Mit über 50 Millionen Besuchern weltweit zählt die Ausstellung Körperwelten zu den erfolgreichsten Wanderausstellungen der Wissenschaftsgeschichte. Die Münchner Station präsentiert nun mehr als 200 echte menschliche Präparate – von filigranen Nervenbahnen bis zu vollständigen Organsystemen. Neueste Konservierungstechniken machen selbst feinste anatomische Strukturen sichtbar und zeigen den menschlichen Körper in einer Radikalität, die fasziniert und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.
Die Körperwelten München geht dabei weit über klassische Anatomie hinaus: Interaktive Stationen, aktuelle Forschungsergebnisse und exklusive Exponate wie ein mit künstlicher Intelligenz analysiertes Gehirn verbinden Medizin mit moderner Technologie. Für Besucher wird die Ausstellung so zu einer Reise durch den eigenen Körper – informativ für Laien, spannend für Experten. Wer die Komplexität des Lebens begreifen will, findet hier eine einzigartige Gelegenheit, den Menschen von innen zu erleben.
Die Entstehung der Körperwelten-Ausstellung
Die Idee zu den Körperwelten entstand in den 1970er Jahren, als der Anatom Gunther von Hagens die Plastination entwickelte – ein revolutionäres Verfahren, das organisches Gewebe durch Silikon ersetzt und so langlebig macht. Ursprünglich für die medizinische Ausbildung gedacht, zeigte sich schnell das Potenzial für eine breitere Öffentlichkeit. 1995 präsentierte die erste Ausstellung in Tokio über 20.000 Besucher innerhalb weniger Wochen. Der Erfolg war überwältigend.
München wurde 2004 einer der ersten europäischen Standorte der Wanderausstellung. Hier trafen wissenschaftliche Neugier und ethische Debatten aufeinander. Kritiker warfen Fragen zur Würde der Verstorbenen auf, während Befürworter die Aufklärung über den menschlichen Körper betonten. Studien der Universität Heidelberg aus dem Jahr 2018 belegen, dass über 80 % der Besucher ihr Verständnis für Anatomie und Gesundheit nach dem Besuch deutlich verbessern konnten – ein Argument, das die Ausstellung bis heute stützt.
Die Exponate stammen von Körperspendern, die zu Lebzeiten ihre Einwilligung gaben. Jedes Präparat durchläuft einen aufwendigen, mehrstufigen Prozess: Zuerst wird das Gewebe konserviert, dann in Aceton entfettet und schließlich mit reaktiven Polymeren getränkt. Ein einzelnes Ganzkörperpräparat benötigt bis zu 1.500 Arbeitsstunden. Die Münchner Ausstellung zeigt nicht nur klassische anatomische Schnitte, sondern auch dynamische Posen – etwa einen Läufer in Bewegung oder einen Geiger im Spiel.
Neu in der aktuellen Münchner Schau sind interaktive Stationen, die digitale Technologien mit physischen Exponaten verbinden. Besucher können per Tablet Muskeln und Organe virtuell sezieren oder den Blutkreislauf in Echtzeit simulieren. Diese Ergänzungen spiegeln den Wandel der Ausstellung wider: von einer statischen Schau zu einem multimedialen Erlebnis, das besonders jüngere Zielgruppen anspricht.
Über 200 echte Präparate und ihre wissenschaftlichen Hintergründe
Die Ausstellung Körperwelten in München präsentiert mit über 200 echten menschlichen Präparaten eine einzigartige Verbindung von Kunst und Wissenschaft. Jedes Exponat basiert auf der Plastination, einem Verfahren, das der Anatom Gunther von Hagens in den 1970er-Jahren entwickelte. Dabei werden biologische Gewebe durch Silikon oder Kunstharz ersetzt, um sie dauerhaft haltbar zu machen – ohne dass Farbe, Struktur oder Details verloren gehen. Besonders beeindruckend: Ein vollständiger menschlicher Körper benötigt für diesen Prozess bis zu 1.500 Arbeitsstunden.
Die Exponate zeigen nicht nur Muskeln und Knochen, sondern auch komplexe Organsysteme in verschiedenen Funktionszuständen. Ein Herz im Moment des Schlages, eine Lunge mit sichtbaren Verzweigungen bis in die kleinsten Bronchien oder ein Gehirn, das die Vernetzung der Nervenbahnen offenbart – solche Darstellungen machen abstrakte medizinische Fakten greifbar. Studien der Charité Berlin bestätigen, dass dreidimensionale anatomische Modelle das Verständnis von Körperstrukturen um bis zu 40 % verbessern können.
