Mit einem Rekordbesuch von über 2,3 Millionen Gästen im vergangenen Jahr gehört der Zoo München zu den beliebtesten tierischen Attraktionen Deutschlands – und das seit nunmehr 110 Jahren. Doch 2024 wird das Jubiläum mit einem besonderen Highlight gekrönt: Erstmals seit Jahrzehnten sind hier seltene Sumatratiger-Zwillinge geboren worden, eine Sensation für den Artenschutz. Die beiden Jungtiere, deren Population in freier Wildbahn auf weniger als 400 Exemplare geschrumpft ist, markieren nicht nur einen Meilenstein für den Münchner Zoo, sondern unterstreichen auch seine wachsende Rolle in internationalen Zuchtprogrammen.
Während die Tigerbabys bereits für Begeisterung sorgen, setzt der Zoo München gleichzeitig auf moderne Tierhaltung: Zwei neu gestaltete Gehege für Robben und Flusspferde öffnen noch in diesem Sommer ihre Tore. Die Investitionen von über 12 Millionen Euro zeigen, wie der traditionsreiche Zoo zwischen Isar und Hellabrunner Straße Nostalgie und Innovation verbindet. Für Besucher wird das Jubiläumsjahr damit zum doppelten Erlebnis – zwischen historischen Wurzeln und zukunftsweisenden Konzepten, die Tierbeobachtung auf ein neues Niveau heben.
Ein Jahrhundert Wildtierbegeisterung in München
Als der Hellabrunn Zoo 1911 seine Tore öffnete, war er einer der ersten Tiergärten weltweit, der das Konzept der geographischen Freianlagen umsetzte. Statt enger Käfige prägten natürliche Landschaften das Bild – eine Revolution für die damlige Zeit. Die Münchner strömten herbei, und schon im ersten Jahr zählte man über 250.000 Besucher. Was als bescheidenes Projekt mit 300 Tieren begann, entwickelte sich rasant: 1928 kam das erste Elefantenkalb zur Welt, 1937 folgte der Bau des berühmten Polariums.
Die Begeisterung für Wildtiere überdauerte Kriege und Wirtschaftskrisen. In den 1950er-Jahren avancierte Hellabrunn zum Vorreiter der artgerechten Haltung. Zoologische Gesellschaften lobten besonders die 1954 eröffnete, 2.000 Quadratmeter große Savannenlandschaft – damals eine Sensation. Tierbestandslisten aus den Archiven zeigen: Während andere Zoos noch mit Betonbecken arbeiteten, setzte München auf Teiche mit natürlichem Bewuchs und Felsformationen, die den Tieren Rückzugsräume boten.
Ein Meilenstein war 1980 die Geburt des ersten Sibirischen Tigers in Hellabrunn. Die Zucht dieser bedrohten Art wurde seither zu einer Erfolgsgeschichte. Laut dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) stammen heute 12 Prozent aller in Zoos geborenen Sibirischen Tiger von Münchner Vorfahren ab – ein Beleg für die fachliche Kompetenz des Teams. Die Tigerzwillinge, die nun das Jubiläum krönen, sind direkte Nachkommen dieser Linie.
Doch nicht nur große Raubtiere faszinierten die Besucher. Die 1990er-Jahre brachten eine Welle der Modernisierung: Das Tropenaquarium, 1992 eröffnet, zeigte erstmals Korallenriffe in originalgetreuer Nachbildung. Kinder bestürmten die neuen Streichelgehege, während Biologen die erfolgreiche Nachzucht von Roten Pandas feierten – eine Art, deren Bestände in freier Wildbahn damals dramatisch schrumpften. Hellabrunn hatte sich längst vom lokalen Ausflugsziel zum internationalen Akteur im Artenschutz gewandelt.
Tigerzwillinge als Stars der Jubiläumsfeier
Die beiden Sumatratiger-Zwillinge, erst vor wenigen Wochen im Münchner Tierpark Hellabrunn geboren, stahlen den Gästen der 110-Jahr-Feier die Show. Mit ihrem dichten, leuchtend orangefarbenen Fell und den noch etwas tollpatschigen Bewegungen zogen sie alle Blicke auf sich – besonders, als sie zum ersten Mal gemeinsam die Außenanlage betraten. Die seltenen Raubkatzen gelten als stark gefährdet; nach Angaben des World Wildlife Fund leben weltweit nur noch etwa 400 bis 500 Sumatratiger in freier Wildbahn. Ihre Geburt in Hellabrunn unterstreicht damit nicht nur den Erfolg des europäischen Erhaltungszuchtprogramms, sondern auch die Bedeutung des Zoos für den Artenschutz.
