Die Zwiebeltürme der Münchner Frauenkirche prägen seit einem halben Jahrtausend das Stadtbild – und sind längst mehr als nur ein architektonisches Wahrzeichen. Am 12. Februar 1525 krönten die markanten Kuppeln erstmals das Gotteshaus, eine Bauentscheidung, die München bis heute unverkennbar macht. Mit fast 100 Metern Höhe dominieren sie die Skyline, widerstanden Kriegen, Bränden und sogar dem Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs, der die Kirche schwer beschädigte. Dass die Türme nach dem Wiederaufbau 1955 exakt in ihrer ursprünglichen Form wiedererstanden, unterstreicht ihre symbolische Bedeutung für die Stadt.

Das Jubiläum „500 Jahre Zwiebeltürme“ wird die Frauenkirche München 2025 mit einem besonderen Programm feiern: Sonderausstellungen, thematische Führungen und sogar ein wissenschaftlicher Blick auf die handwerkliche Meisterleistung des 16. Jahrhunderts stehen auf dem Plan. Für Münchner wie Touristen bietet sich damit die seltene Chance, die Geschichte hinter dem markanten Bauwerk tiefer zu erkunden. Die Frauenkirche München, ohnehin ein Magnet für über drei Millionen Besucher jährlich, rückt so noch stärker in den Fokus – als lebendiges Zeugnis bayerischer Identität und handwerklicher Tradition.

Ein Wahrzeichen mit bewegter Geschichte

Die Frauenkirche thront seit Jahrhunderten über Münchens Altstadt – doch ihre markanten Zwiebeltürme, die heute zum unverkennbaren Symbol der Stadt geworden sind, hatten einen holprigen Start. Ursprünglich 1468 als spätgotische Hallenkirche ohne die charakteristischen Kuppeln fertiggestellt, erhielten die Türme erst 1525 ihre barocke Form. Damals eine architektonische Sensation, polarisierten sie anfangs: Zeitgenössische Chroniken berichten von Spott über die „teuflischen Zwiebeln“, während andere sie als „himmlische Krone“ feierten. Die Umgestaltung durch den Baumeister Jörg von Halspach markierte einen Wendepunkt – und legte den Grundstein für ein Wahrzeichen, das München bis heute prägt.

Dass die Türme überlebten, grenzt an ein Wunder. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, stürzte einer der Helme 1944 ein, der andere hielt sich nur dank notdürftiger Stützkonstruktionen. Der Wiederaufbau in den 1950er-Jahren folgte dem historischen Vorbild bis ins Detail: Selbst die originalen Ziegelformen aus dem 16. Jahrhundert wurden rekonstruiert. Laut Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege bestehen die Kuppeln heute aus über 12.000 einzeln gefertigten Kupferplatten – ein Handwerksmeisterstück, das traditionelle Techniken mit moderner Statik verbindet.

Ihr kultureller Stellenwert geht weit über die Architektur hinaus. Als einer der ersten sakralen Bauten mit Zwiebeltürmen nördlich der Alpen inspirierte die Frauenkirche Generationen von Kirchenbauern in Bayern und Österreich. Selbst der berühmte Asamkirche-Architekt Cosmas Damian Asam bezog sich in seinen Entwürfen auf die Münchner Vorlage. Die Türme wurden zum Inbegriff bayerischer Identität – und überstanden selbst die radikalen Stadtplanungen des 19. Jahrhunderts, als man sie für „unzeitgemäß“ halten und abreißen wollte.

Heute sind sie mehr als nur Postkartenmotiv: Die Türme dienen als Orientierungspunkt im dicht bebauten Zentrum, ihre Silhouette ist durch den Höhenbegrenzungsbeschluss der Stadt geschützt. Selbst die Münchner U-Bahn-Linien wurden so angelegt, dass sie die Sichtachse auf die Kirche nicht stören. Ein Beweis dafür, wie tief die Zwiebeltürme im kollektiven Gedächtnis verankert sind – und warum ihr 500-jähriges Jubiläum weit mehr als ein architektonisches Datum ist.

Die Zwiebeltürme: Symbol zwischen Zerstörung und Wiederaufbau

Die markanten Zwiebeltürme der Münchner Frauenkirche prägen seit einem halben Jahrtausend das Stadtbild – und erzählen eine Geschichte von Zerstörung und Widerstand. Als die Kirche 1944 durch Bombenangriffe schwer beschädigt wurde, stürzten beide Türme ein, doch ihre Umrisse blieben im kollektiven Gedächtnis der Stadt verankert. Der Wiederaufbau in den 1950er-Jahren war mehr als eine architektonische Leistung: Er symbolisierte den Neuanfang Münchens nach dem Krieg. Besonders der südliche Turm, der mit 99 Metern Höhe bis heute als Wahrzeichen gilt, wurde zum Sinnbild der Beharrlichkeit.

