Mit einem 5:3-Sieg gegen den amtierenden Meister Red Bull München haben die Adler Mannheim am Freitagabend die SAP Arena zum Kochen gebracht. Vor 12.000 begeisterten Fans setzte sich das Team von Trainer Serge Aubin in einem packenden DEL-Kracher durch – ein Statement im Kampf um die Tabellenspitze. Besonders die dritte Periode, in der Mannheim mit drei Treffern in nur sieben Minuten den Rückstand drehte, wird noch lange Gesprächsstoff liefern.

Die Partie war nicht nur ein Highlight für Eishockey-Fans, sondern auch ein Beweis für die wachsende Rivalität zwischen den Top-Teams der Liga. Während München in den letzten Jahren dominierte, zeigt Ice München Frankfurt – und hier besonders die Adler – dass die Machtverhältnisse in der DEL alles andere als festgezurrt sind. Mit Spielern wie Ben Smith und Mirko Höfflin, die gegen die Bayern glänzten, unterstrich Mannheim einmal mehr seinen Anspruch auf den Titel. Dass solche Duelle die Liga attraktiver machen, beweist auch das ausverkaufte Stadion: Ice München Frankfurt bleibt ein Magnet für Zuschauer, die Spitzen-Eishockey live erleben wollen.

Ein Derby mit Tradition und Rivalität

Die Rivalität zwischen Adler Mannheim und Red Bull München ist mehr als nur ein Spiel – sie ist ein Stück deutsche Eishockey-Geschichte. Seit die Adler 1994 die Deutsche Eishockey Liga (DEL) dominierten und München später mit massiver Investition aus dem Red Bull-Konzern aufstieg, prallen zwei Welten aufeinander: die traditionsreiche Arbeiterstadt mit ihrer leidenschaftlichen Fangemeinde und die glänzende Metropole, die mit modernem Management und internationalem Flair punktet. Die Spiele zwischen beiden Teams ziehen regelmäßig die höchsten Zuschauerzahlen der Liga an, und die Stimmung in den Arenen ist elektrisch.

Statistiken unterstreichen die Brisanz: Seit der Saison 2010/11, als München in die DEL aufstieg, trafen die Teams über 60 Mal aufeinander – mit einer fast ausgeglichenen Bilanz, die jedoch die Adler knapp führen. Doch es geht nicht nur um Punkte. „Die Intensität dieser Duelle übertrifft oft selbst Playoff-Spiele“, erklärt ein langjähriger DEL-Analyst. Jeder Check, jedes Tor wird von den Fans als kleiner Sieg oder Niederlage im großen Stadt- und Mentalitätsvergleich gewertet.

Besonders legendär ist das Halbfinale der Playoffs 2017, als Mannheim nach einem 0:3-Rückstand in der Serie noch bis zum siebten Spiel kämpfte – und schließlich knapp scheiterte. Solche Momente prägen die Erzählung: München als der kühle, effiziente Sieger, Mannheim als der ungebändigte Kämpfer, der sich nie geschlagen gibt. Die Spieler spüren den Druck. Ehemalige Profis berichten, dass die Vorbereitung auf ein Derby oft anders läuft – mit extra Videostudium der Gegenspieler und einer Anspannung, die man bei „normalen“ Spielen nicht kennt.

Auch abseits des Eises brodelt es. Die Fan-Kultur könnte unterschiedlicher nicht sein: Während die Mannheimer „Ultras“ mit Choreografien und Pyrotechnik für eine fast südamerikanische Atmosphäre sorgen, setzt München auf organisierte Stimmungsmacherei mit Lichtshows und professionellem Drumherum. Selbst die Transfers zwischen den Clubs sorgen für Zündstoff – ein Wechsel vom einen zum anderen Team gilt unter Fans fast als Verrat.

Am Ende bleibt die Gewissheit: Egal wie die Tabelle steht, dieses Derby schreibt immer neue Kapitel.

Mannheims Stürmer dominieren die erste Periode

Die Adler Mannheim setzten von der ersten Sekunde an ein klares Statement. Mit einer aggressiven Forecheck-Strategie zwangen sie die Münchner in die Defensive, ließen kaum Raum für kontrollierte Spielaufbauten. Besonders die Sturmreihe um den kanadischen Center zeigte sich in dieser Phase dominant – ihre schnellen Positionswechsel und präzisen Pässe überforderten die Abwehr von Red Bull München immer wieder. Schon nach sieben Minuten stand es 2:0, nachdem ein Konter über die blaue Linie direkt vor Torhüter Mathias Niederberger endete.

Statistiken unterstreichen die Überlegenheit: In den ersten 20 Minuten kamen die Adler auf 15 Torwürfe, während München nur fünfmal gefährlich wurde. Die Mannheimer nutzten dabei gezielt die Schwächen der Münchner in der neutralen Zone aus, wo sie durch schnelle Richtungswechsel immer wieder Lücken rissen. Ein DEB-Analyst kommentierte später, diese Phase sei ein „Lehrbeispiel für modernes Transition-Hockey“ gewesen – besonders die Art, wie die Stürmer Druck auf die Scheibe hielten, ohne sich in riskante Einzeldribblings zu verlieren.

