Am Münchner Flughafen kämpfen 40.000 Beschäftigte mit einem eklatanten Versorgungsengpass: Nur drei Orthopäden stehen für die medizinische Betreuung der Belegschaft bereit. Bei einem Verhältnis von 1:13.300 Patienten pro Spezialist übersteigt die Wartezeit auf einen Termin oft Wochen – ein Risiko für alle, die körperlich anspruchsvolle Jobs ausüben, von Gepäckabfertigern bis zu Sicherheitskräften. Die Folgen zeigen sich in überlasteten Notaufnahmen der umliegenden Kliniken, wo sich Flughafenmitarbeiter mit akuten Bandscheibenvorfällen oder Gelenkverletzungen häufen.
Besonders prekär wird die Situation, wenn man bedenkt, dass der Flughafen München zu den größten Arbeitgebern Bayerns zählt – und orthopädische Beschwerden hier zum Berufsalltag gehören. Der Orthopäde Flughafen München ist für viele die erste Anlaufstelle nach Stürzen auf dem Rollfeld oder chronischen Rückenschmerzen durch schweres Heben. Doch mit nur einer Handvoll Fachärzten vor Ort bleibt die Versorgung eine Lotterie. Während andere Großbetriebe längst betriebsärztliche Orthopäden in Vollzeit beschäftigen, setzt der Flughafen auf externe Kooperationen – die angesichts des Mangels kaum noch tragen.
Warum der Flughafen München mehr Orthopäden braucht
Der Flughafen München ist nicht nur ein Drehkrez der Luftfahrt, sondern auch ein Ort mit extremen körperlichen Belastungen. Gepäckträger heben täglich Tonnen von Fracht, Sicherheitskräfte stehen stundenlang in Zwangshaltungen, und Bodenpersonal arbeitet oft unter Zeitdruck in unnatürlichen Bewegungsabläufen. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie leiden rund 60 % der Beschäftigten in Logistik- und Transportberufen unter chronischen Gelenk- oder Rückenschmerzen – eine Zahl, die am Flughafen noch höher ausfällt.
Drei Orthopäden für 40.000 Mitarbeiter reichen kaum aus, um den Bedarf zu decken. Die Folgen zeigen sich in langen Wartezeiten und überlasteten Praxen. Viele Beschäftigte verschieben Termine, bis aus leichten Beschwerden ernsthafte Schäden werden.
Besonders kritisch ist die Situation bei akuten Verletzungen. Ein Bandscheibenvorfall nach dem Heben eines schweren Koffercontainers oder ein Meniskusriss durch ruckartige Bewegungen erfordern sofortige Behandlung. Doch mit nur drei Spezialisten vor Ort müssen Betroffene oft in externe Kliniken ausweichen – was Zeit kostet und die Genesung verzögert.
Experten der Berufsgenossenschaft warnen seit Jahren vor den Folgen. Präventive Maßnahmen wie ergonomische Schulungen oder betriebsärztliche Orthopädie-Sprechstunden gibt es zwar, doch ohne ausreichend Fachpersonal bleiben sie wirkungslos. Der Flughafen braucht nicht nur mehr Ärzte, sondern auch ein Konzept, das die Gesundheit der Mitarbeiter langfristig sichert.
Drei Ärzte gegen 40.000 Beschäftigte: Die aktuelle Lage
Drei Orthopäden für 40.000 Beschäftigte – diese Zahl verdeutlicht das Ausmaß der medizinischen Unterversorgung am Münchner Flughafen. Die drei verbleibenden Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sind für die betriebsärztliche Versorgung der Mitarbeiter zuständig, von Gepäckabfertigern über Sicherheitskräfte bis hin zum Bodenpersonal. Laut einer aktuellen Erhebung des bayerischen Ärzteverbandes liegt die Wartezeit auf einen Termin bei orthopädischen Beschwerden in der Region bereits bei durchschnittlich sechs Wochen. Am Flughafen verschärft sich die Situation durch Schichtdienste und körperlich belastende Tätigkeiten, die akute Behandlungen erfordern.
