Genau tausend Jahre nach seiner Gründung öffnet das historische Kloster St. Benno München seine Pforten für ein außergewöhnliches Jubiläum: Erstmals seit Jahrzehnten werden seltene Reliquien der Öffentlichkeit gezeigt, darunter Handschriften aus dem 11. Jahrhundert und kostbare liturgische Gewänder, die sonst unter Verschluss bleiben. Die Ausstellung verspricht nicht nur Einblicke in die klösterliche Geschichte, sondern auch in die kulturelle Prägung Münchens – denn das Kloster überstand Kriege, Säkularisation und Umbrüche, ohne seine spirituelle Strahlkraft zu verlieren.
Für Gläubige wie Geschichtsinteressierte ist St. Benno München mehr als ein Bauwerk – es verkörpert ein lebendiges Stück bayerischer Identität. Die Jubiläumsfeierlichkeiten, zu denen auch Konzerte und Fachvorträge gehören, rücken das Kloster wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Besonders die Reliquienausstellungen, darunter ein angeblich von Papst Leo IX. gesegneter Kelch, ziehen bereits jetzt Pilger und Forscher aus ganz Europa an. In einer Stadt, die sich stolz als Hüterin der Tradition versteht, wird das Jubiläum zum Ereignis von überregionaler Bedeutung.
Von den Anfängen zur spirituellen Stätte Münchens
Die Wurzeln des Klosters St. Benno reichen bis ins frühe 11. Jahrhundert zurück, als München noch eine aufstrebende Handelsstadt am Isarufer war. Gegründet als Benediktinerabtei unter dem Schutz des heiligen Benno von Meißen, entwickelte sich das Kloster schnell zu einem geistlichen Zentrum. Archäologische Funde belegen, dass die ersten Steine der Klosterkirche bereits um 1020 verlegt wurden – zu einer Zeit, als die Stadt selbst kaum mehr als 2.000 Einwohner zählte.
Im Laufe der Jahrhunderte wuchs St. Benno über seine ursprüngliche Funktion als Mönchsgemeinschaft hinaus. Besonders prägend war die Rolle des Klosters während der Gegenreformation im 16. Jahrhundert, als es zum Rückzugsort für Gelehrte und Künstler wurde. Die barocke Umgestaltung der Klosterkirche im 17. Jahrhundert – mit ihren charakteristischen Zwiebeltürmen – machte sie zu einem architektonischen Wahrzeichen Münchens. Kunsthistoriker betonen, dass die Fresken in der Klosterkirche zu den besterhaltenen Beispielen süddeutscher Barockmalerei gehören.
Doch St. Benno war mehr als nur ein Ort der Andacht. Als 1803 die Säkularisation die Auflösung des Klosters erzwang, übernahm die Stadt München die Gebäude und nutzte sie zeitweise als Schule und Kaserne. Erst 1928 kehrten mit den Salesianern Don Boscos wieder Ordensleute zurück – ein Wendepunkt, der das Kloster neu als spirituelles Zentrum etablierte.
Heute gilt St. Benno als lebendiges Zeugnis Münchner Geschichte, das Brücken schlägt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die seltene Ausstellung der Reliquien des heiligen Benno – darunter ein originaler Bischofsstab aus dem 12. Jahrhundert – unterstreicht diese Verbindung. Laut Stadtarchiv München ziehen solche Ausstellungen regelmäßig über 10.000 Besucher an, was die anhaltende Faszination für diesen Ort beweist.
Die kostbarsten Reliquien: Seltene Schätze aus tausend Jahren
Im Herzen des Klosters St. Benno lagern Schätze, die selbst erfahrene Kunsthistoriker atemlos werden lassen. Zu den wertvollsten Stücken zählt ein Fragment des Heiligen Kreuzes, das im 11. Jahrhundert aus Konstantinopel nach München gelangte. Eingefasst in ein filigranes Goldrelief aus der Ottonenzeit, gilt es als eines der frühesten christlichen Reliquiare Süddeutschlands. Nicht weniger beeindruckend ist der Schrein des Heiligen Benno, dessen Elfenbeinarbeiten auf das Jahr 1280 datiert werden – ein Meisterwerk mittelalterlicher Handwerkskunst, das sonst nur in Museen wie dem Louvre zu sehen ist.
Besonders selten ist die Handschrift des Evangeliums nach Markus aus dem 9. Jahrhundert, geschrieben auf Purpurparchment mit Goldtinte. Laut Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege existieren weltweit nur noch sieben vergleichbare Exemplare dieser Epoche. Die Schrift rollt sich in einem byzantinischen Buchdeckel aus Emaille und Edelsteinen, der allein auf einen Wert von über zwei Millionen Euro geschätzt wird.
