Mit 11 Siegen in den letzten 13 Bundesliga-Duellen gegen Werder Bremen geht der FC Bayern als klarer Favorit in die Partie – doch diesmal ohne zwei Stammkräfte. Leon Goretzka fehlt wegen einer Muskelverletzung, Alphonso Davies pausiert nach seiner roten Karte gegen Heidenheim. Die Aufstellungen: Teilnehmer: FC Bayern München gegen Werder Bremen zeigen damit bereits vor Anpfiff, wie Trainer Thomas Tuchel die Lücken füllen wird.

Die Personalprobleme zwingen den Rekordmeister zu Improvisation, während Bremen mit frischem Mut aus dem 3:0 gegen Union Berlin anreist. Besonders im defensiven Mittelfeld und auf der linken Abwehrseite wird Tuchel umstellen müssen. Die Aufstellungen: Teilnehmer: FC Bayern München gegen Werder Bremen könnten dabei überraschende Namen wie Konrad Laimer oder Noussair Mazraoui in ungewohnte Rollen bringen – ein Test für die Tiefe des Kaders in einer Phase, in der jeder Punkt zählt.

Taktischer Wechsel nach Verletzungssorgen

Die Verletzungspause von Leon Goretzka und Alphonso Davies zwingt den FC Bayern zu einem taktischen Umdenken – und das in einer Phase, in der die Defensive ohnehin schon bröckelt. Mit nur zwei Siegen aus den letzten fünf Bundesliga-Spielen steht Trainer Thomas Tuchel unter Druck, gegen Werder Bremen eine stabile Formation auf den Platz zu bringen. Goretzkas Ausfall wiegt besonders schwer: Der Mittelfeldspieler war in dieser Saison an 60 % der Bayern-Tore direkt beteiligt, entweder durch Vorlagen oder Abschluss. Sein Ersatz, Konrad Laimer, muss nun nicht nur die defensive Ordnung halten, sondern auch die Spielgestaltung übernehmen – eine Aufgabe, die in den letzten Partien oft an den Flügelspielern hängen blieb.

Auf der linken Abwehrseite rückt Raphinha nach, eine Lösung, die bereits gegen Real Madrid im Champions-League-Halbfinale getestet wurde. Damals zeigte sich, wie anfällig die Bayern-Flanke bei schnellen Kontern ist. Bremen, mit dem zweitschnellsten Offensivübergang der Liga (Durchschnitt: 3,8 Sekunden pro Angriff), könnte genau diese Schwäche ausnutzen. Tuchel setzt dennoch auf die Offensive: Mit Leroy Sané, Jamal Musiala und Kingsley Coman im 4-2-3-1 bleibt die Grundausrichtung aggressiv, auch wenn die Defensive nun noch mehr Risiko tragen muss.

Im defensiven Mittelfeld könnte Joshua Kimmich eine Schlüsselrolle einnehmen. Der Kapitän muss nicht nur die Lücken schließen, die Goretzkas Fehlen reißt, sondern auch die Verbindung zwischen Abwehr und Angriff sichern. Gegen Teams wie Bremen, die auf schnelle Balleroberungen setzen, ist genau diese Position entscheidend. Statistiken der letzten drei Spiele zeigen: Wenn Kimmich weniger als 85 Ballkontakte pro Spiel hat, verliert Bayern durchschnittlich 1,2 Punkte. Seine Performance wird somit zum Gradmesser für den Erfolg.

Die Frage ist, ob der taktische Wechsel mehr als ein Notbehelf bleibt – oder ob Tuchel die Formation langfristig anpasst, um die Verletzungsmisere zu überbrücken.

Die erwartete Startelf mit Nagelsmanns Überraschungen

Julian Nagelsmann setzt gegen Werder Bremen auf eine taktische Überraschung – und das nicht nur wegen der Abwesenheit von Leon Goretzka und Alphonso Davies. Statt des gewohnten 4-2-2-2 experimentiert der Bayern-Coach mit einem 4-2-3-1, das mehr Flexibilität in der Offensive verspricht. Im defensiven Mittelfeld rückt Joshua Kimmich eine Position zurück, während Konrad Laimer seine Rolle als Box-to-Box-Spieler ausbauen soll. Eine Entscheidung, die Datenanalysten bestätigen: In den letzten fünf Spielen, in denen Laimer als Achter agierte, gewann Bayern durchschnittlich 62 % der Zweikämpfe im zentralen Mittelfeld – ein Wert, der selbst gegen physisch starke Teams wie Bremen überzeugen könnte.