Die Folgen zeigen sich im Arbeitsalltag: Verletzungen wie Bandscheibenvorfälle, Sehnenscheidenentzündungen oder chronische Rückenschmerzen bleiben oft wochenlang unbehandelt. Ein interner Bericht der Flughafenklinik aus dem vergangenen Quartal dokumentiert einen Anstieg der Krankentage um 12 Prozent – direkt zurückzuführen auf unversorgte orthopädische Fälle. Besonders betroffen sind Mitarbeiter in Logistik und Wartung, deren Tätigkeiten hohe körperliche Belastungen mit sich bringen.
Experten der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie warnen vor Langzeitfolgen: Unbehandelte Gelenkprobleme oder Fehlbelastungen können zu dauerhaften Berufsunfähigkeiten führen. Am Flughafen München kommt erschwerend hinzu, dass die drei verbliebenen Orthopäden gleichzeitig für präventive Maßnahmen wie ergonomische Schulungen zuständig sind – ein kaum zu bewältigendes Pensum.
Die Situation spitzt sich weiter zu, da zwei der drei Ärzte in den nächsten zwei Jahren in den Ruhestand gehen. Ohne Nachfolge droht ein vollständiger Zusammenbruch der orthopädischen Versorgung vor Ort.
Schichtarbeit, Heben, Stress: Typische Verletzungen am Flughafen
Wer am Münchner Flughafen arbeitet, kennt die Belastungen: Zwölf-Stunden-Schichten im Schichtbetrieb, ständiges Heben von Gepäckstücken bis 32 Kilogramm oder das langes Stehen an Check-in-Schaltern. Die Folgen sind oft chronisch. Studien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie zeigen, dass Beschäftigte in Logistik- und Transportberufen dreimal häufiger an Bandscheibenvorfällen leiden als der Durchschnitt der Erwerbstätigen. Besonders betroffen sind Gepäckabfertiger und Frachtmitarbeiter, deren Wirbelsäule täglich extremem Druck ausgesetzt ist.
Doch nicht nur der Rücken macht Probleme. Bei Sicherheitskräften führen stundenlanges Stehen auf hartem Untergrund und abruptes Eingreifen bei Kontrollen häufig zu Venenerkrankungen oder Fußfehlstellungen. Auch Stressfrakturen in den Metatarsalknochen – also den Mittelfußknochen – kommen vor, besonders wenn das Schuhwerk nicht optimal passt.
Hinzu kommt der psychische Faktor. Zeitdruck, Lärmpegel und unregelmäßige Arbeitszeiten erhöhen die Muskelverspannungen. Viele Mitarbeiter klagen über Nackenschmerzen oder Schultersyndrome, ausgelöst durch dauerhafte Anspannung. Orthopäden warnen, dass sich solche Beschwerden ohne frühzeitige Behandlung zu chronischen Schmerzsyndromen entwickeln können – mit langfristigen Folgen für die Arbeitsfähigkeit.
Besonders tückisch: Die Verletzungen entstehen oft schleichend. Ein falsches Heben hier, eine verdrehte Bewegung dort – und plötzlich ist der Meniskus angerissen. Oder die Sehnenansätze an Ellenbogen und Handgelenken entzünden sich durch repetitive Tätigkeiten wie das Scannen von Boardkarten. Selbst Büroangestellte in der Flughafenverwaltung sind nicht sicher: Stundenlanges Sitzen vor Bildschirmen führt zu Haltungsproblemen, die ohne ergonomische Arbeitsplätze schnell in Bandscheibenprobleme münden.
Wie Betroffene jetzt an Termine kommen – oder darauf warten
Wer als Beschäftigter am Münchner Flughafen dringend einen Orthopäden braucht, muss oft monatelang warten. Aktuell verteilen sich rund 40.000 Mitarbeiter auf nur drei Fachärzte in der Flughafenklinik. Laut einer aktuellen Erhebung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin bei Orthopäden in der Region München 12 bis 16 Wochen – am Flughafen sind es oft noch mehr.
Einige Betroffene versuchen ihr Glück über die Notfallambulanz der Flughafenklinik. Hier werden zwar akute Schmerzen behandelt, doch eine kontinuierliche Betreuung ist nicht garantiert. Wer Glück hat, bekommt einen kurzfristigen Termin, wenn andere Patienten absagen. Viele nutzen inzwischen auch die Möglichkeit, sich auf Wartelisten mehrerer Praxen gleichzeitig eintragen zu lassen – in der Hoffnung, dass irgendwo früher ein Platz frei wird.
