und Farbpigmenten. Besonders herausfordernd war der Zustand der Maske: Durch jahrhundertelange Lagerung unter wechselnden Klimabedingungen hatten sich Risse gebildet, während die Farbschichten an manchen Stellen bereits abblätterten.
Röntgenaufnahmen und mikroskopische Analysen offenbarten, dass die Maske ursprünglich mit einer dünnen Goldauflage versehen war, von der nur noch Fragmente erhalten sind. Konservatoren nutzten moderne Lasertechnologie, um die empfindlichen Pigmente zu stabilisieren, ohne die historische Substanz zu beschädigen. Laut Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege wurden bei der Restaurierung über 20 verschiedene Materialproben entnommen, um die genaue Zusammensetzung der Farbstoffe zu bestimmen.
Ein entscheidender Schritt war die Rekonstruktion der fehlenden Partien. Statt auf Replikate zu setzen, entschieden sich die Restauratoren für eine minimalinvasive Methode: Sie fixierten die losen Fragmente mit einem reversiblen Kleber auf Basis von Celluloseether, der bei Bedarf rückstandsfrei entfernt werden kann. Die Maske, die einst einer weiblichen Mumie aus der koptischen Periode zugeordnet wurde, zeigt nun wieder die ursprünglichen Gesichtszüge mit den charakteristischen Mandelaugen und dem fein gearbeiteten Kopfschmuck.
Besonders aufwendig gestaltete sich die Behandlung der Rückseite. Dort fanden sich Spuren von Insektenfraß, die behutsam mit einem speziellen Saugsystem entfernt wurden. Die gesamte Restaurierung folgte den Richtlinien der ICOM-CC (International Council of Museums – Committee for Conservation), die eine möglichst originale Erhaltung des Objekts vorschreiben.
Warum die Mumienmaske ein Meisterwerk der Spätantike ist
Die neu restaurierte Mumienmaske aus dem Ägyptischen Museum München entfaltet eine künstlerische Komplexität, die sie zu einem der bedeutendsten Zeugnisse spätantiker Handwerkskunst macht. Gefertigt aus Kartonage – einer Mischung aus Leinen, Papyrus und Gips – zeigt das Stück eine meisterhafte Verbindung ägyptischer Traditionen mit griechisch-römischen Einflüssen. Besonders auffällig sind die mandelförmigen Augen, deren Iris aus schwarzem und weißem Glas besteht, eine Technik, die in der 6. Dynastie entwickelt wurde, hier jedoch mit einer Präzision umgesetzt ist, die für die Zeit um 300 n. Chr. außergewöhnlich erscheint.
Archäologen betonen, dass weniger als 5 % der erhaltenen Mumienmasken dieser Epoche eine derart detaillierte Bemalung aufweisen. Die Farbpalette – von tiefem Lapislazuli-Blau bis zu zarten Ocker-Rottönen – wurde durch Pigmentanalysen bestätigt und belegt den Einsatz kostbarer Materialien, die sonst königlichen Grabbeigaben vorbehalten waren. Die symmetrische Anordnung der Gesichtszüge, kombiniert mit der individuellen Modellierung der Lippen und Wangenknochen, deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine serienmäßige Totenmaske handelte, sondern um ein aufwendig angefertigtes Unikat.
Besonders faszinierend ist die Integration symbolträchtiger Elemente: Die goldene Umrandung des Gesichts verweist auf den Sonnengott Ra, während die stilisierten Lockenperücke und der schmale Kinnbart Anubis, den Gott der Mumifizierung, ehren. Solche ikonografischen Details waren in der Spätantike selten so klar ausgeprägt, da sich die religiösen Vorstellungen durch den aufkommenden Christentum wandelten. Die Maske wirkt damit wie ein Brückenschlag zwischen altägyptischem Glauben und den Umbrüchen ihrer Zeit.
Restauratoren des Museums wiesen darauf hin, dass die Erhaltung der ursprünglichen Leuchtkraft der Farben auf eine ungewöhnlich stabile Lagerung zurückzuführen ist – vermutlich in einer trockenen Grabkammer mit konstantem Klima. Selbst die feinen Risse in der Gipsschicht, die bei der Restaurierung dokumentiert wurden, erzählen von der sorgfältigen Trocknungstechnik der Handwerker, die ein Zerbrechen des empfindlichen Materials verhindert hat.
Besucherinfos: Wann und wie die Maske zu sehen ist
Die restaurierte Mumienmaske aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. ist ab dem 15. Oktober im Ägyptischen Museum München zu sehen. Die Ausstellung „Gesichter der Ewigkeit“ präsentiert das 1.200 Jahre alte Meisterwerk als Höhepunkt im neu gestalteten Saal für Bestattungskultur. Besucher können die Maske dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr bewundern – montags bleibt das Haus geschlossen.
