Ein massiver Brand hat das Südbad München in der Nacht auf Dienstag schwer beschädigt. Über 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten waren stundenlang im Großeinsatz, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Der Rauch war kilometerweit sichtbar, die Löscharbeiten gestalteten sich aufgrund der komplexen Bauweise des Schwimmbads besonders aufwendig. Erste Schätzungen gehen von einem Sachschaden in Millionenhöhe aus.

Das Südbad München zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Freizeitorten der Stadt – ein Ort, an dem Generationen von Münchnern schwimmen lernten, Sportler trainierten und Familien ihre Wochenenden verbrachten. Der Brand trifft nicht nur die Betreiber, sondern auch tausende Stammgäste, die das Bad als festen Bestandteil ihres Alltags kannten. Noch ist unklar, wie lange die Sanierung dauern wird oder ob Teile des Gebäudes neu aufgebaut werden müssen.

Historisches Südbad: Münchens beliebtes Denkmal in Flammen

Das Südbad München war mehr als nur ein Schwimmbad – es galt als architektonisches Juwel der Stadt. Erbaut 1911 im Stil des Historismus, vereinte es prunkvolle Fassadenelemente mit moderner Badetechnik der damaligen Zeit. Besonders markant: die aufwendig gestaltete Kuppel über dem Hauptbecken, die seit über einem Jahrhundert das Stadtbild prägte. Fachleute der Denkmalschutzbehörde stuften das Gebäude als eines der letzten erhaltenen Beispiele für die aufwendige Badehausarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts in Süddeutschland ein.

Über die Jahrzehnte entwickelte sich das Südbad zu einem sozialen Treffpunkt. Generationen von Münchnern lernten hier schwimmen, Schulen nutzten es für den Unterricht, und die Saunalandschaft zog regelmäßig bis zu 200.000 Besucher jährlich an. Laut einer Studie des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege aus dem Jahr 2022 gehörte es zu den fünf meistfrequentierten historischen Bädern Deutschlands – trotz notwendiger Sanierungsrückstände.

Die Fassade aus gelbem Klinker, die aufwendigen Stuckverzierungen im Innenbereich und das original erhaltene Eingangsportal machten das Bad zu einem beliebten Motiv für Stadtführer und Fotografen. Besonders die Abendbeleuchtung, die die Kuppel in warmes Licht tauchte, zog regelmäßig Touristen an. Doch hinter der prächtigen Optik verbargen sich zunehmend technische Herausforderungen: Die Haustechnik stammte teilweise noch aus den 1960er-Jahren, was die Brandschutzanforderungen moderner Zeiten schwer erfüllbar machte.

Kulturfans und Anwohner hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, um das Bad vor dem Verfall zu retten. Eine Online-Petition für eine grundlegende Sanierung sammelte 2023 über 12.000 Unterschriften. Doch die Kosten – Experten schätzten sie auf mindestens 15 Millionen Euro – und die komplexe Denkmalschutzauflagen verzögerten konkrete Pläne.

Massiveinsatz der Feuerwehr mit 150 Kräften und Sondereinheiten

Mit einem Großaufgebot von über 150 Einsatzkräften und speziellen Einheiten kämpfte die Münchner Feuerwehr gestern gegen die Flammen im historischen Südbad. Der Brand brach gegen 16:30 Uhr aus und griff rasant auf das Dach und Teile der Innenräume über. Neben Löschzügen aus dem gesamten Stadtgebiet rückten auch die Höhenrettung, Tauchstaffeln und ein Großraumrettungswagen an – ein selten gesehenes Szenario bei Gebäudebränden in der Landeshauptstadt.

Besonders kritisch gestaltete sich die Lage durch die aufwendige Architektur des 1929 erbauten Bades. Die alten Holzkonstruktionen im Dachbereich und die enge Bebauung in der Thalkirchner Straße erschwerten den Zugang für die Feuerwehrleute. Laut Angaben der Berufsfeuerwehr München werden bei Bränden in denkmalgeschützten Gebäuden durchschnittlich 30 % mehr Ressourcen benötigt als bei modernen Bauten – ein Faktor, der hier deutlich spürbar war.

