Ab Montag, 12. Juni, herrscht am Münchner Hauptbahnhof Ausnahmezustand: Die Gleise 5 bis 12 werden für mindestens eine Woche komplett gesperrt. Betroffen sind nicht nur Regionalzüge, sondern auch wichtige Fernverkehrsverbindungen wie ICE-Linien nach Berlin, Hamburg und Frankfurt. Die Deutsche Bahn rechnet mit massiven Einschränkungen – bis zu 150 Züge fallen täglich aus oder werden umgeleitet. Grund für die Sperrung sind dringende Sanierungsarbeiten an der Gleisinfrastruktur, die seit Jahren überfällig sind.

Für Pendler und Reisende bedeutet das Chaos an den Münchner Hbf Gleisen vor allem eines: Geduld und Flexibilität. Wer in den kommenden Tagen von oder nach München fahren will, muss mit Verspätungen, überfüllten Ersatzbussen und improvisierten Umstiegsrouten rechnen. Besonders kritisch wird die Situation in den Stoßzeiten, wenn sich Tausende Passagiere auf die verbleibenden Gleise 1 bis 4 und 13 bis 26 verteilen müssen. Die Bahn empfiehlt dringend, Fahrten umzubuchen oder auf alternative Verkehrsmittel auszuweichen. Doch selbst das könnte schwierig werden – denn auch die S-Bahn-Strecken rund um den Münchner Hbf sind durch Baustellen belastet.

Ursache der Sperrung: Bauarbeiten und Sanierungsstau

Die Sperrung der Gleise 5 bis 12 am Münchner Hauptbahnhof hat eine klare Ursache: jahrelanger Sanierungsstau trifft auf dringend notwendige Modernisierungsarbeiten. Laut einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums aus dem Vorjahr sind über 40 Prozent der deutschen Bahninfrastruktur älter als 30 Jahre – München bildet da keine Ausnahme. Die jetzt laufenden Bauarbeiten konzentrieren sich auf die Erneuerung von Weichen, Oberleitungen und Signaltechnik, die seit Jahrzehnten nur notdürftig instand gehalten wurde.

Besonders problematisch ist der Zustand der Gleisanlagen in diesem Abschnitt. Experten der Deutschen Bahn hatten bereits 2022 in einer internen Analyse auf „kritische Verschleißerscheinungen“ hingewiesen, die ohne grundlegende Sanierung zu häufigen Störungen und sogar Sicherheitsrisiken führen könnten. Die aktuellen Arbeiten umfassen nicht nur oberflächliche Reparaturen, sondern einen kompletten Austausch der Schienenunterkonstruktion auf einer Strecke von knapp 1,2 Kilometern.

Hinzu kommt der Zeitdruck. Weil der Bahnhof als zentraler Knotenpunkt im Fern- und Regionalverkehr keine längeren Vollsperrungen zulässt, müssen die Maßnahmen im Akkord durchgeführt werden. Die Bahn hat dafür extra ein 200-köpfiges Team aus Facharbeitern und Ingenieuren abgestellt, das rund um die Uhr im Schichtbetrieb arbeitet. Trotz der kurzfristigen Einschränkungen verspricht man sich langfristig eine deutliche Verbesserung der Pünktlichkeit – vor allem auf den stark frequentierten Strecken Richtung Salzburg und Stuttgart.

Kritiker monieren allerdings, dass die Sperrung hätte vermieden werden können, wenn die Mittel für die Instandhaltung rechtzeitig geflossen wären. Stattdessen wurde über Jahre hinweg gespart, während der Sanierungsbedarf stetig wuchs. Jetzt zahlt München den Preis: mit überfüllten Ersatzbussen, Umleitungen und tausenden Pendler:innen, die sich auf unbestimmte Zeit gedulden müssen.

Welche Züge betroffen sind – und wo sie jetzt halten

Die Sperrung der Gleise 5 bis 12 am Münchner Hauptbahnhof trifft vor allem den Regional- und Fernverkehr. Betroffen sind unter anderem alle Züge der Linien RB 88 (München–Rosenheim–Salzburg) und RE 5 (München–Mühldorf–Passau), die normalerweise über diese Gleise abfahren. Auch einige ICE- und EC-Verbindungen in Richtung Österreich und Osteuropa müssen umgeleitet werden, darunter die ICE 1142 (München–Wien) und der EC 170 (München–Budapest). Laut Angaben der Deutschen Bahn sind rund 40 Prozent des Regionalverkehrs in den Stoßzeiten von den Änderungen betroffen.

