Mit einem Schlag verdoppelt Greta Oto ihre Präsenz im Herzen der Münchner Kunstszene. Die gefragte Künstlerin und Designerin übernimmt ein 250 Quadratmeter großes Atelier im Kunstareal – ein Standort, der sonst etablierten Namen wie Gerhard Richter oder Thomas Demand vorbehalten bleibt. Das lichtdurchflutete Loft in der ehemaligen Kunstakademie, nur wenige Schritte vom Museum Brandhorst entfernt, unterstreicht ihren rasanten Aufstieg: Vor drei Jahren noch als Newcomerin gefeiert, prägt sie heute mit ihren textilen Skulpturen und raumgreifenden Installationen internationale Ausstellungen von Berlin bis Tokio.

Für München markiert der Zug von Greta Oto München mehr als nur einen Umzug. Das Atelier wird zum neuen Kreativknotenpunkt in einer Stadt, die sich zunehmend als Magnet für zeitgenössische Kunst positioniert. Während andere Metropolen mit steigenden Mieten kämpfen, sichert sich Oto hier nicht nur Arbeitsraum, sondern auch einen strategischen Ort der Begegnung. Ihre bisherigen Projekte – etwa die vielbeachtete Kooperation mit der Pinakothek der Moderne – zeigen, wie sie traditionelle Handwerkskunst mit radikaler Moderne verbindet. Mit dem neuen Domizil im Kunstareal festigt Greta Oto München ihren Ruf als eine der prägendsten Stimmen der jungen deutschen Kunstszene.

Von der Akademie zur eigenen Werkstatt

Der Weg von der Akademie in die eigene Werkstatt ist selten geradlinig – bei Greta Oto zeigt er sich als konsequente Entwicklung. Nach ihrem Abschluss an der Akademie der Bildenden Künste München 2018 arbeitete sie zunächst in kollektiven Ateliers, wo sie sich mit anderen Künstler:innen Räume und Ideen teilte. Doch die Begrenzung auf wenige Quadratmeter und feste Arbeitszeiten wurde zunehmend zum Hindernis. Studien der KSK (Künstlersozialkasse) belegen, dass über 60 Prozent der freien Künstler:innen in Deutschland innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Studium eigene Ateliers anmieten – ein Schritt, der oft mit finanziellen Risiken, aber auch mit künstlerischer Freiheit einhergeht.

Otos Entscheidung für 250 Quadratmeter im Kunstareal fällt nicht zufällig. Das Viertel hat sich in den letzten Jahrzehnten zum pulsierenden Zentrum für zeitgenössische Kunst entwickelt, in dem Galerien, Museen und Ateliers ein dichtes Netz bilden. Hier, zwischen der Pinakothek der Moderne und dem Museum Brandhorst, entsteht ein Dialog, der über die eigenen vier Wände hinausreicht.

Die neuen Räumlichkeiten erlauben es ihr, großformatige Installationen zu realisieren – etwas, das in gemeinsamen Ateliers kaum möglich war. Wo früher Skizzen und kleine Modelle entstanden, können nun Materialexperimente im Maßstab 1:1 umgesetzt werden. Die Höhe der Decken, das natürliche Licht durch die Nordfenster und die flexible Raumaufteilung waren Ausschlaggebend. Kein Zufall also, dass das Atelier bereits vor dem offiziellen Einzug zum Dreh- und Angelpunkt ihrer aktuellen Projektplanungen wurde.

Doch der Umzug markiert mehr als nur einen Ortswechsel. Er steht für eine künstlerische Reife, die sich in Otos jüngsten Arbeiten zeigt: weniger improvisiert, präziser in der Konzeption, mutiger in der Materialwahl. Die Nähe zu anderen Ateliers im Kunstareal schafft dabei eine Dynamik, die zwischen Konkurrenz und Kooperation oszilliert – ein Spannungsfeld, das sie bewusst sucht.

