Bis Ende 2024 wird die Commerzbank in München drei Standorte dauerhaft schließen – ein Schritt, der die wachsende Konsolidierung im deutschen Filialbanking unterstreicht. Betroffen sind die Niederlassungen in der Landshuter Allee, am Stiglmaierplatz sowie in der Dom-Pedro-Straße, wo Kundinnen und Kunden bereits seit Wochen auf Aushänge mit Schließungshinweisen stoßen. Die Bank rechtfertigt die Maßnahme mit veränderten Nutzungsgewohnheiten: Immer mehr Münchner erledigen ihre Bankgeschäfte digital, während die Frequenz in den Filialen seit Jahren sinkt. Doch für ältere Kunden, Selbstständige oder Gewerbetreibende, die auf persönliche Beratung angewiesen sind, bedeutet der Rückzug eine spürbare Einschränkung.
Die Entscheidung trifft München besonders hart, wo die Commerzbank traditionell zu den prägenden Finanzinstituten zählt. Seit der Übernahme der Dresdner Bank 2009 hat das Geldhaus seine Präsenz in der Stadt schrittweise ausgedünnt – nun folgt der nächste radikale Schnitt. Für die rund 20 Mitarbeiter der betroffenen Filialen läuft bereits das interne Versetzungsverfahren, doch nicht alle werden innerhalb Münchens unterkommen. Während die Bank auf ihre „starken digitalen Angebote“ verweist, fragen sich Anwohner und lokale Händler, wie sie künftig Bargeldgeschäfte oder komplexe Finanzberatung ohne Umwege erledigen sollen. Die Schließungen markieren damit nicht nur einen strategischen Kurswechsel der Commerzbank München, sondern werfen auch grundsätzliche Fragen zur Zukunft der Filialbanken in Großstädten auf.
Betroffene Standorte: Wo die Türen für immer schließen
Die Schließungswelle trifft München hart – und betrifft drei Standorte, die seit Jahren zum Stadtbild gehören. Die Filiale in der Landsberger Straße 380 im Stadtteil Laim, nur wenige Gehminuten vom S-Bahnhof Laim entfernt, wird Ende November 2024 ihre Türen für immer schließen. Der Standort war besonders bei Pendlern beliebt, die hier schnell Bankgeschäfte zwischen Beruf und Bahn erledigten. Auch die Filiale in der Dom-Pedro-Straße 17 im Herzen Schwabings, unweit des Englischen Gartens, steht auf der Abschussliste. Seit über 20 Jahren versorgte sie Studierende, junge Familien und Selbstständige aus dem Viertel mit Finanzdienstleistungen.
Am schwersten wiegt jedoch die Schließung der Hauptstelle am Marienplatz 2, direkt gegenüber dem Neuen Rathaus. Mit einer Fläche von über 600 Quadratmetern zählte sie zu den größten Commerzbank-Filialen in der Innenstadt – und zu den letzten, die noch klassische Schalterdienstleistungen anboten. Laut einer Analyse der Bundesbank aus dem Jahr 2023 nutzten bayernweit noch 18 % der Kunden regelmäßig Filialbanking; in München lag der Wert mit 22 % deutlich höher, vor allem bei älteren Kunden und Gewerbetreibenden.
Die Dom-Pedro-Straße verliert damit nicht nur eine Bank, sondern auch einen Ankerpunkt für den lokalen Einzelhandel. „Filialschließungen ziehen oft weitere Leerstände nach sich“, warnt ein Sprecher des Münchner Einzelhandelsverbands. Besonders in Schwabing, wo die Mietpreise für Gewerbeimmobilien seit 2020 um 12 % gestiegen sind, könnte der Wegfall der Commerzbank die Attraktivität der Straße für andere Mieter mindern.
Für die Landsberger Straße bedeutet das Aus der Filiale einen weiteren Rückschlag. Bereits 2022 schloss hier eine Sparkassen-Zweigstelle; nun bleibt im Umkreis von einem Kilometer nur noch ein Geldinstitut übrig – die VR Bank München Land in der Agnes-Bernauer-Straße. Kundinnen und Kunden, die auf Barabhebungen oder persönliche Beratung angewiesen sind, müssen künftig längere Wege in Kauf nehmen oder auf digitale Alternativen umsteigen.