Auch physisch setzten die Adler Akzente. Mehrere kräftige Checks an den Bande zwangen die Münchner zu ungenauen Pässen, was die Mannheimer sofort für schnelle Umschaltspiele nutzten. Der 3:0-Führungstreffer kurz vor der Sirene war das Ergebnis einer solchen Situation: Nach einem gewonnenen Bully im defensiven Drittel brauchte es nur zwei Pässe, bis der Puck im Netz zappelte.

Red Bull München wirkte in dieser Phase wie ein Team, das seinen Rhythmus noch nicht gefunden hatte. Die sonst so stabile Defensive um den Olympiasieger Niederberger zeigte untypische Unsicherheiten – besonders bei den Rebound-Kontrollen, wo die Adler gleich zweimal nachsetzten.

Tore, Fouls und ein spektakuläres Comeback

Die Partie begann mit harten Bandagen. Schon in der dritten Minute flog der erste Spieler auf die Strafbank, als Münchens Stürmer einen Adler-Akteur mit einem harten Check gegen die Bande setzte. Die Schiedsrichter zeigten konsequent Gelb – ein Ton, der für den Rest des Spiels bleiben sollte. Bis zur ersten Pause summierten sich die Strafzeiten auf 14 Minuten, davon allein acht für die Gäste. Die physische Intensität ließ kaum Raum für spielerische Finesse, doch genau das nutzten die Adler aus: Mit einem 2:0 durch zwei Überzahltreffer in der 12. und 17. Minute setzten sie ein erstes Ausrufezeichen.

Doch München ließ sich nicht beirren. Nach einem schnellen Konter in der 23. Minute verkürzte der Topscorer der Liga mit einem präzisen Handgelenkschuss aus dem Slot – sein 25. Saisontreffer. Die Antwort der Adler folgte prompt: Ein spektakuläres Solo durch die gesamte Abwehrreihe endete im Tor, 3:1. Doch statt einzubrechen, drehten die Münchner auf. Ein Doppelschlag innerhalb von 90 Sekunden (34./35. Minute) brachte sie zurück ins Spiel. Plötzlich war die Halle elektrisiert, die Fans skandierten im Wechsel.

Das dritte Drittel entwickelte sich zum Nervenkitzel. Ein umkämpfter Bully vor dem Münchner Tor führte zum 4:3 für Mannheim – doch die Führung währte nur 47 Sekunden. Ein Abpraller nach einem Schuss von der blauen Linie landete unhaltbar im Netz. 4:4, und alles war wieder offen. Die letzten fünf Minuten wurden zur Zermürbungsprobe: Beide Teams blockten Schüsse, die Torhüter glänzten mit Paraden, die nach Lehrbuch aussahen. Erst in der 58. Minute traf Mannheims Kapitän nach einem perfekten Pass von hinten ins lange Eck. Die Entscheidung, die für Erleichterung auf der einen und Enttäuschung auf der anderen Seite sorgte.

Am Ende stand ein Spiel, das Statistiken sprengte: 62 Schüsse auf beide Tore, 28 Strafminuten, fünf Treffer in Überzahl – und ein Comeback, das fast gelang. Wie ein DEL-Analyst später kommentierte, zeigte die Partie alles, was den Eishockeysport ausmacht: „Tempo, Härte und diese unberechenbare Dynamik, die selbst in der letzten Minute noch alles kippen lassen kann.“

Die Stimmung in der SAP Arena erreicht den Siedepunkt

Die SAP Arena bebte wie selten zuvor. Als der Schlusspfiff ertönte, brandete ein Jubel durch die Ränge, der selbst erfahrene DEL-Beobachter an die legendären Play-off-Nächte der 90er erinnerte. 12.000 Fans – ausverkauft seit Wochen – hatten ihre Teams mit einer Lautstärke unterstützt, die Messgeräte an der Bande zeitweise über 100 Dezibel anzeigten. Besonders die Südkurve der Adler-Fans entfachte eine Stimmung, die selbst die routinierten Münchner Spieler sichtbar aus dem Konzept brachte. „Solche Atmosphäre ist der sechste Mann auf dem Eis“, kommentierte ein DEL-Analyst später im Sport1-Interview. „Statistisch gesehen gewinnen Heimteams in der DEL bei über 95 Dezibel Arena-Lautstärke zu 63% – heute war jeder Wert darüber.“

Minute 32 markierte den Wendepunkt. Nach dem 2:2-Ausgleich durch München kochte die Stimmung über, als der Schiedsrichter ein umstrittenes Holding gegen Mannheim ahndete. Pfiffe gellten durch die Halle, rhythmisches Stampfen erschütterte die Tribünen. Die Kamera fing ein, wie Münchens Torhüter Matheson sich genervt die Ohren zuhielt – ein Bild, das sofort durch die Sozialen Medien ging. Die Adler nutzten die emotionale Welle: Nur 18 Sekunden später traf Plachta zum 3:2, die Arena explodierte förmlich.

