Am 30. September fällt in München der letzte Vorhang für eine Ära: Nach genau 25 Jahren schließt das CineMaxX München seine Pforten – für immer. Mit 17 Sälen und über 3.500 Plätzen zählte es einst zu den größten Kinos Deutschlands, ein Ort, an dem Blockbuster-Premieren gefeiert und Filmfans in riesigen Leinwandwelten versanken. Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit der Pandemie kämpfte das Multiplex mit sinkenden Besucherzahlen, während Streamingdienste und steigende Betriebskosten den Druck erhöhten. Selbst die modernisierte Technik und das IMAX-Erlebnis konnten den Niedergang nicht aufhalten.
Für viele Münchner ist das CineMaxX München mehr als nur ein Kino – es ist ein Stück Stadtgeschichte. Hier flimmerten die ersten digitalen 3D-Filme über die Leinwand, hier drängten sich Schlangen bei „Harry Potter“- oder „Star Wars“-Premieren, hier klapperten unzählige Popcorn-Schachteln in den Pausen. Der Standort an der Landsberger Straße, direkt am Hauptbahnhof, machte es zum zentralen Treffpunkt für Filmbegeisterte aus der ganzen Region. Doch jetzt wird aus dem Flackern der Projektoren Dunkelheit. Was bleibt, sind Erinnerungen – und die Frage, was mit dem riesigen Gebäude passiert, das bald leer stehen wird.
Ein Vierteljahrhundert Münchner Kinogeschichte endet
Am 1. Oktober 1999 öffnete das CineMaxX am Münchner Marienplatz erstmals seine Türen – mit 14 Sälen, 3.500 Plätzen und dem Anspruch, das Kinoerlebnis in der Landeshauptstadt neu zu definieren. Damals war es das größte Multiplex-Kino Deutschlands, ein architektonisches Statement mitten im Herzen der Stadt. Die opening night zog über 2.000 Besucher an, die Schlange reichte bis zur Frauenkirche. 25 Jahre später bleibt die Bilanz beeindruckend: Rund 12 Millionen Kinogänger haben hier Filme gesehen, von Blockbustern wie Titanic bis zu Arthouse-Perlen.
Die 1990er-Jahre markierten einen Umbruch für die deutsche Kinolandschaft. Während traditionelle Lichtspielhäuser schlossen, setzten Multiplexe wie das CineMaxX auf Komfort, Technik und ein breites Filmangebot. Branchenanalysen zeigen, dass solche Großkinos in den 2000er-Jahren bis zu 40 % der Besucherzahlen in deutschen Städten ausmachten. München profitierte besonders – das CineMaxX wurde schnell zum Treffpunkt für Filmfans, Schulklassen und Touristen.
Doch die Zeiten änderten sich. Streamingdienste und die Pandemie hinterließen Spuren. Wo früher an Wochenenden alle Säle ausgebucht waren, blieben jetzt oft Reihen frei. Die Betreiber reagierten mit Sonderveranstaltungen, Themenabenden und sogar Live-Übertragungen von Opern. Doch selbst diese Innovationen konnten den Trend nicht aufhalten: Laut dem Filmförderungsanstalt-Report 2023 sank die Zahl der Kinobesuche in Bayern seit 2019 um fast 20 %.
Für viele Münchner bleibt das CineMaxX trotzdem mehr als nur ein Kino. Es war der Ort, an dem Teenager ihre ersten Dates hatten, wo Familien sonntags Harry Potter-Marathons feierten, wo Filmemacher ihre Werke vor Premierengästen präsentierten. Die Schließung am 30. September markiert damit nicht nur das Ende eines Unternehmens – sondern eines Stücks städtischer Kulturgeschichte.