Die Einsatzleitung koordinierte die Kräfte über mehrere Stunden hinweg. Während Löschtrupps mit Atemschutzgeräten im Inneren des Gebäudes vorrückten, sicherten Spezialisten die umliegenden Straßen ab und evakuierten Anwohner in einem Radius von 100 Metern. Auch die Münchner Polizei unterstützte mit einer Großabsperrung, um Schaulustige fernzuhalten und die Zufahrtswege für die Einsatzfahrzeuge freizuhalten.

Erst gegen 21 Uhr konnte der Brand unter Kontrolle gebracht werden. Doch selbst dann blieb ein Teil der Einheiten vor Ort, um Glutnester zu überwachen und ein Wiederaufflammen zu verhindern. Die genauen Ursachen sind noch unklar – Brandermittler der Kriminalpolizei begannen noch in der Nacht mit ihren Untersuchungen.

Ursachenermittlung läuft – Brandherd im Technikbereich vermutet

Die Ermittlungen zur Ursache des verheerenden Brandes im Münchner Südbad laufen auf Hochtouren. Erste Erkenntnisse der Feuerwehr deuten darauf hin, dass der Brandherd im technischen Bereich des Gebäudes lag. Laut Angaben der Brandermittler könnte ein Defekt in der elektrischen Anlage oder eine Überhitzung von Geräten den Großbrand ausgelöst haben. Die genauen Umstände bleiben jedoch noch unklar – Proben und Spuren werden derzeit in Speziallaboren analysiert.

Besonders brisant: Das Südbad war erst 2020 umfassend saniert worden, inklusive der Haustechnik. Ob dabei Mängel oder unsachgemäße Installationen eine Rolle spielten, prüft nun die Staatsanwaltschaft München. Statistiken des Deutschen Feuerwehrverbandes zeigen, dass rund 30 Prozent aller Schwimmbadbrände auf technische Defekte in Heizungs-, Lüftungs- oder Elektroanlagen zurückzuführen sind – eine alarmierende Zahl, die die Ermittler in diesem Fall besonders sensibilisiert.

Die Komplexität der Untersuchungen wird durch die massive Zerstörung des Gebäudes erschwert. Der Technikraum, in dem der Brand vermutlich entstand, ist vollständig ausgebrannt. Brandspuren an Kabeln und Schaltanlagen müssen nun forensisch rekonstruiert werden, um Rückschlüsse auf die exakte Ursache zu ziehen.

Parallel dazu befragen die Ermittler Zeugen, darunter Bademeister und Besucher, die zum Zeitpunkt des Brandausbruchs vor Ort waren. Ihre Aussagen könnten entscheidend sein, um den zeitlichen Ablauf zu rekonstruieren – etwa ob es vor dem Feuer ungewöhnliche Geräusche, Gerüche oder technische Störungen gab.

Folgen für Anwohner: Sperrungen und Alternativen für Schwimmer

Die Schließung des Südbads trifft die Münchner Anwohner hart. Besonders betroffen sind die rund 1.200 Stammgäste, die das Bad wöchentlich nutzen – darunter viele Senioren, Familien und Schulklassen aus der Umgebung. Laut Angaben des Münchner Bäderbetriebs gehört das Südbad zu den meistbesuchten Hallenbädern der Stadt, mit durchschnittlich 400 Besuchern pro Tag. Für sie fällt nun nicht nur ein beliebter Freizeitort weg, sondern auch ein zentraler Treffpunkt im Stadtteil.

Als Sofortmaßnahme wurden alternative Schwimmzeiten in benachbarten Bädern wie dem Michaelibad oder dem Dantebad eingerichtet. Doch die Kapazitäten sind begrenzt: Während das Südbad über ein 25-Meter-Becken und ein separates Lehrschwimmbecken verfügte, müssen Nutzer nun mit kleineren Becken und eingeschränkten Öffnungszeiten Vorlieb nehmen.

