Ab November wird der Himmel zwischen Bayern und Österreich dünner: Lufthansa streicht drei der derzeit zwölf täglichen Verbindungen auf der Strecke München–Wien, eine der meistgenutzten Innenstadt-zu-Innenstadt-Routen Europas. Mit über 1,8 Millionen Passagieren im Vorjahr zählt die Verbindung zu den umsatzstärksten Kurzstrecken der Airline – doch jetzt setzt der Konzern die Axt an ein Viertel des Angebots. Betroffen sind vor allem die frühen Morgen- und späten Abendflüge, die besonders bei Geschäftsreisenden beliebt waren.
Die Entscheidung trifft nicht nur Vielflieger, sondern wirft Fragen zur Zukunft des Luftverkehrs zwischen den beiden Wirtschaftszentren auf. Die Strecke München–Wien gilt seit Jahrzehnten als Rückgrat für Pendler zwischen den Standorten großer Konzerne wie BMW, Siemens oder der Raiffeisen Bank. Während die Bahn mit Fahrzeiten von knapp vier Stunden kaum mithalten kann, droht nun eine Verknappung der flexiblen Alternativen. Für viele bedeutet das: längere Wartezeiten am Flughafen oder der Griff zu teureren Last-Minute-Tickets.
Wachsende Konkurrenz auf der Strecke München–Wien

Die Strecke zwischen München und Wien entwickelt sich zunehmend zu einem hart umkämpften Markt. Während die Lufthansa ihre Kapazitäten reduziert, drängen andere Airlines mit attraktiven Angeboten nach. Besonders die Austrian Airlines, eine Tochter der Lufthansa Group, hat in den letzten Monaten ihre Frequenzen auf dieser Relation ausgebaut – ein strategischer Zug, der die Konkurrenz innerhalb des eigenen Konzerns noch verschärft.
Doch nicht nur die Konzernschwester macht der Lufthansa das Leben schwer. Billigflieger wie Ryanair und Wizz Air haben die Route längst für sich entdeckt. Ryanair etwa fliegt seit 2022 bis zu zweimal täglich von München-Memmingen nach Wien und lockt mit Preisen, die oft unter 50 Euro liegen. Branchenanalysen zeigen, dass der Low-Cost-Anteil auf dieser Strecke innerhalb von zwei Jahren um 18 Prozent gestiegen ist – ein klares Signal für den Druck auf die etablierten Carrier.
Auch die Bahn bleibt kein stummer Zuschauer. Die ÖBB wirbt mit ihren Railjet-Verbindungen, die München und Wien in knapp vier Stunden verbinden. Seit der Einführung des Klimatickets in Österreich und des 49-Euro-Tickets in Deutschland steigt die Nachfrage nach der Schienenalternative spürbar. Verkehrsexperten betonen, dass besonders Geschäftsreisende zunehmend auf die Bahn umsteigen, wenn die Flugpreise durch die reduzierten Kapazitäten klettern.
Die Lufthansa steht damit vor einem Dilemma: Einerseits will sie die Rentabilität der Strecke sichern, andererseits riskiert sie, Marktanteile an aggressivere Mitbewerber zu verlieren. Die Entscheidung, drei tägliche Flüge zu streichen, könnte sich als Bumerang erweisen – falls die Konkurrenz die Lücke schneller füllt, als die Nachfrage nachteilt.
Drei tägliche Verbindungen fallen ab November weg

Ab November wird das Angebot auf der Strecke München–Wien spürbar ausgedünnt. Drei der bisher zwölf täglichen Verbindungen entfallen komplett, wie die Lufthansa auf Anfrage bestätigte. Besonders betroffen sind Business-Reisende, die auf flexible Buchungsoptionen und kurze Umsteigezeiten angewiesen sind. Die gestrichenen Flüge verteilten sich bisher über den Vormittag und frühen Abend – Zeiten, die für Tagesgeschäfte zwischen den beiden Wirtschaftsmetropolen besonders gefragt waren.
Laut Branchenanalysen nutzten 2023 rund 1,8 Millionen Passagiere die direkte Verbindung zwischen den beiden Städten. Verkehrsexperten führen die Kürzungen auf eine Kombination aus gestiegenen Betriebskosten und veränderter Nachfrage zurück. Während die Auslastung in den Stoßzeiten stabil bleibt, sinkt die Rentabilität bei weniger frequentierten Slots.