Architekturhistoriker betonen, dass die Zwiebelform nicht nur ein ästhetisches Merkmal ist, sondern auch eine technische Meisterleistung. Die filigranen Kuppeln aus Kupferblech wiegen trotz ihrer Größe nur etwa 12 Tonnen – ein Beweis für das handwerkliche Können des 16. Jahrhunderts. Studien zeigen, dass ähnliche Konstruktionen in Bayern oft als Schutz vor Blitzeinschlägen dienten; die Frauenkirche überstand jedoch selbst schwere Unwetter weitgehend unbeschadet.

Interessant ist der Kontrast zwischen der ursprünglichen Funktion und der heutigen Wahrnehmung. Während die Türme einst als religiöse Macht demonstrieren sollten, sind sie heute vor allem ein kulturelles Identitätssymbol. Touristen aus aller Welt fotografieren sie, doch viele Münchner verbinden mit ihnen persönliche Erinnerungen – etwa an den Moment, als die Türme 1955 nach dem Wiederaufbau wieder in den Himmel ragten.

Die Sonderausstellungen zum Jubiläum greifen diese Doppeldeutigkeit auf: Zwischen historischen Plänen und zeitgenössischen Kunstwerken wird deutlich, wie die Türme über die Jahrhunderte hinweg immer wieder neu interpretiert wurden. Ein Modell zeigt etwa, wie die Kirche ohne die charakteristischen Kuppeln ausgesehen hätte – eine Vorstellung, die bei Besuchern oft auf Unverständnis stößt.

Sonderausstellungen zeigen unbekannte Schätze der Frauenkirche

Die Sonderausstellungen zur 500-Jahr-Feier der Zwiebeltürme entführen Besucher in verborgene Kapitel der Frauenkirche. Selten gezeigte Schätze wie historische Baupläne, vergilbte Rechnungen der Handwerker aus dem 16. Jahrhundert oder Fragmente der ursprünglichen Turmspitzen lagern sonst im Depot des Erzbistums München. Erstmals werden diese Dokumente und Objekte jetzt im Nordquerhaus präsentiert – darunter ein originaler Holzmodellentwurf für die Turmkuppeln, der die filigrane Handwerkskunst der damaligen Zimmerleute belegt.

Besonderes Augenmerk liegt auf den archäologischen Funden aus den 1990er Jahren. Bei Restaurierungsarbeiten stießen Experten auf Überreste der spätgotischen Vorgängerbauten, darunter farbig gefasste Sandsteinreliefs und Münzen aus der Zeit Ludwigs des Bayern. Ein 3D-Scan eines dieser Relieffragmente, das vermutlich Teil eines Altars war, veranschaulicht die ursprüngliche Pracht – eine technische Rekonstruktion, die das Landesamt für Denkmalpflege eigens für die Ausstellung erstellte.

Laut aktuellen Zahlen des Diözesanmuseums haben bereits über 12.000 Besucher die Schau in den ersten drei Wochen besucht, doppelt so viele wie bei vergleichbaren Ausstellungen. Ein Grund dafür könnte die interaktive Station sein, an der man per Touchscreen die Entwicklung der Türme von der Gotik bis zum barocken Umbau nachverfolgen kann. Selbst die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und der anschließende Wiederaufbau sind dokumentiert – mit bisher unveröffentlichten Fotos aus Privatarchiven.

Wer genau hinschaut, entdeckt auch Kurioses: eine Rechnung über 14 Gulden für „300 Ziegelsteine und Kalk“ aus dem Jahr 1523, unterzeichnet mit einem kaum leserlichen „Meister Hans“. Oder den Brief eines Domkapitulars, der sich 1768 über die „übermäßige Höhe“ der neuen Türme beschwert – ein Beleg dafür, dass die Zwiebelform von Anfang an polarisierte.

Führungen mit neuen Perspektiven auf Architektur und Kunst

Die Jubiläumsfeierlichkeiten der Münchner Frauenkirche setzen auf ungewöhnliche Blickwinkel: Spezielle Führungen laden Besucher ein, die 500-jährige Geschichte der Zwiebeltürme aus Perspektiven zu entdecken, die selbst eingefleischte Münchner überraschen. Statt klassischer Bauwerksanalysen rücken etwa die handwerklichen Techniken des 16. Jahrhunderts in den Fokus. Wie wurden die charakteristischen Kupferhauben ohne moderne Kräne auf 99 Meter Höhe gebracht? Eine Frage, die selbst Architekturhistoriker noch diskutieren – aktuelle 3D-Rekonstruktionen der Bauphase zeigen, dass allein das Gerüst für die Türme damals über 1.200 Kubikmeter Holz verschlang, eine Menge, die heute einem kleinen Wald entspricht.

Kunstinteressierte erhalten Zugang zu selten gezeigten Details. In den Führungen „Verborgenes im Licht“ werden die restaurierten Glasfenster der Seitenkapellen mit mobilen LED-Projektoren angestrahlt, um die fast vergessenen Signaturen mittelalterlicher Glasmaler sichtbar zu machen. Besonders die Fenster im nördlichen Seitenschiff, die während des Zweiten Weltkriegs ausgelagert und erst 1983 zurückkehrten, bergen Überraschungen: Unter UV-Licht treten dort Farbpigmente zutage, die auf venezianischen Einfluss im 15. Jahrhundert hindeuten.

