Mit einem 4:2-Erfolg vor 12.000 begeisterten Zuschauern hat der Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg am Freitagabend im heimischen Arena Nürnberg das heiß erwartete Eishockey-Derby gegen den EHC Red Bull München für sich entschieden. Die Franken dominierten von Beginn an, setzten die Münchner mit aggressivem Forechecking unter Druck und nutzten ihre Chancen eiskalt – ein Spiel, das nicht nur sportlich, sondern auch emotional die Erwartungen übertraf. Besonders die dritte Periode, in der Nürnberg mit zwei Treffern in weniger als drei Minuten den Sack zuschlug, wird noch lange in Erinnerung bleiben.
Das Duell zwischen Nürnberg und München ist längst mehr als nur ein normales Ligaspiel: Es ist der Klassiker der Deutschen Eishockey Liga, geprägt von Rivalität, Leidenschaft und zwei der lautstärksten Fanlager des Landes. Während die Münchner als Titelanwärter und finanziell bestens ausgestatteter Club in die Saison gingen, bewiesen die Ice Tigers einmal mehr, dass Herz und Kampfgeist oft den Unterschied machen. Für die Fans an der Pegnitz war der Sieg nicht nur ein sportlicher Erfolg, sondern ein Statement – und ein klares Zeichen, dass die Bayern in dieser Saison nicht ungeschlagen durch Frankenland ziehen werden.
Ein Derby mit langer Tradition
Seit über 60 Jahren elektrisiert das Eishockey-Derby zwischen dem Nürnberg Ice Tigers und dem EHC Red Bull München die Fans. Die Rivalität zwischen den beiden bayerischen Metropolen reicht bis in die 1950er-Jahre zurück, als die Teams noch unter anderen Namen in der Oberliga aufeinandertrafen. Damals war es der EV Nürnberg gegen den SC Riessersee, doch die Leidenschaft blieb – selbst als sich Vereine umstrukturierten und Ligen wechselten.
Besonders in den 1990er-Jahren entwickelte sich die Fehde zu einem echten Kultduell. Mit dem Aufstieg des Eishockeys in Deutschland und der Gründung der DEL 1994 wurde die Begegnung zum jährlichen Höhepunkt. Statistisch gesehen gehört die Partie zu den am häufigsten ausverkauften Spielen der Liga: Seit 2010 verzeichneten 85 Prozent der Derbys in Nürnberg oder München eine Auslastung von über 95 Prozent – ein Beleg für die ungebrochene Faszination.
Eishockey-Experten betonen, dass die geografische Nähe und die unterschiedliche Vereinsphilosophie die Rivalität befeuern. Während München mit finanzieller Stärke und internationaler Ausrichtung glänzt, setzt Nürnberg auf regionale Identität und Nachwuchsarbeit. Diese Gegensätze spiegeln sich auch in den Spielstilen wider: die Münchner oft mit schnellem Transition-Hockey, die Nürnberger mit körperbetonter Defensivarbeit.
Die Fans tragen ihren Teil bei. Die Ultras des „Block Nord“ in Nürnberg und die „Red Angels“ in München sorgen für eine Atmosphäre, die selbst in der NHL ihresgleichen sucht. Choreografien, Pyrotechnik und Gesänge begleiten jedes Derby – und machen es zu mehr als nur einem Sportwettkampf.
Packendes Spiel: Nürnberg dominiert die Münchner
Die Thomas Sabo Ice Tigers zeigten gegen den EHC Red Bull München eine Leistung, die Fans noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Von der ersten Minute an kontrollierte Nürnberg das Tempo, zwang die Münchner mit aggressivem Forechecking in die Defensive. Besonders die dritte Reihe um die beiden Stürmer mit den Trikotnummern 17 und 22 überzeugte durch präzise Pässe und körperbetontes Spiel – ein Musterbeispiel für modernes Eishockey.
Statistisch unterstrich die Dominanz der Franken: Mit 38:24 Torwürfen und einer Ballbesitzquote von 58% in den ersten beiden Dritteln ließ Nürnberg den favorisierten Gast kaum zu Spielentfaltung kommen. Selbst in Unterzahl agierte die Mannschaft von Trainer Greg Poss diszipliniert, blockte Schüsse und konterte blitzschnell. Ein Detail, das Eishockey-Analysten später als entscheidend herausstellten.
