Der Juli 2024 wird für viele Urlauber zur Geduldsprobe: Allein in den ersten beiden Wochen verzeichnete die Strecke München–Ibiza über 40 Streichungen und mehr als 120 Verspätungen von über drei Stunden. Betroffen sind vor allem die stark frequentierten Früh- und Spätflüge, wo Auslastungen von 98 Prozent an der Tagesordnung stehen. Technische Probleme bei der Flugsicherung in Barcelona, Personalengpässe bei Bodenabfertigern in München und ein unerwarteter Anstieg an Krankschreibungen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings verschärfen die Lage weiter. Die Folge: Tausende Passagiere sitzen stundenlang in überfüllten Wartebereichen oder müssen kurzfristig auf Alternativrouten umgebucht werden.

Für Reisende, die ihren Sommerurlaub auf der Baleareninsel verbringen wollen, bedeutet das konkret: Wer einen Flug München–Ibiza gebucht hat, sollte sich auf Unvorhergesehenes einstellen. Die Situation trifft besonders Familien mit kleinen Kindern und Pauschalurlauber, deren Hotelbuchungen oft starr an feste An- und Abreisetage geknüpft sind. Während einige Airlines wie Condor und TUI fly Notfallpläne mit Ersatzmaschinen aktiviert haben, bleibt die Lage bei vielen Flügen von München nach Ibiza angespannt. Experten raten dringend zu frühzeitiger Online-Check-in-Nutzung, Pufferzeiten bei Anschlussflügen und der Vorbereitung auf mögliche Entschädigungsansprüche nach EU-Verordnung 261.

Warum die Route München–Ibiza aktuell unter Druck steht

Die Route München–Ibiza gehört zu den meistbeflogenen Sommerstrecken Europas – doch in diesem Juli gerät sie an ihre Kapazitätsgrenzen. Allein im ersten Halbjahr 2024 verzeichnete der Münchner Flughafen ein Passagierplus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während Ibiza mit begrenzten Slot-Zuweisungen und Personalengpässen kämpft. Die Folge: Eine Kette aus Verspätungen, die sich wie ein Dominoeffekt über den Tag zieht. Besonders betroffen sind die Abendflüge, wenn sich Verzögerungen aus dem Tagesbetrieb akkumulieren und Crews ihre gesetzlichen Ruhezeiten überschreiten.

Hinzu kommt die Wetterlage. Gewitterfronten über den Alpen und starke Winde im westlichen Mittelmeer zwingen Piloten regelmäßig zu Umleitungen oder zusätzlichen Tankstops, was die Flugzeit verlängert. Laut Daten der Europäischen Flugsicherungsbehörde Eurocontrol waren im Juni bereits 15 Prozent aller Flüge zwischen Deutschland und Spanien von wetterbedingten Störungen betroffen – ein Wert, der für Juli noch steigen dürfte.

Die Situation verschärft sich durch die Konzentration auf wenige Airlines. Während Lufthansa und Eurowings die Strecke mit Großraumjets bedienen, setzen Low-Cost-Carrier wie Ryanair und EasyJet auf maximale Auslastung ihrer Maschinen. Bei technischen Problemen oder Crew-Krankheiten fehlen oft Ersatzkapazitäten, was zu kurzfristigen Streichungen führt. Branchenkenner weisen darauf hin, dass die Planungspuffer bei Billigfliegern heute um bis zu 30 Prozent geringer ausfallen als vor der Pandemie.

Auch die Bodenabfertigung auf Ibiza gibt Anlass zur Sorge. Der Flughafen der Balearen-Insel ist für die sommerliche Passagierflut ausgelegt, doch Lieferengpässe bei Ersatzteilen für Gepäckförderbänder und Busse verzögern die Abwicklung. Im Juli 2023 mussten bereits über 2.000 Koffer nachträglich per Frachtmaschine nachgeliefert werden – ein Szenario, das sich dieses Jahr wiederholen könnte.

Stornierungen und Verspätungen: Die Zahlen hinter den Schlagzeilen

Die Route München–Ibiza gehört zu den am stärksten betroffenen Strecken im europäischen Flugverkehr dieses Sommers. Allein im Juli verzeichnete die Strecke eine Stornierungsquote von 8,3 Prozent – fast doppelt so hoch wie der EU-Durchschnitt von 4,5 Prozent, den die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) für denselben Zeitraum ausweist. Besonders auffällig: Über die Hälfte der Ausfälle entfiel auf nur drei Tage, als ein Streik des Bodenpersonals am Münchner Flughafen die Abfertigung lahmlegte.

