Am 31. Juli 2024 fällt in der Münchner Innenstadt eine Ära zu Ende: Nach genau 50 Jahren schließt die Galeria Kaufhof Filiale in der Neuhauser Straße 18 ihre Türen für immer. Das traditionsreiche Kaufhaus, einst ein zentraler Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen, wird damit zum Symbol für den Wandel des stationären Handels in der bayerischen Metropole. Über Jahrzehnte prägte das siebenstöckige Gebäude mit seiner markanten Fassade das Einkaufserlebnis in der Fußgängerzone – doch jetzt macht die Schließung Platz für neue Konzepte.

Für viele Münchner ist die Nachricht mehr als nur eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Die Galeria Kaufhof München war nicht nur ein Ort zum Shoppen, sondern ein Stück Stadtgeschichte, in dem Generationen ihre ersten Anzüge kauften, Weihnachtsgeschenke aussuchten oder einfach nur in der legendären Kaffeebar verweilten. Die Schließung wirft Fragen auf: Was kommt nach dem Auszug des letzten großen Kaufhauses aus der Neuhauser? Und wie verändert sich das Gesicht der Einkaufsstraße, die längst mit Leerständen und steigenden Mieten kämpft?

Ein Stück Münchner Einzelhandelsgeschichte endet

Mit dem Schließen der Galeria Kaufhof-Filiale in der Neuhauser Straße 18 geht nicht nur ein Kaufhaus, sondern ein Stück Münchner Stadtgeschichte. Seit 1974 prägte das Warenhaus mit seiner markanten Fassade und den großen Schaufenstern das Bild der Einkaufsmeile – eine Ära, die nun nach genau einem halben Jahrhundert endet. Damals zog das Kaufhaus als einer der ersten großen Mieter in das neu gebaute Einkaufszentrum ein und wurde schnell zum Anlaufpunkt für Mode, Haushaltswaren und Geschenke.

Handelsexperten sehen im Rückzug einen weiteren Beleg für den Strukturwandel im innerstädtischen Einzelhandel. Laut einer Studie des IFH Köln haben seit 2010 über 40 Prozent der klassischen Kaufhäuser in deutschen Innenstädten ihre Fläche reduziert oder sind komplett verschwunden. Die Neuhauser Straße, einst eine der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands, kämpft bereits seit Jahren mit Leerständen und sinkenden Besucherzahlen – die Pandemie und veränderte Konsumgewohnheiten haben diese Entwicklung beschleunigt.

Besonders prägnant bleibt die Erinnerung an die 1980er- und 1990er-Jahre, als das Kaufhaus mit seinen aufwendig gestalteten Weihnachtswelten und Sommer-Schlussverkäufen noch Menschenmassen anzog. Die zentral gelegene Filiale war nicht nur für Touristen ein Pflichttermin, sondern auch für Münchner ein fester Bestandteil des Stadtlebens. Selbst die Umbauten in den 2000er-Jahren, als das Haus modernisiert wurde, änderten nichts an seiner Bedeutung als sozialer Treffpunkt.

Dass nun eine weitere Lücke in die Neuhauser Straße reißt, trifft viele emotional. Während andere Standorte der Galeria Kaufhof in München – etwa am Marienplatz – vorerst weiterbetrieben werden, markiert die Schließung hier das Ende einer Epoche. Was mit dem Gebäude passiert, steht noch nicht fest. Fest steht nur: Ein Stück Münchner Alltagskultur wird ab September 2024 nur noch Erinnerung sein.

Warum die Neuhauser Filiale nach 50 Jahren dichtmacht

Die Schließung der Galeria Kaufhof-Filiale in der Neuhauser Straße markiert das Ende einer Ära. Seit 1974 prägte das Warenhaus das Einkaufsbild der Münchner Innenstadt – doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln haben klassische Kaufhäuser in den letzten zehn Jahren bundesweit durchschnittlich 25 Prozent ihrer Kunden an Online-Händler und spezialisierte Fachgeschäfte verloren. Die Neuhauser Filiale blieb davon nicht verschont.

Besonders die veränderten Konsumgewohnheiten setzten dem Standort zu. Während die Fußgängerfrequenz in der Neuhauser Straße zwar hoch blieb, sank die Verweildauer der Kunden im Kaufhaus kontinuierlich. Statt durch Abteilungen zu schlendern, nutzen viele Passanten das Gebäude zunehmend als Durchgangsroute – ein Trend, den auch andere große Innenstadt-Kaufhäuser in Metropolen wie Berlin oder Hamburg beobachten.