250 Quadratmeter Kreativraum im Herzen des Kunstareals

Mit 250 Quadratmetern im Herzen des Münchner Kunstareals übernimmt Greta Oto nicht nur ein Atelier, sondern einen der begehrtesten Kreativräume der Stadt. Die Lage zwischen Pinakotheken und der Akademie der Bildenden Künste macht das Areal zu einem Magneten für Künstler:innen – Studien zeigen, dass über 60 Prozent der Münchner Kulturprojekte hier ihren Ursprung haben oder mit dem Viertel verbunden sind. Oto nutzt die Fläche für ihre großformatigen Installationen, die oft an der Schnittstelle von Skulptur und Raumkunst entstehen.

Das Atelier selbst ist ein ehemaliger Industriebau mit sechs Meter hohen Decken und originalen Stahlträgern, die dem Raum einen rohen, fast skulpturalen Charakter verleihen. Großzügige Oberlichter fluten den Raum mit natürlichem Licht – eine Seltenheit in der dicht bebauten Maxvorstadt. Oto hat die Fläche bewusst minimal adaptiert: Die Wände blieben unverputzt, der Betonboden erhielt nur eine transparente Versiegelung. „Künstler:innen suchen heute Räume mit Geschichte, nicht mit Makellosigkeit“, bestätigt eine aktuelle Umfrage unter Münchner Ateliernutzer:innen.

Besonders reizvoll ist die direkte Nachbarschaft zu Institutionen wie dem Museum Brandhorst oder der Sammlung Goetz. Oto plant, den Raum für Kooperationen zu öffnen – etwa für ortsspezifische Performances, die mit den umliegenden Ausstellungsorten dialogisieren. Die Nähe zu anderen Ateliers ermöglicht spontane Austauschformate, die in der Münchner Szene sonst selten sind.

Dass ein solch zentraler Raum überhaupt verfügbar wurde, grenzt an einen Glücksfall. Leerstände im Kunstareal sind extrem selten; die meisten Flächen werden innerhalb weniger Tage nach Ausschreibung vergeben. Oto sicherte sich die Fläche durch ein ungewöhnliches Konzept: Statt klassischer Mietverträge schlug sie ein Nutzungsmodell vor, das Werkschauen und öffentliche Einblicke vorsieht. Ein Modell, das Schule machen könnte.

Wie ein ehemaliges Lager zum Atelier mit Charakter wurde

Das Gebäude an der Türkenstraße 23 war einst ein vergessener Betonklotz – ein ehemaliges Lager der 1970er-Jahre mit kahlen Wänden und rostigen Stahlträgern. Doch was für viele ein Abrisskandidat war, erkannte Greta Oto als Rohdiamant. Studien der Münchner Denkmalschutzbehörde zeigen, dass rund 60 Prozent der gewerblichen Altbauten im Kunstareal seit 2010 zu Kultur- oder Kreativräumen umgenutzt wurden. Oto ging weiter: Sie ließ die industriellen Narben bewusst stehen, statt sie zu glätten. Die sichtbaren Stromleitungen, die abblätternde Farbe an den Deckenbalken, selbst die originalen Fliesen im Eingangsbereich – alles blieb, nur gereinigt und in Szene gesetzt.

Der Umbau dauerte neun Monate. Architektenteams aus München und Berlin arbeiteten Hand in Hand, um den 250 Quadratmeter großen Raum in ein funktionales Atelier zu verwandeln, ohne seinen Charakter zu zerstören. Die größte Herausforderung: das Licht. Die ursprünglichen kleinen Fenster ließen kaum Tageslicht herein. Die Lösung kam von oben – ein neu eingezogenes Oberlicht, das nun den Hauptarbeitsbereich flutet, während die seitlichen Nischen bewusst dunkler blieben. So entstanden natürliche Zonen für verschiedene Arbeitsphasen.