Neu in der Münchner Ausstellung sind Präparate, die degenerative Erkrankungen wie Arthrose oder Alzheimer veranschaulichen. Ein Exponat zeigt etwa die Unterschiede zwischen einem gesunden und einem von Demenz betroffenen Gehirn: Die Schrumpfung der Großhirnrinde wird durch farbige Markierungen hervorgehoben. Solche Gegenüberstellungen helfen, die Auswirkungen von Alterungsprozessen oder Lebensgewohnheiten auf den Körper zu begreifen.
Besonders aufwendig sind die Ganzkörperplastinate, die in dynamischen Posen arrangiert sind – etwa ein Läufer in voller Bewegung oder ein Schachspieler in konzentrierter Haltung. Diese Inszenierungen verdeutlichen, wie Muskeln, Sehnen und Gelenke beim Sport oder bei Alltagsbewegungen zusammenwirken. Die Präzision der Darstellung ermöglicht selbst Medizinstudenten neue Einblicke, die selbst moderne 3D-Animationen nicht bieten.
Neue Exponate: Was Besucher 2024 in München erwartet
Die Körperwelten in München setzen 2024 auf eine überarbeitete Ausstellung mit mehr als 20 neuen Exponaten, die bisher noch nie in Deutschland zu sehen waren. Besonders im Fokus stehen dieses Mal plastinierte Präparate, die seltene pathologische Veränderungen zeigen – etwa ein Herz mit extremer Vergrößerung durch langjährige Hypertonie oder eine Lunge, die die Folgen jahrzehntelangen Rauchens unverhüllt offenbart. Die Kuratoren haben gezielt Stücke ausgewählt, die nicht nur anatomisch faszinieren, sondern auch medizinische Zusammenhänge greifbar machen. Laut Angaben der Gesellschaft für Plastination stammen rund 15 Prozent der neuen Exponate aus Spenden von Verstorbenen, die ihre Körper explizit für Bildungszwecke zur Verfügung stellten.
Ein Highlight der aktualisierten Schau ist ein vollständiges Nervensystem, das in monatelanger Handarbeit von überflüssigem Gewebe befreit und dann plastiniert wurde. Solche Präparate gelten als technisch extrem aufwendig, da Nervenfasern bereits bei minimalen Berührungen zerreißen können. Besucher können hier nachvollziehen, wie sich Nervenbahnen vom Rückenmark bis in die Fingerspitzen verzweigen – ein Detail, das selbst in medizinischen Lehrbüchern oft nur schematisch dargestellt wird.
Neu ist auch ein interaktiver Bereich, in dem digitale Mikroskope Besuchenden ermöglichen, Gewebeproben in 400-facher Vergrößerung zu betrachten. Die Stationen sind mit Touchscreens ausgestattet, die Hintergrundinformationen zu Zellstrukturen oder häufigen Krankheitsbildern liefern. Diese Ergänzung reagiert auf Feedback früherer Ausstellungen: Viele Besucher wünschten sich vertiefende Erklärungen zu dem, was sie sahen.
Wer die Körperwelten bereits kennt, wird zudem Veränderungen in der Dramaturgie bemerken. Die Exponate sind nun thematisch enger gruppiert – etwa nach Organsystemen oder Lebensphasen – statt wie bisher rein anatomisch geordnet. Diese Neuausrichtung soll den Rundgang intuitiver gestalten und den Vergleich zwischen gesundem und pathologisch verändertem Gewebe erleichtern.
Tickets, Preise und Tipps für den optimalen Ausstellungsbesuch
Ein Besuch der Körperwelten in München erfordert etwas Planung – besonders wer die Wartezeiten umgehen und die Ausstellung in Ruhe erkunden möchte. Tickets kosten für Erwachsene zwischen 22 und 26 Euro, je nach Buchungszeitpunkt und gewählter Option. Ermäßigungen gibt es für Schüler, Studenten und Gruppen ab zehn Personen. Online-Buchungen sparen nicht nur bis zu 15 Prozent, sondern sichern auch den Einlass zur gewünschten Uhrzeit. Laut Angaben der Veranstalter sind die Nachmittagsstunden unter der Woche am wenigsten besucht, während Wochenenden und Feiertage oft ausverkauft sind.
