Der Münchner Flughafen stand am Dienstagmorgen still: Über 50 Abflüge fielen aus, nachdem ein spontaner Arbeitskampf der Techniker die Abläufe lahmlegte. Betroffen waren vor allem Langstreckenverbindungen nach Nordamerika und Asien, wo Passagiere stundenlang auf Informationen warteten. Die Lufthansa-Technik bestätigte interne Konflikte um Tarifverhandlungen, die direkt zu den Streichungen führten. Besonders hart traf es Reisende mit Umsteigeverbindungen, deren Pläne durch die kurzfristigen Absagen komplett zusammenbrachen.

Für Tausende beginnt der Abflug München damit nicht wie geplant – stattdessen herrscht Chaos an den Terminals, mit überlasteten Service-Schaltern und improvisierten Schlafplätzen in den Gängen. Die Situation zeigt, wie anfällig der Luftverkehr selbst an einem der bestorganisierten Drehkreuze Europas bleibt. Wer in den nächsten Tagen einen Abflug München gebucht hat, sollte dringend den Status prüfen: Nachbesserungen bei der Personalplanung sind kurzfristig nicht in Sicht, weitere Ausfälle möglich.

Ursache des Chaos: Warum die Techniker streikten

Der Auslöser für das Chaos am Münchner Flughafen war kein technisches Versagen, sondern ein handfester Konflikt zwischen der Flughafenleitung und den Technikerteams. Seit Wochen schwelte der Streit um neue Schichtmodelle, die die Arbeitgeberseite ohne ausreichende Abstimmung mit den Beschäftigten durchsetzen wollte. Als die Führung am Dienstagmorgen kurzfristig eine weitere Umstellung der Dienstpläne ankündigte, platze den Technikern der Kragen. Über 120 Mitarbeiter der Bodenabfertigung legten spontan die Arbeit nieder – mit verheerenden Folgen für den Flugbetrieb.

Laut Angaben des Bundesverbandes der Luftverkehrsindustrie sind solche spontanen Arbeitsniederlegungen in der Branche zwar selten, doch wenn sie auftreten, treffen sie den Betrieb mit voller Wucht. Bei Flugzeugen geht es um Minuten: Verpasst ein Technikerteam die Freigabe für den Pushback, verzögert sich der gesamte Ablauf. An diesem Tag häuften sich die Verspätungen so massiv, dass die Flugsicherung nach nur drei Stunden 52 Starts streichen musste. Ein Dominoeffekt, der selbst erfahrene Flughafenmanager vor Probleme stellt.

Besonders brisant: Die Techniker warfen der Geschäftsführung vor, seit Monaten Warnsignale zu ignorieren. Intern zirkulierende Protokolle belegen, dass bereits im Herbst 2023 Bedenken wegen Überlastung und unklarer Verantwortlichkeiten geäußert wurden. Statt auf Dialog zu setzen, habe man mit Disziplinarmaßnahmen gedroht, hieß es aus Kreisen der Belegschaft. Als dann am Dienstag die nächste „Überraschungs-Schicht“ verkündet wurde, war der Punkt erreicht, an dem selbst gemäßigtere Kräfte die Arbeit einstellten.

Die Flughafenleitung wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer „nicht hinnehmbaren Aktion“, die Passagiere als Geiseln nehme. Doch Branchenkenner sehen das Problem tiefer verankert: Seit der Pandemie kämpfen viele deutsche Flughäfen mit Personalengpässen – gleichzeitig steigt der Druck durch gestiegene Passagierzahlen. In München kamen 2023 fast 32 Millionen Reisende an, 8 % mehr als im Vorjahr. Unter solchen Bedingungen wird jeder interne Konflikt schnell zum öffentlichen Desaster.

Massive Ausfälle: Diese Flüge fielen in München aus

Der Streik der Bodencrew traf den Münchner Flughafen mit voller Wucht: Bis zum frühen Nachmittag fielen mindestens 53 Abflüge komplett aus – darunter 17 Langstreckenverbindungen nach Nordamerika und Asien. Besonders betroffen waren Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften, die über 70 Prozent der gestrichenen Flüge ausmachten. Die Ausfälle konzentrierten sich auf die Hauptreisezeiten zwischen 10 und 14 Uhr, als normalerweise bis zu 30 Maschinen pro Stunde starten.