Besucher drängten sich vor dem neuen Tigergehege, das extra für die wachsende Familie umgebaut worden war. Die Zwillinge, ein Männchen und ein Weibchen, erkundeten neugierig die künstlich angelegten Felsformationen und Wasserläufe, während ihre Mutter Lima wachsam im Hintergrund blieb. Tierpfleger berichteten, dass die Jungtiere bereits jetzt ein ausgeprägtes Spielverhalten zeigen – ein gutes Zeichen für ihre Entwicklung.
Hellabrunns Direktor betonte während der Feierlichkeiten, wie selten es sei, Tigerzwillinge in menschlicher Obhut erfolgreich aufzuziehen. Die Geburt falle zudem in ein besonderes Jahr: 1914 als Tiergrotten gegründet, hat sich der Zoo längst zu einem modernen Artenschutzzentrum gewandelt. Die Zwillinge symbolisieren diesen Wandel – und werden künftig als Botschafter für den Schutz ihrer Art dienen.
Für Fotobegeisterte war der Tag ein Traum: Die kleinen Raubtiere posierten fast schon professionell vor den Kameras, mal beim Balgen im Gras, mal beim vorsichtigen Herantasten an ein neues Spielzeug. Ein Gast nannte sie scherzhaft die „Stars des Jubiläums“ – und tatsächlich dürften die beiden künftig zu den beliebtesten Attraktionen Hellabrunns zählen.
Neue Gehege für mehr Artenschutz und Besuchererlebnis
Der Hellabrunn Zoo setzt mit seinen neuen Gehegen Maßstäbe für modernen Artenschutz und ein immersives Besuchererlebnis. Die 2023 fertiggestellte, 2.500 Quadratmeter große Asien-Anlage simuliert mit natürlichen Wasserläufen, dichter Vegetation und Felsformationen den Lebensraum bedrohter Arten wie des Roten Pandas oder des Axishirschs. Besonders auffällig: Die transparenten Glasfronten, die ohne sichtbare Gitter auskommen und so den Tieren mehr Ruhe, den Besuchern aber ungestörte Einblicke bieten.
Hinter der Gestaltung steht ein Konzept, das Tierwohl und Bildung verbindet. Studien des World Association of Zoos and Aquariums (WAZA) zeigen, dass artgerechte Gehege mit natürlichen Strukturen das Stresslevel bei Tieren um bis zu 40 Prozent senken können – eine entscheidende Voraussetzung für erfolgreiche Zuchtprogramme. In Hellabrunn profitieren davon vor allem seltene Arten wie die erst kürzlich geborenen Tigerzwillinge, deren Eltern im neuen Tigerterritorium deutlich ausgeglichener agieren.
Auch für Besucher ändert sich die Perspektive. Statt klassischer Beobachtungspunkte laden nun erhöhte Stege und unterirdische Aussichtsfenser dazu ein, die Tiere aus ungewöhnlichen Winkeln zu erleben. Die Reaktionen sind eindeutig: Laut einer internen Umfrage verbringen Gäste im Schnitt 30 Prozent mehr Zeit in den neu gestalteten Bereichen.
Besonders stolz ist der Zoo auf die nachhaltige Bauweise. Recycelte Materialien, Regenwassernutzung und eine energieeffiziente Klimatisierung der Innenbereiche reduzieren den ökologischen Fußabdruck deutlich. Ein Modell, das Schule machen soll – nicht nur in München, sondern als Blaupause für Zoos weltweit.
Wie die Tierpfleger den Zoo fit für die Zukunft machen
Hinter den Kulissen des Münchner Zoos Hellabrunn läuft seit Jahren ein stiller Wandel, der Tierpfleger zu Gestaltern der Zukunft macht. Statt nur Futter zu verteilen oder Gehege zu reinigen, entwickeln sie heute artgerechte Lebensräume mit – basierend auf neuesten Erkenntnissen der Verhaltensforschung. Ein Beispiel: Die 2022 eröffnete „Urwaldlandschaft“ für die Gorillas entstand in enger Abstimmung mit Pflegern, die jahrzehntelange Beobachtungen einbrachten. Ihr Wissen fließt direkt in die Planung, von der Position der Kletteräste bis zur Beschattung der Rückzugsbereiche.
Zahlen unterstreichen den Erfolg dieses Ansatzes. Laut dem Europäischen Zooverband (EAZA) steigt die Lebenserwartung von Zootieren um bis zu 30 Prozent, wenn ihre Umgebung natürlichen Habitaten nachempfunden ist. Hellabrunns Pfleger nutzen diese Daten gezielt: Sie dokumentieren täglich Verhaltensmuster, von der Fressdauer der Elefanten bis zu den Schlafplätzen der Schneeleoparden. Diese Protokolle bilden die Grundlage für Anpassungen – etwa beim neuen Tigergehege, das 2024 mit erhöhten Plattformen für bessere Aussichtspunkte eröffnet.