Wer mehr als nur die Standardausstellung sehen will, kann das Kombi-Ticket für 32 Euro wählen. Es umfasst neben den klassischen Exponaten auch die Sonderausstellung Zyklus des Lebens, die sich mit den Phasen der menschlichen Entwicklung befasst. Familien profitieren vom Familienpass (ab 50 Euro), der zwei Erwachsenen und bis zu drei Kindern Eintritt gewährt. Kinder unter sechs Jahren haben generell freien Zugang.
Für einen optimalen Rundgang empfehlen Experten aus der Museumspädagogik, mindestens zwei Stunden einzuplanen – wer sich für die vertiefenden Audioguides (5 Euro Aufpreis) entscheidet, sollte sogar drei Stunden veranschlagen. Die Ausstellung ist barrierefrei gestaltet, Rollstühle können kostenlos ausgeliehen werden. Fotografieren ist in den meisten Bereichen erlaubt, allerdings ohne Blitz und nur für den privaten Gebrauch.
Ein Tipp für Kurzentschlossene: An der Abendkasse gibt es oft Resttickets zum ermäßigten Preis, allerdings ohne Zeitfenster-Garantie. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, nutzt am besten die Haltestelle Theresienwiese (U4/U5) – von dort sind es nur fünf Gehminuten zum Ausstellungsort in der Landsberger Straße 155. Parkplätze sind vor Ort knapp, daher lohnt sich die Anreise mit Bus oder Bahn.
Plastination im Wandel: Wie die Technik die Zukunft prägt
Die Plastination hat seit ihrer Entwicklung durch den Anatom Gunther von Hagens in den 1970er-Jahren eine Revolution in der medizinischen Ausbildung und Wissenschaftskommunikation ausgelöst. Ursprünglich als Methode zur langfristigen Konservierung biologischer Gewebe gedacht, ermöglicht die Technik heute präzise Einblicke in den menschlichen Körper – ohne die Vergänglichkeit klassischer Präparate. Über 50 Millionen Besucher haben weltweit bereits die Körperwelten-Ausstellungen gesehen, was die Faszination für diese einzigartige Verbindung von Wissenschaft und Ästhetik unterstreicht.
Moderne Plastinationsverfahren gehen weit über die ersten Experimente hinaus. Durch verbesserte Polymerlösungen und digitale Vorabscans lassen sich heute selbst feinste Nervenbahnen oder pathologische Veränderungen millimetergenau darstellen. Ein Beispiel: Die neue Generation der Exponate in München zeigt nicht nur anatomische Strukturen, sondern auch die Folgen von Krankheiten wie Diabetes oder Arteriosklerose in bisher unerreichter Detailtreue. Mediziner nutzen solche Präparate zunehmend für chirurgische Schulungen, da sie reale Operationssituationen realistischer abbilden als jede Simulation.
Kritiker diskutieren zwar weiterhin ethische Aspekte der Körperwelten, doch die technische Weiterentwicklung eröffnet gleichzeitig neue Perspektiven. So arbeiten Forscher an biologisch abbaubaren Plastinationsmaterialien, die langfristig sogar in der Transplantationsmedizin Anwendung finden könnten. Die Ausstellung in München macht deutlich: Was als konservierende Technik begann, wird zunehmend zum Werkzeug für Innovation – in der Lehre wie in der Grundlagenforschung.
Die Körperwelten in München beweisen einmal mehr, dass Plastination nicht nur Wissenschaft, sondern auch eine faszinierende Reise durch den menschlichen Körper ist—von der zarten Struktur der Nervenbahnen bis zur rohen Kraft der Muskulatur. Mit über 200 realen Präparaten und den neuen Exponaten wird hier Anatomie so greifbar, dass selbst komplexe Zusammenhänge plötzlich logisch wirken, ohne dass man ein Medizinstudium braucht.
Wer die Ausstellung besucht, sollte sich Zeit nehmen: Die interaktiven Stationen und Audioguides vertiefen das Erlebte, und wer unter der Woche kommt, umgeht die Wochenendmassen. Besonders lohnend ist der Besuch für Familien mit Jugendlichen—hier wird Biologieunterricht zum Abenteuer, das noch lange nachhallt.
2025 kündigen die Macher bereits weitere Innovationen an, darunter digitale Erweiterungen, die Körperfunktionen in Echtzeit visualisieren sollen.

