Ab Dezember wird das Fernbusnetz in Bayern spürbar dünner: FlixBus streicht zwölf Verbindungen ab München, darunter beliebte Strecken nach Passau, Regensburg und ins Allgäu. Betroffen sind vor allem Pendler, Studierende und Urlauber, die auf günstige Alternativen zur Bahn angewiesen waren. Die Kürzungen kommen ohne Vorwarnung und lassen viele Reisende vor dem Problem, wie sie künftig ihre Ziele erreichen sollen – besonders in Regionen mit schlechter Bahnanbindung.
Für die Betroffenen bedeutet das nicht nur höhere Kosten, sondern oft auch längere Reisezeiten. Gerade in München, wo FlixBus lange als preiswerte Ergänzung zum ÖPNV galt, fällt die Lücke schwer ins Gewicht. Während die Nachfrage nach Fernbussen seit der Pandemie wieder gestiegen ist, fehlen nun passable Ersatzoptionen. Ob andere Anbieter die gestrichenen Routen übernehmen, bleibt ungewiss – die Unsicherheit für Fahrgäste wächst.
FlixBus kürzt München-Netz drastisch – was steckt dahinter?
Der radikale Rückzug von FlixBus aus München kommt nicht überraschend – doch die Dimensionen alarmieren. Ab Dezember fallen zwölf regionale und überregionale Verbindungen weg, darunter populäre Strecken wie München–Nürnberg oder München–Stuttgart. Verkehrsexperten sehen darin das Ergebnis einer langfristigen Strategie: Seit 2022 hat das Unternehmen bereits 30 Prozent seiner deutschen Fernbuslinien gestrichen, wie Daten des Bundesverkehrsministeriums zeigen. Die Gründe liegen auf der Hand: steigende Betriebskosten, Personalmangel und eine sinkende Auslastung nach der Pandemie.
Besonders betroffen sind Pendler, die auf günstige Alternativen zur Bahn angewiesen waren. Während die Deutsche Bahn ihre Preise in den letzten zwei Jahren um durchschnittlich 15 Prozent erhöhte, blieb FlixBus lange eine preiswerte Option. Doch ohne Subventionen oder kommunale Unterstützung wird der Betrieb auf vielen Strecken unrentabel.
Hinter den Kulissen spielt auch die Konkurrenz durch Mitfahrgelegenheiten und neue Mobilitätsangebote eine Rolle. Plattformen wie BlaBlaCar gewinnen an Marktanteilen, während klassische Fernbusse an Attraktivität verlieren. München, als Drehkreuz für Reisende und Pendler, wird damit zum Testfall für die Zukunft des Fernbusverkehrs in Deutschland.
Kritiker werfen der Politik vor, zu spät auf die Entwicklung reagiert zu haben. Während andere europäische Länder Fernbusse gezielt fördern, fehlt hierzulande ein langfristiges Konzept. Die Folge: Reisende müssen auf teurere oder umständlichere Alternativen ausweichen – oder ganz auf ihre Pläne verzichten.
Diese 12 Strecken fallen ab Dezember weg
Ab Dezember wird München schlechter an das Fernbusnetz angebunden sein. FlixBus streicht zwölf Verbindungen komplett – darunter beliebte Routen wie die Direktverbindung nach Amsterdam, die bisher täglich von durchschnittlich 180 Fahrgästen genutzt wurde. Auch die Linie nach Prag, eine der meistgebuchten internationalen Strecken aus der bayerischen Landeshauptstadt, fällt weg. Betroffen sind zudem innerdeutsche Strecken wie die Verbindung nach Rostock, die besonders bei Studierenden und Pendlern gefragt war.
Besonders hart trifft es Reisende in Richtung Osteuropa. Die Strecken nach Budapest und Wien werden eingestellt, obwohl sie laut einer aktuellen Mobilitätsstudie des ADAC zu den top fünf meistgenutzten Fernbusverbindungen aus München gehörten. Statt direkter Anbindung müssen Fahrgäste künftig umsteigen – was die Reisezeit um bis zu drei Stunden verlängern kann.