Der 2:0-Führungstreffer durch einen sehenswerten Konter über die blaue Linie war dabei nur der Höhepunkt einer starken Teamleistung. Die Abwehr um den erfahrenen Verteidigungschef stand wie ein Bollwerk, während Torhüter Mirko Pantkowski mit mehreren Reflexparaden in kritischen Momenten die Führung sicherte. München wirkte dagegen oft ideenlos, fand kaum Lücken in der kompakt stehenden Nürnberger Defensive.
Besonders die Powerplay-Situationen nutzte Nürnberg effizient: Zwei der vier Tore fielen in Überzahl – ein Beweis für die präzise Vorbereitung auf die Münchner Penalty-Killing-Strategie. Die Arena brodelte, als die Ice Tigers mit schnellen Pässen die gegnerische Abwehr aushebelte und die Scheibe immer wieder gefährlich vor das Tor brachte.
Die Schlüsselmomente der 4:2-Niederlage
Der erste Dämpfer kam früh: Nach nur 2:17 Minuten nutzte München eine Unaufmerksamkeit in der Nürnberger Defensive, als ein schneller Konter über die rechte Seite zum 0:1 führte. Die Arena erstarrte für einen Moment, doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Mit einem präzisen Schuss aus dem Slot glich Thomas Sabo Ice Tigers bereits in der 7. Minute aus – ein typisches Beispiel für die schnellen Wechsel in diesem Derby.
Das Spiel kippte im Mitteldrittel. Zwei Strafzeiten innerhalb von 90 Sekunden brachten München in Überzahl, und die Gäste machten gnadenlos Druck. Ein Abpraller vor dem Tor landete auf dem Schläger eines Münchner Stürmers, der eiskalt zum 1:2 einschob. Statistiken zeigen, dass die Ice Tigers in dieser Saison nur 68% der Unterzahl-Situationen ohne Gegentor überstehen – eine Schwachstelle, die hier teuer wurde.
Doch Nürnberg bewies Moral. Ein kraftvoller Check an der Bande löste einen schnellen Angriff aus, den der Topscorer der Liga mit einem Handgelenkschuss unter die Latte vollendete. 2:2 – die Halle tobte. Die Dynamik schien nun auf Seiten der Hausherren, doch ein individueller Fehler in der 38. Minute ermöglichte München die erneute Führung.
Im Schlussabschnitt kontrollierten die Ice Tigers das Spiel, fanden aber keine Lücken mehr. Ein letzter Powerplay-Versuch in den letzten 90 Sekunden scheiterte an der kompakten Münchner Abwehr. Die 4:2-Niederlage war damit besiegelt, doch die Leistung – besonders in den Phasen mit vollem Kader – gab Anlass zur Hoffnung für die kommenden Spiele.
Fankultur: 12.000 Zuschauer heizen die Stimmung an
Die Arena Nürnberg bebte am Freitagabend wie seit Jahren nicht mehr. 12.000 Fans verwandelten das Eishockey-Derby gegen den Erzrivalen aus München in ein Spektakel, das weit über den Sport hinausging. Schon Stunden vor dem Anpfiff füllten sich die Ränge mit schwarz-gelbem Meer, während die Münchner Anhänger in ihren blauen Trikots eine kompakte, aber laute Enklave bildeten. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als die Nürnberger Fans im zweiten Drittel synchron den Club-Hymne skandierten – eine Choreografie, die selbst langjährige DEL-Beobachter als „außergewöhnlich koordiniert“ bezeichneten.
Besonders auffällig war die kreative Unterstützung der Heimfans. Neben den klassischen Gesängen prägten riesige Transparente und Pyrotechnik-Effekte das Bild. Ein 20 Meter breites Banner mit der Aufschrift „Mia san mia – und ihr?“ hing über der Nordkurve, während die Münchner mit ironischem Applaus reagierten. Laut einer Analyse der DEL-Fanstatistik lag die durchschnittliche Lautstärke während des Spiels bei 98 Dezibel – vergleichbar mit einem Rockkonzert.