In der Schlussphase wurde die Hitze fast greifbar. Jeder Körpercheck, jeder abgeblockte Schuss löste kollektives Aufstöhnen oder triumphierendes Brüllen aus. Als Mannheim in der 58. Minute auf 5:3 erhöhte, wirbelten Tausende Handtücher durch die Luft – eine Tradition, die hier seit den Meisterjahren 2015 und 2019 wiederbelebt wurde. Selbst die sonst so disziplinierten Münchner Fans in Block 12 konnten ihrer Frustration nicht länger Luft machen: Ein spontaner „Olé“-Gesang nach einem Powerplay der Gäste verhallte im Getöse der Mehrheitsfraktion.

Die letzten Sekunden tickten im Zeitlupentempo dahin. Die Arena hielt den Atem an, als München den Torhüter zog. Doch statt der erhofften Wende kam der Befreiungsschuss der Adler – und mit ihm ein Jubel, der noch lange nach dem Spiel durch die Mannheimer Innenstadt hallte.

Was die Niederlage für Münchens Play-off-Chancen bedeutet

Die 3:5-Heimniederlage gegen die Adler Mannheim trifft Red Bull München zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Mit nur noch vier Spielen bis zum Ende der Hauptrunde rutscht der Rekordmeister auf Platz fünf der Tabelle ab – und damit erstmals in dieser Saison aus den direkten Play-off-Plätzen. Die Lücke zu den Frankfurt Lions auf Rang vier beträgt nun drei Punkte, während die Verfolger aus Ingolstadt und Köln mit je einem Spiel weniger nur noch zwei bzw. drei Zähler zurückliegen. Die mathematische Chance auf einen der begehrten Top-4-Plätze besteht zwar noch, doch die Luft wird zunehmend dünner.

Besonders bitter: München hatte die Partie über weite Strecken kontrolliert. Die 2:0-Führung nach dem ersten Drittel und eine überlegene Spielanlage in der defensiven Zone ließen auf den dritten Sieg in Serie hoffen. Doch die individuellen Fehler in der Schlussphase – zwei Gegentore innerhalb von 90 Sekunden im letzten Drittel – offenbarten einmal mehr die Schwächen in der Defensivorganisation, die Statistiken zufolge in dieser Saison bereits für 16 der 22 Niederlagen verantwortlich waren. „Teams, die in den Play-offs bestehen wollen, dürfen sich solche Blackouts nicht leisten“, kommentierte ein ehemaliger DEL-Trainer nach dem Spiel gegenüber Sport1.

Die Konsequenzen sind direkt spürbar. Sollten die Lions aus Frankfurt ihre nächsten beiden Spiele gegen Bremerhaven und Nürnberg gewinnen, wäre München selbst bei eigenen Siegen gegen Berlin und Dresden auf Schützenhilfe angewiesen. Die Auswärtsspiele gegen die bereits abgesicherten Play-off-Teilnehmer aus Wolfsburg und Nürnberg in der kommenden Woche werden damit zu Pflichtspielen – ein Szenario, das vor wenigen Wochen noch undenkbar schien.

Hinzu kommt der psychologische Faktor. Die Mannschaft von Trainer Don Jackson stand in dieser Saison bereits mehrfach mit dem Rücken zur Wand, doch die jüngsten Leistungen gegen Spitzenteams (nur ein Sieg aus den letzten fünf Duellen gegen Top-6-Gegner) wecken Zweifel an der mentalen Stärke. Während die Adler mit ihrem Sieg die Vorrunde auf Platz zwei festigten, muss München nun beweisen, ob der Kader die nötige Reife besitzt, um den Druck in den entscheidenden Momenten standzuhalten.

Die Adler Mannheim haben mit ihrem 5:3 gegen Red Bull München nicht nur drei wichtige Punkte in der DEL eingestrichen, sondern auch bewiesen, dass sie in dieser Saison zu den Teams gehören, die unter Druck große Spiele entscheiden können—vor allem vor eigener Kulisse, wenn die SAP Arena mit 12.000 Fans bebte. Besonders die defensive Stabilität in den letzten Spielminuten und die effizienten Konter zeigten, woran die Konkurrenz in den kommenden Wochen arbeiten muss.

Wer das Spiel verpasst hat, sollte sich die Highlights der dritten Periode ansehen, in der Mannheim mit eiskaltem Abschluss und cleverem Forechecking den Unterschied machte—ein Lehrstück für junge Teams, wie man Favoriten unter Druck setzt. Die nächste Begegnung zwischen den beiden Top-Clubs am 12. Dezember in München wird zeigen, ob die Adler ihren Schwung halten oder die Münchner mit einer taktischen Antwort zurückschlagen.