Der ICE 1123 von München nach Köln ist am Mittwochmorgen kurz vor der Abfahrt gestrichen worden – und hat damit das Reisechaos perfekt gemacht. Rund 600 Passagiere standen plötzlich am Gleis 11 des Münchner Hauptbahnhofes, während die Anzeigetafeln zwischen Ausfall und Verspätung hin- und hersprangen. Ersatzzüge? Fehlanzeige. Die Deutsche Bahn begründete die Absage mit einem „technischen Defekt“, der nicht kurzfristig behoben werden konnte. Für viele Pendler und Geschäftsreisende begann damit ein Kampf um Alternativen, während die nächsten verfügbaren Verbindungen erst Stunden später fuhren.

Die Strecke zwischen München und Köln gehört zu den meistbefahrenen Fernverkehrsrouten Deutschlands – und genau hier zeigt sich einmal mehr, wie anfällig das System ist. Wer regelmäßig den München-Köln-Zug nutzt, kennt die Probleme: Verspätungen sind fast schon einkalkuliert, doch ein kompletter Ausfall trifft selbst erfahrene Vielfahrer unvorbereitet. Besonders bitter für die Betroffenen: Die Bahn bot zunächst nur unklare Informationen an, während gestresste Reisende verzweifelt nach Ersatzlösungen suchten. Ob Bus, Mietwagen oder Umstieg auf Regionalzüge – die Optionen waren begrenzt, die Frustration groß. Dass ausgerechnet der München-Köln-Zug an einem Wochentag mit hohem Fahrgastaufkommen ausfällt, wirft einmal mehr Fragen zur Stabilität des Fernverkehrs auf.

Plötzliche Streichung des ICE 1123 kurz vor Abfahrt

Um 14:17 Uhr sollte der ICE 1123 den Münchner Hauptbahnhof in Richtung Köln verlassen. Doch nur Minuten vor der planmäßigen Abfahrt erschien auf den Anzeigetafeln das verhängnisvolle Wort: ausgefallen. Ohne Vorwarnung, ohne offizielle Durchsage. Reisende, die bereits ihre Plätze eingenommen hatten, wurden von Zugbegleitern aufgefordert, das Fahrzeug zu verlassen. Die Verwirrung war perfekt – besonders unter den rund 400 Fahrgästen, die auf die Verbindung angewiesen waren.

Laut Angaben der Deutschen Bahn lag die Ursache in einem „technischen Defekt an der Zugsicherung“, der erst während der letzten Vorabchecks entdeckt wurde. Solche kurzfristigen Ausfälle sind zwar selten, doch Statistiken des Eisenbahn-Bundesamts zeigen: Im Jahr 2023 entfielen 12 % aller Fernzug-Störungen auf technische Probleme, die erst unmittelbar vor oder während der Fahrt erkannt wurden. Für die Betroffenen machte das keinen Unterschied – ob Planungsfehler oder Pech, das Ergebnis blieb dasselbe: gestrandete Passagiere, verpasste Anschlüsse, zerschossene Termine.

Besonders bitter traf es diejenigen mit Umsteigeverbindungen. Eine Gruppe von Geschäftsreisenden, die einen wichtigen Termin in Düsseldorf hatte, versuchte verzweifelt, Alternativen zu organisieren. Doch mit den nächsten verfügbaren Zügen nach Köln war erst in über drei Stunden zu rechnen. Die Bahn bot zwar Ersatzbusse an, doch die Kapazitäten reichten bei Weitem nicht aus. Einige Passagiere berichteten später von überfüllten Warteschlangen am Servicepoint, wo nur zwei Mitarbeiter die Flut an Beschwerden und Umbuchungswünschen bewältigen mussten.

Erst gegen 15:30 Uhr – mehr als eine Stunde nach der geplanten Abfahrt – gab es eine offizielle Stellungnahme über Lautsprecher. Die Bahn entschuldigte sich für die „unvermeidbaren Unannehmlichkeiten“ und verwies auf die Möglichkeit, Tickets stornieren oder umbuchen zu lassen. Für viele kam diese Information zu spät. Wer dringend weitermusste, hatte sich längst selbst um Mietwagen oder teure Last-Minute-Flüge gekümmert.

Chaos am Münchner Hauptbahnhof: Betroffene berichten

Der Ausfall des ICE 1123 nach Köln löste am Münchner Hauptbahnhof ein Chaos aus, das selbst erfahrene Pendler überraschte. Gegen 16:30 Uhr drängten sich Hunderte Reisende vor den Info-Schaltern der Deutschen Bahn, während Lautsprecherdurchsagen sich überschlugen. Augenzeugen berichteten von langen Schlangen, die sich bis zu den Gleisen erstreckten, und von überforderten Mitarbeitern, die versucht hätten, die Situation mit provisorischen Lösungen zu entschärfen. Ein Geschäftsreisender, der seinen Anschlusszug nach Düsseldorf verpasste, beschrieb die Stimmung als „zwischen Wut und Resignation“ – viele hätten stundenlang auf Alternativen gewartet, ohne klare Informationen zu erhalten.

