Mit dem Ende des Jahres 2024 fällt in München eine Ära des Pflanzenhandels dem Rotstift zum Opfer: Die Filiale von Pflanzen-Kölle am Westkreuz schließt nach 35 Jahren für immer ihre Türen. Der Familienbetrieb, der einst als Pionier für günstige Gartenpflanzen und Ziergehölze galt, zieht sich damit aus der bayerischen Landeshauptstadt zurück – ein weiterer Rückschlag für die lokalen Gärtner und Hobbygärtner, die hier jahrzehntelang ihre Beete bestückten.

Die Schließung trifft nicht nur Stammkunden, sondern markiert auch das Ende einer Institution, die den Münchner Pflanzenmarkt mitprägte. Pflanzen-Kölle München war mehr als ein Gartencenter: Mit seinem riesigen Sortiment an Stauden, Sträuchern und Saisonpflanzen zu Discount-Preisen zog es Generationen von Grünflächen-Liebhabern an. Doch steigende Mieten, veränderte Einkaufsgewohnheiten und der Druck durch Online-Händler machten dem Traditionsbetrieb letztlich den Garaus. Was bleibt, sind Erinnerungen an volle Einkaufswagen und die typischen gelben Preisschilder – und die Frage, wer die Lücke füllen wird.

Von der Gartenschau zur Münchner Institution

1989 eröffnete Pflanzen-Kölle in München-Pasing als Filiale des nordrhein-westfälischen Familienbetriebs – doch was als bescheidener Ableger der Bundesgartenschau in Düsseldorf begann, entwickelte sich schnell zu einer festen Größe im Münchner Pflanzenhandel. Die 3.000 Quadratmeter große Gärtnerei mit ihrem markanten Glaspavillon wurde nicht nur für Hobbygärtner zum Anlaufpunkt, sondern prägte über Jahrzehnte das lokale Grünflächenkonzept. Besonders die enge Zusammenarbeit mit der Stadt München bei der Begleitung von Parkprojekten und die regelmäßigen Fachvorträge zu urbanem Gärtnern festigten den Ruf als kompetenter Partner jenseits des reinen Verkaufs.

Laut einer Erhebung des Bayerischen Gärtnerverbands aus dem Jahr 2020 zählte die Filiale mit jährlich rund 120.000 Besuchern zu den drei meistfrequentierten Pflanzenfachmärkten Oberbayerns. Das Geheimnis dieses Erfolgs lag in der Kombination aus regionalem Sortiment – von alpinen Stauden bis zu Münchner Balkonklassikern wie der ‚Isar-Perle‘-Petunie – und dem Servicekonzept, das selbst Anfänger durch individuelle Beratung ansprach. Während andere Baumärkte Pflanzen nur als Nebenware führten, setzte Kölle auf geschultes Personal mit gärtnerischer Ausbildung.

Die Integration in das lokale Vereinsleben machte den Standort zusätzlich unverzichtbar. Ob Patenschaften für Schulgärten in Neuhausen oder die alljährliche Tomatenschlacht als Benefizveranstaltung für den Tierpark Hellabrunn – die Filiale verstand sich als Teil des Stadtteils. Besonders die Kooperation mit dem Pasinger Fabrik-Kulturzentrum, für dessen Innenhofbegrünung Kölle über 15 Jahre verantwortlich zeichnete, zeigte, wie ein Gartencenter kulturelle Räume mitgestalten kann.

Doch der Wandel des Einzelhandels und steigende Mietkosten in der wachsenden Stadt ließen selbst traditionsreiche Betriebe nicht unberührt. Während die Hauptniederlassung in Nordrhein-Westfalen weiterhin expandiert, bleibt die Schließung der Münchner Dependance ein Symbol für den Strukturwandel im Fachhandel – und das Ende einer Ära, in der Gärtnerei noch Nachbarn verband.

Warum die Filiale nach 35 Jahren die Tore schließt

Drei Jahrzehnte prägte die Münchner Filiale von Pflanzen-Kölle das Bild des Pflanzenhandels in der Stadt. Doch jetzt fällt der Vorhang: 2025 wird der Standort an der Landsberger Straße 486-490 schließen. Der Grund liegt nicht in mangelnder Kundentreue – die Filiale zählte zuletzt rund 120.000 Besucher jährlich –, sondern in einem strukturellen Wandel, der den gesamten Einzelhandel erfasst. Steigende Mieten, veränderte Einkaufsgewohnheiten und der Druck durch Online-Plattformen zwingen selbst etablierte Händler wie Kölle Zoo zur Neuausrichtung.

