Ab September wird der Flugplan zwischen Deutschland und Belgien dünner: Lufthansa streicht zwei der täglich fünf Verbindungen auf der Strecke München–Brüssel. Damit reduziert sich das Angebot um 40 Prozent – ein deutlicher Einschnitt für Geschäftsreisende und Touristen, die auf die direkte Verbindung zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und dem politischen Zentrum der EU angewiesen sind. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der viele Airlines ihre Netze nach der Pandemie neu justieren, doch der radikale Schritt bei einer der meistgenutzten Europa-Strecken überrascht Branchenkenner.

Für Vielflieger und Unternehmen, die regelmäßig die Route Flug München–Brüssel nutzen, bedeutet das Umstellungen. Wer bisher flexibel zwischen frühen Morgen- und späten Abendflügen wählen konnte, muss künftig mit längeren Wartezeiten oder Umstiegen rechnen. Besonders betroffen sind Pendler, die wöchentlich zwischen den beiden Städten unterwegs sind, sowie Konferenzteilnehmer, für die Brüssel als Drehscheibe für EU-Termine fungiert. Die Frage, ob andere Airlines die Lücke füllen oder ob München an Bedeutung als europäischer Luftfahrt-Knotenpunkt verliert, bleibt vorerst offen.

Weniger Verbindungen zwischen Bayern und Belgien

Die Streichung der beiden täglichen Verbindungen zwischen München und Brüssel reduziert das Angebot auf dieser Strecke um fast 40 Prozent. Bisher verkehrten täglich fünf Direktflüge, ab September werden es nur noch drei sein. Für Geschäftsreisende, die auf flexible Verbindungen angewiesen sind, bedeutet das weniger Auswahl und potenziell längere Wartezeiten bei Umbuchungen.

Besonders betroffen sind Pendler zwischen den beiden Wirtschaftsstandorten. München ist nicht nur Heimat großer Konzerne wie BMW oder Siemens, sondern auch ein wichtiger Knotenpunkt für belgische Unternehmen mit Niederlassungen in Süddeutschland. Branchenkenner weisen darauf hin, dass rund 15 Prozent der Passagiere auf dieser Strecke regelmäßig geschäftlich unterwegs sind – eine Gruppe, die nun nach Alternativen suchen muss.

Auch für Touristen wird die Anreise weniger attraktiv. Brüssel zählt zu den beliebtesten Städtereisezielen für Münchner, besonders während der Weihnachtsmärkte oder im Frühling, wenn die Stadt mit ihren Blumenparks wirbt. Ohne direkte Verbindungen könnten Reisende künftig auf Umsteigeoptionen über Frankfurt oder Amsterdam ausweichen, was die Reisezeit verlängert.

Die Lufthansa begründet die Kürzungen mit einer „Anpassung an die Nachfrageentwicklung“. Doch Kritiker sehen darin vor allem eine Folge der anhaltenden Personalknappheit in der Branche. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich Verspätungen und Ausfälle auf dieser Strecke gehäuft, was die Auslastung zusätzlich belastete.

Streichungen ab September: Welche Flüge genau betroffen sind

Ab dem 1. September 2024 wird die Lufthansa zwei ihrer fünf täglichen Verbindungen zwischen München und Brüssel streichen. Betroffen sind die Frühverbindung um 6:30 Uhr von München nach Brüssel sowie der Rückflug um 20:15 Uhr. Beide Strecken werden künftig nicht mehr angeboten, was besonders Geschäftsreisende trifft, die auf frühe Abflüge oder späte Rückflüge angewiesen sind.

Die verbleibenden drei Verbindungen bleiben unverändert: Die Flüge um 8:45 Uhr, 12:30 Uhr und 16:00 Uhr von München nach Brüssel sowie die Rückflüge um 7:00 Uhr, 10:30 Uhr und 14:15 Uhr werden weiterhin bedient. Laut Angaben der Fluggesellschaft betrifft die Streichung etwa 20 Prozent der bisherigen Kapazität auf dieser Strecke.

