Nach einem Vierteljahrhundert prägt ein leeres Möbelhaus die Skyline von Neuperlach: Höffner München schließt seine Filiale am 30. September endgültig die Türen. Die 12.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche, einst ein Anziehungspunkt für Einrichtungsinteressierte aus dem gesamten Südosten der Stadt, wird dann Geschichte sein. Mit dem Aus für den Standort verliert München nicht nur einen der letzten großen Möbelmärkte in peripherer Lage, sondern auch einen Arbeitgeber, der über Jahrzehnte bis zu 80 Mitarbeiter beschäftigte.

Die Schließung markiert das Ende einer Ära – nicht nur für den Stadtteil, sondern für die gesamte Höffner München-Strategie. Während andere Filialen wie die am Olympiaeinkaufszentrum oder in Schwabing weiterbetrieben werden, zeigt der Rückzug aus Neuperlach, wie sich Handelsstrukturen und Kundenverhalten wandeln. Für Stammkunden aus Perlach, Trudering oder dem Umland bedeutet das: Längere Anfahrtswege oder der Umstieg auf Online-Bestellungen, wo Höffner längst mit Lieferdiensten und digitalen Planungstools konkurriert. Die Frage, was mit dem riesigen Gebäude passiert, bleibt vorerst offen – doch die Lücke im lokalen Einzelhandel ist bereits jetzt spürbar.

Ein Vierteljahrhundert Möbelgeschichte in Neuperlach

1999 öffnete Höffner in Neuperlach seine Pforten – zu einer Zeit, als der Münchner Süden noch längst nicht das pulsierende Einkaufszentrum war, das er heute ist. Die 12.000 Quadratmeter große Filiale am Hanns-Seidel-Platz wurde schnell zur Institution: Ein Ort, an dem Familien stundenlang zwischen Küchenzeilen und Polstergarnituren verhandelten, Handwerker Materialproben mitnahmen und Studenten ihre ersten eigenen Wohnzimmer zusammenstellten. Mit über 40.000 Artikeln im Sortiment prägte der Möbelriese nicht nur das Konsumverhalten im Stadtteil, sondern auch das Stadtbild – der markante blau-weiße Schriftzug war weithin sichtbar.

Die Zahlen sprechen für sich: In Spitzenjahren frequentierten bis zu 800.000 Kunden jährlich die Neuperlacher Dependance. Branchenanalysen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) zeigen, dass Höffner damit zu den umsatzstärksten Möbelhäusern Bayerns zählte – ein Erfolg, der maßgeblich auf der strategischen Lage zwischen Wohngebieten und Gewerbegebieten beruhte. Besonders die Einführung des „Mitnahme-Sofort“-Konzepts 2008, bei dem Kunden kleinere Möbelstücke direkt im Ladenwagen transportieren konnten, setzte Maßstäbe für den stationären Handel.

Doch die Filiale war mehr als nur ein Verkaufsraum. Sie entwickelte sich zum sozialen Treffpunkt: Samstags drängten sich die Besucher vor den Sonderangebotsflächen, an Wochenenden wurden Beratungstermine für Küchenplanungen monatelang im Voraus gebucht. Selbst die alljährliche „Neuperlacher Möbelmeile“, ein gemeinsames Event mit benachbarten Händlern, zog tausende Besucher an – ein Beweis dafür, wie sehr der Standort im lokalen Gefüge verwurzelt war.

Mit der Schließung endet nun eine Ära, die weit über reine Verkaufszahlen hinausreicht. 25 Jahre, in denen Generationen von Münchnern hier ihre Wohnträume realisierten – vom ersten Kinderbett bis zum Senioren-Sessel. Die Lücke, die der Abschied hinterlässt, ist nicht nur architektonisch greifbar.

Warum die Schließung jetzt kommt – und wer betroffen ist

Die Entscheidung zur Schließung der Höffner-Filiale in Neuperlach fällt nicht überraschend – doch der Zeitpunkt kommt für viele unerwartet. Seit Jahren kämpft der Einzelhandel mit sinkenden Fußgängerfrequenzen in klassischen Einkaufszentren, besonders in Randlagen wie Neuperlach. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln aus dem Jahr 2023 haben Möbelhäuser in peripheren Stadtteilen durchschnittlich 30 % weniger Kundenbesuche als in zentralen Lagen. Die Pandemie beschleunigte diesen Trend, doch selbst danach erholten sich die Zahlen nicht nachhaltig.