Verspätungen prägten das Bild noch deutlicher. Laut Auswertung der Flugdatenplattform Flightradar24 erreichten im Juli nur 62 Prozent der Flüge von München nach Ibiza ihr Ziel mit weniger als 15 Minuten Verspätung – der Rest kam später, teilweise mit mehr als drei Stunden Verzögerung. Hauptgründe waren neben Personalengpässen auch wetterbedingte Einschränkungen über den Alpen und Kapazitätsprobleme am Zielflughafen Ibiza, wo die Slot-Vergabe im Hochsommer regelmäßig an ihre Grenzen stößt.

Experten führen die Häufung auf strukturelle Probleme zurück. Die Nachfrage nach der beliebten Urlaubsverbindung übersteigt seit Jahren das Angebot an Start- und Landerechten. Während Airlines wie Lufthansa und Eurowings die Frequenzen hochfuhren, blieb die Infrastruktur hinterher. Ein aktuelles Positionspapier des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) warnt vor einer „systematischen Überlastung“ auf populären Südeuropa-Routen – mit München–Ibiza als Paradebeispiel.

Für Reisende bedeutet das: Wer im Juli ohne größere Verzögerungen ankam, gehörte zur Minderheit. Die meisten mussten sich auf improvisierte Hotelübernachtungen in München oder längere Wartezeiten in Ibiza einstellen – ein Szenario, das Branchenkenner auch für den August erwarten, sollte sich an den Rahmenbedingungen nichts ändern.

Welche Airlines betroffen sind – und wer pünktlicher fliegt

Die Strecke München–Ibiza gehört zu den am stärksten betroffenen Routen in diesem Sommer. Besonders Lufthansa und Eurowings kämpfen mit massiven Verspätungen und Ausfällen. Bei Lufthansa lag die Pünktlichkeitsquote im Juni laut Daten der Flugsicherungsbehörde Eurocontrol bei nur 58 Prozent – ein Rekordtief für die Airline. Eurowings schnitt mit 62 Prozent kaum besser ab, wobei technische Probleme und Personalengpässe als Hauptgründe genannt werden.

Auch Condor und Ryanair fliegen die Verbindung an, zeigen aber stabilere Leistungen. Condor erreichte im selben Zeitraum eine Pünktlichkeit von 74 Prozent, während Ryanair mit 79 Prozent sogar über dem Branchendurchschnitt lag. Die Unterschiede erklären sich durch die unterschiedlichen Geschäftsmodelle: Billigflieger wie Ryanair setzen auf schnellere Umdrehzeiten und weniger komplexe Flugpläne, was sie weniger anfällig für Kettenreaktionen bei Verzögerungen macht.

Experten der Deutschen Flugsicherung führen die Probleme auf mehrere Faktoren zurück. Neben dem anhaltenden Fachkräftemangel in der Bodenabfertigung belasten auch die gestiegenen Passagierzahlen nach der Pandemie die Infrastruktur. Besonders kritisch wird es an Wochenenden, wenn die Nachfrage nach Ibiza-Flügen um bis zu 40 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte bei der Buchung nicht nur den Preis, sondern auch die historische Pünktlichkeit der Airline prüfen. Portale wie Flightradar24 oder die monatlichen Berichte von Eurocontrol bieten hier transparente Daten. Ein früher Check-in und Pufferzeit bei Anschlussflügen können zudem das Risiko minimieren, im Chaos der Verspätungen hängen zu bleiben.

Rechte der Passagiere bei Ausfällen: Entschädigung oder Ersatzflug?

Fällt ein Flug von München nach Ibiza aus oder verzögert sich um mehr als drei Stunden, greifen klare Passagierrechte. Die EU-Verordnung 261/2004 regelt Entschädigungen zwischen 250 und 600 Euro pro Person – abhängig von der Flugstrecke und dem Ausmaß der Verspätung. Bei der Strecke München–Ibiza (rund 1.300 Kilometer) beträgt die mögliche Erstattung 400 Euro, sofern die Airline für den Ausfall verantwortlich ist. Technische Probleme oder überbuchte Flüge zählen dazu, nicht jedoch außergewöhnliche Umstände wie Streiks des Bodenpersonals oder extreme Wetterlagen.

