Ab Oktober wird der Flugplan zwischen Nordrhein-Westfalen und Bayern dünner: Lufthansa streicht drei der bisher täglich angebotenen Verbindungen zwischen Düsseldorf und München. Damit reduziert sich das Angebot auf der stark frequentierten Strecke um fast ein Viertel – ein Schritt, der vor allem Geschäftsreisende und Vielflieger vor neue Herausforderungen stellt. Die Airline begründet die Kürzungen mit „operativen Anpassungen“ und verweist auf eine Neuausrichtung der innerdeutschen Strecken. Betroffen sind vor allem die frühen Morgen- und späten Abendflüge, die bisher besonders bei Pendlern beliebt waren.

Für viele Passagiere gehört der Flug von Düsseldorf nach München zu den wichtigsten Business-Routen Deutschlands – nicht nur wegen der kurzen Flugzeit von rund einer Stunde, sondern auch aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtung zwischen den beiden Wirtschaftsmetropolen. Die Streichungen treffen damit einen Nerv: Wer bisher spontan zwischen Meetings in der bayerischen Landeshauptstadt und dem Rhein-Ruhr-Gebiet hin- und hergejetet ist, muss künftig umplanen. Alternativen wie die Bahn oder Umsteigeverbindungen über Frankfurt oder Berlin verlängern die Reisezeit deutlich. Dass ausgerechnet der Flug von Düsseldorf nach München betroffen ist, zeigt, wie stark selbst vermeintlich gesicherte Strecken den aktuellen Konsolidierungsdruck im Luftverkehr spüren.

Hintergründe der Streichungen bei Lufthansa

Die Entscheidung der Lufthansa, ab Oktober drei tägliche Verbindungen zwischen Düsseldorf und München zu streichen, basiert auf einer Kombination aus wirtschaftlichen und strukturellen Faktoren. Seit Jahren kämpft die Strecke mit sinkenden Auslastungsquoten – aktuell liegt die durchschnittliche Buchungsrate bei nur noch 62 Prozent, wie interne Marktanalysen zeigen. Besonders betroffen sind die frühen Morgen- und späten Abendflüge, die oft weniger als die Hälfte der Sitze besetzen. Die Nachfrage hat sich nach Angaben von Branchenexperten seit der Pandemie nicht vollends erholt, während gleichzeitig die Konkurrenz durch die Bahn auf dieser Relation spürbar zugenommen hat.

Ein zentraler Grund für die Anpassung ist die Umstellung der Lufthansa-Flotte. Die Airline setzt zunehmend auf größere Maschinen wie den Airbus A320neo, die auf stark frequentierten Strecken effizienter sind. Die bisher eingesetzten Regionaljets auf der Düsseldorf-München-Route passen nicht mehr in die neue Strategie, die auf Konsolidierung und Kostensenkung abzielt. Zudem entfällt durch die Streichungen die Notwendigkeit, teure Slot-Zeiten an beiden Flughäfen für wenig rentable Flüge zu blockieren.

Auch die veränderten Reisegewohnheiten spielen eine Rolle. Geschäftsreisende, einst die Hauptklientel auf dieser Strecke, nutzen vermehrt Videokonferenzen oder kombinieren Dienstreisen mit längeren Aufenthalten. Der Anteil der Privatkunden wiederum ist zu gering, um die Frequenz aufrechtzuerhalten. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigt diesen Trend: Auf Inlandsstrecken unter 500 Kilometern ist die Bahn seit 2022 in 78 Prozent der Fälle die bevorzugte Alternative zum Flugzeug.

Die Lufthansa betont, dass die verbleibenden Verbindungen optimiert werden, um die verbleibende Nachfrage besser zu bedienen. So sollen die verbliebenen Flüge zu Stoßzeiten konzentriert und die Anbindung an internationale Umsteigeverbindungen in München verbessert werden. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Route langfristig zu sichern, bleibt jedoch offen – besonders vor dem Hintergrund steigender Kerosinpreise und des wachsenden Drucks, die CO₂-Bilanz der Airline zu verbessern.

Welche Verbindungen fallen konkret weg?

Ab dem 27. Oktober wird die Lufthansa drei der bisher zwölf täglichen Verbindungen zwischen Düsseldorf und München streichen. Betroffen sind vor allem die Früh- und Spätverbindungen: Der erste Flug um 6:00 Uhr sowie die letzten beiden Abende um 20:30 Uhr und 21:15 Uhr entfallen komplett. Damit reduziert sich das Angebot auf neun Direktflüge pro Tag, was einer Kürzung von 25 Prozent entspricht.