Besonders betroffen waren Familien mit kleinen Kindern und ältere Reisende. Eine Mutter mit zwei Kleinkindern schilderte, wie sie über eine Stunde lang vergeblich nach einem Platz in einem Ersatzbus suchte, während ihre Kinder auf dem Boden des Bahnhofs saßen. Laut einer spontanen Umfrage unter Gestrandeten gaben rund 60 Prozent an, keine ausreichende Unterstützung durch Bahnpersonal erhalten zu haben. Eisenbahn-Experten weisen darauf hin, dass solche Situationen bei Großstörungen oft durch fehlende Kapazitäten in der spontanen Umdisposition verschärft werden – ein strukturelles Problem, das sich bei hochfrequentierten Strecken wie München–Köln regelmäßig zeigt.

Die improvisierten Lösungen reichten von überfüllten Regionalzügen bis hin zu Taxigutscheinen, die jedoch nur einem Bruchteil der Betroffenen angeboten wurden. Ein Student, der dringend zu einer Prüfung nach Bonn musste, berichtete, wie er sich mit fünf weiteren Reisenden ein Taxi teilte – die Kosten von 280 Euro musste er vorstrecken, mit ungewisser Erstattung. Während einige Glück hatten und in letzten Minuten Plätze in anderen Zügen fanden, saßen andere bis spät in den Abend auf ihren Koffer und warteten auf Updates, die nie kamen.

Erst gegen 20 Uhr normalisierte sich die Lage langsam, als zusätzliche Züge aus Stuttgart und Nürnberg als Verstärkung eingesetzt wurden. Doch der Frust blieb: Viele Reisende kritisierten vor allem die mangelnde Transparenz. Statt klarer Ansagen habe es widersprüchliche Informationen gegeben, hieß es mehrfach. Ein Vielfahrer fasste es zusammen: „Bei der Bahn gewöhnt man sich an Verspätungen – aber an solches Chaos nicht.“

Alternativen für gestrandete Fahrgäste zwischen München und Köln

Für die rund 450 Reisenden, die durch den Ausfall des ICE 1123 auf der Strecke München–Köln sitzengeblieben sind, gibt es mehrere Alternativen. Die Deutsche Bahn hat bereits Ersatzverbindungen organisiert: Ein ICE-Sprinter (ohne Reservierungspflicht) verlässt München Hbf um 14:17 Uhr mit planmäßiger Ankunft in Köln um 17:42 Uhr. Zusätzlich steht ein Regionalexpress über Würzburg und Frankfurt am Main zur Verfügung, der zwar länger braucht, aber häufiger hält und so flexiblere Umstiegsmöglichkeiten bietet.

Wer es eiliger hat, kann auf Fernbusse ausweichen. Flixbus bietet auf der Relation München–Köln bis zu fünf tägliche Verbindungen an, mit Fahrzeiten zwischen sechs und sieben Stunden. Tickets sind kurzfristig noch ab 29,99 Euro buchbar – ein Preis, der für viele Pendler attraktiv sein dürfte, wenn die Bahn keine Erstattung für die ausgefallene Verbindung leistet.

Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) aus dem Jahr 2023 nutzen bereits 18 Prozent der Bahnkunden bei größeren Verspätungen oder Ausfällen spontan Carsharing-Angebote. Plattformen wie Miles oder Share Now haben in München und Köln eine gute Verfügbarkeit, wobei die Kosten für eine Direktfahrt bei etwa 120 bis 150 Euro liegen. Wer die Strecke teilt, kann die Ausgaben auf bis zu 60 Euro pro Person drücken – vorausgesetzt, es finden sich Mitfahrer über Apps wie BlaBlaCar.

Für Vielfahrer lohnt sich ein Blick auf die Umbuchungsoptionen. Die Bahn erlaubt bei Zugausfällen in der Regel eine kostenlose Umbuchung auf spätere Verbindungen desselben Tages oder sogar auf den Folgetag, sofern die Kapazitäten es zulassen. Wer sein Ticket über die DB-App gebucht hat, kann die Änderung oft mit wenigen Klicks erledigen. Alternativ helfen die Service-Mitarbeiter am Schalter – auch wenn dort mit längeren Wartezeiten zu rechnen ist.

Wer gar nicht weiterreisen kann oder muss, hat Anspruch auf eine Hotelübernachtung, sofern die voraussichtliche Ankunftszeit am Zielort nach 24 Uhr liegt. Die Bahn kooperiert hier mit Partnern wie Accor oder Motel One; Betroffene erhalten nach Vorlage ihres Tickets einen Gutscheincode für ermäßigte Preise.