Auch im Inland hinterlässt das Streichen der Linien Lücken. Die Verbindung nach Leipzig, die bisher vor allem von Berufspendlern und Messebesuchern genutzt wurde, entfällt ebenso wie die Strecke nach Bremen. Für viele bedeutet das: längere Umwege oder der Umstieg auf teurere Alternativen wie die Bahn.
Kritik kommt von Verkehrsverbänden. Ein Sprecher des Bayerischen Fahrgastverbands bezeichnete die Kürzungen als „Rückschritt für die klimafreundliche Mobilität“, besonders in einer Region, in der der ÖPNV ohnehin an Kapazitätsgrenzen stoße. Ob und wann Ersatzangebote geschaffen werden, bleibt unklar.
Betroffene Pendler: Wie kommt man jetzt noch günstig raus?
Für Pendler zwischen München und dem Umland wird der Weg zur Arbeit ab Dezember teurer – und komplizierter. Mit dem Streichen von zwölf FlixBus-Verbindungen fallen vor allem günstige Direktverbindungen nach Augsburg, Ingolstadt oder Rosenheim weg. Wer bisher für 4,99 Euro pro Strecke unterwegs war, muss nun auf die Bahn ausweichen oder längere Umwege in Kauf nehmen. Doch die Preisschere klappt schnell zu: Ein Monatsabo der Deutschen Bahn für die Strecke München–Augsburg kostet mit 209 Euro fast das Fünffache eines FlixBus-Monatstickets (44,99 Euro).
Wer nicht auf das Auto umsteigen will, bleibt oft nur die Kombination aus Regionalverkehr und Bus. Doch selbst das wird zum Glücksspiel. Laut einer aktuellen Erhebung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) sind über 30 Prozent der Umsteigeverbindungen in Bayern nicht barrierefrei oder nur unregelmäßig getaktet. Besonders betroffen: Berufspendler aus ländlichen Regionen, die auf zuverlässige Anbindungen angewiesen sind.
Einige Nutzer setzen bereits auf Mitfahrgelegenheiten – doch auch hier steigen die Preise. Plattformen wie BlaBlaCar verzeichnen seit der Ankündigung von FlixBus eine erhöhte Nachfrage auf Strecken wie München–Salzburg oder München–Nürnberg, was die Fahrpreise um bis zu 40 Prozent nach oben treibt. Wer früh bucht, zahlt zwar noch unter 10 Euro, spontane Fahrten kosten aber schnell 15 bis 20 Euro pro Strecke.
Die Stadt München selbst bietet mit dem MVV-Semesterticket oder dem IsarCard9-Umland zwar Alternativen, doch diese decken oft nicht die vollständigen Pendlerrouten ab. Für viele bleibt nur die Hoffnung auf kurzfristige Sonderangebote der Bahn – oder die Rückkehr zu Stau und Spritkosten.
Bahn und Mitfahrgelegenheiten als Notlösungen – doch die haben Haken
Wer nach dem Streich der zwölf FlixBus-Verbindungen ab Dezember verzweifelt nach Alternativen sucht, wird schnell auf Bahn und Mitfahrgelegenheiten ausweichen. Doch beide Optionen bringen eigene Probleme mit sich – besonders für Pendler, die auf verlässliche und günstige Verbindungen angewiesen sind.
Die Deutsche Bahn mag auf den ersten Blick wie eine stabile Lösung wirken. Doch die Realität sieht anders aus: Laut dem Bundesverkehrsministerium lag die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr 2023 bei nur 65 Prozent. Verspätungen und Ausfälle sind an der Tagesordnung, und die Preise steigen kontinuierlich. Wer spontan buchen muss, zahlt oft das Doppelte oder mehr im Vergleich zu früh gebuchten FlixBus-Tickets. Für Studierende oder Geringverdiener wird die Bahn damit schnell zur finanziellen Belastung.
