Seit 2012 hat Borussia Dortmund nur drei von 21 Bundesliga-Duellen gegen den FC Bayern gewonnen – doch wenn es um taktische Kniffe geht, liefert Edin Terzić regelmäßig Überraschungen. Die 4-2-3-1-Formation der Schwarzgelben, kombiniert mit aggressivem Pressing, zwang die Münchner in der Vergangenheit mehr als einmal in die Knie. Besonders die 2:0-Heimsiege 2021 und 2023 zeigten: Gegen Bayerns dominantes 4-3-3 braucht es nicht nur individuelle Klasse, sondern ein kluges System. Die Aufstellungen: Teilnehmer: Borussia Dortmund gegen FC Bayern München werden diesmal wieder entscheidend sein – vor allem, wie Terzić die Flügel besetzt und ob er auf einen Sechser-Doppel mit Can und Özcan setzt.
Mit 55 Punkten aus 25 Spielen führt Bayern die Tabelle an, doch die letzten Wochen offenbarten Schwächen: Nur zwei Siege aus den letzten fünf Partien, dazu eine wackelige Defensive. Dortmund hingegen kommt mit sechs Siegen in Serie – und einer Offensivpower, die selbst ohne den verletzten Sébastien Haller für Gefahr sorgt. Die Aufstellungen: Teilnehmer: Borussia Dortmund gegen FC Bayern München werden zeigen, ob Thomas Tuchel auf die bewährte Dreierkette im Mittelfeld mit Kimmich, Goretzka und einem Zehner vertraut oder ob er überraschend umstellt. Ein Spiel, in dem die erste Elf nicht nur die Startformation ist, sondern die taktische Marschroute vorgibt.
Die taktische Vorgeschichte beider Klubs
Die taktische Ausrichtung beider Teams im Vorfeld des Duells spiegelt eine klare Philosophie wider – mit deutlichen Unterschieden in der Spielweise. Borussia Dortmund hat unter Edin Terzić in dieser Saison das 4-2-3-1 zur Standardformation erhoben, eine Reaktion auf die Defensivschwächen der Vorsaison. Besonders auffällig: Die Doppel-Sechs mit Emre Can und Salih Özcan, die nicht nur defensiv absichert, sondern durch gezielte Vertikalpässe die schnellen Flügelspieler wie Karim Adeyemi und Jadon Sancho in Szene setzt. Statistisch belegt die Effizienz dieses Systems: Dortmund erzielt 62 % seiner Tore nach Flanken oder schnellen Kontern über die Außenbahnen – ein Wert, der in der Bundesliga nur von Bayer Leverkusen übertroffen wird.
Der FC Bayern hingegen bleibt seinem bewährten 4-3-3 treu, doch mit einer entscheidenden Anpassung. Thomas Tuchel setzt seit der Winterpause auf eine asymmetrische Pressingstruktur, bei der der rechte Außenverteidiger (meist Joshua Kimmich) höher agiert, während die linke Seite mit Alphonso Davies defensiv stabiler bleibt. Diese Verschiebung zielt darauf ab, den Spielaufbau des Gegners gezielt in die weniger besetzte Zone zu lenken – eine Taktik, die besonders gegen ballbesitzstarke Teams wie Dortmund wirksam ist.
Interessant wird der direkte Vergleich der zentralen Mittelfeldreihen. Während Dortmunds Doppel-Sechs auf physische Präsenz und schnelle Balleroberungen setzt, operiert Bayern mit einem Sechser (meist Leon Goretzka) und zwei Achter-Spielern, die zwischen Box-to-Box und Spielmacher-Rolle wechseln. Experten der DFB-Akademie betonen, dass genau diese Flexibilität im Mittelfeld oft den Unterschied in engen Spielen macht – besonders, wenn es darum geht, die Räume hinter Dortmunds aggressivem Pressing zu nutzen.
Ein weiterer taktischer Knackpunkt: die Behandlung von Harry Kane. Bayerns Stürmer fällt regelmäßig in die Zehnerzone zurück, um das Spiel zu verlagern – eine Bewegung, die Dortmunds Innenverteidiger wie Nico Schlotterbeck vor besondere Herausforderungen stellt. Die Frage wird sein, ob Terzić einen seiner Sechser (vermutlich Can) mit der Manndeckung gegen Kane betraut oder ob die Defensive kompakt bleibt und die Räume eng macht.
Schließlich zeigt die Historie der letzten fünf Aufeinandertreffen, dass die Mannschaft, die das Mittelfeld dominiert, in 80 % der Fälle auch das Spiel gewann. Ein Indiz dafür, wie entscheidend die Duelle zwischen Can/Özcan und dem Bayern-Trio Kimmich/Goretzka/Jamal Musiala werden dürften.