Die Umstellung trifft nicht nur Vielflieger. Auch Touristen müssen künftig mit längeren Wartezeiten oder Umwegen über Frankfurt rechnen. Besonders in der Vorweihnachtszeit, wenn die Buchungszahlen traditionell anziehen, könnte sich die Situation zuspitzen. Die Lufthansa verwies auf alternative Verbindungen über die Drehkreuze in Frankfurt und Zürich, räumte aber ein, dass die Reisezeit damit um bis zu 90 Minuten steigt.
Kritik kommt von Seiten der lokalen Wirtschaft. Die Handelskammer Wien warnte vor negativen Folgen für den Standort, da viele Unternehmen auf schnelle Pendelverbindungen zwischen den beiden Städten setzen. Ob die gestrichenen Frequenzen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden, blieb offen – die Airline betonte lediglich, man beobachte die Markentwicklung kontinuierlich.
Wie Betroffene jetzt umbuchen oder stornieren können

Passagiere mit Buchungen auf den gestrichenen Lufthansa-Verbindungen zwischen München und Wien erhalten seit dieser Woche automatische Benachrichtigungen per E-Mail. Die Airline gewährt in diesen Fällen kostenlose Umbuchungen auf alternative Flüge – auch auf Routen mit Zwischenstopp über Frankfurt oder Zürich. Laut Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft nutzen bereits über 60 Prozent der Betroffenen diese Option, um ihre Reisepläne ohne zusätzliche Kosten anzupassen.
Wer stattdessen eine Stornierung bevorzugt, kann dies über das Lufthansa-Servicecenter oder direkt im Online-Buchungsportal vornehmen. Die Erstattung erfolgt hier in der Regel innerhalb von sieben Werktagen auf das ursprüngliche Zahlungsmittel. Besonders bei kurzfristig gebuchten Tickets lohnt sich ein Blick auf die AGB: Wirtschaftsklassen-Tarife wie „Light“ oder „Classic“ unterliegen oft strengeren Regelungen als Flex-Tarife.
Für Vielflieger oder Geschäftsreisende mit häufigen Strecken zwischen den beiden Städten empfiehlt sich der Wechsel zu alternativen Anbietern wie Austrian Airlines oder der Bahn. Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) hat bereits reagiert und zusätzliche Sitzplätze auf der Relation München–Wien freigegeben, um die Nachfrage abzudecken.
Bei Komplikationen – etwa wenn Umbuchungsangebote nicht den Bedürfnissen entsprechen – hilft der Kundenservice unter der Hotline +49 69 86 799 799 weiter. Betroffene sollten ihre Buchungsnummer und Flugdaten bereit halten, um die Bearbeitung zu beschleunigen.
Alternative Optionen für Pendler und Geschäftsreisende

Der Wegfall von drei täglichen Verbindungen zwischen München und Wien zwingt Pendler und Geschäftsreisende, nach Alternativen zu suchen. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bieten mit ihren Railjet-Zügen eine attraktive Lösung: Die Strecke wird bis zu elfmal täglich bedient, die schnellste Verbindung schafft die 456 Kilometer in nur vier Stunden. Im Vergleich zum Flug entfällt nicht nur das zeitaufwendige Check-in, sondern auch die An- und Abreise zu den Flughäfen, die oft im Stadtzentrum gelegeneren Bahnhöfe sparen zusätzliche Wege.
Für Vielflieger, die auf Flexibilität angewiesen sind, könnte der Umstieg auf die Bahn sogar wirtschaftliche Vorteile bringen. Laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) aus dem Jahr 2023 sind Business-Tickets der Bahn auf der Relation München–Wien in über 60 Prozent der Fälle günstiger als Last-Minute-Flüge, besonders wenn Buchungen mindestens drei Tage im Voraus getätigt werden. Zudem entfallen Gepäckgebühren, und die Arbeitsplätze im Bordbistro oder in der ersten Klasse ermöglichen produktives Reisen.
Wer dennoch auf das Flugzeug setzen möchte, kann auf Umsteigeverbindungen über Zürich, Frankfurt oder Prag ausweichen. Die Swiss bietet beispielsweise tägliche Anschlüsse mit kurzen Wartezeiten, während die Czech Airlines über Prag oft günstigere Tarife anbietet. Allerdings verlängert sich die Reisezeit durch Umsteigen auf mindestens drei bis vier Stunden – ein Zeitfaktor, der besonders für Tagesgeschäftsreisende entscheidend sein dürfte.