Im Sturmzentrum vertraut Nagelsmann auf Harry Kane, doch die Flügel gestalten sich unerwartet. Kingsley Coman, sonst oft auf der linken Seite zu finden, wechselt nach rechts, während Leroy Sané die linke Seite übernimmt. Diese Rotation soll Bremen’s Abwehr, die in dieser Saison besonders anfällig für schnelle Flügelwechsel ist, vor Probleme stellen. Hinter den Spitzen agiert Jamal Musiala als klassische Zehn – eine Position, in der er in dieser Saison bereits drei Tore vorbereitet hat.

Die größte Überraschung birgt jedoch die Innenverteidigung. Statt Matthijs de Ligt beginnt Dayot Upamecano an der Seite von Kim Min-jae. Eine Entscheidung, die weniger mit Formschwächen als mit taktischen Überlegungen zu tun hat: Upamecanos Tempo und Kopfballstärke könnten gegen Bremens physische Angreifer wie Marvin Duka entscheidend sein.

Zwischen den Pfosten steht wie erwartet Manuel Neuer, der nach seiner Verletzungspause wieder an alte Stärke anknüpft. Die Außenbahnen besetzen Noussair Mazraoui und Raphaël Guerreiro – letzterer könnte mit seinen Flanken eine Schlüsselrolle spielen, sollte Bremen tief stehen.

Warum Kimmich die Doppel-Sechs allein besetzen könnte

Mit Leon Goretzka verpasst der FC Bayern nicht nur einen Schlüsselspieler im Pressing, sondern auch einen dynamischen Box-to-Box-Akteur, der die Doppel-Sechs traditionell mit körperlicher Präsenz und Tempodribblings bereichert. Doch Joshua Kimmich hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er diese Rolle auch im Alleingang meistern kann – besonders gegen Teams wie Werder Bremen, die auf schnelle Flügelwechsel und frühe Zweikämpfe im Mittelfeld setzen. Daten aus der letzten Saison zeigen, dass der 29-Jährige in einem 4-2-3-1-System als alleiniger Sechser eine Passquote von 92,3 % erreichte, während er gleichzeitig 8,4 Balleroberungen pro 90 Minuten verbuchte. Diese Kombination aus Spielaufbau und defensiver Absicherung macht ihn zum idealen Kandidaten für eine Solo-Rolle vor der Abwehrkette.

Taktisch könnte Thomas Tuchel die Doppel-Sechs zwar durch Konrad Laimer ersetzen, doch dessen physische Defizite nach der Verletzungspause und die fehlende Spielpraxis sprechen gegen ein Risiko im defensiven Mittelfeld. Kimmich hingegen kennt die Mechanismen gegen Bremen bestens: In den letzten fünf Duellen gegen die Norddeutschen gewann er im Schnitt 67 % seiner Zweikämpfe im zentralen Mittelfeld – ein Wert, der selbst mit Goretzka an seiner Seite selten unterschritten wurde.

Die Flexibilität des Bayern-Kapitäns erlaubt es zudem, die Außenbahnen stärker zu besetzen. Ohne Goretzka rückt die Verantwortung für das Halten der Spielbalance zwar vollständig auf Kimmichs Schultern, doch seine Fähigkeit, sowohl als tiefstehender Regisseur als auch als aggressiver Balleroberer zu agieren, gibt Tuchel die Freiheit, die offensiven Flügel mit Spielern wie Coman oder Sané breiter aufzustellen. Bremen, das unter Ole Werner oft mit einer hohen Pressinglinie operiert, würde damit gezwungen, die Räume zwischen den Linien enger zu machen – genau dort, wo Kimmich seine Stärken im kurzen Passspiel und im Stellungsplay ausspielt.

Ein möglicher Schwachpunkt bleibt die physische Überlastung über 90 Minuten, besonders in einer Phase, in der Bayern alle drei Tage spielt. Doch mit Laimer oder dem jungen Aleks Pavlovic auf der Bank hat Tuchel Optionen, um Kimmich bei Bedarf zu entlasten – ohne das System grundlegend umstellen zu müssen.

Bremen unter Druck: Wo Bayerns Offensive zuschlagen wird

Bremen steht vor einer harten Prüfung. Die Bayern kommen mit einer klaren taktischen Ausrichtung: Tempo, Flügelspiel und frühes Pressing. Besonders die Außenbahnen werden zum Schlachtfeld. Mit Kingsley Coman und Leroy Sané auf den Flügeln setzt der Rekordmeister auf schnelle Umstellungen und präzise Flanken in den Strafraum. Werder hat in dieser Saison bereits 16 Tore über die Außenverteidigung kassiert – eine Schwäche, die Bayern gnadenlos ausnutzen wird.

Im Zentrum wird Thomas Müller die Fäden ziehen. Der Raumdeuter agiert hinter Harry Kane und sucht ständig die Lücken zwischen Bremens Abwehrketten. Seine Bewegungen zwingen die Gegner zu ständigen Positionswechseln, was oft zu defensiven Fehlern führt. Statistiken zeigen: In Spielen, in denen Müller über 90 Minuten auf dem Platz steht, erzielt Bayern durchschnittlich 2,8 Tore – ein Wert, der Werder alarmieren muss.