Die Atmosphäre blieb bis zur Schlussminute elektrisch. Jeder Zweikampf, jeder Schuss auf das Tor wurde von den Rängen kommentiert, als ginge es um den Meistertitel. Selbst die Schiedsrichter-Entscheidungen lösten kollektive Reaktionen aus: Bei einer umstrittenen Strafe gegen Nürnberg brandete Buhrufe auf, die selbst die Lautsprecherdurchsagen übertönten. Die Münchner Fans konterten mit ihrem traditionellen „Oans, zwoa, g’suffa“-Gesang, der jedoch im Nürnberger Klangteppich unterging.
Am Ende war es nicht nur der 4:2-Sieg, der die Fans begeisterte, sondern die Gewissheit, dass dieses Derby die Messlatte für künftige Begegnungen höher legte. Die Sicherheitskräfte registrierten trotz der emotionalen Spannung kaum Vorfälle – ein Beweis dafür, wie sehr die Rivalität auf dem Eis bleibt, während die Fankultur beide Vereine eint.
Was bedeutet der Sieg für die Tabellensituation?
Der 4:2-Erfolg der Nürnberg Ice Tigers gegen den EHC Red Bull München bringt Bewegung in die obere Tabellenhälfte der DEL. Mit den drei Punkten klettern die Franken auf Platz 5 und verdrängen die Münchner damit erstmals seit Wochen aus den Top 5. Besonders bitter für die Gäste: Die Niederlage war die dritte in den letzten fünf Spielen – eine Serie, die Trainer Don Jackson nun unterbrechen muss, will der Meister nicht den Anschluss an die Play-off-Plätze riskieren.
Statistisch unterstreicht der Sieg Nürnbergs Trendwende. Vor dem Derby hatten die Ice Tigers in den direkten Duellen gegen München seit 2021 nur zwei von zehn Spielen gewonnen. Der klare Auftritt vor heimischem Publikum (12.000 Zuschauer in der Arena Nürnberg) könnte daher psychologisch wirken – nicht nur für die Tabelle, sondern auch für die Moral im Team.
Für München bedeutet die Niederlage vor allem eines: Die Verfolgung der Spitzenteams wird schwieriger. Mit 52 Punkten liegen die Red Bulls nun sechs Zähler hinter dem Tabellenführer Adler Mannheim. DEL-Experten weisen darauf hin, dass die kommenden Spiele gegen Bremerhaven und Köln nun zur Pflicht werden, um den Druck auf die Top 4 aufrechtzuerhalten. Die Offensive, sonst eine Bank, blieb gegen Nürnberg mit nur 23 Torwürfen unter ihren Möglichkeiten.
Nürnbergs Trainer Todd Hlushko kann dagegen zufrieden sein. Sein Team nutzte die Chance, sich im Kampf um die Play-off-Ränge zu positionieren – und das gegen den amtierenden Meister. Sollten die Ice Tigers diese Konstanz halten, könnte die Saison noch einmal spannend werden.
Der 4:2-Sieg der Nürnberg Ice Tigers gegen die Münchner EHC Red Bulls war mehr als nur drei Punkte – er bewies, dass die Franken auch gegen den finanziell übermächtigen Rekordmeister mit Leidenschaft, Disziplin und cleverem Konterhockey bestehen können. Vor 12.000 begeisterten Fans in der Arena Nürnberg zeigte sich einmal mehr: Derbys leben von dieser emotionalen Ladung, die selbst taktische Defizite oder individuelle Patzer in den Hintergrund drängt.
Wer das nächste Mal Tickets für das Rückspiel in München ergattern will, sollte früh buchen – die Nachfrage nach dieser Rivalität steigt mit jedem packenden Duell. Und die Liga kann sich freuen: Wenn die Teams so weiter kämpfen, wird die DEL auch sportlich wieder zum Gesprächsthema jenseits der Play-off-Phasen.
Die Saison ist lang, doch dieser Abend hat eine klare Botschaft gesendet – in Bayern entscheidet nicht immer das Budget, sondern der Wille.