Langfristig könnte die Nachfrage nach alternativen Verkehrsmitteln auch Fermbusse und Mitfahrgelegenheiten stärken. Plattformen wie Flixbus verbinden die beiden Städte bereits mehrmals täglich zu Preisen ab 19 Euro, während BlaBlaCar flexible Abfahrtszeiten und direkte Fahrten ohne Umstieg ermöglicht. Für Unternehmen mit regelmäßigem Pendleraufkommen lohnt sich zudem die Prüfung von Firmen-Shuttles oder Leasingangeboten für Dienstwagen, um die Abhängigkeit von Flugverbindungen zu verringern.
Langfristige Pläne: Setzt Lufthansa auf weniger Inlandsflüge?
Die Kürzungen auf der Strecke München–Wien sind kein Einzelfall, sondern passen in eine Strategie, mit der die Lufthansa seit Jahren ihre Inlands- und Kurzstreckenverbindungen überprüft. Bereits 2022 reduzierte die Airline die Frequenzen zwischen Frankfurt und Berlin von bis zu acht auf fünf tägliche Flüge. Branchenanalysten sehen darin einen klaren Trend: Wo die Bahn als echte Alternative fungiert, zieht sich die Lufthansa schrittweise zurück. Die Strecke München–Wien ist mit einer Reisezeit von knapp vier Stunden per Railjet ein typisches Beispiel für diese Entwicklung.
Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus dem Jahr 2023 könnten bis zu 30 Prozent der europäischen Kurzstreckenflüge unter 500 Kilometern durch Zugverbindungen ersetzt werden – ohne nennenswerte Zeitverluste für Reisende. Die Lufthansa selbst hat in ihren Nachhaltigkeitsberichten betont, dass sie langfristig dort fliegen will, „wo es ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist“. Das bedeutet konkret: Strecken mit starker Bahnkonkurrenz oder geringen Auslastungsquoten geraten zunehmend unter Druck.
Doch nicht nur Umweltaspekte treiben die Entscheidung. Die Kosten für Kerosin, Personal und Flughafengebühren steigen seit Jahren überproportional. Auf der Relation München–Wien lag die durchschnittliche Auslastung der Flüge 2023 bei etwa 65 Prozent – ein Wert, der für die Airline kaum noch rentabel ist. Gleichzeitig investiert die Bahn massiv in ihre Hochgeschwindigkeitsnetze, was die Attraktivität des Schienenverkehrs weiter erhöht.
Ob die Strecke irgendwann komplett gestrichen wird, bleibt offen. Fest steht: Die Lufthansa testet aktuell auf mehreren Routen, wie weit sie die Frequenzen reduzieren kann, ohne Geschäftsreisende zu verlieren. Ein vollständiger Rückzug wäre jedoch ein Novum – und würde Signalwirkung für andere europäische Metropolen wie Zürich, Amsterdam oder Brüssel haben.
Die Streichung von drei täglichen Verbindungen zwischen München und Wien markiert einen deutlichen Einschnitt für Pendler und Geschäftsreisende, die auf die schnelle und zuverlässige Anbindung zwischen den beiden Wirtschaftszentren angewiesen waren. Besonders betroffen sind Passagiere, die bisher von den flexiblen Tagesverbindungen profitierten – nun müssen sie mit längeren Wartezeiten oder Umstiegen rechnen, was die Reiseplanung spürbar erschwert.
Wer regelmäßig auf der Strecke unterwegs ist, sollte frühzeitig Alternativen prüfen: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bieten mit ihren Railjet-Verbindungen eine attraktive Option, die oft sogar schneller ins Stadtzentrum bringt als der Flug inklusive Check-in und Transfer. Auch die verbleibenden Lufthansa-Flüge könnten schneller ausgebucht sein, sodass eine frühzeitige Buchung ratsam ist.
Wie sich die Nachfrage langfristig entwickelt, wird zeigen, ob die Route weiter ausgedünnt wird oder ob andere Airlines die Lücke füllen – die Entscheidung der Lufthansa könnte damit erst der Anfang einer größeren Umstrukturierung im europäischen Kurzstreckenverkehr sein.