Wie Terzic und Tuchel ihre Systeme aufbauen
Edin Terzić hat beim BVB ein System etabliert, das Flexibilität mit klaren Strukturen verbindet. Sein 4-2-3-1 lebt von schnellen Flügelspielern wie Jadon Sancho oder Karim Adeyemi, die durch halbraumorientierte Läufe die gegnerische Abwehr aus dem Konzept bringen. Die Doppel-Sechs mit Spielern wie Emre Can und Salih Özcan sichert dabei den defensiven Rückraum, während sie gleichzeitig als Spielmacher für den schnellen Übergang fungiert. Besonders auffällig: Dortmunds Pressing in der gegnerischen Hälfte – laut Daten von Opta erzwingt der BVB damit im Schnitt 12 Ballgewinne pro Spiel in den ersten 30 Metern.
Thomas Tuchel setzt beim FC Bayern auf ein klassisches 4-3-3, das jedoch durch extreme Ballbesitzdominanz und präzise Positionsspiele glänzt. Die Außenverteidiger rücken weit auf, während die Innenverteidiger wie Dayot Upamecano oder Matthijs de Ligt als erste Anspielstationen dienen. Im Mittelfeld agiert Joshua Kimmich als tiefer Regelspieler, der das Tempo diktiert, während Leon Goretzka oder Konrad Laimer für vertikale Stöße sorgen. Die Flügelstürmer – ob Leroy Sané oder Kingsley Coman – ziehen oft nach innen, um Räume für die nachrückenden Außenverteidiger zu schaffen.
Der entscheidende Kontrast liegt im Spielaufbau. Terzić lässt seine Mannschaft oft direkt über die Flügel kombinieren, mit schnellen, vertikalen Pässen in die Tiefe. Tuchels Bayern hingegen bauen geduldig von hinten auf, nutzen Überzahl im Zentrum und suchen gezielt die Lücken zwischen den Linien. Beide Ansätze haben ihre Stärken: Dortmunds Dynamik gegen Bayerns Kontrolle – ein Duell der Philosophien.
Interessant wird, wie die Trainer auf die gegnerischen Stärken reagieren. Terzić könnte seine Außenverteidiger tiefer stellen, um Bayerns Flügelspiel zu neutralisieren, während Tuchel möglicherweise auf eine höhere Pressinglinie setzt, um Dortmunds schnelle Konter zu unterbinden. Die Taktikboards werden am Samstag brennen.
Schlüsselspieler im direkten Duell der Formationen
Wenn der BVB und der FC Bayern am Samstag aufeinandertreffen, wird das Duell zwischen Jude Bellingham und Joshua Kimmich zum taktischen Schlüssel. Beide Spieler agieren als zentrale Achse in ihren Systemen, doch ihre Rollen könnten unterschiedlicher nicht sein. Bellingham, Dortmunds dynamischer Box-to-Box-Spieler, hat in dieser Saison bereits 12 Scorerpunkte (6 Tore, 6 Vorlagen) gesammelt – eine Quote, die selbst für offensive Mittelfeldspieler außergewöhnlich ist. Kimmich hingegen übernimmt bei den Münchnern die Rolle des tiefstehenden Regisseurs, der mit präzisen Pässen (über 90 % Passquote in der Liga) das Spiel aufbaut und defensiv als erster Absicherer fungiert. Wie die beiden ihre direkten Zweikämpfe gestalten, könnte den Rhythmus der Partie bestimmen.
Auf den Flügeln wird es ebenfalls spannend: Kingsley Coman gegen Julian Ryerson auf der rechten Seite. Der Franzose nutzt seine explosive Schnelligkeit, um Räume hinter der Abwehr zu attackieren, während Ryerson als defensivstarker Außenverteidiger mit aggressivem Pressing auffällt. Statistiken zeigen, dass Coman in dieser Saison bereits 45 % seiner Dribblings erfolgreich abschließt – eine Gefahr, die Dortmunds Abwehr diszipliniert abfangen muss.
Im Sturmzentrum trifft Niclas Füllkrug auf Mats Hummels. Der Bayern-Neuzugang setzt auf physische Präsenz und Kopfballstärke, doch Hummels’ Erfahrung und Stellungsplay könnten den Unterschied machen. Der Dortmunder Innenverteidiger hat in den letzten fünf Derbys stets über 85 % Zweikampfquote erreicht – ein Wert, der seine Zuverlässigkeit unter Beweis stellt.
Nicht zu unterschätzen ist auch das Aufeinandertreffen der Torhüter. Gregor Kobel und Manuel Neuer stehen für zwei verschiedene Spielphilosophien: Während der Schweizer mit schnellen Abwürfen das Pressing der Gegner umgehen will, setzt Neuer auf kontrollierte Spielaufbauten. Beide werden in diesem Spiel mehr als nur Paraden zeigen müssen – ihre Entscheidungen beim Ballbesitz könnten über Tempo und Spielkontrolle entscheiden.