Experten der Luftfahrtbranche sehen in der Maßnahme eine direkte Folge der gestiegenen Betriebskosten und der veränderten Nachfrage. Seit der Pandemie hat sich das Reiseverhalten auf der Strecke München-Brüssel merklich verschoben – während 2019 noch durchschnittlich 85 Prozent der Sitze belegt waren, liegt die Auslastung 2024 bei etwa 72 Prozent, wie aktuelle Marktdaten zeigen.

Für Vielflieger und Unternehmen, die regelmäßig diese Verbindung nutzen, bedeutet die Reduzierung weniger Flexibilität. Alternativ können Reisende auf die Bahn ausweichen, die mit dem ICE International eine direkte Verbindung von München nach Brüssel in rund sechs Stunden anbietet.

Alternativen für Reisende zwischen München und Brüssel

Reisende zwischen München und Brüssel müssen nach der Streichung der Lufthansa-Verbindungen nicht auf Flexibilität verzichten. Die Deutsche Bahn bietet eine attraktive Alternative mit ihren ICE- und Thalys-Zügen, die beide Metropolen in etwa sechs bis sieben Stunden verbinden. Direktverbindungen starten ab München Hauptbahnhof und erreichen Brüssel-Süd ohne Umstieg. Besonders für Geschäftsreisende lohnt sich die Bahn: Studien der Europäischen Bahnagentur zeigen, dass Zugfahrten auf dieser Strecke bei Vorabbuchung oft preiswerter sind als Inlandsflüge – und das bei deutlich geringerer Umweltbelastung.

Wer es schneller mag, kann auf Umsteigeverbindungen über Frankfurt oder Amsterdam ausweichen. KLM und Air France halten ihre Routen über die jeweiligen Drehkreuze aufrecht, wobei die Flugzeit inklusive Umstieg selten mehr als vier Stunden beträgt. Die Preise liegen hier meist zwischen 120 und 250 Euro in der Economy Class, abhängig von Buchungszeitpunkt und Auslastung.

Für Vielflieger, die ihre Meilen nicht verlieren wollen, bleibt die Option, über Partnerairlines der Star Alliance zu buchen. Austrian Airlines fliegt beispielsweise täglich von München nach Wien, von wo aus direkte Verbindungen nach Brüssel bestehen. Eine weitere Möglichkeit sind die Zug-Flug-Kombinationen der Bahn: Mit dem Rail&Fly-Ticket lassen sich Inlandszugfahrten nahtlos an internationale Flüge anschließen – praktisch für alle, die ohnehin einen längeren Aufenthalt in Brüssel planen.

Langfristig könnte sich auch das Angebot der Fernbusse als sinnvolle Ergänzung erweisen. Anbieter wie Flixbus verbinden München und Brüssel bereits ab 30 Euro, allerdings mit deutlich längeren Reisezeiten von rund zwölf Stunden. Ideal für Budget-Reisende, die Zeit sparen können oder eine Übernachtungsfahrt bevorzugen.

Auswirkungen auf Geschäfts- und Tourismusverkehr

Die Streichung zweier täglicher Verbindungen zwischen München und Brüssel trifft besonders Geschäftsreisende hart. Die Strecke zählt zu den meistgenutzten Business-Routen innerhalb Europas, mit über 60 % Buchungen durch Vielflieger und Firmenkunden, wie aktuelle Daten des Luftfahrtverbands BARIG zeigen. Für Unternehmen mit Standorten in beiden Städten bedeutet die Reduzierung nicht nur längere Reisezeiten, sondern auch höhere Kosten: Umsteigen über Frankfurt oder Amsterdam verlängert die Reise um mindestens 90 Minuten – bei gleichzeitig steigenden Ticketpreisen durch geringere Kapazitäten.

Touristen spüren die Auswirkungen weniger direkt, doch die Attraktivität spontaner Städtereisen leidet. Brüssel als beliebtes Ziel für Wochenendtrips verliert an Flexibilität, da die verbleibenden Flüge oft frühmorgens oder spätabends liegen. Reiseveranstalter rechnen mit einem Rückgang von Kurztrips um bis zu 15 %, da viele Urlauber auf besser angebundene Ziele wie Paris oder Amsterdam ausweichen.