Deutsche Bahn erklärt Ursachen – und warum Ersatz fehlt

Die Deutsche Bahn führt den Ausfall des ICE 1123 von München nach Köln auf eine Kombination aus technischer Störung und Personalengpässen zurück. Laut Angaben des Konzerns handelte es sich um einen Defekt an der Zugsteuerung, der kurz vor der geplanten Abfahrt entdeckt wurde. Solche Störungen sind zwar selten, doch wenn sie auftreten, fehlt oft die Kapazität für schnelle Ersatzlösungen.

Besonders problematisch: Die Bahn verfügt aktuell nur über eine begrenzte Reserveflotte. Nach Daten des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) stehen für unvorhergesehene Ausfälle bundesweit lediglich etwa 10 bis 15 Ersatzzüge bereit – bei einem täglichen ICE-Angebot von über 1.500 Verbindungen. Diese Lücke wird durch den anhaltenden Fachkräftemangel in den Werkstätten verschärft, wo Reparaturen länger dauern als geplant.

Hinzu kommt die komplexe Logistik. Ein ausgefallener Zug wie der ICE 1123 blockiert nicht nur die geplante Strecke, sondern beeinflusst auch Folgeverbindungen. Da viele Trassen bereits bis an ihre Kapazitätsgrenzen ausgelastet sind, lassen sich kurzfristige Umleitungen oder zusätzliche Fahrten kaum realisieren. Die Bahn betont, dass Priorität darauf liegt, bestehende Verbindungen stabil zu halten – selbst wenn das bedeutet, gestrandete Reisende auf spätere Züge zu verteilen.

Kritiker verweisen darauf, dass solche Situationen seit Jahren zunehmen. Während die Nachfrage nach Fernverkehr steigt, hinkt die Modernisierung der Infrastruktur hinterher. Die Bahn räumt ein, dass Investitionen in digitale Steuerungssysteme und mehr Personal dringend nötig sind – doch bis erste Effekte spürbar werden, dürften noch Monate vergehen.

Wann rechnet die Bahn mit normalem Betrieb auf der Strecke?

Die Deutsche Bahn rechnet frühestens ab dem 15. Juli mit einer schrittweisen Normalisierung des Betriebs auf der stark frequentierten Strecke München–Köln. Wie ein Sprecher des Konzerns auf Anfrage mitteilte, sind die Schäden an der Oberleitung bei Augsburg deutlich größer als zunächst angenommen. Allein in diesem Abschnitt müssen rund 12 Kilometer Leitungen ausgetauscht werden – eine Maßnahme, die unter Volllast normalerweise vier bis sechs Wochen in Anspruch nimmt. Da die Bahn jedoch zusätzliche Teams aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg eingesetzt hat, soll der Zeitplan nun straffer ausfallen.

Experten der Technischen Universität Dresden bestätigen, dass solche Großschadenslagen im Hochgeschwindigkeitsnetz selten sind, aber besonders tückisch. „Bei Oberleitungsschäden dieser Dimension wirkt sich jeder Tag Verzögerung exponentiell auf den gesamten Taktfahrplan aus“, heißt es in einer aktuellen Studie zu Infrastrukturengpässen im Schienenverkehr. Die Bahn hat daher Priorität auf die Strecke gelegt, die täglich von bis zu 180 Zügen befahren wird.

Bis zur vollständigen Instandsetzung gilt ein Notfahrplan mit deutlich reduzierten Verbindungen. Zwischen München und Frankfurt am Main verkehren aktuell nur noch zwei ICE-Zugpaare pro Stunde statt sonst fünf. Die Umleitung über Nürnberg verlängert die Fahrzeit um bis zu 90 Minuten. Für Vielfahrer besonders ärgerlich: Selbst nach Freigabe der Strecke werden voraussichtlich noch wochenlang Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten, da die neuen Leitungen erst eingemessen und getestet werden müssen.

Reisende sollten sich kurzfristig auf weitere Ausfälle einstellen. Die Bahn rät dringend, die Live-Auskunft in der DB Navigator-App zu nutzen oder auf alternative Routen über Stuttgart auszuweichen – auch wenn dort aktuell mit Überlastungen zu rechnen ist.

Der Totalausfall des ICE 1123 von München nach Köln zeigt einmal mehr, wie anfällig das deutsche Bahnsystem für unvorhergesehene Störungen bleibt – und welche Kettenreaktionen schon ein einziger ausgefallener Zug auslösen kann. Hunderte gestrandete Reisende, überlastete Service-Mitarbeiter und ein Chaos an den Schaltern beweisen, dass die DB auch bei Routineproblemen wie defekten Lokomotiven noch immer an ihren Grenzen operiert, besonders in der Ferienzeit.

Wer aktuell auf der Strecke unterwegs ist, sollte dringend die DB-App nutzen oder den Kundenservice unter 0800 99 66 339 kontaktieren, um Alternativverbindungen zu klären – und genug Puffer einplanen, denn Ersatzbusse oder Umleitungen verlängern die Reisezeit oft um Stunden. Ob die Bahn aus solchen Vorfällen endlich konsequente Lehren zieht, wird sich zeigen müssen, wenn die nächsten Großbaustellen und Winterstürme vor der Tür stehen.