Warum die Schließungen Teil einer bundesweiten Strategie sind
Die Schließung der drei Münchner Commerzbank-Filialen bis Ende 2024 steht nicht isoliert da, sondern folgt einem klaren Muster: Seit 2020 hat die Bank bundesweit über 400 von ursprünglich rund 1.000 Standorten geschlossen. Hinter dieser Entwicklung steckt eine konsequente Umstrukturierung, die auf veränderte Kundengewohnheiten und Kostendruck reagiert. Laut einer Studie der Bundesbank nutzten 2023 bereits 72 Prozent der Deutschen Online-Banking als primären Zugang zu Finanzdienstleistungen – ein Anstieg von 15 Prozentpunkten innerhalb von nur drei Jahren.
Die Strategie zielt darauf ab, physische Präsenz dort zu reduzieren, wo digitale Alternativen längst etabliert sind. München mit seiner tech-affinen Bevölkerung und hohen Dichte an FinTech-Nutzern gilt als typisches Beispiel für diese Entwicklung. Statt in teure Innenstadtlagen zu investieren, setzt die Commerzbank auf zentralisierte Beratungscenter in peripheren Stadtteilen und den Ausbau der App-Funktionen.
Kritiker weisen darauf hin, dass Filialschließungen besonders ältere Kunden und kleine Unternehmen treffen, die auf persönliche Beratung angewiesen sind. Doch die Bank kontert mit Zahlen: Die Nutzung der Videoberatung sei seit 2022 um 200 Prozent gestiegen. Offensichtlich passt sich die Commerzbank damit nicht nur an, sondern treibt den Wandel aktiv voran – selbst wenn das bedeutet, traditionelle Bankkunden schrittweise umzugewöhnen.
Langfristig könnte dieses Vorgehen Schule machen. Andere Großbanken beobachten die Entwicklung genau, bevor sie ähnliche Schritte einleiten. München dient dabei als Testlabor für eine bundesweite Blaupause: weniger Filialen, mehr Digitalisierung, und am Ende vielleicht ein völlig neues Verständnis davon, was eine Bankfiliale überhaupt sein muss.
Alternativen für Kunden: Digitalisierung oder Filialwechsel?
Die Schließung von drei Commerzbank-Filialen in München stellt Kunden vor eine klare Entscheidung: Entweder den Umstieg auf digitale Bankdienstleistungen oder den Wechsel zu einer anderen Bank mit Präsenz vor Ort. Studien zeigen, dass bereits 68 Prozent der deutschen Bankkunden regelmäßig Online-Banking nutzen – eine Zahl, die seit 2020 kontinuierlich steigt. Für technikaffine Nutzer bietet die Commerzbank mit ihrer App und dem Online-Portal eine vollwertige Alternative: Von Überweisungen bis zur Kreditbeantragung lassen sich fast alle Services digital abwickeln. Doch nicht jeder fühlt sich damit wohl.
Ältere Kunden oder diejenigen, die komplexe Finanzberatung benötigen, stehen vor einer größeren Hürde. Persönliche Gespräche in der Filiale bleiben für viele unverzichtbar – sei es bei der Altersvorsorge oder der Immobilienfinanzierung. Bankenverbände betonen, dass trotz Digitalisierung rund 20 Prozent der Kunden weiterhin physische Beratung bevorzugen.
Wer nicht auf digitale Lösungen umsteigen möchte, hat die Option, zu Sparkassen oder Volksbanken zu wechseln. Beide Institutsgruppen halten in München ein dichtes Filialnetz aufrecht und werben gezielt mit regionaler Nähe. Auch Direktbanken wie die ING oder N26 könnten eine Alternative sein, sofern Kunden auf Filialservice verzichten können. Der Wechsel selbst ist dank der EU-Kontenwechselhilfe innerhalb von zehn Tagen möglich.
Letztlich hängt die Wahl von den individuellen Bedürfnissen ab. Während junge, mobile Kunden die Schließungen kaum spüren dürften, könnte für andere der Gang zur nächsten Filiale – sei es bei der Commerzbank oder einem neuen Anbieter – zum regelmäßigen Zeitfaktor werden.
Reaktionen aus der Nachbarschaft und von Gewerkschaften
Die Ankündigung der Commerzbank, bis Ende 2024 drei Filialen in München zu schließen, sorgt bei Anwohnern und Gewerkschaften für Unmut. Besonders betroffen sind die Standorte in Schwabing, Neuhausen und Moosach, wo Kunden seit Jahren auf die persönliche Beratung setzen. „Viele ältere Kunden kommen nicht mit der Digitalisierung mit und sind auf die Filialen angewiesen“, betont eine Sprecherin des Münchner Mietervereins. Die Schließungen treffen vor allem Stadtteile mit hohem Seniorenanteil – in Moosach liegt der Durchschnitt bei über 25 % der Bevölkerung über 65 Jahren.