Mitfahrgelegenheiten wie BlaBlaCar bieten zwar Flexibilität, doch sie sind alles andere als eine zuverlässige Alternative. Fahrten fallen kurzfristig aus, Fahrer ändern Routen, und nicht jede Verbindung ist täglich verfügbar. Wer auf feste Arbeitszeiten angewiesen ist, kann sich kaum auf diese Unsicherheit einlassen. Zudem sind ländliche Regionen oft schlecht abgedeckt – wer etwa von München in kleinere Städte wie Mühldorf oder Freising pendelt, findet selten passende Angebote.
Hinzu kommt der Komfortaspekt: Während FlixBus direkte Verbindungen ohne Umstieg bot, bedeutet die Bahn oft längere Reisezeiten durch mehrfaches Wechseln. Mitfahrgelegenheiten wiederum verlangen Kompromisse bei Abfahrtszeiten und Haltepunkten. Wer bisher mit dem Fernbus bequem von Haustür zu Haustür reiste, muss sich nun auf improvisierte Lösungen einstellen – und das auf unbestimmte Zeit.
Langfristige Folgen: Droht München die Verkehrsabkopplung?
Die Streichung von zwölf FlixBus-Verbindungen ab Dezember könnte München langfristig vom überregionalen Fernbusnetz abkoppeln. Verkehrsexperten warnen vor einem Dominoeffekt: Werden Routen unwirtschaftlich, ziehen sich Anbieter oft dauerhaft zurück. Besonders betroffen sind kleinere Städte wie Rosenheim oder Memmingen, die bisher über München an das nationale Netz angebunden waren. Ohne diese Knotenfunktion droht der Region eine schleichende Isolation.
Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) aus dem Jahr 2023 nutzen 42 % der Fernbusreisenden in Bayern die Verbindungen als Zubringer zu Zügen oder Flügen. Fällt diese Option weg, steigt die Abhängigkeit vom Individualverkehr – mit Folgen für Staus und CO₂-Bilanz.
Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kann die Lücke kaum schließen. Während S-Bahn und U-Bahn das Stadtgebiet gut abdecken, fehlen Kapazitäten für überregionale Strecken. Selbst die Deutsche Bahn bietet auf vielen gestrichenen Relationen keine Alternativen an. Kritiker bemängeln, dass der ÖPNV-Ausbau zu langsam vorankommt, um solche Engpässe abzufedern.
Langfristig könnte München damit an Attraktivität verlieren – für Pendler wie für Touristen. Andere Großstädte wie Berlin oder Hamburg haben ihre Fernbus-Terminals in den letzten Jahren gezielt ausgebaut. München riskiert hier einen Rückstand, der Investitionen und Arbeitsplätze kostet.
Mit dem Streichen von zwölf Fernbusverbindungen ab Dezember verliert München nicht nur günstige Reiseoptionen, sondern auch ein Stück flexibler Mobilität – besonders für Pendler und Studierende, die auf preiswerte Alternativen angewiesen sind. Die Lücken im Angebot treffen gerade diejenigen hart, die ohnehin schon mit hohen Mieten und Lebenshaltungskosten kämpfen, während die Bahn ihre Preise weiter erhöht und regionale Busanbieter kaum Kapazitäten nachrücken lassen.
Wer jetzt umsteigen muss, sollte frühzeitig nach Mitfahrgelegenheiten über Plattformen wie BlaBlaCar suchen oder die noch verbliebenen FlixBus-Strecken mit längeren Umwegen prüfen, bevor die Tickets ausverkauft sind. Langfristig bleibt abzuwarten, ob der Druck auf Politik und Verkehrsverbünde ausreicht, um endlich bezahlbare und verlässliche Alternativen durchzusetzen – statt die Bürger mit immer weniger Optionen allein zu lassen.