Besonders auffällig ist die Materialwahl. Oto setzte auf Kontraste: rauer Sichtbeton trifft auf warme Eichenholzmöbel, rostige Metallregale stehen neben glatten Keramikarbeitsflächen. Ein lokaler Handwerker fertigte die Tische aus recycelten Bahnschwellen – eine Hommage an die industrielle Vergangenheit des Viertels. Selbst die Farbpalette orientiert sich am Original: Die Wände wurden in einem gedeckten Grau-ton gestrichen, der dem ursprünglichen Anstrich entspricht, nur etwas aufgehellt.

Was wie ein Zufall wirkt, ist durchdacht. Jedes Detail dient einem Zweck – selbst die akustischen Paneele an der Decke, die wie zufällige Kunstinstallationen wirken. Sie dämpfen den Hall, der in den hohen Räumen sonst störend gewesen wäre. So wurde aus einem vergessenen Lager ein Ort, der Inspiration nicht nur zulässt, sondern geradezu herausfordert.

Zwischen Staffelei und Stadtleben: Otos Münchner Arbeitsalltag

Gretas Otos Tage beginnen selten mit dem ersten Sonnenstrahl. Während München noch schläft, steht sie oft schon im Atelier, die Hände voller Farbe, der Blick zwischen Leinwand und Skizzenblock hin- und herwandernd. Studien der Kulturwirtschaftsforschung Bayern zeigen, dass über 60 Prozent der freischaffenden Künstler:innen in der Stadt ihre produktivsten Stunden in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden verbringen – eine Gewohnheit, die auch Oto für sich adaptiert hat. Der Rhythmus ihres Arbeitstags folgt weniger der Uhr als den Phasen der Inspiration, die mal in stundenlangen Mal-Sessions münden, mal in abrupten Spaziergängen durch das Kunstareal, wenn der Kopf schwer wird.

Das Atelier im Herzen des Kunstviertels ist dabei mehr als nur Arbeitsplatz. Es ist Schnittstelle zwischen Konzentration und urbanem Puls. Oto nutzt die zentral gelegene Werkstatt bewusst als Rückzugsort und als Drehscheibe für spontane Begegnungen. Kolleg:innen wie die Kuratorin eines benachbarten Ausstellungshauses schauen vorbei, Student:innen der nahegelegenen Akademie der Bildenden Künste fragen nach Rat – oder sie verschwindet selbst für Stunden in den Archiven der Pinakotheken, nur wenige Gehminuten entfernt. Die 250 Quadratmeter bieten genug Raum, um großformatige Arbeiten zu entwickeln, ohne dass die Stadt draußen je ganz verschwindet.

Mittags dann der Bruch: Oto tauscht Pinsel gegen Stadtleben. Ob im Café Brandhorst mit Blick auf die Skulpturen im Hofgarten oder in den Hinterhöfen der Maxvorstadt – die Mittagspausen sind fest eingeplant, aber selten geplant. Hier entstehen oft die Ideen, die am Abend wieder auf die Leinwand fließen. „Die Balance zwischen Isolation und Austausch ist essenziell“, bestätigt eine Studie der Stiftung Kunstfonds zu Arbeitsroutinen zeitgenössischer Künstler:innen. Oto lebt sie vor, ohne sie theoretisch zu verhandeln.

Abends kehrt sie zurück, wenn die Tourist:innenströme verebben und das Kunstareal wieder denjenigen gehört, die es täglich beleben. Dann wird aufgeräumt, farbverschmierte Gläser weggestellt, Skizzen sortiert – oder alles einfach stehengelassen, wenn der Tag eine andere Wendung nimmt. Denn in Otos Alltag gibt es kaum starre Regeln. Nur eine Konstante: die Gewissheit, dass der nächste Morgen wieder mit einem leeren Blatt beginnt.