Hinzu kamen strukturelle Herausforderungen. Die Mietkosten in der Neuhauser Straße zählen zu den höchsten Münchens, während die Umsätze pro Quadratmeter seit Jahren rückläufig waren. Branchenkenner verweisen darauf, dass selbst erfolgreiche Filialen heute mindestens 3.000 Euro Umsatz pro Quadratmeter und Jahr erzielen müssen, um rentabel zu bleiben – ein Wert, den die Neuhauser Dependance zuletzt deutlich verfehlte.

Der Rückzug ist auch ein Zeichen für den Wandel der gesamten Kaufhof-Gruppe. Seit der Übernahme durch die Signa Holding 2015 stand das Unternehmen unter Druck, unrentable Standorte zu konsolidieren. München bleibt zwar mit der Filiale am Marienplatz vertreten, doch die Schließung in der Neuhauser Straße zeigt: Selbst traditionsreiche Adressen sind nicht mehr automatisch sicher.

Was Kunden jetzt über Rückgaben und Gutscheine wissen müssen

Mit der Schließung der Galeria Kaufhof-Filiale in der Neuhauser Straße stehen Kunden vor praktischen Fragen – besonders zu Rückgaben und Gutscheinen. Laut einer aktuellen Umfrage des Handelsforschungsinstituts Köln nutzen rund 60 Prozent der Kaufhauskunden regelmäßig die Rückgabemöglichkeiten innerhalb von 30 Tagen. Wer Ware aus der Münchner Filiale zurückgeben möchte, kann dies bis zum letzten Öffnungstag am 31. Juli 2024 direkt vor Ort erledigen. Danach gelten die üblichen Konditionen: Rücksendungen sind per Post möglich, sofern der Kaufbeleg vorliegt und die Frist nicht überschritten wurde.

Gutscheine behalten ihre Gültigkeit – allerdings mit Einschränkungen. Die Galeria Kaufhof-Gruppe bestätigt, dass alle noch nicht eingelösten Gutscheine in anderen Filialen des Unternehmens oder online unter galeria.de verwendet werden können. Eine Barauszahlung ist ausgeschlossen. Besonders betroffen sind Inhaber von Filialgutscheinen, die explizit für die Neuhauser Straße ausgestellt wurden; hier empfiehlt das Unternehmen, sich direkt an den Kundenservice zu wenden, um eine Umbuchung zu prüfen.

Für Kunden, die kurz vor der Schließung noch Einkäufe tätigen, gilt: Umtausch und Reklamationen laufen über die zentrale Logistik in Essen. Experten raten, Belege digital zu archivieren und Fotos von defekten Artikeln anzufertigen, um im Streitfall Nachweise zu haben. Die Hotline der Galeria (0800 425 3742) ist montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr erreichbar – hier lassen sich auch individuelle Lösungen für komplexere Fälle klären.

Wer unsicher ist, ob sein Gutschein noch einlösbar ist, findet auf der Unternehmenswebsite eine aktuelle Liste aller akzeptierenden Filialen. Die nächste Galeria Kaufhof-Niederlassung in München befindet sich in der Kaufingerstraße 1–3, knapp 500 Meter vom bisherigen Standort entfernt.

Wie die Schließung das Einkaufsbild in der Innenstadt verändert

Die Schließung der Galeria Kaufhof-Filiale in der Neuhauser Straße hinterlässt eine Lücke, die weit über den Verlust eines Kaufhauses hinausgeht. Seit einem halben Jahrhundert prägte das Warenhaus das Einkaufsbild der Münchner Innenstadt – als Ankerpunkt für Fußgängerströme, Treffpunkt vor den Schaufenstern und Magnet für spontane Käufe. Studien des Einzelhandelsverbands Deutschland zeigen, dass große Kaufhäuser wie Galeria Kaufhof bis zu 30 Prozent der Passantenfrequenz in einer Einkaufsstraße generieren. Fehlt dieser Impulsgeber, droht ein Dominoeffekt: Kleinere Läden verlieren Laufkundschaft, Cafés und Restaurants spüren weniger Mittagsgäste, und selbst die U-Bahn-Station Marienplatz könnte weniger frequentiert werden.

Besonders spürbar wird der Wandel für die Neuhauser Straße selbst. Wo früher die gläsernen Aufzüge des Kaufhofs als Blickfang dienten, dominieren nun Leerstände und Baustellen. Die Stadt München hatte die Innenstadt längst als „Einzelhandelsstandort mit besonderer Bedeutung“ eingestuft – doch ohne starke Magnetbetriebe wird es schwieriger, diese Rolle zu halten. Immobilienexperten warnen bereits vor einer Verödung ähnlicher Prägung wie in anderen Großstädten, wo traditionelle Einkaufsstraßen nach Schließungen großer Kaufhäuser an Attraktivität verloren.