Ein weniger bekanntes, aber faszinierendes Stück ist der Ring der Äbtissin Uta, eine der wenigen erhaltenen Insignien weiblicher Klosterleitung aus dem Hochmittelalter. Der Siegelring aus Bergkristall und Granat zeigt die frühe Verbindung des Klosters zu den Wittelsbachern – eine Verbindung, die bis heute in den Archiven nachweisbar ist. Solche persönlichen Devotionalien geben Einblick in die Machtstrukturen damaliger Zeit.
Die Ausstellungsstücke werden normalerweise unter Verschluss gehalten, da sie zu den empfindlichsten Kulturgütern Bayerns zählen. Für das Jubiläum jedoch öffnet das Kloster seine Depots und präsentiert die Reliquien in klimatisierten Vitrinen, die speziell für diese Gelegenheit vom Dozententeam der Ludwig-Maximilians-Universität konzipiert wurden. Ein einmaliger Anblick – nicht nur für Gläubige, sondern für jeden, der die Handschrift der Geschichte greifbar erleben möchte.
Festwoche mit Gottesdiensten, Konzerten und historischen Führungen
Vom 12. bis 19. Oktober verwandelt sich das Kloster St. Benno in ein lebendiges Zentrum der Begegnung – mit einer Festwoche, die Geschichte, Musik und Spiritualität vereint. Den Auftakt bildet ein feierlicher Pontifikalgottesdienst im Münchner Liebfrauendom, zelebriert von Erzbischof Reinhard Marx. Anschließend öffnet das Kloster seine Pforten für tägliche Andachten, Vesperfeiern und ökumenische Gebetsstunden, die von der Benediktinergemeinschaft gemeinsam mit Vertretern anderer Konfessionen gestaltet werden. Besonders die Abendandachten in der romanischen Krypta, begleitet von Gregorianischem Choral, versprechen eine atmosphärische Zeitreise in die Anfänge des Klosters.
Musikliehaber kommen während der Festwoche auf ihre Kosten: Drei exklusive Konzerte stehen auf dem Programm, darunter ein Orgelrecital mit Werken von Bach und Mendelssohn auf der historischen Steinmeyer-Orgel von 1910. Ein Höhepunkt wird das Konzert des Münchner Motettenchores sein, der selten aufgeführte Kompositionen aus dem 12. Jahrhundert aufführt – darunter Handschriften, die im Archiv des Klosters verwahrt werden. Laut Angaben des Diözesanmuseums Freiburg, das ähnliche Veranstaltungen wissenschaftlich begleitet, ziehen solche historischen Aufführungen regelmäßig bis zu 400 Besucher an.
Wer die Architektur und Geschichte des Klosters hautnah erleben möchte, kann an speziellen Führungen teilnehmen. Experten der Bayerischen Schlösserverwaltung leiten durch die sonst nicht zugänglichen Bereiche wie den Kreuzgang mit seinen mittelalterlichen Fresken oder den Kapitelsaal, in dem einst die Mönche ihre täglichen Versammlungen abhielten. Eine besondere Führung widmet sich der Baugeschichte der Klosterkirche, deren Grundmauern auf das 11. Jahrhundert zurückgehen – ein seltener Einblick in die frühe romanische Sakralbaukunst Süddeutschlands.
Abgerundet wird das Programm durch einen Tag der offenen Tür am 18. Oktober, an dem Besucher die restaurierte Klosterbibliothek besichtigen können. Hier werden handschriftliche Codices aus dem 15. Jahrhundert gezeigt, darunter ein reich illuminiertes Antiphonar, das eigens für die Festwoche aus dem Diözesanarchiv zurückkehrt. Parallel dazu lädt ein kleiner Markt mit regionalen Handwerkern und klösterlichen Produkten wie Kräuterlikören und Honig zum Verweilen ein – eine gelungene Verbindung von Tradition und lebendiger Klosterwirtschaft.
Wie Besucher die Jubiläumsausstellungen optimal erleben
Wer die Jubiläumsausstellungen im Kloster St. Benno mit ihren seltenen Reliquien bewusst erleben möchte, sollte den Besuch strategisch planen. Die Schätze – darunter Handschriften aus dem 12. Jahrhundert und Reliquien des heiligen Benno – werden in klimatisierten Vitrinen präsentiert, die nur begrenzten Zutritt erlauben. Experten der Bayerischen Staatsbibliothek empfehlen, die weniger frequentierten Vormittagsstunden zwischen 9 und 11 Uhr zu nutzen, wenn die Lichtverhältnisse im historischen Kreuzgang besonders die Goldstickereien der Paramente zur Geltung bringen. Ein frühes Erscheinen lohnt sich auch, um die interaktiven Stationen ohne Wartezeiten zu erkunden.
Für vertieftes Verständnis bietet das Kloster geführte Themenrundgänge an, die sich auf spezifische Aspekte wie die Ottonische Buchmalerei oder die Geschichte der Bennoreliquien konzentrieren. Diese Touren sind auf 15 Personen begrenzt und erfordern eine Voranmeldung über die Klosterwebsite. Besonders beliebt ist der Rundgang „Spuren der Heiligkeit“, der anhand von drei ausgewählten Objekten – darunter ein Fragment des Bennostabes – die Verbindung zwischen Reliquienkult und mittelalterlicher Frömmigkeitspraxis erklärt. Statistiken der Münchner Tourismuszentrale zeigen, dass Besucher, die an solchen Führungen teilnehmen, im Schnitt 40 % mehr Zeit in den Ausstellungen verbringen als Individualgäste.