Besonders für Geschäftsreisende könnte die Streichung der frühen Verbindung unangenehme Folgen haben. Bisher ermöglichte der 6:00-Uhr-Flug Termine in München noch vor 8:00 Uhr – eine Option, die nun wegfällt. Branchenkenner weisen darauf hin, dass rund 60 Prozent der Passagiere auf dieser Strecke berufsbedingt unterwegs sind.

Auch die Abendverbindungen spielen eine wichtige Rolle. Der entfallende 21:15-Uhr-Flug war besonders bei Pendlern beliebt, die nach einem Arbeitstag in München noch am selben Abend zurückkehren wollten. Alternativ bleibt nun nur der Flug um 19:45 Uhr – mit einer Ankunft in Düsseldorf gegen 20:40 Uhr.

Die Lufthansa begründet die Streichungen mit einer „Anpassung an die Nachfrage“. Internen Analysen zufolge lag die Auslastung der betroffenen Flüge im Schnitt bei unter 70 Prozent, während die verbleibenden Verbindungen meist über 85 Prozent belegt sind. Ob die Kürzungen dauerhaft bleiben oder saisonal angepasst werden, steht noch nicht fest.

Alternativen für Reisende ab Oktober

Reisende zwischen Düsseldorf und München müssen ab Oktober umdenken. Mit der Streichung von drei täglichen Lufthansa-Verbindungen reduziert sich das Angebot auf nur noch neun Direktflüge pro Woche. Wer Flexibilität braucht, findet Alternativen – etwa die Bahn. Die Deutsche Bahn bietet auf der Strecke Düsseldorf–München bis zu 16 direkte ICE-Verbindungen täglich an, mit einer Fahrzeit von rund vier Stunden. Laut dem aktuellen Bahnmonitoring-Bericht 2023 nutzen bereits 42 Prozent der Geschäftsreisenden auf dieser Relation die Schiene als bevorzugtes Transportmittel, vor allem wegen der zuverlässigen Taktung und der Möglichkeit, unterwegs zu arbeiten.

Für Vielflieger, die auf Luftverkehr setzen, bleibt die Umsteigeverbindung über Frankfurt oder Zürich eine Option. Beide Flughäfen bieten häufige Anschlussflüge mit kurzen Wartezeiten. Frankfurt punktet dabei mit dem dichten Netz der Lufthansa-Gruppe, während Zürich über Swiss Airlines eine oft günstigere Tarifstruktur bietet. Wer früh bucht, kann hier noch attraktive Preise sichern – besonders in den Nebensaisons wie dem späten Herbst.

Eine weitere, oft unterschätzte Alternative sind Fernbusse. Anbieter wie Flixbus verbinden Düsseldorf und München bis zu fünfmal täglich, mit Tickets ab 19,99 Euro. Zwar dauert die Fahrt mit etwa sechs Stunden länger, doch für preisbewusste Reisende oder solche mit flexiblem Zeitplan kann sich das lohnen. Vor allem Studierende und junge Berufstätige nutzen diese Option zunehmend, wie eine aktuelle Erhebung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zeigt.

Wer ganz auf Komfort setzt, kann auch Mietwagen oder Carsharing in Betracht ziehen. Die rund 500 Kilometer lange Strecke lässt sich über die A3 und A9 in etwa fünf Stunden bewältigen – ohne Umsteigen, mit individuellen Pausen und der Freiheit, unterwegs Abstriche zu machen. Besonders für Gruppen rechnet sich das oft schneller als Flug oder Bahn.

So reagieren Flughafen und Wirtschaft

Der Flughafen Düsseldorf zeigt sich gelassen. Trotz der Streichung von drei täglichen Verbindungen nach München durch die Lufthansa bleibt man optimistisch: Die Auslastung der verbleibenden Flüge liege bei über 85 Prozent, wie ein Sprecher mitteilte. Auch die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen sieht keinen Grund zur Panik. Die IHK Düsseldorf verweist auf aktuelle Zahlen, die belegen, dass 72 Prozent der Geschäftsreisenden zwischen den beiden Städten ohnehin die Bahn bevorzugen – ein Trend, der sich seit der Pandemie verstärkt hat.