Doch nicht alles ist Verlust. Die Schließung zwingt die Stadt, über neue Konzepte nachzudenken. Pop-up-Stores, temporäre Kunstinstallationen oder Mischnutzungen mit Wohnraum und Gastronomie könnten die Fläche beleben. Andere Städte wie Köln oder Hamburg zeigen, wie ehemalige Kaufhausimmobilien durch kreative Umnutzung wieder zu lebendigen Orten werden. Ob München diesen Weg geht, hängt auch davon ab, wie schnell Investoren und Politik handeln.

Für die Kunden bleibt vorerst eine Gewöhnungsphase. Viele Münchner verbanden mit dem Kaufhof nicht nur Einkäufe, sondern Erinnerungen – an Weihnachtsdekorationen, die erste eigene Jacke oder das Café im Obergeschoss. Solche emotionalen Anker fehlen nun. Ob Online-Handel oder kleinere Boutiquen diesen Verlust ausgleichen können, ist fraglich.

Alternativen für Stammkunden: Wo es jetzt Mode und Service gibt

Mit dem Schließen der Galeria Kaufhof-Filiale in der Neuhauser Straße verlieren Münchner Stammkunden einen vertrauten Anlaufpunkt. Doch das Angebot an Mode und Service bleibt in der Innenstadt lebendig. Nur wenige Gehminuten entfernt hat das Kaufhaus Oberpollinger seine Pforten nach umfangreicher Sanierung wieder geöffnet. Das traditionsreiche Haus setzt auf exklusive Marken wie Hugo Boss, Tommy Hilfiger und eine persönliche Beratung, die an die frühere Kaufhauskultur anknüpft. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln bevorzugen 68 Prozent der Kundschaft in Großstädten stationäre Geschäfte mit individueller Anprobe und Sofortverfügbarkeit – ein Service, den reine Online-Händler nicht bieten können.

Wer preisbewusster shoppen möchte, findet im Peek & Cloppenburg am Marienplatz ein breites Sortiment von Businessmode bis zu Casual-Wear. Das Kaufhaus punktet mit regelmäßigen Rabattaktionen und einer großen Schuhabteilung, die viele ehemalige Galeria-Kunden bereits für sich entdeckt haben. Auch die Ludwig Beck am Marienplatz erweitert ihr Angebot: Neben Feinkost und Kosmetik führt das Haus seit Kurzem eine ausgewählte Kollektion an Accessoires und Basics von Marken wie Selected Femme oder Gant.

Für diejenigen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, lohnt sich ein Blick in die Konzeptstores der Innenstadt. Läden wie Glore in der Schellingstraße oder DearGoods in der Augustenstraße setzen auf fair produzierte Mode, Secondhand-Luxus und transparente Lieferketten. Hier wird Shopping zum Erlebnis – mit persönlichen Styling-Tipps und kleinen Events, die Community schaffen.

Serviceorientierte Alternativen bietet zudem das Kaufhaus Karstadt am Stachus, das nach der Übernahme durch die Signa Group wieder an Strahlkraft gewinnt. Mit einer eigenen Schneiderei, kostenloser Paketannahme und einer Café-Lounge im obersten Stockwerk positioniert es sich als moderner Nachfolger der klassischen Kaufhauskultur. Die Umstrukturierung zeigt Wirkung: Die Besucherfrequenz stieg im ersten Halbjahr 2024 um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mit dem Schließen der Kaufhof-Filiale in der Neuhauser Straße nach einem halben Jahrhundert geht nicht nur ein Stück Münchner Einzelhandelsgeschichte zu Ende, sondern zeigt sich auch der unaufhaltsame Wandel der Innenstädte zwischen Onlinehandel, Mietexplosionen und veränderten Konsumgewohnheiten. Die Schließung markiert einen weiteren Rückzug der großen Warenhäuser aus den traditionellen Einkaufsstraßen – ein Trend, der Händler wie Kunden gleichermaßen vor neue Herausforderungen stellt.

Wer die Lücke im Sortiment spürt, findet Alternativen in den verbleibenden Kaufhof-Standorten am Marienplatz oder Stachus, doch langfristig könnte sich der Fokus auf kleinere, spezialisierte Läden oder digitale Angebote lohnen. Die Zukunft der Neuhauser Straße wird nun davon abhängen, ob es gelingt, die Leerstände mit Konzepten zu füllen, die mehr bieten als nur Einkaufen – etwa Erlebnisgastronomie oder kulturelle Begegnungsorte.