Wer die Maske in Ruhe studieren möchte, sollte die frühen Vormittagsstunden nutzen. Laut Museumsstatistiken aus dem Vorjahr besuchen durchschnittlich 30 Prozent weniger Gäste die Räume vor 11 Uhr. Besonders an Wochenenden empfiehlt sich ein Besuch in der ersten Öffnungsstunde, um Menschenmengen zu vermeiden.
Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kombitickets mit dem Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst sind für 12 Euro erhältlich. Audioguides in Deutsch und Englisch vertiefen die Hintergründe zur Maske – darunter ihre Herkunft aus dem Grab eines thebanischen Priesters und die aufwendige Restaurierung, die über 500 Arbeitsstunden umfasste. Die Texte basieren auf aktuellen Forschungsergebnissen ägyptischer Archäologen.
Für Schulklassen und Gruppen ab zehn Personen ist eine Voranmeldung Pflicht. Führungen zur Sonderausstellung können über die Museumswebsite gebucht werden. Barrierefreier Zugang ist über den Haupteingang an der Gabelsbergerstraße gewährleistet; ein Aufzug verbindet alle Ausstellungsbereiche.
Die Maske bleibt vorerst bis Ende März 2025 in München. Danach wird sie als Leihgabe an das Ägyptische Museum Berlin weiterreisen – eine seltene Gelegenheit, das Stück in Süddeutschland zu erleben.
Neue Einblicke in Münchens ägyptische Sammlung
Die ägyptische Sammlung des Münchner Museums zählt zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland – doch erst die jüngsten Forschungsprojekte offenbaren ihr volles Potenzial. Mit über 8.000 Objekten aus 5.000 Jahren Geschichte birgt die Sammlung Schätze, die weit über die bekannte Mumienmaske hinausgehen. Aktuelle Analysen zeigen etwa, dass rund 60 Prozent der Bestände aus dem Mittleren Reich (2055–1650 v. Chr.) stammen, eine Epoche, die bisher in europäischen Sammlungen unterrepräsentiert war.
Besonders aufschlussreich sind die Ergebnisse der materialtechnischen Untersuchungen. Durch Röntgenfluoreszenzanalysen und mikroskopische Untersuchungen konnten Restauratoren nachweisen, dass viele der scheinbar schlichten Holzfiguren ursprünglich mit farbigen Pigmenten verziert waren – Spuren, die das bloße Auge längst nicht mehr erkennt. Diese Erkenntnisse widerlegen die verbreitete Annahme, frühägyptische Kunst sei überwiegend monochrom gewesen.
Ein weiteres Highlight der Sammlung bleibt oft unbeachtet: die Papyrussammlung mit Verwaltungsdokumenten aus dem Neuen Reich. Die Texte, darunter Steuerlisten und Handelsverträge, geben Einblick in den Alltag der damaligen Gesellschaft. Ägyptologen der Ludwig-Maximilians-Universität betonen, dass solche Quellen selten außerhalb Ägyptens zu finden sind – ihre Präsenz in München macht die Sammlung zu einem wertvollen Forschungsstandort.
Die aktuelle Präsentation der restaurierten Mumienmaske lenkt den Blick auch auf weniger spektakuläre, aber wissenschaftlich ebenso relevante Objekte. Dazu gehören Keramikgefäße mit Hieroglyphen-Inschriften, die auf Handelsrouten zwischen Ober- und Unterägypten hinweisen, oder Amulette aus Fayence, die neue Erkenntnisse über religiöse Praktiken liefern. Jedes Stück erzählt ein eigenes Kapitel der ägyptischen Geschichte – und die Sammlung wächst weiter.
Die wiederhergestellte Mumienmaske aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. beweist einmal mehr, wie das Ägyptische Museum München nicht nur Schätze bewahrt, sondern sie durch moderne Restaurierungstechniken auch für zukünftige Generationen lebendig hält. Mit ihrer filigranen Handwerkskunst und den leuchtenden Farben bietet die Maske nun einen seltenen, unmittelbaren Einblick in die spätantike Kultur Ägyptens – weit über trockene Geschichtsbücher hinaus.
Wer die Ausstellungsstücke selbst erleben möchte, sollte den Besuch mit einer Führung verbinden: Die Experten des Museums erklären nicht nur die Symbolik hinter den Artefakten, sondern auch die Herausforderungen ihrer Konservierung. Solche Projekte zeigen, dass die Verbindung von Wissenschaft und öffentlicher Präsentation die Faszination für das alte Ägypten weiter wachsen lässt – und die nächste Entdeckung vielleicht schon in den Depots auf ihre Stunde wartet.