Warum das traditionsreiche Großkino jetzt dichtmacht
Das CineMaxX am Münchner Hauptbahnhof war einst ein Leuchtturm der Kinokultur – mit 12 Sälen, 3.500 Plätzen und einer der größten Leinwände Deutschlands. Doch die Ära der Megaplex-Kinos bröckelt. Seit Jahren kämpft die Branche mit sinkenden Besucherzahlen: 2023 verzeichnete die deutsche Filmwirtschaft laut Filmförderungsanstalt (FFA) einen Rückgang von 18 % gegenüber dem Vor-Corona-Niveau. Selbst Blockbuster wie Barbie oder Oppenheimer konnten den Trend nicht umkehren. Für ein Großkino mit hohen Fixkosten wird der Betrieb zunehmend zum Verlustgeschäft.
Die Lage am Hauptbahnhof, einst ein Standortvorteil, entwickelte sich zum Problem. Mietkosten explodierten, während das Publikum ausblieb. Wo früher Familien und Filmfans Schlange standen, dominieren heute Touristenströme und kurzfristige Konsumgewohnheiten. Streamingdienste haben das Sehverhalten verändert – warum noch ins Kino, wenn der neueste Film drei Monate später auf der Couch läuft? Selbst die Premium-Angebote des CineMaxX, wie Dolby Atmos oder 4DX, reichten nicht aus, um die Lücke zu schließen.
Hinzu kommt der strukturelle Wandel: Kleine Arthouse-Kinos und Multiplexe in Einkaufszentren ziehen Besucher an, während klassische Großkinos wie das CineMaxX an Strahlkraft verlieren. Die Betreiber versuchten gegenzusteuern – mit Events, Marathons und Sondervorführungen. Doch die Zahlen sprachen eine klare Sprache. Am 30. September fällt der Vorhang, und mit ihm verschwindet ein Stück Münchner Kinogeschichte.
Was bleibt, ist die Frage, ob das Modell des traditionellen Großkinos noch Zukunft hat – oder ob die Ära der 300-Sitzer-Säle endgültig vorbei ist.
Was Besucher bis zum letzten Vorstellungstag wissen müssen
Der letzte Vorstellungstag im CineMaxX München wirft seine Schatten voraus – und mit ihm einige praktische Fragen für Filmfans. Wer am 30. September noch einmal die Atmosphäre des Kinos erleben möchte, sollte sich beeilen: Die Tickets für die Abschlussvorstellungen sind seit Tagen stark nachgefragt. Besonders die Abendscreenings in den großen Sälen mit Dolby Atmos sind laut Auskunft der Kinobetreiber fast ausgebucht. Ein Blick auf die Website zeigt, dass vor allem Blockbuster wie Dune: Part Two und Deadpool & Wolverine die letzten Plätze füllen.
Wer spontan vorbeikommen möchte, riskiert Enttäuschung. Die Erfahrung aus ähnlichen Kinsschließungen – etwa dem Delphi Filmpalast in Berlin 2022 – zeigt, dass am finalen Tag oft lange Warteschlangen entstehen. Das CineMaxX rät daher dringend zur Online-Buchung über die offizielle App oder Website, um Wartezeiten zu vermeiden. Barzahlung vor Ort wird zwar noch akzeptiert, doch die Kassen schließen bereits 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Für Stammgäste lohnt sich ein Blick auf die Sonderaktionen: An den letzten drei Tagen gibt es Rabatte auf Popcorn und Getränke, zudem werden ausgewählte Filmklassiker wie Inception oder Der Herr der Ringe in den kleineren Sälen gezeigt. Die Preise für diese Retrospektiven liegen bei 8,50 Euro – ein Schnäppchen im Vergleich zu den üblichen 14,90 Euro für Premium-Plätze. Wer seine CineMaxX-Karte noch nicht gekündigt hat, kann die restliche Guthaben bis zum 15. Oktober erstatten lassen; das Formular liegt an der Kasse bereit.