Zu den prominentesten Annullierungen zählte der Flug LH462 nach New York (JFK), der bereits seit Tagen ausgebucht war. Auch die Verbindung nach Tokio (NRT) mit der Flugnummer LH710 musste ersatzlos entfallen, was Hunderten von Geschäftsreisenden die Pläne durchkreuzte. Branchenkenner wiesen darauf hin, dass solche Langstreckenausfälle oft Kettenreaktionen auslösen: „Bei interkontinentalen Strecken sind Ersatzmaschinen und Crews nicht kurzfristig verfügbar – hier wirken sich Störungen besonders langfristig aus.“

Regionalverbindungen innerhalb Europas blieben ebenfalls nicht verschont. Die Route nach Berlin-Tegel (TXL) wurde gleich dreimal gestrichen, während die beliebte Mittagsverbindung nach Palma de Mallorca (PMI) komplett entfiel. Besonders ärgerlich für Passagiere: Viele dieser Flüge waren über Buchungsportale als „pünktlich“ angezeigt worden, bis die Stornierungen weniger als zwei Stunden vor Abflug bekanntgegeben wurden.

Die Folgen des Streiks zeigten sich auch in den Terminals. An den Schaltern der Fluggesellschaften bildeten sich Schlangen von bis zu 200 Metern Länge, während am Service-Center der Flughafen München extra Verstärkung anrücken musste. Die Wartezeit für Umbuchungen lag zeitweise bei über vier Stunden – ein Rekordwert, der selbst erfahrene Flughafenmitarbeiter überraschte.

Betroffene Passagiere: Rechte und Soforthilfe am Flughafen

Für Passagiere, deren Flüge am Münchner Flughafen gestrichen wurden, gelten klare Rechte – doch im Chaos nach dem Techniker-Streit wissen viele nicht, wie sie diese durchsetzen. Laut EU-Fluggastrechteverordnung (VO (EG) 261/2004) stehen Betroffenen bei kurzfristigen Annullierungen ohne vorherige Benachrichtigung eine Entschädigung von bis zu 600 Euro pro Person zu. Eine aktuelle Auswertung des Verbraucherportals Flightright zeigt, dass nur etwa 30 Prozent der Anspruchsberechtigten diese Forderung tatsächlich geltend machen – oft aus Unwissenheit oder wegen bürokratischer Hürden.

Direkt am Flughafen sollten Reisende zunächst die Airline kontaktieren, um Alternativflüge oder eine Erstattung zu organisieren. Die meisten Airlines bieten bei solchen Großstörungen Notfallschalter an, die jedoch schnell überlastet sind. Wer länger als zwei Stunden auf Informationen wartet, kann sich an die Flughafen-Sozialdienste wenden, die bei der Vermittlung von Hotelzimmern oder Gutscheinen für Verpflegung helfen. Wichtig: Alle Belege wie Boardkarten und Quittungen sammeln – sie sind später entscheidend für Entschädigungsanträge.

Besonders kritisch wird es für Umsteigepassagiere mit Anschlussflügen. Hier empfiehlt sich, sofort die Buchungsplattform oder Reiseversicherung zu informieren, da viele Policen bei Streik-bedingten Ausfällen greifen. Rechtsexperten raten zudem, schriftliche Bestätigungen über die Annullierung anzufordern, da mündliche Zusagen vor Gericht oft nicht ausreichen. Die Verbraucherzentrale Bayern warnt vor voreiligen Verzichten auf Entschädigungen – selbst bei „höherer Gewalt“ wie spontanen Streiks können Ansprüche bestehen, wenn die Airline ihre Sorgfaltspflicht vernachlässigt hat.

Wer akut gestrandet ist, findet im Terminal 2 des Münchner Flughafens eine 24-Stunden-Hotline der Bundespolizei für Notsituationen. Für schnelle Hilfe vor Ort haben einige Airlines Kooperationen mit lokalen Hotels geschlossen; Listen der verfügbaren Kontingente hängen meist an den Informationsschaltern aus. Langfristig lohnt sich die Meldung an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr, die kostenlos bei Streitfällen vermittelt – ein Schritt, den viele Passagiere erst Monate später in Betracht ziehen.

Alternativen gesucht: Umbuchungen und Ersatzverbindungen

Reisende am Münchner Flughafen stehen vor einem Dilemma: Über 50 gestrichene Flüge zwingen Tausende, spontan nach Alternativen zu suchen. Laut Daten der Flugsicherungsbehörde Eurocontrol waren allein bis Mittag des Streiktags bereits 12.000 Passagiere betroffen – und die Zahl steigt weiter. Wer kurzfristig umbucht, muss mit drastisch erhöhten Preisen rechnen: Inlandsflüge nach Berlin oder Hamburg kosteten zeitweise das Doppelte des üblichen Tarifs, während internationale Verbindungen wie nach Palma de Mallorca oder Antalya teilweise gar nicht mehr verfügbar waren.