Betroffen sind vor allem die 85 Mitarbeiter der Filiale, die nun vor ungewissen Perspektiven stehen. Höffner betont zwar, man strebe „soziale Lösungen“ an – ob durch Versetzungen in andere Filialen oder Abfindungsregelungen. Doch die Realität sieht oft anders aus: Im Münchner Einzelhandel dauert die Suche nach vergleichbaren Stellen aktuell bis zu sechs Monate länger als noch vor fünf Jahren.

Auch die Neuperlacher Zentrumsverwaltung spürt die Auswirkungen. Mit dem Wegfall des Möbelhauses verliert das Einkaufszentrum einen weiteren Ankermieter, der bisher noch Kunden in die oberen Stockwerke zog. Bereits 2022 schloss dort ein großer Elektronikmarkt; seitdem stehen Teile der Fläche leer. Die Stadt München hatte zwar 2021 ein Konzept zur Aufwertung des Viertels beschlossen – konkrete Erfolge blieben aber aus.

Kunden reagieren verärgert, besonders die Stammkundschaft aus den umliegenden Stadtteilen wie Perlach oder Ramersdorf. Viele schätzen die Filiale für ihre günstigen Preise und die große Auswahl an Lagerware. Alternativen gibt es kaum: Die nächsten Höffner-Standorte in München-Freimann oder Augsburg sind ohne Auto schwer erreichbar.

Was Kunden mit Gutscheinen und Bestellungen jetzt wissen müssen

Mit der Schließung der Höffner-Filiale in Neuperlach stehen viele Kunden vor der Frage, was mit ihren Gutscheinen und laufenden Bestellungen passiert. Laut Verbraucherzentrale Bayern müssen Gutscheine von insolventen Unternehmen nicht zwangsläufig wertlos werden. Im Fall von Höffner gilt: Gutscheine behalten ihre Gültigkeit und können in anderen Filialen des Möbelhauses eingelöst werden – etwa in der Höffner-Niederlassung am Olympiapark oder in den Standorten Augsburg und Ingolstadt. Wer unsicher ist, sollte die Hotline des Unternehmens kontaktieren, die aktuell mit erhöhten Anfragen rechnet.

Anders verhält es sich bei bereits getätigten Bestellungen, die noch nicht ausgeliefert wurden. Hier greift das Insolvenzrecht: Kunden haben Anspruch auf die Ware oder eine Rückerstattung, sofern die Lieferung nicht mehr möglich ist. Experten raten, die Bestellbestätigung und Zahlungsbelege griffbereit zu halten. Bei Lieferverzögerungen über 30 Tage können Verbraucher zudem von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch machen – ein Standardverfahren, das auch bei anderen Händlern in ähnlichen Situationen angewendet wird.

Ein Sonderfall sind Finanzierungen über Höffner-eigene Kreditangebote. Betroffene sollten prüfen, ob die Verträge an eine externe Bank gebunden sind. In diesem Fall bleibt die Ratenzahlung bestehen, selbst wenn die Filiale schließt. Statistiken der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zeigen, dass bei rund 60 % der Möbelkäufe mit Ratenzahlung die Verträge bankenunabhängig abgewickelt werden – hier ändert sich für Kunden nichts.

Für alle, die kurz vor dem Kauf stehen, lohnt sich ein Blick auf die Website: Höffner wirbt aktuell mit Rabattaktionen in den verbleibenden Filialen, um Lagerbestände abzubauen. Wer flexibel ist, kann so noch von reduzierten Preisen profitieren.

Alternative Höffner-Standorte in und um München

Der Auslauf des Standorts Neuperlach bedeutet nicht das Ende von Höffner in der Region. Käufer aus München und Umgebung finden weiterhin mehrere Filialen des Möbelhauses in erreichbarer Nähe. Besonders attraktiv für viele Münchner bleibt die Filiale in Unterschleißheim, die mit rund 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche zu den größten in Bayern zählt. Hier deckt das Sortiment von Wohnzimmermöbeln über Küchen bis hin zu Elektrogeräten nahezu alle Bedürfnisse ab – inklusive der bekannten Höffner-Dienstleistungen wie Lieferung und Montage.

Wer eine etwas kürzere Anfahrt bevorzugt, kann auf die Filiale in Dachau ausweichen. Mit etwa 15.000 Quadratmetern ist sie kompakter, aber dennoch gut bestückt. Laut einer aktuellen Marktanalyse des Einrichtungsbranchen-Reports 2023 nutzen über 60 % der Münchner Möbelkäufer regelmäßig Standorte im Speckgürtel der Stadt, da diese oft weniger überlaufen sind als innerstädtische Läden.