Besonders die Lage des Standorts spielte eine entscheidende Rolle. Während die Filiale in den 1990er-Jahren noch von der Nähe zu Gewerbegebieten und gut erreichbaren Parkplätzen profitierte, hat sich das Umfeld seither stark verändert. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln aus dem Jahr 2023 verlieren klassische Gartencenter an den Stadträndern zunehmend an Attraktivität, wenn sie nicht in moderne Erlebniswelten investieren. Genau diese Umstellung wäre für den Münchner Standort jedoch mit hohen Kosten verbunden gewesen – ein Risiko, das die Unternehmensführung angesichts der ohnehin angespannten Margen im Pflanzenhandel nicht eingehen wollte.

Hinzu kommt der generelle Rückgang der Flächenproduktivität im stationären Handel. Wo früher große Mengen an Blumenerde, Zierpflanzen und Gartenzubehör über die Ladentheke gingen, dominieren heute kleinere, gezieltere Käufe. Die Kunden informieren sich online, vergleichen Preise und bestellen zunehmend direkt beim Hersteller oder über spezialisierte Versandhändler. Für ein traditionelles Gartencenter wie Pflanzen-Kölle wird es so immer schwieriger, die hohen Fixkosten einer innerstädtischen Filiale zu rechtfertigen.

Die Schließung markiert damit das Ende einer Ära – aber auch einen logischen Schritt in einer Branche, die sich radikal verändert. Während andere Standorte des Unternehmens modernisiert und zu Erlebnisgärten umgestaltet werden, bleibt München zurück. Ein Stück Stadtgeschichte verschwindet, doch die Lücke wird nicht lange leer bleiben: Bereits jetzt gibt es Gerüchte über ein neues Möbelhaus an gleicher Stelle.

Was aus den Mitarbeiter:innen und Pflanzenbeständen wird

Die Schließung der Münchner Filiale von Pflanzen-Kölle wirft Fragen nach dem weiteren Weg der rund 40 Mitarbeiter:innen auf. Laut Angaben des Unternehmens erhalten alle Beschäftigten die Möglichkeit, an anderen Standorten des Familienbetriebs weiterzuarbeiten. Besonders die Filialen in Stuttgart, Karlsruhe und Nürnberg kommen als potenzielle neue Arbeitsorte infrage. Für diejenigen, die nicht umziehen möchten, bietet Kölle Zoos Unterstützung bei der Vermittlung in andere Gartencenter oder Pflanzenhandelsbetriebe in der Region an. Branchenkenner betonen, dass gut ausgebildete Fachkräfte im Gartenbau aktuell gesucht sind – eine Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Garten-Center e.V. zeigt, dass über 60 Prozent der Betriebe in Bayern offene Stellen haben.

Der Umgang mit den Pflanzenbeständen folgt einem klaren Plan. Bis zum endgültigen Schließungstermin im Frühjahr 2025 werden die Lagerbestände schrittweise reduziert, wobei Rabattaktionen und Sonderverkäufe helfen sollen, die Ware an Kund:innen zu bringen. Seltene oder saisonale Pflanzen, die sich nicht vollständig abverkaufen lassen, werden an andere Kölle-Filialen oder kooperierende Baumschulen verteilt. Besonders wertvolle Exemplare könnten sogar in die zentrale Gärtnerei des Unternehmens in Baden-Württemberg überführt werden.

Für die Münchner Kundschaft bedeutet das: Wer besondere Pflanzen aus dem Sortiment sichern möchte, sollte nicht zu lange warten. Die kommenden Monate bieten wohl die letzte Chance, etwa die beliebten Zitrusbäumchen, exotischen Farne oder die regionalen Staudenmischungen zu erwerben, die die Filiale über Jahrzehnte geprägt haben.

Langfristig bleibt unklar, was mit dem Gebäude an der Landsberger Straße passiert. Bisher gibt es keine offiziellen Pläne für eine Nachnutzung – weder durch Kölle Zoos noch durch Dritte. Die Immobilie mit ihrer großen Verkaufsfläche und den Gewächshäusern wäre für andere Gartenbauprojekte interessant, doch konkrete Anfragen sind noch nicht bekannt.

Alternativen für Münchner Pflanzenliebhaber:innen ab 2025

Mit dem Abschied von Kölle Zoo aus München bleibt eine Lücke für Pflanzenfans – doch die Stadt bietet Alternativen. Der Botanische Garten München-Nymphenburg etwa erweitert sein Sortiment an verkaufbaren Jungpflanzen ab 2025 und setzt auf regionale Züchtungen. Laut einer Studie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau steigt die Nachfrage nach heimischen Stauden um 18 % jährlich, was lokale Gärtnereien veranlasst, ihr Angebot anzupassen.

Wer auf Fachberatung nicht verzichten will, findet im Pflanzenzentrum Plantage im Norden der Stadt eine breite Auswahl an Zimmerpflanzen, Kräutern und exotischen Gewächsen. Das Familienunternehmen kooperiert seit Jahrzehnten mit Münchner Gartenvereinen und bietet regelmäßige Workshops zu Themen wie Urban Gardening oder Balkonbegünung.