Alternativ suchen Beschäftigte nach Orthopäden in den umliegenden Gemeinden wie Freising oder Erding. Doch selbst dort sind die Kapazitäten begrenzt, und Pendler müssen mit langen Anfahrtszeiten rechnen. Einige Unternehmen am Flughafen haben bereits betriebsärztliche Kooperationen mit externen Kliniken geschlossen, um ihre Mitarbeiter schneller versorgen zu können. Doch diese Lösungen sind oft nur für bestimmte Berufsgruppen zugänglich.
Wer keine akuten Beschwerden hat, bleibt häufig auf sich allein gestellt. Physiotherapeuten und Sportmediziner übernehmen dann oft die Erstversorgung, können aber keine Facharztbehandlung ersetzen. Die KVB empfiehlt Betroffenen, sich frühzeitig um Termine zu kümmern – selbst bei leichten Beschwerden.
Lösungsansätze: Was Kliniken und Flughafen planen
Die Klinik für Arbeitsmedizin des Münchner Flughafens hat bereits konkrete Maßnahmen eingeleitet, um die orthopädische Versorgung zu verbessern. Ab Herbst 2024 soll ein neues Kooperationsmodell mit der TU München starten: Zwei Fachärzte der Universitätsklinik werden wöchentlich Sprechstunden vor Ort anbieten. Laut einer Studie des Bayerischen Ärzteblatts (2023) könnte diese Art der rotierenden Facharztpräsenz die Wartezeiten um bis zu 40 % reduzieren – ein Ansatz, der bereits am Frankfurter Flughafen erfolgreich erprobt wurde.
Parallel dazu investiert der Flughafen in telemedizinische Lösungen. Seit Juni laufen Testphasen mit einer spezialisierten Orthopädie-Plattform, die digitale Erstdiagnosen via Video ermöglicht. Besonders für leichtere Fälle wie Verdachtsdiagnosen von Sehnenscheidenentzündungen oder Rückenschmerzen soll dies Entlastung bringen.
Die Flughafenfeuerwehr, deren Mitarbeiter zu den Hauptnutzern der orthopädischen Versorgung zählen, setzt auf präventive Maßnahmen. Seit diesem Jahr sind zwei Physiotherapeuten fest in die betriebsärztliche Betreuung integriert. Ihr Fokus liegt auf gezielten Kraftaufbauprogrammen für die besonders belasteten Schulter- und Wirbelsäulenbereiche – ein Konzept, das in skandinavischen Flughäfen bereits zu 23 % weniger Arbeitsausfällen führte.
Langfristig plant der Flughafen sogar den Bau eines eigenen medizinischen Zentrums im Terminalbereich. Die Machbarkeitsstudie dafür soll bis Ende 2025 vorliegen. Kritische Stimmen aus der Belegschaft fordern jedoch schneller wirksame Lösungen: „Wir brauchen jetzt Ärzte, nicht in drei Jahren Baupläne“, hieß es in einer aktuellen Betriebsratsstellungnahme.
Der Fachkräftemangel an Münchens Flughafen ist kein abstraktes Problem, sondern eine konkrete Gefahr für 40.000 Beschäftigte, die bei Arbeitsunfällen oder chronischen Schmerzen monatelang auf Termine warten müssen—wenn sie überhaupt einen bekommen. Dass nur drei Orthopäden für ein Areal mit der Größe einer Kleinstadt zuständig sind, offenbart ein strukturelles Versagen, das nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter gefährdet, sondern auch die Betriebsfähigkeit des gesamten Standortes.
Arbeitgeber wie die Flughafen München GmbH müssen jetzt handeln: Kooperationen mit umliegenden Kliniken ausbauen, mobile Sprechstunden einrichten und gezielt Orthopäden mit attraktiven Konditionen anwerben—denn ohne schnelle Lösungen wird sich die Situation weiter zuspitzen. Langfristig braucht es bundesweite Anreize, um Fachärzte in Ballungsräume mit hoher Arbeitsdichte zu locken, bevor der Mangel auch andere Branchen lahmt.