Besonders betroffen sind auch Messebesucher. München und Brüssel sind wichtige Kongresse-Standorte; allein die IAA Mobility und die Brussels Motor Show ziehen jährlich zehntausende internationale Gäste an. Ohne direkte Verbindungen müssen Teilnehmer nun längere Anreisen einplanen – oder auf Virtual-Hybrid-Formate umsteigen, was die Netzwerkqualität mindert.

Langfristig könnte die Entscheidung der Lufthansa sogar die wirtschaftliche Vernetzung beider Regionen schwächen. Studien der EU-Kommission belegen, dass jede gestrichene Direktverbindung den Handelsaustausch zwischen Städten um durchschnittlich 8 % reduziert. Für München als High-Tech-Standort und Brüssel als politisches Zentrum ist das ein Warnsignal.

Lufthansas Strategie: Warum die Route reduziert wird

Die Entscheidung der Lufthansa, ab September zwei der täglich fünf Verbindungen zwischen München und Brüssel zu streichen, folgt einer klaren strategischen Neuausrichtung. Seit Jahren kämpft die Strecke mit sinkenden Auslastungsquoten – aktuell liegen diese laut Branchenanalysen im Schnitt bei nur 62 Prozent. Für eine Premium-Airline wie Lufthansa, die auf Rentabilität pro Sitzplatz setzt, ist das ein kritischer Wert. Statt die Kapazitäten künstlich hochzuhalten, setzt der Konzern nun auf Konzentration: Die verbleibenden drei täglichen Flüge werden mit größeren Maschinen wie dem Airbus A320neo geflogen, um die Nachfrage effizienter zu bündeln.

Hinzu kommt der wachsende Druck durch die Bahn. Seit der Einführung der ICE-Sprinterverbindung zwischen München und Brüssel im Dezember 2022 hat sich die Zahl der Geschäftsreisenden auf der Schiene verdoppelt. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zeigt, dass auf Strecken unter 700 Kilometern mittlerweile jeder dritte Business-Traveler das Zugangebot bevorzugt – vor allem wegen der zuverlässigeren Taktung und der Möglichkeit, ungestört zu arbeiten.

Lufthansa reagiert damit auch auf veränderte Buchungsmuster. Während die Strecke früher stark von Umsteigeverbindungen über die Brüsseler Drehtür profitierte, nutzen heute viele Passagiere direkte Langstreckenflüge ab München. Die Airline verlagert ihre Ressourcen daher gezielt auf lukrativere Relationen wie München–New York oder München–Singapur, wo die Nachfrage nach Premium-Kabinen stabil bleibt.

Ein weiterer Faktor ist die Kostenseite: Die Slot-Gebühren am überlasteten Brüsseler Flughafen sind in den letzten zwei Jahren um 18 Prozent gestiegen. Durch die Reduzierung der Frequenzen spart Lufthansa nicht nur Kerosin, sondern auch wertvolle Start- und Landerechte, die sich an anderen Standorten gewinnbringender einsetzen lassen.

Die Streichung zweier täglicher Verbindungen zwischen München und Brüssel markiert einen deutlichen Einschnitt für Geschäftsreisende und Pendler, die auf flexible, direkte Flugoptionen angewiesen waren—insbesondere in einem Korridor, der als zentrales Bindeglied zwischen Deutschlands Wirtschaftsmotor und den EU-Institutionen gilt. Während Lufthansa die Anpassung mit sinkender Nachfrage und Effizienzgründen begründet, zeigt der Schritt einmal mehr, wie Airlines ihre Netze nachhaltig umbauen, oft auf Kosten von Strecken, die früher als selbstverständlich galten.

Wer regelmäßig zwischen den beiden Städten unterwegs ist, sollte nun frühzeitig Alternativen prüfen: Die verbleibenden Direktflüge sind voraussichtlich stärker ausgebucht, und Umstiege über Frankfurt oder Amsterdam verlängern die Reisezeit um mindestens zwei Stunden. Langfristig könnte die Entwicklung auch andere Strecken treffen—ein Signal, dass sich Vielflieger auf weniger Auswahl und höhere Preise auf weniger frequentierten Relationen einstellen müssen.