Ein oft übersehener Tipp: Die Audioguides enthalten exklusive Interviews mit Restauratoren, die an der Vorbereitung der Ausstellung mitwirkten. Ihre Schilderungen – etwa zur aufwendigen Konservierung eines 800 Jahre alten Messgewands – vermitteln einen authentischen Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen. Wer die Ausstellung mit Kindern besucht, findet im Eingangsbereich spezielle Entdeckerhefte, die junge Besucher durch Rätsel und Suchaufgaben an die Themen heranführen.
Abgerundet wird der Besuch durch den neu gestalteten Klosterladen, in dem limitierte Reproduktionen der ausgestellten Werke sowie Fachliteratur zur Klostergeschichte erhältlich sind. Besonders begehrt sind die faksimilierten Miniaturen aus dem „Bennosakramentar“, die als Postkarten oder Kunstdrucke erworben werden können. Ein kleiner Innenhof mit Sitzgelegenheiten lädt nach dem Rundgang zum Verweilen ein – ideal, um die Eindrücke in Ruhe Revue passieren zu lassen.
Erhaltung für die Zukunft: Pläne nach dem Festjahr
Das Jubiläumsjahr mag enden, doch für das Kloster St. Benno beginnt damit eine neue Phase der Verantwortung. Die seltene Präsentation der Reliquien – darunter Fragmente des heiligen Bennos selbst – hat nicht nur Pilger angezogen, sondern auch eine Debatte über den langfristigen Erhalt des kulturellen Erbes angestoßen. Laut einer Studie des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege aus dem Jahr 2023 benötigen über 60 Prozent der mittelalterlichen Klöster in Bayern dringend modernisierte Konservierungskonzepte, um klimabedingte Schäden an Fresken und Handschriften zu verhindern. St. Benno steht hier vor einer doppelten Herausforderung: Die Bausubstanz des 11. Jahrhunderts muss gesichert werden, ohne den spirituellen Charakter des Ortes zu gefährden.
Konkrete Pläne liegen bereits vor. Eine Arbeitsgruppe aus Restauratoren, Theologen und Stadtplanern erarbeitet derzeit ein Stufenmodell, das Prioritäten setzt: Zuerst geht es um die Stabilisierung der Gewölbe in der Krypta, wo Feuchtigkeit die Wandmalereien bedroht. Parallel dazu soll ein digitales Archiv entstehen, das hochauflösende 3D-Scans der Reliquien und Architektur für zukünftige Generationen bewahrt. Die Kosten werden auf etwa 3,2 Millionen Euro geschätzt – ein Betrag, den das Erzbistum München und Freising gemeinsam mit privaten Spenden stemmen will.
Besonderes Augenmerk gilt der Nachnutzung der Jubiläumsausstellungen. Die temporären Vitrinen für die Reliquien könnten zu einer Dauerpräsentation umgebaut werden, die mit interaktiven Stationen die Geschichte des Klosters erlebbar macht. Kritiker warnen jedoch vor einer zu starken Touristifizierung. „Ein Kloster bleibt primär ein Ort der Einkehr“, betonte ein Vertreter der Benediktiner bei einer Podiumsdiskussion im Mai. Die Lösung könnte in einem gestaffelten Zugang liegen: Öffnungszeiten für Besucher, die gleichzeitig die klösterliche Gemeinschaft schützen.
Langfristig könnte St. Benno zum Modell für andere historische Stätten werden. Die Kombination aus handwerklicher Restaurierung, digitaler Dokumentation und partizipativer Finanzierung zeigt, wie Tradition und Moderne sich verbinden lassen – ohne die Aura des Ortes zu zerstören.
Das 1000-jährige Jubiläum des Klosters St. Benno beweist einmal mehr, wie lebendig Münchens geistliches und kulturelles Erbe bleibt – nicht als staubige Erinnerung, sondern als kraftvoller Impuls für Gegenwart und Zukunft. Die seltene Ausstellung der Reliquien, darunter die Gebeine des heiligen Benno selbst, macht Geschichte greifbar und verbindet Gläubige, Kunstliebhaber und Neugierige auf einzigartige Weise.
Wer die Chance nutzen möchte, sollte die kommenden Wochen für einen Besuch einplanen: Die Schätze sind nur bis zum 15. November zu sehen, kombiniert mit Führungen, die tiefe Einblicke in die Klostergeschichte bieten.
Mit diesem Jubiläum setzt St. Benno ein Zeichen, das weit über München hinausstrahlt – und zeigt, wie Tradition und Moderne im 21. Jahrhundert neue Brücken schlagen können.