Auch bei der Aufzucht seltener Arten spielen die Pfleger eine Schlüsselrolle. Die kürzlich geborenen Tigerzwillinge werden rund um die Uhr betreut, wobei die Mitarbeiter nicht nur füttern, sondern auch gezielte Reize setzen. Ein Trick: Geräusche aus dem asiatischen Dschungel, die über versteckte Lautsprecher eingespielt werden, bereiten die Jungtiere auf ein späteres Leben in größeren Gehegen vor. Solche Maßnahmen zeigen, wie sich klassische Tierpflege in eine wissenschaftlich fundierte Zukunftsarbeit verwandelt.
Technik unterstützt die Mitarbeiter dabei zunehmend. Wärmebildkameras überwachen nachts die Aktivität der Tiere, während Sensoren im Boden Bewegungsmuster aufzeichnen. Doch die entscheidenden Impulse kommen von den Pflegern selbst – etwa wenn sie vorschlagen, Wasserläufe umzuleiten, weil die Pinguine bestimmte Strömungen bevorzugen. Ihr Erfahrungsschatz macht Hellabrunn zu einem Vorreiter, bei dem Tradition und Innovation Hand in Hand gehen.
Von der Isar an die Welt: Hellabrunns globale Mission
Der Tierpark Hellabrunn ist längst mehr als nur ein Münchner Ausflugsziel. Seit seiner Gründung 1911 hat sich der Zoo zu einer global agierenden Institution entwickelt, die Artenschutzprojekte auf fünf Kontinenten unterstützt. Über 30 internationale Programme koordiniert Hellabrunn heute – von der Rettung der letzten Vaquita-Population im Golf von Kalifornien bis zum Schutz der Schneeleoparden im Himalaya. Die enge Zusammenarbeit mit der International Union for Conservation of Nature (IUCN) unterstreicht dabei die wissenschaftliche Relevanz der Münchner Arbeit.
Besonders stolz ist der Zoo auf seine Zuchterfolge bei bedrohten Arten. Die kürzlich geborenen Tigerzwillinge sind nur ein Beispiel: Seit 2010 konnten in Hellabrunn über 150 Nachzuchten seltener Tiere erfolgreich in Schutzgebiete ausgewildert werden. Ein Meilenstein war 2022 die Rückkehr von vier Europäischen Sumpfschildkröten in die Donau-Auen – die erste Auswilderung dieser Art in Bayern seit Jahrzehnten.
Doch globale Mission bedeutet auch lokale Verantwortung. Hellabrunns Bildungsprogramme erreichen jährlich über 50.000 Schüler. Durch Kooperationen mit Münchner Universitäten fließen aktuelle Forschungsergebnisse direkt in die Zoo-Praxis ein. So entstand etwa das preisgekrönte Konzept der „naturnahen Gehege“, das heute weltweit als Standard gilt.
Die 110-Jahr-Feier wird daher auch zum Brückenschlag: Während Besucher die neuen Anlagen bewundern, läuft hinter den Kulissen die Planung für ein Großprojekt in Madagaskar. Dort soll 2025 ein von Hellabrunn mitfinanziertes Schutzgebiet für Lemuren entstehen – ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Zoos, der die Isar mit der Welt verbindet.
Mit 110 Jahren Geschichte, seltenen Tigerzwillingen und modernisierten Gehegen beweist der Hellabrunn Zoo einmal mehr, warum er zu den faszinierendsten Tierparks Europas zählt – hier verbinden sich Tradition, Artenschutz und innovative Tierhaltung auf einzigartige Weise. Die Jubiläumsfeierlichkeiten und neuen Attraktionen wie das Asien-Gehege machen 2024 zum idealen Jahr für einen Besuch, ob als Münchner Routineausflug oder als Highlight für Touristen.
Wer die seltenen Sibirischen Tigerbabys oder die erweiterten Lebensräume der Elefanten live erleben möchte, sollte die Öffnungszeiten und Sonderführungen auf der Zoo-Website prüfen – besonders an Wochenenden und in den Ferien lohnt sich frühzeitiges Ticket-Buchen. Der Hellabrunn bleibt damit nicht nur ein Ort der Begegnung mit der Tierwelt, sondern auch ein lebendiges Beispiel dafür, wie Zoos heute als Schutzzentren und Bildungsstätten wirken.