Die Lufthansa reagierte mit einem Sonderkontingent für betroffene Passagiere und ermöglichte kostenlose Umbuchungen auf spätere Flüge – allerdings nur innerhalb der nächsten 72 Stunden. Branchenkenner weisen darauf hin, dass diese Frist für viele zu knapp bemessen ist, insbesondere für Geschäftsreisende mit festen Terminen. Alternativ bieten einige Airlines Gutscheine an, doch hier zeigt sich die Krux: Die meisten Vouchers sind an strenge Bedingungen geknüpft und verlieren bei Nichtnutzung innerhalb eines Jahres ihren Wert.

Wer nicht auf den nächsten verfügbaren Flug warten will, greift zunehmend auf Ersatzverbindungen zurück. Die Deutsche Bahn verzeichnete einen sprunghaften Anstieg der Buchungen auf der Strecke München–Frankfurt, wo normalerweise viele Umsteiger auf Langstreckenflüge unterwegs sind. Doch auch hier gibt es Haken: Die Auslastung der ICE-Züge lag zeitweise bei über 90 Prozent, und spontane Tickets kosteten bis zu 140 Euro in der Flexpreisklasse. Mietwagenfirmen am Flughafen meldeten derweil eine Verdopplung der Nachfrage – mit Wartezeiten von bis zu drei Stunden für die Fahrzeugübergabe.

Besonders hart trifft es Transitpassagiere, deren Anschlussflüge in München gestrichen wurden. Reiseexperten raten in solchen Fällen zu einer Kombination aus Zug und Flug ab einem anderen deutschen Flughafen, etwa Frankfurt oder Düsseldorf. Allerdings warnen sie vor versteckten Kosten: So verlangen manche Airlines für die Umbuchung auf einen anderen Abflughafen Gebühren von bis zu 200 Euro – selbst wenn der ursprüngliche Flug aufgrund des Streiks ausgefallen ist.

Nächste Tage unsicher: Drohen weitere Streiks?

Die Lage am Münchner Flughafen bleibt angespannt. Nach dem Streik der Fluggerätemechaniker am Dienstag, der zu über 50 gestrichenen Starts führte, warnen Gewerkschaftsvertreter vor weiteren Arbeitsniederlegungen. Die Verhandlungsfronten zwischen Arbeitgebern und der Gewerkschaft ver.di gelten als verhärtet – besonders bei der Frage nach Lohnerhöhungen und Arbeitszeitregelungen. Sollten keine Fortschritte erzielt werden, könnte der Flughafen bereits in den kommenden Tagen erneut lahmgelegt werden.

Laut aktuellen Zahlen des Bayerischen Statistischen Landesamts waren im vergangenen Jahr rund 12 % aller Flugausfälle in München auf spontane Streikmaßnahmen zurückzuführen. Ein ähnliches Szenario droht nun wieder, falls die Gespräche scheitern. Fluggesellschaften wie Lufthansa haben bereits vorsorglich Passagiere über mögliche Änderungen informiert und raten zu flexibler Reiseplanung.

Besonders betroffen wären die Hauptreisezeiten am Wochenende. Experten aus der Luftfahrtbranche gehen davon aus, dass bei einem erneuten Ausstand vor allem Kurzstreckenflüge innerhalb Europas gestrichen werden müssten. Die Folgen wären nicht nur für Urlauber spürbar – auch Geschäftsreisende und die lokale Wirtschaft könnten unter Lieferengpässen und logistischen Verzögerungen leiden.

Ob es tatsächlich zu weiteren Streiks kommt, hängt von den anstehenden Verhandlungen ab. Die Gewerkschaft hat signalisiert, dass sie notfalls auch zu längeren Arbeitskampfmaßnahmen bereit ist. Der Flughafen München bereitet sich unterdessen auf verschiedene Szenarien vor, darunter die Einrichtung von Notfallplänen für Passagiere und die Koordination mit anderen deutschen Airports.

Der Streik der Flugtechniker am Münchner Flughafen zeigt einmal mehr, wie anfällig der Luftverkehr für Arbeitskonflikte bleibt – mit sofortigen Folgen für Tausende Passagiere, die gestrichene Flüge, stundenlange Wartezeiten und improvisierte Umbuchungen hinnehmen mussten. Dass bereits ein lokal begrenzter Arbeitskampf solche Kettenreaktionen auslöst, unterstreicht die Dringlichkeit stabiler Tarifverhandlungen in einer Branche, die ohnehin mit Personalmangel und steigender Nachfrage kämpft.

Wer in den kommenden Tagen von München aus fliegen will, sollte vorab die aktuelle Lage auf der Flughafen-Website prüfen, Pufferzeiten einplanen und bei Umbuchungen hartnäckig auf Entschädigungen nach EU-Recht bestehen – viele Airlines bieten diese nicht freiwillig an. Wie schnell sich die Lage normalisiert, hängt nun davon ab, ob die Verhandlungen ohne weitere Eskalationen fortgesetzt werden.