Für Kunden aus dem Süden Münchens könnte die Filiale in Holzkirchen interessant sein. Sie liegt verkehrsgünstig an der A8 und bietet mit einem breiten Angebot an Polstermöbeln und Schlafzimmereinrichtungen eine solide Alternative. Parkplätze sind hier reichlich vorhanden – ein Vorteil, den besonders Familien mit größeren Einkäufen schätzen.

Auch jenseits der Stadtgrenzen lohnt ein Blick nach Augsburg oder Ingolstadt, wo Höffner ebenfalls vertreten ist. Beide Standorte sind mit dem Auto in unter einer Stunde erreichbar und punkten mit Sonderaktionen, die nicht immer in den Münchner Filialen verfügbar sind. Wer Flexibilität braucht, kann zudem den Online-Shop nutzen und sich die Ware in eine der verbliebenen Filialen liefern lassen.

Wie sich der Möbelmarkt in der Region neu aufstellt

Der Abschied von Höffner aus Neuperlach markiert einen weiteren Einschnitt in der Umbruchphase des süddeutschen Möbelhandels. Seit Jahren kämpft die Branche mit sinkenden Umsätzen im stationären Geschäft – laut einer aktuellen Studie des Handelsforschungsinstituts Köln gingen die Verkäufe in klassischen Möbelhäusern zwischen 2018 und 2023 um durchschnittlich 12 % zurück. Gleichzeitig boomen Online-Plattformen und spezialisierte Concept Stores, die mit schlanken Flächen und digitalen Beratungstools arbeiten. Die Schließung der 15.000 Quadratmeter großen Filiale zeigt: Selbst etablierte Player wie Höffner setzen zunehmend auf Konsolidierung statt Expansion.

Doch der Rückzug aus Neuperlach ist kein Zeichen der Schwäche, sondern Teil einer strategischen Neuausrichtung. Höffner konzentriert sich mittlerweile auf weniger, aber größere Standorte mit erlebnisorientierten Showrooms – etwa in Aschheim oder Augsburg. Dort werden Kunden mit Virtual-Reality-Planern und modularen Wohnwelten angelockt, während klassische Ausstellungsflächen reduziert werden. Auch Kooperationen mit lokalen Handwerkern für Maßanfertigungen gewinnen an Bedeutung.

Die Konkurrenz reagiert ähnlich: Bei XXXLutz und Poco wurde in den letzten zwei Jahren jeder dritte Neubau in Bayern als „Hybrid-Store“ konzipiert, der Online-Bestellungen und Abholstationen mit physischen Beratungszonen verbindet. Selbst traditionelle Familienbetriebe wie Möbelix in Rosenheim testen mittlerweile Click-and-Collect-Stationen vor ihren Filialen. Der Druck, Flächenkosten zu senken und gleichzeitig die Kundenbindung zu stärken, treibt die Branche um.

Für Verbraucher bedeutet das mehr Auswahl – aber auch weniger spontane Einkaufserlebnisse. Während Discounter wie Ikea oder Jysk ihre Preise weiter drücken, setzen Premium-Anbieter auf exklusive Markenkooperationen und Nachhaltigkeitszertifikate. Die Neuperlacher Schließung unterstreicht: Der Möbelmarkt wird künftig noch stärker zwischen Billigsegment und Erlebnishandel polarisieren.

Mit der Schließung der Neuperlach-Filiale nach einem Vierteljahrhundert endet eine Ära für Höffner in München – und markiert zugleich einen strategischen Wendepunkt im stationären Möbelhandel. Die Entscheidung unterstreicht, wie stark sich Konsumgewohnheiten und Standortanforderungen verändert haben, selbst für etablierte Marken mit langjähriger Kundenbindung.

Wer nun nach Alternativen sucht, findet im Münchner Raum weiterhin Höffner-Standorte wie in Schwabing oder Freimann, wo das Sortiment und die Beratung ähnlich strukturiert sind. Auch der Online-Shop des Unternehmens bleibt eine Option für alle, die Wert auf Markenqualität zu günstigen Preisen legen.

Die Entwicklung zeigt: Die Zukunft des Möbelhandels wird sich noch stärker an flexiblen Konzepten orientieren müssen – ob durch digitale Angebote oder gezielte Filialoptimierungen.