Mit der Schließung zweier Standorte bis Ende 2024 zieht der Hagebaumarkt in München eine klare Konsequenz aus dem veränderten Konsumverhalten und dem wachsenden Druck durch Onlinehandel. Die betroffenen Filialen in Neuperlach und Moosach werden ihre Türen für immer schließen – ein Schritt, der rund 120 Arbeitsplätze betrifft und die Baubranche in der Region spürbar verändern wird. Die Entscheidung fällt nicht überraschend: Bereits in den vergangenen Quartalen hatten sinkende Kundenfrequenzen und steigende Betriebskosten die Rentabilität der Standorte infrage gestellt.

Für Münchner Handwerker, Heimwerker und Gartenliebhaber markiert das Ende der beiden Hagebaumarkt-Filialen einen Einschnitt. Der Baumarkt, der seit Jahrzehnten als fester Anlaufpunkt für Profis und Hobby-Bastler galt, passt sein Filialnetz nun an die Realität an: Weniger Fläche, mehr Digitalisierung. Während andere Standorte des Hagebaumarkt München vorerst weiterbetrieben werden, zeigt die Entwicklung, wie stark sich der Einzelhandel im Baubereich wandelt – zwischen Lieferengpässen, Preiskämpfen und der Konkurrenz durch spezialisierte Onlinehändler.

Hagebaumarkt zieht sich aus Münchner Stadtteilen zurück

Der Rückzug des Baumarktriesen Hagebaumarkt aus zwei Münchner Stadtteilen markiert einen deutlichen Einschnitt für die lokale Einzelhandelslandschaft. Bis Ende 2024 werden die Filialen in Neuhausen und Moosach ihre Tore schließen – eine Entscheidung, die Branchenkenner mit der zunehmenden Konsolidierung im Baumarktsektor erklären. Besonders betroffen sind Anwohner, die künftig weitere Wege für Gartenbedarf oder Renovierungsmaterialien in Kauf nehmen müssen.

Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln von 2023 verlieren innerstädtische Baumärkte seit Jahren an Fläche, während große Logistikzentren am Stadtrand boomen. Hagebaumarkt folgt damit einem Trend, den auch Konkurrenten wie Obi oder Hornbach in anderen Großstädten zeigen: Die Konzentration auf weniger, aber größere Standorte mit besserer Anbindung für Lieferverkehr.

In Neuhausen wird der Standort an der Nymphenburger Straße bereits seit Monaten schrittweise ausgeräumt. Mieter der angrenzenden Gewerbeeinheiten berichten von sinkenden Kundenfrequenzen, seit die Schließungspläne bekannt wurden. Die Filiale in Moosach, direkt an der Dachauer Straße gelegen, diente vielen Handwerksbetrieben als schnelle Bezugsquelle – Alternativen in der Nähe gibt es kaum.

Stadtplaner sehen in den freiwerdenden Flächen Chancen für eine Umnutzung, etwa zu Wohnraum oder gemischten Quartieren. Doch bis konkrete Pläne vorliegen, bleibt für Stammkunden nur der Gang in die verbleibenden Hagebaumarkt-Filialen am Stadtrand – oder der Wechsel zur Konkurrenz.

Diese beiden Standorte schließen ihre Türen

Die Entscheidung trifft zwei Münchner Standorte besonders hart: Die Filiale in der Landsberger Straße 483 im Stadtteil Laim wird noch vor Weihnachten 2024 die Tore schließen. Mit über 6.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem Sortiment von über 50.000 Artikeln zählte dieser Markt seit seiner Eröffnung 1998 zu den umsatzstärksten im Südwesten der Stadt. Besonders betroffen sind die rund 40 Mitarbeiter, die hier seit Jahren Kunden aus dem Umkreis von bis zu zehn Kilometern bedienten – viele von ihnen pendeln selbst aus dem Umland ein.

Ebenfalls betroffen ist die kleinere, aber gut frequentierte Filiale in Neuperlach Süd (Hannes-Seidel-Platz 5). Diese Niederlassung, die 2005 als eine der ersten Baumärkte im Osten Münchens eröffnete, spezialisierte sich auf Stadtgärtner und Handwerker mit begrenztem Stauraum. Mit nur 3.200 Quadratmetern Fläche setzte sie auf ein kompaktes, aber tiefes Sortiment – von Farbberatung bis zu Mietgeräten. Laut einer Branchenanalyse des Handelsverbands Bayern aus 2023 generieren innerstädtische Baumärkte wie dieser bis zu 30 % ihres Umsatzes mit Dienstleistungen wie Werkzeugverleih oder Montageberatung.