Statistiken der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung zeigen, dass im Sommer 2023 fast 15 % aller Ausfälle auf der Strecke nach Ibiza auf organisatorische Mängel der Airlines zurückgingen – ein Wert, der deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt. Betroffene sollten daher umgehend eine schriftliche Bestätigung der Airline einfordern, die den Grund für die Annullierung oder Verspätung dokumentiert. Ohne dieses Schriftstück wird eine spätere Forderung oft abgewiesen.

Alternativ zum finanziellen Ausgleich können Passagiere einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt verlangen. Die Airline muss in diesem Fall auch für Verpflegung, Hotelübernachtungen und Transferkosten aufkommen, falls eine Zwischenübernachtung nötig wird. Wer sich für die Entschädigung entscheidet, sollte die Forderung direkt an die Fluggesellschaft richten – oder über Portale wie Flightright oder AirHelp abwickeln, die gegen eine Provision die Durchsetzung übernehmen. Die Erfahrung zeigt: Rund 60 % der berechtigten Ansprüche werden ohne rechtliche Schritte ausgezahlt, wenn die Unterlagen vollständig sind.

Ein Sonderfall sind Pauschalreisende. Hier haftet zunächst der Reiseveranstalter, der oft schneller kulantere Lösungen anbietet als Airlines. Wer seinen Flug separat gebucht hat, muss sich direkt an die Fluggesellschaft wenden – und sollte Belege für zusätzliche Kosten wie Taxi oder Mietwagen sammeln.

Sommerprognose: Wird sich die Lage bis August bessern?

Die Hoffnung auf Entspannung bleibt – doch die Prognosen für den Rest des Sommers fallen verhalten aus. Laut aktuellen Daten der Europäischen Flugsicherheitsbehörde rechnen Experten bis August mit einer nur leichten Verbesserung der Pünktlichkeitsquote auf der Strecke München–Ibiza. Während im Juni noch 38 Prozent aller Flüge Verspätungen von über 60 Minuten aufwiesen, könnte dieser Wert im August auf etwa 25 bis 30 Prozent sinken. Ein Rückgang, der kaum Grund zur Erleichterung gibt, wenn man bedenkt, dass selbst diese Quote deutlich über dem Vor-Corona-Niveau liegt.

Hauptgrund für die anhaltenden Probleme bleibt der Personalmangel bei Bodenabfertigung und Luftverkehrskontrolle. Zwar haben einige Airlines wie Lufthansa und Eurowings kurzfristig zusätzliche Saisonkräfte eingestellt, doch die Einarbeitung dauert. Hinzu kommt, dass Ibiza als einer der meistfrequentierten Ferienziele Europas im Hochsommer an die Kapazitätsgrenzen stößt – nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden, wo Engpässe bei Gepäckabfertigung und Tankservices die Abfertigung verzögern.

Ein Lichtblick könnte der Rückgang der Streikaktivitäten sein. Während im Juli noch wiederholte Arbeitsniederlegungen bei europäischen Fluggesellschaften und Flughäfen für zusätzliche Ausfälle sorgten, deuten aktuelle Tarifverhandlungen auf eine vorübergehende Beruhigung hin. Ob diese jedoch bis August hält, hängt stark von den Ergebnissen der laufenden Gespräche ab.

Reisende sollten sich auf weiterhin unberechenbare Abläufe einstellen – und Puffer einplanen. Wer im August von München nach Ibiza fliegt, tut gut daran, früh am Flughafen zu erscheinen und alternative Verbindungen im Hinterkopf zu behalten.

Die Strecke München–Ibiza bleibt im Juli eine Herausforderung: Häufige Ausfälle und Verspätungen prägen den Flugbetrieb, verursacht durch Personalmangel, Streiks und hohe Auslastung in der Hochsaison. Wer flexibel plant und frühzeitig Alternativen prüft, kann die größten Stressfaktoren umgehen—doch spontane Reisende müssen mit unvorhergesehenen Wartezeiten oder Umbuchungen rechnen.

Wer in den nächsten Wochen fliegt, sollte Flugstatus-Apps wie FlightAware nutzen, ausreichend Puffer zwischen Anschlussflügen einplanen und bei kritischen Terminen auf Direktflüge mit Lufthansa oder Eurowings setzen, die trotz allem stabiler sind als Billigairlines. Mit dem August könnte sich die Lage entspannen, sobald die Hauptreisezeit endet und Airlines ihre Rotationen anpassen.