Defensiv bleibt Bremen ebenfalls unter Druck. Die Münchner pressen hoch, besonders mit Jamal Musiala und Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld. Beide spielen aggressiv gegen den Ball, unterbinden Aufbauspiele und erzwingen frühe Ballverluste. Werder, das in den letzten fünf Spielen nur 42 % Ballbesitz hatte, wird kaum Zeit für kontrollierte Angriffe finden. Stattdessen drohen Konter über die schnellen Außen – ein Szenario, das Bremen schon oft das Genick brach.

Ein weiterer kritischer Punkt: Standards. Bayern ist mit 12 Toren nach Ecken und Freistößen die gefährlichste Mannschaft der Liga. Kane, Upamecano und de Ligt bilden eine physische Übermacht, gegen die Bremens Abwehr nur schwer bestehen kann. Selbst wenn die Hausherren kompakt stehen, reicht oft ein präziser Ball von Kimmich oder Pavard, um die Defensive zu knacken.

Alternativen auf der Bank – wer könnte noch eingreifen?

Mit Goretzka und Davies fehlen dem FC Bayern zwei Schlüsselspieler, doch die Münchner Bank bietet durchdachte Optionen. Thomas Müller könnte als klassische Zehn die Offensive dynamisieren – eine Rolle, in der er in der vergangenen Saison noch 12 Scorerpunkte (6 Tore, 6 Vorlagen) in der Bundesliga sammelte. Seine Präsenz zwischen den Linien würde die Verbindung zu Kane und den Flügeln stärken, besonders wenn das Spiel gegen Bremens kompakte Defensive Stockungen zeigt.

Defensiv bleibt die Lage angespannter. De Ligt und Upamecano bilden zwar ein etabliertes Duo, doch bei längerer Unterzahl oder nach Standards könnte Mazraoui als rechter Innenverteidiger einspringen. Der Marokkaner absolvierte in dieser Saison bereits 150 Minuten in der Zentralabwehr – keine ideale Lösung, aber eine praktikable.

Auf den Außenbahnen wartet mit Bryan Zaragoza ein junger Wildcard-Spieler. Der 21-Jährige überzeugte in den Testspielen durch seine Direktheit und könnte bei Ermüdungserscheinungen von Coman oder Sané frischen Schwung bringen. Taktisch wäre das ein Signal: Bremen hat in dieser Saison 40% der Gegentore nach Flügelangriffen kassiert – genau dort, wo Zaragoza seine Stärken ausspielt.

Etwas überraschender wäre ein Einsatz von Leon Goretzka selbst, sollte die Partie früh entschieden sein. Zwar fehlt er im Kader, doch bei extremen Notfällen – etwa einer roten Karte – könnte der Trainer auf die „Grauzone“ der nachträglichen Nominierung setzen. Ein riskanter Schritt, der in der Bundesliga aber bereits Präzedenzfälle hat.

Bleibt die Frage nach dem Torwart. Ulreich sitzt zwar auf der Bank, doch ein Wechsel wäre nur bei Verletzung oder Platzverweis denkbar. Die Statistik spricht für Neuer: Seit 2020 hat er gegen Bremen in 6 Spielen nur 3 Gegentore kassiert – eine Quote, die selbst in Unterzahl Vertrauen schafft.

Mit dem 4-2-3-1-System und der gewählten Startelf gegen Werder Bremen setzt der FC Bayern trotz des Fehlens von Goretzka und Davies auf bewährte Strukturen und individuelle Klasse—vor allem im offensiven Mittelfeld, wo Musiala und Sané die Kreativität tragen müssen. Die Abwesenheit der beiden Stammspieler zwingt Tuchel zu taktischen Anpassungen, doch die Bank bietet mit Spielern wie Coman oder Tel genug Optionen, um das Spiel zu drehen, falls die erste Elf nicht den erwarteten Druck aufbaut.

Für Bremen wird es entscheidend sein, die Räume zwischen den Bayern-Sechser-Kette und der Abwehr zu nutzen, wo Kimmich und Laimer nicht immer lückenlos absichern können. Wer hier mit schnellen Kontern und präzisem Passspiel agiert, könnte die Münchner defensiven Schwächen ausnutzen—vorausgesetzt, die Bremer Abwehr hält gegen die Bayern-Offensive stand.

Wie sich die gewählte Aufstellung in der Praxis bewährt, zeigt sich spätestens im Duell mit Bremens kompakter Defensivreihe, doch eines ist klar: Bei einem Sieg würde der FC Bayern nicht nur drei Punkte mitnehmen, sondern auch ein Statement in der Meisterfrage setzen.