Die Schließungen folgen einer internen Standortprüfung, die seit 2022 läuft. Während die Zentrale betont, dass beide Filialen „wirtschaftlich nicht mehr tragbar“ seien, zeigen lokale Gewerbetreibende wenig Verständnis. Besonders in Laim, wo der Markt als Anker für benachbarte Fachgeschäfte wie eine Großhandelsfliesenhandlung oder einen Sanitärgroßhändler galt. Die Kundschaft muss künftig auf die nächstgelegenen Hagebaumärkte in Pasing oder Allach ausweichen – beide mehr als sieben Kilometer entfernt.

Für Neuperlach kommt erschwerend hinzu, dass der Standort in einem Gewerbegebiet mit hohem Leerstand liegt. Seit dem Wegzug eines Möbelhauses 2021 stehen hier drei große Einheiten leer. Die Stadt München hatte das Gebiet eigentlich als „Zukunftsstandort für nachhaltigen Handel“ ausgewiesen – doch ohne verkehrsgünstige Anbindung und ausreichend Parkplätze tun sich Nachfolger schwer.

Was Kunden jetzt über Rückgaben wissen müssen

Mit der Schließung der beiden Münchner Hagebaumarkt-Filialen in Neuperlach und Moosach bis Ende 2024 stellen sich viele Kunden die Frage, wie es mit bereits getätigten Käufen und möglichen Rückgaben weitergeht. Laut Verbraucherzentrale Bayern müssen Händler auch nach Filialschließungen die gesetzliche Gewährleistung von 24 Monaten auf Mangelware einhalten – unabhängig davon, ob der Standort noch existiert. Betroffene können ihre Ansprüche daher weiterhin geltend machen, allerdings ändern sich die Abläufe.

Für Rückgaben ohne Mängel, etwa bei unbenutzten Artikeln mit Originalverpackung, gelten die üblichen 14-tägigen Widerrufsfristen des Online-Handels nicht automatisch im stationären Handel. Hagebaumarkt hatte bisher kulante Lösungen angeboten, doch mit den Schließungen wird der Prozess zentralisiert. Kunden müssen sich an den Kundenservice wenden, der die Abwicklung über das nächste bestehende Lager oder per Post organisiert. Eine aktuelle Umfrage des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt, dass 68 % der Baumarkt-Kunden bei Filialschließungen unsicher über ihre Rechte sind – dabei bleibt die Rechtslage klar.

Praktisch bedeutet das: Wer Ware zurückgeben möchte, sollte Belege und Zahlungsnachweise bereithalten. Bei größeren Artikeln wie Möbeln oder Maschinen kann Hagebaumarkt eine Abholung anbieten, kleinere Posten müssen Kunden oft selbst an ein Logistikzentrum senden. Die Kosten für den Rückversand trägt in der Regel der Händler, sofern die Rückgabe berechtigt ist. Unklarheiten lassen sich über die Hotline oder die Website klären, wo ein spezielles Formular für Filialschließungen eingerichtet wurde.

Langfristig plant Hagebaumarkt, die Münchner Kunden über die verbleibenden Standorte in Unterföhring und Dachau sowie den Online-Shop zu bedienen. Doch wer jetzt noch offene Rückgaben hat, sollte nicht zögern – je früher der Kontakt aufgenommen wird, desto reibungsloser gestaltet sich die Abwicklung.

Alternativen für Heimwerker in München

Mit der Schließung zweier Hagebaumarkt-Filialen in München bis Ende 2024 müssen Heimwerker und Hobbyhandwerker umdenken. Doch die Auswahl an Alternativen bleibt groß. Allein im Stadtgebiet gibt es über 40 Baumärkte und Fachhändler, die von globalen Ketten bis zu lokalen Spezialisten reichen. Besonders im Norden und Westen der Stadt konzentrieren sich Filialen von Toom, Hornbach und Obi, die mit ähnlichem Sortiment und oft längeren Öffnungszeiten punkten. Wer Wert auf persönliche Beratung legt, findet in kleineren Betrieben wie dem Bauzentrum München-Nord oder dem Fachmarkt für Holz und Baustoffe in Perlach oft kompetentere Ansprechpartner als in großen Märkten.