Statt auf den gewohnten Gleisen halten die betroffenen Züge nun überwiegend an den Gleisen 13 bis 16 sowie am Ostbahnhof als Ausweichstation. Besonders kritisch wird es für Pendler aus dem Südosten: Die S-Bahn-Linien S3 (Holzkirchen–Mammendorf) und S7 (Wolfratshausen–Kreuzstraße) enden vorerst am Ostbahnhof, wo zusätzliche Kapazitäten geschaffen wurden. Reisende müssen hier mit längeren Umsteigewegen und möglichen Verspätungen rechnen.

Für Fernreisende ändert sich die Situation je nach Verbindung. Die ICE-Züge in Richtung Nürnberg und Berlin starten nun von Gleis 1 oder 2, während die Nightjet-Verbindungen nach Italien auf Gleis 20 am Nordkopf des Bahnhofs verlegt wurden. Eisenbahn-Experten weisen darauf hin, dass solche kurzfristigen Umplanungen oft zu bis zu 20 Minuten zusätzlicher Wartezeit führen können – besonders in den Hauptverkehrszeiten zwischen 6 und 9 Uhr sowie 16 und 19 Uhr.

Wer unsicher ist, sollte die DB Navigator-App oder die digitalen Anzeigen am Bahnhof nutzen. Die Bahn hat zusätzliche Servicekräfte eingesetzt, um Reisende zu den neuen Abfahrtsorten zu lotsen. Dennoch bleibt die Lage unübersichtlich: Allein am Montagmorgen wurden bereits über 30 Zugausfälle gemeldet, die meisten davon im Regionalverkehr.

Umleitungen, Ersatzbusse, Verspätungen: Was Fahrgäste jetzt wissen müssen

Die Sperrung der Gleise 5 bis 12 am Münchner Hauptbahnhof trifft den Knotenpunkt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Laut Angaben der Deutschen Bahn nutzen täglich rund 450.000 Fahrgäste den Hauptbahnhof – viele von ihnen sind nun von Umleitungen, Ersatzverkehr oder Verspätungen betroffen. Besonders betroffen sind Regionalzüge der Linien RE/RB in Richtung Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim, die teilweise über alternative Halte wie München-Pasing oder München-Ost umgeleitet werden. Pendler sollten sich auf längere Fahrzeiten einstellen, da einige Verbindungen bis zu 30 Minuten später fahren.

Für Reisende, deren Züge komplett ausfallen, hat die Bahn Ersatzbusse eingerichtet. Die Busse verkehren zwischen dem Hauptbahnhof und den betroffenen Streckenabschnitten, wobei die Haltestellen direkt vor dem Hauptbahnhof (Nordseite) zu finden sind. Verkehrsexperten raten, sich vorab über die DB Navigator-App oder die digitalen Anzeigen am Bahnhof zu informieren, da sich kurzfristige Änderungen ergeben können.

Wer mit dem Fernverkehr unterwegs ist, bleibt von den Sperrungen weitgehend verschont – die ICE- und IC-Züge nutzen andere Gleise. Allerdings kann es durch den erhöhten Andrang auf den verbleibenden Gleisen zu Verzögerungen kommen. Die Bahn empfiehlt, frühzeitig am Bahnhof zu sein, um eventuelle Wartezeiten einzuplanen.

Fahrgastverbände kritisieren die kurzfristige Kommunikation der Bahn. Zwar wurden die Sperrungen angekündigt, doch konkrete Alternativrouten fehlten zunächst. Ein Sprecher des Bayerischen Fahrgastverbands merkte an, dass solche Großbaustellen besser in die Ferienzeit gelegt werden sollten, um den Berufsverkehr zu entlasten.

Wie die Deutsche Bahn die Chaos-Tage entschärfen will

Die Deutsche Bahn reagiert mit einem Maßnahmenpaket auf die Gleissperrungen am Münchner Hauptbahnhof – doch die Herausforderungen bleiben groß. Bis Montag sind die Gleise 5 bis 12 komplett außer Betrieb, was den Fern- und Regionalverkehr massiv beeinträchtigt. Um die Auswirkungen abzufedern, setzt der Konzern auf Echtzeit-Kommunikation: Über digitale Anzeigen, die DB Navigator-App und Social-Media-Kanäle werden Reisende minütlich über Verspätungen, Ausweichrouten und Ersatzbusse informiert. Laut internen Berechnungen der Bahn könnten bis zu 40.000 Fahrgäste täglich betroffen sein – eine Zahl, die selbst für den gut ausgebauten Münchner Knotenpunkt eine Ausnahmebelastung darstellt.