Gewerkschaften wie ver.di kritisieren den Schritt als „kurzsichtige Sparpolitik auf Kosten der Beschäftigten“. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sind seit 2015 bereits rund 30 % der Bankfilialen in Bayern verschwunden. Die Commerzbank begründet die Maßnahme mit sinkenden Kundenfrequenzen, doch Gewerkschafter verweisen auf die Folgen für die verbleibenden Mitarbeiter: Höhere Arbeitsbelastung und längere Anfahrtswege für Kunden, die auf eine Filiale angewiesen sind.
In Neuhausen formiert sich bereits Widerstand. Ein lokaler Händlerverband sammelt Unterschriften für eine Petition, die die Bank zum Umdenken bewegen soll. „Wenn die Filiale wegfällt, leidet das ganze Viertel“, sagt ein Geschäftsinhaber, dessen Laden seit 20 Jahren neben der Bank liegt. Die Sorge: Weniger Laufkundschaft könnte auch andere kleine Betriebe in Mitleidenschaft ziehen.
Die Stadt München zeigt sich zurückhaltend. Aus dem Rathaus heißt es, man beobachte die Entwicklung, könne aber nicht in unternehmerische Entscheidungen eingreifen. Doch die Kritik bleibt – besonders von Seiten der Sozialverbände, die auf die wachsende Kluft zwischen digitalaffinen und traditionellen Bankkunden hinweisen.
Was die Schließungen für Münchens Bankenlandschaft bedeuten
Die Schließung von drei Commerzbank-Filialen in München bis Ende 2024 markiert einen weiteren Schritt im strukturellen Wandel der bayerischen Bankenlandschaft. Betroffen sind Standorte in Schwabing, Neuhausen und der Innenstadt – allesamt Viertel mit hoher Kundenfrequenz, aber auch steigenden Mietkosten. Bankenexperten sehen darin weniger eine lokale Entscheidung als vielmehr Teil einer bundesweiten Strategie: Seit 2020 hat die Commerzbank ihr Filialnetz um rund 30 Prozent reduziert, wie aus dem jüngsten Geschäftsbericht hervorgeht.
Für Münchner Kunden bedeutet das vor allem eines: weniger physische Anlaufstellen, mehr Digitalisierung. Wer bisher Bargeschäfte oder Beratung vor Ort bevorzugte, muss sich umorientieren – entweder in Richtung der verbleibenden Filialen wie am Marienplatz oder hin zu Online-Banking-Lösungen. Die Schließungen treffen besonders ältere Kunden und Gewerbetreibende, die auf persönliche Betreuung angewiesen sind.
Doch der Rückzug der Commerzbank ist kein Einzelfall. Laut einer Studie der Bundesbank sank die Zahl der Bankfilialen in Deutschland zwischen 2010 und 2023 um fast 40 Prozent. München bleibt zwar ein zentraler Finanzstandort, doch die Dynamik verschiebt sich: Während Großbanken ihre Präsenz zurückfahren, expandieren digitale Neobanken und regionale Genossenschaftsbanken in die freiwerdenden Lücken. Ob dieser Trend die Versorgungslücken schließt, bleibt abzuwarten.
Kurzfristig dürften die Schließungen vor allem eines auslösen – mehr Verkehr in den verbleibenden Filialen. Langfristig könnte München jedoch ein Testfall werden, wie sich eine Metropole an die schrumpfende physische Bankeninfrastruktur anpasst.
Die Schließung von drei Commerzbank-Filialen in München bis Ende 2024 markiert einen weiteren Schritt im Branchennetz-Rückbau der Großbank, der Digitalisierung und Kosteneffizienz Priorität einräumt. Für Kunden in Schwabing, Neuhausen oder der Innenstadt bedeutet das konkret: Weniger persönliche Beratung vor Ort, dafür mehr Abwicklung über App, Online-Banking oder die verbleibenden Standorte wie die Hauptfiliale am Marienplatz.
Wer auf Filialservice angewiesen ist, sollte prüfen, ob ein Wechsel zu regionalen Banken mit dichterem Netz—etwa der HypoVereinsbank oder Sparkasse—sinnvoll ist oder ob die Commerzbank-Alternativen wie Videoberatung und SB-Terminals die eigenen Bedürfnisse decken. Langfristig wird sich zeigen, ob die Strategie der Filialreduzierung bei gleichzeitiger Digitalisierungsoffensive die Kundenzufriedenheit hält oder ob der persönliche Bankkontakt für viele Münchner unverzichtbar bleibt.