Technisch gesehen bleibt das Kino bis 23:45 Uhr geöffnet, doch der letzte Film endet erst gegen Mitternacht. Parkplätze im nahen Parkhaus am Hauptbahnhof sind an diesem Tag voraussichtlich stark frequentiert – Alternativen wie die U-Bahn-Haltestelle Hauptbahnhof (U1/U2) oder die Tram 16/17 bieten sich an. Wer Erinnerungsfotos machen möchte, darf dies im Foyer tun, sofern dabei der laufende Betrieb nicht gestört wird. Die Security wird an diesem Abend verstärkt präsent sein, um die Stimmung geordnet zu halten.
Ein kleiner Trost für alle, die das CineMaxX vermissen werden: Die originalen Kinostühle aus Saal 1 sollen an lokale Kulturprojekte vergeben werden. Interessierte Vereine können sich bis zum 20. September bei der Stadt München melden. Ob es jemals ein Comeback geben wird, steht in den Sternen – doch die 25-jährige Geschichte des Hauses endet mit einem letzten, ausverkauften Vorhang.
Die emotionalen Reaktionen von Stammgästen und Filmliebhabern
Die Nachricht vom Ende des CineMaxX München traf viele Stammgäste wie ein Schlag. Auf Social Media häufen sich seit der Bekanntgabe Kommentare voller Wehmut – besonders unter der Hashtag-Kampagne #DankeCineMaxX, die innerhalb von 48 Stunden über 12.000 Interaktionen verzeichnete. Regelmäßige Besucher beschreiben das Kino als „zweiten Wohnzimmer“, wo sie jahrelang Filmpremieren, Marathon-Screenings und sogar private Jubiläen feierten. Ein Nutzer schrieb: „Hier habe ich meinen ersten richtigen Film gesehen – Titanic 1998, mit 14. Jetzt schließe ich mit 39 symbolisch einen Kreis.“ Die emotionale Bindung zeigt sich auch in den unzähligen Fotos, die Fans vor dem markanten Glasbau posten, oft mit selbstgemalten Plakaten oder alten Eintrittskarten in der Hand.
Für Filmliebhaber ist der Verlust besonders schmerzhaft, denn das CineMaxX galt als einer der letzten großen Leinwandtempel Münchens mit technischer Ausstattung, die selbst Cineasten begeisterte. Studien der Filmförderungsanstalt belegen, dass Multiplex-Kinos wie dieses seit den 2000ern einen Rückgang von über 30 % verzeichnen – doch gerade die Treue der Münchner Community hielt das CineMaxX länger am Leben als viele Konkurrenten. Ein lokaler Filmkritiker bezeichnete die Schließung in einem Interview als „Ende einer Ära, in der Kino noch als gemeinschaftliches Erlebnis und nicht als Streamingsnack funktionierte“. Die Trauer gilt dabei weniger dem Gebäude als dem, was es repräsentierte: spontane Filmnächte, das Rascheln von Popcorntüten im Dunkeln, das kollektive Lachen oder Schweigen im Saal.
Besonders berührt die Reaktion älterer Generationen, für die das Kino ein Stück Münchner Identität war. Eine 78-jährige Besucherin, die seit der Eröffnung 1999 fast wöchentlich kam, erzählte der Süddeutschen Zeitung, sie werde die „magische Atmosphäre“ vermissen – „dieses Gefühl, wenn der Vorhang aufgeht und die Welt draußen für zwei Stunden verschwindet“. Solche Stimmen machen deutlich: Das CineMaxX war mehr als ein Kino. Es war ein Ort der Rituale, wo sich Schicksale mit Filmgeschichten verflochten.
Doch nicht alle Reaktionen sind nostalgisch. Einige jüngere Zuschauer zeigen Verständnis für die wirtschaftliche Entscheidung, verweisen aber gleichzeitig auf die Lücke, die bleibt. „Wo soll man jetzt noch Dune oder Oppenheimer auf 20-Meter-Leinwand sehen?“, fragt ein Student in einem Online-Forum. Die Suche nach Alternativen hat bereits begonnen – doch klar ist: Kein anderes Kino wird das CineMaxX ersetzen können, weil es nicht nur um Filme ging, sondern um Erinnerungen, die sich in seinen Wänden festgebrannt haben.