Technisch greift die Bahn auf bewährte Notfallpläne zurück. So werden Züge der ICE-Linien teilweise über die Gleise 20 bis 29 umgeleitet, die normalerweise für den Regionalverkehr reserviert sind. Für die S-Bahn, die besonders unter den Sperrungen leidet, kommen zusätzliche Ersatzbusse zwischen Hauptbahnhof und den Umlandstationen zum Einsatz. Kritisch wird es jedoch in den Stoßzeiten: Experten für Verkehrsmanagement warnen, dass selbst bei optimaler Koordination mit Engpässen von bis zu 90 Minuten zu rechnen ist.

Langfristig soll die Krise auch als Test für künftige Baustellen dienen. Die Bahn prüft derzeit, ob künstliche Intelligenz bei der dynamischen Gleisbelegung helfen kann – ein System, das in Frankfurt bereits im Probebetrieb läuft. Bis dahin bleibt München auf Improvisation angewiesen.

Langfristige Pläne: Wann die Gleise endlich modernisiert werden

Die anhaltenden Probleme an den Gleisen 5 bis 12 des Münchner Hauptbahnhofs sind kein Zufall, sondern Folge jahrzehntelanger Vernachlässigung. Laut einem Gutachten des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2022 sind über 40 Prozent der Weichen und Signalanlagen im Münchner Knoten „technisch überaltert und störanfällig“. Die aktuellen Sperrungen markieren dabei nur den Anfang einer langfristigen Sanierung, die sich über mindestens sieben Jahre erstrecken wird.

Erste konkrete Modernisierungsmaßnahmen sollen 2025 starten – vorerst aber nur an den Gleisen 1 bis 4. Die Deutsche Bahn plant hier den Einbau digitaler Stellwerke, die künftig Zugfahrten präziser steuern und Verspätungen reduzieren sollen. Für die Gleise 5 bis 12, die jetzt im Fokus stehen, ist der Baubeginn frühestens 2027 vorgesehen. Bis dahin müssen Pendler mit weiteren Einschränkungen rechnen, da die Infrastruktur kaum noch Spielraum für Notlösungen bietet.

Experten aus dem Bereich Verkehrsplanung warnen, dass die Verzögerungen nicht nur technische, sondern auch finanzielle Gründe haben. Die geschätzten Kosten für die Komplettsanierung des Hauptbahnhofs belaufen sich auf rund 1,2 Milliarden Euro. Da Haushaltsmittel des Bundes nur schrittweise freigegeben werden, zieht sich die Umsetzung in die Länge. Kritiker bemängeln, dass München als zentraler Verkehrsknotenpunkt im europäischen Schienennetz seit Jahren unterfinanziert bleibt – mit direkten Folgen für Millionen Fahrgäste.

Immerhin gibt es Licht am Horizont: Ab 2029 soll der Bahnhof schrittweise mit ETCS (European Train Control System) ausgerüstet werden, einem modernen Zugsicherungssystem, das bereits in anderen europäischen Ländern Standard ist. Bis dahin bleibt den Reisenden nichts anderes übrig, als sich auf anhaltende Baustellen und Umleitungen einzustellen.

Die Sperrung der Gleise 5 bis 12 am Münchner Hauptbahnhof wirft das Reisechaos nicht nur übers Wochenende, sondern bis Montag in den Berufsverkehr hinein—ein herber Dämpfer für Pendler, Touristen und die Deutsche Bahn, die ohnehin mit Verspätungen kämpft. Betroffen sind vor allem Fernverkehrszüge wie ICE- und EC-Verbindungen, deren Ausfälle oder Umleitungen jetzt kurzfristig geprüft werden müssen, während Regionalzüge teilweise auf Ersatzhalte an den Gleisen 1 bis 4 oder den Ostbahnhof ausweichen.

Wer in den nächsten Tagen von München aus starten oder ankommen will, sollte dringend die Live-Auskunft der Bahn nutzen, Pufferzeiten einplanen und bei Umstiegen besonders auf Anschlussgarantien achten—denn selbst Ersatzbusse können die kapazitätsmäßigen Engpässe kaum ausgleichen. Langfristig zeigt die Situation einmal mehr, wie anfällig der Knotenpunkt München für Störungen bleibt und wie dringend Investitionen in redundante Infrastruktur sind.