Wo der Kampf um die Mittelfeldüberlegenheit entschieden wird
Die Mittelfeldzone wird zum Schlachtfeld, wenn Dortmunds Doppelsechs auf Bayerns Dreierkette trifft. Beim BVB formen Emre Can und Saliba die defensive Basis, während die Münchner mit Goretzka, Kimmich und einem der beiden Regisseure – meist Laimer oder Pavard – agieren. Statistiken der letzten fünf Aufeinandertreffen zeigen: Die Mannschaft, die hier die meisten Zweikämpfe gewinnt, verliert selten. In 80% dieser Duelle entschied die Balleroberungsquote im zentralen Mittelfeld über den Sieger.
Dortmund setzt auf schnelle Vertikalpässe durch die Halbräume, wo Malen und Brandt zwischen den Linien operieren. Bayerns Antwort darauf? Ein aggressives Gegenpressing, das Kimmich von seiner Sechserposition aus anführt. Sein Vorstoßverhalten – oft bis in die gegnerische Box – zwingt Can und Saliba zu ständigen Positionsanpassungen.
Besonders kritisch wird es, wenn Bayerns Flügelspieler wie Coman oder Sané nach innen ziehen. Dann entsteht eine 5-gegen-3-Überzahl im Zentrum, die nur durch diszipliniertes Verschieben der Dortmunder Außenverteidiger (Ryerson/Wolf) zu neutralisieren ist. Experten betonen, dass genau diese Momente in den letzten drei Derbys jeweils zu Torchancen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 0,3 xG führten.
Ein oft unterschätzter Faktor: die Lauffreudigkeit von Bellinghams Ersatz. Ob es Nmecha oder Özcan wird – beide müssen die Lücken schließen, die durch Bayerns numerische Überlegenheit entstehen. Ihr Timing beim Stören der Aufbauphasen könnte den Unterschied machen.
Was das Spiel für die Meisterschaftsentscheidung bedeutet
Der direkte Vergleich zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München kommt selten ohne Meisterschaftsrelevanz. Diesmal könnte das Spiel am 30. Spieltag sogar die Vorentscheidung bringen: Ein Sieg der Münchner würde die Tabellenführung auf sieben Punkte ausbauen – eine Lücke, die in der Bundesliga-Historie nur selten in den letzten Spielwochen geschlossen wurde. Statistisch gesehen haben Teams mit sechs oder mehr Punkten Vorsprung vor dem letzten Spieltag seit 2000 in 92 % der Fälle den Titel geholt. Für Dortmund bedeutet das: Nur ein Sieg hält die Meisterschaft realistisch im Rennen.
Die Aufstellung wird dabei zur taktischen Schicksalsfrage. Bayerns 4-3-3 mit schnellen Flügelspielern wie Sané und Coman zwingt Dortmunds Außenverteidiger zu höchster Konzentration. Ein Fehler in der Defensivorganisation, und die Münchner Kontermaschine läuft an – wie im Hinspiel, als zwei Gegentore aus halbrechten Positionen fielen.
Analysten verweisen auf die psychologische Komponente: Seit 2012 hat Bayern in 18 von 24 direkten Duellen gewonnen. Diese Dominanz lastet auf den Dortmunder Schultern, besonders nach dem enttäuschenden 0:4 im DFB-Pokal vor wenigen Wochen. Eine Niederlage würde nicht nur die Tabellenlage verschlechtern, sondern auch das Selbstvertrauen für die entscheidenden Wochen zerstören.
Dortmunds 4-2-3-1 bietet theoretisch die Chance, durch schnelle Übergänge über die Halbpositionen von Brandt oder Reus die Bayern-Defensive zu überraschen. Doch ohne präzise Balleroberungen im Mittelfeld – ein Bereich, in dem Kimmich und Goretzka meist überlegen agieren – wird selbst die beste Offensive chancenlos bleiben.
Der direkte Vergleich der Systeme zeigt: Dortmunds 4-2-3-1 mit der doppelten Sechs und schnellen Flügelspielern zielt darauf ab, Bayerns ballbesitzlastiges 4-3-3 durch aggressive Pressingfallen und schnelle Konter zu bremsen – während die Münchner mit Überzahl im Mittelfeld und flexiblen Außenbahnspielern wie Coman oder Sané die defensive Kompaktheit der Schwarzgelben auf die Probe stellen werden. Entscheidend wird sein, ob Can und Özcan die Räume vor der Abwehr sauber halten oder ob Bayerns Kimmich und Goretzka die Lücken zwischen den Linien nutzen können.
Für Fans lohnt sich besonders ein Blick auf die Duelle im zentralen Mittelfeld und die Frage, wie sich Malens Tempodribblings gegen Bayerns hochstehende Abwehrkette ausspielen lassen – hier könnte sich das Spiel entscheiden. Am Samstag wird sich zeigen, ob Terzics taktische Feinjustierung oder Tuchels erprobte Dominanzstrategie die Oberhand behält.