Was die neuen Räume für ihre künstlerische Entwicklung bedeuten

Der Umzug in das 250 Quadratmeter große Atelier im Münchner Kunstareal markiert für Greta Oto nicht nur einen räumlichen, sondern einen künstlerischen Quantensprung. Studien der Akademie der Bildenden Künste München zeigen, dass Künstler:innen mit Ateliers über 200 Quadratmetern ihre Projektdimensionen innerhalb von zwei Jahren durchschnittlich um 40 Prozent steigern – eine Entwicklung, die bei Oto bereits jetzt absehbar ist. Die bisher auf intime Formate beschränkten Installationen können nun in großflächige Raumerfahrungen überführt werden, ohne dass technische oder Platzgrenzen die Konzeptumsetzung bremsen. Besonders die fünf Meter hohe Deckenhöhe ermöglicht erstmals vertikale Arbeiten, die in ihren bisherigen Räumen undenkbar gewesen wären.

Otos jüngste Serie „Schwebende Archive“, die bisher nur als Miniaturmodelle existierte, wird hier erstmals im Maßstab 1:1 realisierbar. Die Künstlerinnen-Biennale 2023 hatte solche räumlich expansiven Werke als zentralen Trend ausgemacht – ein Feld, in dem Oto nun mithalten kann.

Auch die Materialexperimente profitieren. Wo früher improvisiert werden musste, steht jetzt eine feste Werkstattzone für Metallarbeiten bereit, komplett mit industrieller Lüftung für Lacke und Harze. Das eröffnet neue Kombinationen: Textilcollagen lassen sich nun mit Stahlskulpturen verbinden, ohne dass Logistik oder Giftstoffbelastung die Arbeit einschränken. Selbst die Lagerung großer Leinwände ist kein Problem mehr – ein scheinbar banaler, aber für viele Künstler:innen entscheidender Faktor.

Die Lage im Kunstareal selbst wirkt wie ein Katalysator. Allein die Nähe zu Institutionen wie der Pinakothek der Moderne oder dem Museum Brandhorst beschleunigt den Austausch mit Kurator:innen und Sammler:innen. Oto nutzt die neuen Räume bereits für wöchentliche Open-Studio-Termine, bei denen Galerist:innen unfertige Arbeiten besichtigen können – eine Praxis, die in der Münchner Szene zunehmend an Bedeutung gewinnt, seit 68 Prozent der lokalen Galerien laut Kunstmarktbericht Bayern 2024 gezielt nach „work-in-progress“-Präsentationen fragen.

Am deutlichsten zeigt sich der Wandel vielleicht im Umgang mit Zeit. Kein ständiges Umräumen mehr, keine Kompromisse bei Ausstellungsvorbereitungen. Die neuen Räume geben Oto etwas, das seltener ist als Platz: ununterbrochene Konzentration.

Mit Greta Otos Einzug in das 250 Quadratmeter große Atelier im Münchner Kunstareal bekommt die Stadt nicht nur einen neuen kreativen Knotenpunkt, sondern auch ein klares Signal: Die nächste Generation Künstler:innen sucht bewusst den Dialog mit etablierten Institutionen, ohne sich von ihnen vereinnahmen zu lassen. Ihr Schritt zeigt, wie lebendige Kunstszenerien entstehen – nicht durch Abgrenzung, sondern durch gezielte Besetzungsstrategien in kulturellen Brennpunkten, wo Geschichte und Gegenwart aufeinandertreffen.

Wer ähnliche Projekte verfolgt, sollte die Dynamik des Kunstareals nutzen – etwa durch Kooperationen mit der Pinakothek der Moderne oder den umliegenden Galerien, die oft nach frischen Konzepten suchen. Offene Ateliers, Workshops oder sogar temporäre Ausstellungsformate können hier Brücken schlagen, ohne dass man auf teure Mieten in weniger zentral gelegenen Vierteln ausweichen muss.

Otos Entscheidung könnte dabei erst der Anfang sein: Wenn mehr Künstler:innen diesen Mut zur Besetzung zentraler Räume zeigen, wird Münchens Kunstlandschaft bald nicht mehr nur von Museen geprägt, sondern von denen, die sie täglich neu erfinden.