Besonders problematisch wird die Situation für Schwimmvereine und Schulklassen. Mehrere Münchner Schulen hatten das Südbad als festen Bestandteil ihres Sportunterrichts eingeplant. Die Stadt prüft derzeit, ob Turnhallen mit mobilen Schwimmbecken als Notlösung dienen könnten – eine logistisch aufwendige und kostspielige Alternative.

Langfristig könnte der Brand sogar Auswirkungen auf die Gesundheitsvorsorge haben. Studien der Deutschen Gesellschaft für das Badwesen zeigen, dass regelmäßiges Schwimmen besonders für ältere Menschen und Kinder mit motorischen Einschränkungen essenziell ist. Mit dem Wegfall des Südbads fehlt nun eine wichtige Infrastruktur für physiotherapeutische Angebote und Reha-Sportgruppen in der Region.

Bis eine Lösung gefunden ist, bleibt den Anwohnern nur die Hoffnung auf einen zügigen Wiederaufbau. Die ersten Schätzungen gehen von einer Sperrung von mindestens sechs Monaten aus – für viele ein langer Zeitraum ohne ihr gewohntes Stück Alltag.

Wiederaufbaupläne: Wie die Stadt das Südbad retten will

Der Brand im Münchner Südbad hat nicht nur historische Bausubstanz zerstört, sondern auch eine Lücke im städtischen Freizeitangebot gerissen. Doch die Pläne für den Wiederaufbau sind bereits konkret: Wie das Baureferat mitteilte, soll das Bad bis 2026 in modernisierter Form wiedereröffnet werden – mit einer Investitionssumme von voraussichtlich 28 Millionen Euro. Priorität hat dabei die Wiederherstellung des denkmalgeschützten Jugendstil-Fassadenbereichs, während die Innenräume nach aktuellen energetischen und barrierefreien Standards neu gestaltet werden.

Experten für Denkmalschutz betonen, dass rund 60 Prozent der ursprünglichen Fassade gerettet werden konnten. Diese Teile sollen nun restauriert und in den Neubau integriert werden. Besonders herausfordernd wird dabei die Rekonstruktion der charakteristischen Kuppel über dem Schwimmbecken, deren Stahlträgerkonstruktion durch die Hitze stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Parallel zum architektonischen Wiederaufbau plant die Stadt eine temporäre Lösung. Ab Sommer 2025 könnte ein mobiles Hallenbad auf dem benachbarten Parkplatz entstehen, um die Versorgungslücke für die rund 120.000 jährlichen Besucher zu überbrücken. Die Kosten für diese Interimslösung werden auf etwa 3,5 Millionen Euro veranschlagt.

Langfristig soll das Südbad nicht nur als Schwimmstätte, sondern auch als sozialer Treffpunkt neu positioniert werden. Geplant sind ein Café mit Außenterrasse sowie multifunktionale Räume für Vereinsarbeit und Nachbarschaftsprojekte – eine Reaktion auf die gewachsene Bedeutung des Bades als zentraler Ort im Stadtteil.

Der Großbrand im Münchner Südbad zeigt einmal mehr, wie schnell historische Gebäude durch technische Defekte oder menschliches Versagen in Gefahr geraten—und welche immense Kraft in der Zusammenarbeit von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei steckt. Dass über 150 Einsatzkräfte den Brand innerhalb weniger Stunden unter Kontrolle brachten, unterstreicht die Professionalität der Münchner Hilfskräfte, doch der Totalschaden wirft Fragen nach präventivem Brandschutz und der Zukunft des denkmalgeschützten Baus auf.

Bis die Ursache vollständig geklärt ist, sollten Betreiber ähnlicher Einrichtungen dringend ihre Elektrik, Lüftungssysteme und Fluchtwege überprüfen lassen—gerade bei Altbauten mit komplexer Bausubstanz kann ein kleines Leck oder ein überlastetes Kabel verheerende Folgen haben. Die Stadt München steht nun vor der Herausforderung, das Südbad entweder originalgetreu wiederaufzubauen oder eine moderne Lösung zu finden, die den Charakter des traditionsreichen Schwimmbads bewahrt.