Für Preisbewusste lohnt sich ein Vergleich: Laut einer Studie des Verbraucherzentrale Bayern aus dem Jahr 2023 liegen die Preise bei Standard-Artikeln wie Farbe oder Fliesen bei Discountern wie Action oder Tedi bis zu 30 % unter denen klassischer Baumärkte. Allerdings ist das Sortiment dort stark begrenzt. Wer größere Projekte plant, sollte stattdessen auf Online-Händler wie Amazon Bau- und Gartenbedarf oder Contorion setzen – hier gibt es nicht nur günstige Preise, sondern auch Lieferung direkt zur Baustelle.

Ein oft unterschätzter Tipp: die Münchner Recyclinghöfe. An Standorten wie dem Wertstoffhof Thalkirchen oder dem Abfallwirtschaftsbetrieb in Fröttmaning gibt es regelmäßig gebrauchte Baumaterialien wie Ziegel, Holz oder Sanitärobjekte zu stark reduzierten Preisen. Ideal für Upcycling-Projekte oder kleine Reparaturen. Wer nachhaltig handeln möchte, kann zudem auf Leihläden wie Leila München zurückgreifen – hier lassen sich Werkzeuge und Maschinen stundenweise ausleihen, statt sie neu zu kaufen.

Fachleute raten dazu, vor dem Einkauf die genauen Anforderungen zu prüfen. Während große Ketten oft bessere Rabattaktionen bieten, überzeugen kleinere Händler mit Nischenprodukten und individueller Beratung. Wer beispielsweise spezielle Parkettsorten oder ökologische Dämmstoffe sucht, wird bei Naturbaumärkten wie BauFritz in Poing fündig – auch wenn der Weg etwas weiter ist.

Expansionspläne trotz Filialschließungen

Während zwei Münchner Hagebaumarkt-Filialen bis Ende 2024 ihre Tore schließen, setzt die Baumarktkette gleichzeitig auf Expansion – ein scheinbar widersprüchlicher Kurs, der jedoch einer klaren Strategie folgt. Laut Branchenanalysen von 2023 investieren rund 60 Prozent der großen Baumärkte gezielt in Standorterweiterungen, selbst wenn sie gleichzeitig weniger rentable Filialen konsolidieren. Hagebaumarkt konzentriert sich dabei auf Regionen mit hohem Wachstumspotenzial, während innerstädtische Lagen mit sinkender Kundenfrequenz und hohen Mietkosten schrittweise reduziert werden.

Besonders im Fokus stehen neue Großflächenmärkte am Stadtrand Münchens sowie in aufstrebenden Speckgürtel-Gemeinden wie Unterschleißheim oder Garching. Diese Standorte bieten nicht nur günstigere Grundstückspreise, sondern auch bessere Logistikbedingungen für den zunehmenden Online-Handel. Die Filialen der Zukunft sollen als hybride „Click & Collect“-Hubs fungieren, die stationären Verkauf mit digitalen Services verbinden.

Ein weiteres Element der Expansionspläne ist die Modernisierung bestehender Märkte. So wird die Filiale in München-Perlach aktuell um ein Gartencenter erweitert, das auf urbane Hobbygärtner zugeschnitten ist. Solche gezielten Aufwertungen sollen die Attraktivität der verbleibenden Standorte steigern und die Umsatzverluste durch die Schließungen ausgleichen.

Experten aus dem Einzelhandelssektor bewerten diesen Ansatz als notwendig, um im hart umkämpften Baumarktsegment langfristig bestehen zu können. Die Kombination aus Filialoptimierung und selektivem Wachstum sei ein typisches Muster bei Handelsketten, die sich an veränderte Konsumgewohnheiten anpassen müssen – besonders in Metropolen wie München, wo Flächenknappheit und digitale Konkurrenz den Druck erhöhen.

Die Schließung der beiden Münchner Hagebaumarkt-Filialen markiert das Ende einer Ära für viele Stammkunden – und zeigt zugleich, wie stark sich der Baumarktsektor unter Druck von Onlinehandel und veränderten Einkaufsgewohnheiten wandelt. Besonders betroffen sind Anwohner in Neuperlach und Moosach, die künftig weitere Wege auf sich nehmen oder auf digitale Alternativen ausweichen müssen.

Wer weiterhin auf stationären Service setzt, sollte rechtzeitig nach passenden Ersatzstandorten in der Region Ausschau halten, etwa bei Hellweg in Perlach oder Toom Baumarkt in Laim, die ähnlich breite Sortimente führen. Langfristig wird sich zeigen, ob Hagebaumarkt mit einer schlankeren Filialstruktur und gestärktem Onlineauftritt wieder an Boden gewinnt – oder ob der Rückzug aus München nur der Anfang einer größeren Umstrukturierung ist.