Allerdings gibt es kritische Stimmen aus der Logistikbranche. Kurzfristige Lieferketten zwischen den beiden Wirtschaftsstandorten könnten unter den gestrichenen Kapazitäten leiden, warnen Branchenkenner. Besonders betroffen sind Expressfracht-Dienste, die auf schnelle Luftverbindungen angewiesen sind.

Die Lufthansa selbst betont, dass die Anpassung Teil einer strategischen Neuausrichtung sei. Statt auf Inlandsrouten setzt man zunehmend auf internationale Verbindungen mit höherer Rentabilität. Der Flughafen München, der ebenfalls von der Streichung betroffen ist, reagiert mit einer Ausweitung der Kapazitäten für andere Airlines – darunter Eurowings und Condor, die bereits zusätzliche Slots beantragt haben.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2023 nutzen nur noch 18 Prozent der Pendler zwischen Düsseldorf und München regelmäßig das Flugzeug. Die Bahn hat ihre Angebote in den letzten Jahren deutlich ausgebaut, mit Direktverbindungen alle 30 Minuten und einer Reisezeit von unter vier Stunden. Für viele Unternehmen überwiegen mittlerweile Flexibilität und Nachhaltigkeit gegenüber der Schnelligkeit des Flugverkehrs.

Langfristige Pläne für die Strecke Düsseldorf–München

Die Reduzierung der täglichen Verbindungen zwischen Düsseldorf und München ist vorerst nur ein Zwischenschritt. Langfristig plant die Lufthansa, die Strecke neu auszurichten – allerdings nicht zwingend mit dem bisherigen Flugangebot. Branchenanalysten verweisen auf eine Studie des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), die zeigt, dass bis 2030 rund 30 Prozent der Inlandsflüge durch schnelle Bahnverbindungen ersetzt werden könnten. Vor diesem Hintergrund könnte die Strecke Düsseldorf–München künftig stärker mit der Bahn koordiniert oder sogar teilweise durch sie abgelöst werden.

Gleichzeitig arbeitet die Airline an einer Effizienzsteigerung der verbleibenden Flüge. Durch den Einsatz moderner Flugzeuge wie des Airbus A320neo, der bis zu 20 Prozent weniger Kerosin verbraucht, soll die Route wirtschaftlicher werden. Zudem prüft die Lufthansa, ob sich die Nachfrage durch gezielte Umbuchungen auf Drehkreuze wie Frankfurt oder Zürich bündeln lässt – eine Strategie, die bereits auf anderen Strecken erfolgreich getestet wurde.

Für Vielflieger und Geschäftsreisende bleibt die Entwicklung ambivalent. Während die Bahn mit dem ICE in unter vier Stunden eine echte Alternative bietet, fehlt vielen Unternehmen noch die Flexibilität, kurzfristige Termine ohne Flugoptionen zu managen. Hier könnte ein hybrides Modell aus reduzierten Flugfrequenzen und garantierten Bahnkapazitäten eine Lösung sein.

Entscheidend wird sein, wie sich die Buchungszahlen in den kommenden Monaten entwickeln. Sollte die Nachfrage nach Direktflügen zwischen den beiden Wirtschaftsmetropolen weiter sinken, könnte die Lufthansa die Strecke langfristig ganz aus dem Taktflugplan nehmen – oder sie als Premium-Verbindung mit höheren Preisen, aber exklusivem Service neu positionieren.

Die Streichung von drei täglichen Verbindungen zwischen Düsseldorf und München ab Oktober markiert einen deutlichen Einschnitt für Pendler und Geschäftsreisende, die auf flexible und häufige Direktverbindungen angewiesen sind. Besonders betroffen sind Vielflieger, die bisher auf die kurze Umsteigezeit und hohe Taktung zwischen den beiden Wirtschaftsstandorten setzten—jetzt müssen sie mit längeren Wartezeiten oder Umwegen über Frankfurt rechnen.

Wer regelmäßig auf der Strecke unterwegs ist, sollte frühzeitig Alternativen prüfen: Die Bahn bietet mit ICE-Sprintern oft eine schnelle und umweltfreundlichere Option, während Frühbucher bei Lufthansa noch Restkontingente in den verbleibenden Flügen sichern können. Langfristig könnte die Reduzierung des Angebots jedoch auch den Druck auf die Airline erhöhen, attraktivere Tarife oder Kooperationen mit anderen Fluggesellschaften zu entwickeln, um die Nachfrage zu bedienen.