Für Bio-Qualität und nachhaltige Anzucht lohnt sich ein Besuch bei Bio-Gärtnereien in der Region, etwa der Gärtnerei im Westpark. Hier kommen alle Pflanzen ohne Torf aus, und das Sortiment reicht von robusten Stauden bis zu seltenen Gemüsejungpflanzen. Ein Pluspunkt: Viele Betreiber liefern seit 2024 auch klimaneutral per Lastenrad in die Innenstadt.

Wer es digital mag, kann auf Plattformen wie <a href="https://www.pflanzenfreunde.de" target="blank“>Pflanzenfreunde oder <a href="https://www.ebay-kleinanzeigen.de" target="blank“>eBay Kleinanzeigen fündig werden. Hier tauschen oder verkaufen Münchner Hobbygärtner:innen Ableger, Samen und üppige Grünpflanzen – oft zu Preisen, die unter denen klassischer Gartencenter liegen. Ein Blick in lokale Facebook-Gruppen wie „Münchner Pflanzenbörse“ zeigt: Die Community wächst stetig.

Wie der Pflanzenhandel sich in Großstädten verändert

Der Pflanzenhandel in Großstädten hat sich in den letzten Jahren radikal gewandelt – und München bildet da keine Ausnahme. Während traditionelle Gartencenter wie Kölle Zoo jahrzehntelang als feste Anlaufstellen für Hobbygärtner galten, verlagert sich der Kauf von Pflanzen zunehmend in digitale Kanäle. Laut einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Garten-Center (BVDG) aus dem Jahr 2023 bestellen bereits 42 Prozent der städtischen Haushalte ihre Grünpflanzen online, Tendenz steigend. Die Schließung der Münchner Kölle-Filiale spiegelt diesen Trend wider: Immer weniger Kunden suchen vor Ort nach Rat oder Ware, wenn der gleiche Farn oder die gleiche Orchidee mit zwei Klicks geliefert wird.

Doch nicht nur der Online-Handel drängt die klassischen Händler zurück. Auch die Nachfrage selbst verändert sich. Urban Gardening und Balkonbegünung boomen, doch die Kundschaft setzt auf kompakte Lösungen wie Pflegesets oder vorgezogene Kräutertöpfe statt auf große Kübelpflanzen. Supermärkte und Baumärkte haben ihr Sortiment entsprechend angepasst und bieten günstige Alternativen – oft direkt um die Ecke. Für spezialisierte Gartencenter wird es so immer schwieriger, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Ein weiterer Faktor ist die steigende Mietbelastung in Innenstadtlagen. Während Kölle Zoo in München 1990 noch mit überschaubaren Betriebskosten kalkulieren konnte, haben sich die Quadratmetermieten in der Zwischenzeit fast verdreifacht. Für Flächen, die früher mit Gewächshäusern und Verkaufsregalen gefüllt waren, lohnen sich heute oft lukrativere Nutzungen – etwa als Co-Working-Space oder Café. Der Rückzug aus der Maxvorstadt ist da nur logisch.

Gleichzeitig wächst der Druck durch neue Vertriebsmodelle wie Pflanzen-Abos oder Mietpflanzen für Büros, die vor allem jüngere Zielgruppen ansprechen. Start-ups setzen auf Abo-Modelle mit monatlichem Pflanzenwechsel, während etablierte Händler oft noch am klassischen Verkauf festhalten. Die Schließung der Kölle-Filiale zeigt: Wer im städtischen Pflanzenhandel bestehen will, muss sich entweder radikal neu erfinden – oder Platz machen.

Mit der Schließung der Münchner Filiale von Pflanzen-Kölle endet 2025 eine 35-jährige Ära des Pflanzenhandels in der Stadt – ein herber Verlust für Hobbygärtner, die das breite Sortiment, die Fachberatung und die günstigen Preise schätzten. Besonders für Stadtbewohner, die auf große Gartencenter angewiesen sind, wird die Lücke spürbar sein, da Alternativen mit vergleichbarem Angebot rar bleiben.

Wer weiterhin auf die bewährte Qualität und Vielfalt von Kölle setzen möchte, kann auf den Online-Shop des Unternehmens ausweichen oder die Filialen in anderen Städten wie Stuttgart oder Nürnberg besuchen, die vorerst weiterbetrieben werden. Die Entscheidung unterstreicht einmal mehr, wie sehr sich der Einzelhandel wandelt – doch für passionierte Pflanzenfreunde bleibt die Suche nach bezahlbaren, hochwertigen Angeboten vor Ort eine konstante Herausforderung.