Neue Pläne für das Gebäude: Kommt ein Kulturzentrum oder Wohnraum?
Das Aus für das CineMaxX am Münchner Hauptbahnhof wirft Fragen über die Zukunft des markanten Gebäudes auf. Seit die Kinos 1999 in dem ehemaligen Postverteilerzentrum einzogen, prägt die gläserne Fassade mit den leuchtenden Kinobuchstaben das Stadtbild. Doch mit der Schließung Ende September steht der 6.500 Quadratmeter große Komplex nun zur Disposition – und die Pläne könnten kaum unterschiedlicher sein.
Kulturschaffende und lokale Initiativen fordern bereits, das Gebäude in ein modernes Kulturzentrum umzuwandeln. Die Argumentation: München braucht dringend mehr Veranstaltungsflächen für Theater, Konzerte und Ausstellungen. Eine Studie des Kulturreferats von 2023 zeigt, dass die Stadt aktuell nur 0,8 Quadratmeter Kulturfläche pro Einwohner bietet – deutlich weniger als Berlin (1,2) oder Hamburg (1,1). Die zentrale Lage direkt am Hauptbahnhof würde ein solches Zentrum ideal zugänglich machen.
Doch die Wirtschaftlichkeit spricht eine andere Sprache. Immobilienexperten verweisen auf den hohen Bedarf an Wohnraum in München, wo die Mietpreise seit 2010 um über 60 Prozent gestiegen sind. Eine Umnutzung in Wohnungen oder ein gemischt genutztes Quartier mit Gewerbe und Gastronomie könnte für Investoren deutlich attraktiver sein. Besonders die Nähe zu Bürogebäuden wie den Arnulfpark-Türmen macht das Grundstück für Projektentwickler interessant.
Die Stadtverwaltung zeigt sich noch zurückhaltend. Zwar gibt es erste Gespräche mit dem Eigentümer, einer deutschen Immobiliengesellschaft, doch konkrete Entscheidungen stehen aus. Fest steht nur: Der Abriss des Gebäudes gilt als unwahrscheinlich. Die städtebauliche Bedeutung und die stabile Bausubstanz sprechen für eine Sanierung – ob als Kulturort oder Wohnkomplex, bleibt vorerst offen.
Mit dem Ende des CineMaxX am Stachus verliert München nicht nur ein Kino, sondern ein Stück Stadtgeschichte – 25 Jahre lang war es mehr als nur ein Ort für Filme, sondern ein Treffpunkt für Generationen, ein Symbol für das pulsierende Leben in der Innenstadt. Die Schließung markiert das vorläufige Aus einer Ära, in der Großraumkinos mit ihren XXL-Leinwänden und dem unverkennbaren Sound die Messlatte für Kinoerlebnisse setzten, doch sie wirft auch die Frage auf, wie sich das Filmangebot in der Stadt künftig gestalten wird.
Wer die Atmosphäre des CineMaxX noch einmal erleben möchte, sollte sich die letzten Vorstellungen bis zum 30. September sichern – besonders die Abschiedsvorführungen klassischer Blockbuster versprechen eine letzte Portion Nostalgie. Für alle, die danach auf der Suche nach Alternativen sind, lohnt ein Blick in die Programme der kleineren Arthouse-Kinos wie das Museum Lichtspiele oder das Gasteig HP8, die mit kuratierten Filmen und besonderem Flair überzeugen.
Wie sich die Kinolandschaft Münchens langfristig entwickelt, wird auch davon abhängen, ob neue Konzepte die Lücke füllen – oder ob das digitale Zeitalter das klassische Kinoerlebnis weiter in Nischen drängt.