Für alle, die Architektur lieber erleben als erklären wollen, gibt es die „Turmwächter-Tour“. Begleitet von ehemaligen Dachdeckermeisteren, die an der letzten großen Sanierung 2004 mitwirkten, führt der Weg über enge Wendeltreppen bis unter die Kupferhaut der Türme. Hier wird greifbar, warum die Patina der Hauben nicht nur optisch, sondern auch technisch eine Meisterleistung ist: Die natürliche Oxidation schützt das Metall seit Jahrhunderten vor Korrosion – eine Low-Tech-Lösung, die moderne Materialforscher noch heute analysieren.

Wer lieber am Boden bleibt, kann sich den digitalen Führungen anschließen. Mit Tablets ausgestattet, scannen Besucher QR-Codes an markanten Punkten im Kirchraum und erhalten Augmented-Reality-Einblicke in historische Bauphasen. So lässt sich etwa nachvollziehen, wie der Innenraum vor dem barocken Umbau 1620 aussah – oder warum die Akustik der Kirche bei Orgelkonzerten bis in die letzte Reihe trägt, obwohl keine elektronischen Verstärker im Spiel sind.

Wie die Feierlichkeiten das Münchner Stadtbild prägen werden

München wird in den kommenden Wochen ein Fest der Architektur und Geschichte erleben. Die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum der Zwiebeltürme der Frauenkirche verwandeln das Stadtbild in eine lebendige Bühne: Von beleuchteten Fassadenprojektionen, die die Baugeschichte der Türme nachzeichnen, bis hin zu temporären Kunstinstallationen auf dem Marienplatz, die sich mit der Symbolkraft der Zwiebelform auseinandersetzen. Besonders auffällig wird die Lichtinszenierung an der Kirche selbst sein – nach Angaben der Stadtverwaltung sollen über 1.200 LED-Leuchten die Türme in den Abendstunden in ein goldenes Licht tauchen, das bis in die umliegenden Gassen strahlt.

Auch der öffentliche Raum wird Teil der Feier. Vor dem Hauptportal entsteht ein Pavillon mit historischen Bauplänen und 3D-Modellen, der Passanten zum Verweilen einlädt. Stadtführer berichten bereits von verstärkter Nachfrage nach thematischen Rundgängen, die nicht nur die Frauenkirche, sondern auch andere Wahrzeichen mit Bezug zur Spätgotik einbeziehen. Selbst die Münchner Verkehrsgesellschaft beteiligt sich: Einige U-Bahn-Stationen zeigen ab Oktober Auszüge aus dem Jubiläumsprogramm auf digitalen Infoscreens.

Experten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege betonen, wie selten ein solches Jubiläum die Chance bietet, das Bewusstsein für denkmalschützerische Werte zu schärfen. Die Zwiebeltürme, einst umstritten, gelten heute als Identitätsträger – eine aktuelle Umfrage unter Münchnern ergab, dass 87 Prozent sie als unverzichtbares Element der Stadtsilhouette ansehen. Diese Wertschätzung spiegelt sich auch in den Vorbereitungen wider: Über 50 lokale Handwerksbetriebe wirken an den Begleitprojekten mit, von Schmieden bis zu Glasbläsern.

Besonders kurios: Einige Gastronomiebetriebe rund um die Frauenkirche haben Sondermenüs angekündigt, die sich an der Türmform orientieren – von „Zwiebel-Variationen“ in Sterneküchen bis zu süßen Kreationen in Konditoreien. Selbst die Münchner Biergärten ziehen mit: Im Augustiner-Keller gibt es ein spezielles Jubiläumsbier, dessen Etikett die Türme in historischer Darstellung zeigt.

Die Veränderungen bleiben nicht auf die Innenstadt beschränkt. In den Außenbezirken wie Schwabing oder Neuhausen werden Info-Tafeln aufgestellt, die über die Verbindung der Türme zur Münchner Stadtentwicklung informieren – etwa wie ihr Bau die damlige Handwerkskunst revolutionierte oder warum sie im Zweiten Weltkrieg trotz schwerer Bombenangriffe weitgehend erhalten blieben. Ein temporäres Audiosystem ermöglicht es Spaziergängern zudem, sich per Smartphone Geschichten über die Türme anzuhören, während sie durch die Stadt gehen.

Fünfhundert Jahre Zwiebeltürme sind mehr als ein architektonisches Jubiläum – sie erzählen von Münchens Identität, von Widerstandsfähigkeit nach Kriegszerstörungen und der handwerklichen Meisterleistung, die die Frauenkirche bis heute prägt. Wer die Sonderausstellungen besucht oder an den thematischen Führungen teilnimmt, spürt nicht nur Geschichte, sondern sieht die Türme mit neuen Augen: als Symbol für eine Stadt, die Tradition und Moderne verbinden kann.

Wer das Jubiläum erleben möchte, sollte die Termine der Führungen früh buchen, besonders die seltenen Aufstiege in die Türme, die einen einzigartigen Blick über die Stadt bieten. Das Festjahr 2024 wird nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern auch zeigen, wie lebendig dieses Wahrzeichen für kommende Generationen bleibt.