Am 31. Dezember 2024 fällt der letzte Vorhang für eine Münchner Hotellerie-Ikone: Das Marco Polo München schließt nach genau einem halben Jahrhundert seine Türen. 50 Jahre lang prägte das Haus an der Lilienthalallee 25 das Bild des Stadtteils Neuaubing – als Treffpunkt für Geschäftsreisende, als Zuflucht für Kulturbegeisterte und als vertrauter Anlaufpunkt für Stammgäste, die hier Generationen von Empfangsdamen, Köchen und Pagen kommen und gehen sahen. Mit 235 Zimmern, einem legendären Frühstücksbuffet und einem Veranstaltungsbereich, der schon Konferenzen mit Hunderten Teilnehmern beherbergte, war es mehr als ein Hotel: ein Stück Münchner Servicegeschichte.

Für viele Münchner ist die Schließung des Marco Polo München nicht nur der Verlust eines Hotels, sondern das Ende einer Ära. In einer Stadt, in der sich Luxus- und Budgetketten rasant vermehren, stand das Haus für eine seltene Konstante – persönlichen Charme inmitten von Standardisierung. Wer hier eincheckte, fand oft dieselben Gesichter hinter der Rezeption wie vor Jahrzehnten, und die hauseigene Polo-Lounge war für Stammgäste so etwas wie ein zweites Wohnzimmer. Doch während andere Traditionshäuser wie das Bayerischer Hof oder das Vier Jahreszeiten seit Langem unter Denkmalschutz stehen, markiert der Abschied vom Marco Polo einen stillen Wandel: München verliert ein Stück Alltagsgeschichte, das sich nie mit Prunk, sondern mit Zuverlässigkeit durchsetzte.

Ein Münchner Hotel mit halben Jahrhundert Geschichte

Das Marco Polo München blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die eng mit der Entwicklung der Stadt verbunden ist. 1974 als Teil der damals expandierenden internationalen Hotellerie eröffnet, gehörte es zu den ersten Häusern in München, die gezielt auf Geschäftsreisende und Touristen aus dem Ausland setzten. Mit seiner markanten Architektur und der Lage am Rande des Englischen Gartens prägte es über Jahrzehnte das Bild des Stadtteils Bogenhausen. Hotelhistoriker weisen darauf hin, dass in den 1980er-Jahren rund 60 Prozent der Gäste aus dem Ausland kamen – ein Beleg für die frühe internationale Ausrichtung des Hauses.

Besonders prägend war die Ära der 1990er-Jahre, als das Hotel nach einer umfassenden Renovierung zum Treffpunkt für Politiker, Künstler und Wirtschaftseliten wurde. Die hoteleigene Bar galt zeitweise als inoffizieller Salon der Münchner Prominenz.

Doch nicht nur die glamourösen Seiten bestimmten den Alltag. Das Marco Polo war auch ein Ort des Wandels: Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 diente es als Quartier für eine nationale Mannschaft, und in den 2010er-Jahren passte man das Konzept mehrmals an die sich verändernde Nachfrage an – von der Business-Lounge bis hin zu Familienangeboten. Selbst die Pandemie überstand das Haus, wenn auch mit spürbaren Einbußen.

Architektonisch blieb es stets ein Statement. Die für die 1970er-Jahre typische Beton-Optik kombiniert mit großen Glasflächen galt lange als mutig, später als nostalgisch. Heute, da der Abriss bevorsteht, wird diese Ästhetik von Denkmalschützern ambivalent betrachtet: Einerseits als Dokument der Nachkriegsmoderne wertvoll, andererseits zu wenig flexibel für moderne Hotelstandards.

Warum das Marco Polo nach 50 Jahren die Türen schließt

Fünf Jahrzehnte prägte das Marco Polo Hotel München die Skyline am Olympiapark – doch am 31. Dezember 2024 fällt der letzte Vorhang. Die Schließung markiert das Ende einer Ära, in der das Haus nicht nur Gäste beherbergte, sondern auch Zeuge des Wandels vom Wirtschaftswunder zur modernen Metropole wurde. Mit seinen 23 Stockwerken und 387 Zimmern zählte es lange zu den größten Hotels der Stadt, ein Ort, an dem Geschäftsreisende, Touristen und sogar Prominente wie die Fußballnationalmannschaft während der EM 2020 abstiegen.

Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit den 2010er-Jahren sank die Auslastung kontinuierlich, zuletzt lag sie laut Branchenanalysen bei unter 60 Prozent. Die Konkurrenz durch moderne Boutique-Hotels und internationale Ketten mit flexibleren Preismodellen machte dem traditionsreichen Haus zu schaffen. Gleichzeitig stiegen die Betriebskosten – besonders Energie und Personal – in einem Maß, das selbst durch Sanierungen nicht mehr auszugleichen war.

Architektonisch war das Marco Polo einst ein Statement: Eröffnet 1974, verkörperte es den optimistischen Geist der Olympiadestadt mit seinem markanten Beton-Design und den großzügigen Panoramafenstern. Doch was damals als fortschrittlich galt, erwies sich später als Hindernis. Die Raumaufteilung entsprach nicht mehr den Ansprüchen heutiger Gäste, die Wert auf Nachhaltigkeit, digitale Infrastruktur und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten legen. Selbst umfangreiche Renovierungen in den 2000ern konnten diesen Strukturwandel nicht aufhalten.

Hotelfachleute sehen in der Schließung auch ein Symptom größerer Branchenveränderungen. „Hotels der 1970er-Jahre sind oft nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, wenn sie nicht grundlegend neu gedacht werden“, erklärt ein Vertreter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Statt Sanierungen im Millionenbereich zu wagen, setzen viele Investoren lieber auf Neubauten – oder, wie im Fall des Marco Polo, auf einen kompletten Neuanfang.

Für München verliert damit ein Stück lebendige Stadtgeschichte seinen Platz. Das Hotel überdauerte Ölkrise, Wiedervereinigung und Digitalisierung, doch am Ende siegte die Logik der Bilanzen über die der Erinnerung.

Was Gäste und Mitarbeiter jetzt wissen müssen

Mit dem Schließen der Türen am 31. Dezember 2024 endet für das Marco Polo Hotel München eine Ära – doch für Gäste mit bestehenden Buchungen und die rund 120 Mitarbeiter beginnt nun eine Phase der Klarheit. Alle Reservierungen bis zum letzten Betriebstag bleiben gültig, wie die Hotelleitung bestätigt. Wer für Januar 2025 oder später gebucht hat, erhält in den kommenden Wochen eine automatische Stornierungsbestätigung sowie eine Erstattung der Anzahlung. Betroffene Gäste können sich bereits jetzt an die zentrale Reservierungsstelle wenden, um Alternativen in anderen Häusern der Marriott-Gruppe zu prüfen.

Für die Belegschaft stellt der Standortswechsel eine größere Herausforderung dar. Laut Angaben des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) finden rund 60 Prozent der Mitarbeiter aus geschlossenen Hotels innerhalb von sechs Monaten eine neue Anstellung in der Branche – oft in vergleichbaren Positionen. Das Marco Polo München arbeitet hier mit lokalen Arbeitsvermittlungen zusammen, um Übergänge zu erleichtern. Zudem bietet Marriott International intern Transfermöglichkeiten an, etwa in die nahen Standorte in Stuttgart oder Frankfurt.

Stammgäste des Hauses erhalten bis zum Schluss Zugang zu den gewohnten Services, inklusive des beliebten Sky-Restaurants mit Panoramablick über die Stadt. Die Hotelbar und das Fitnesscenter bleiben ebenfalls bis zum letzten Tag geöffnet, wobei ab Dezember 2024 schrittweise Abbauarbeiten beginnen könnten. Wer noch einmal die legendäre Weihnachtsdekoration des Hotels erleben möchte, sollte früh buchen: Die Auslastung für die Adventswochenende liegt bereits jetzt bei über 90 Prozent.

Rechtlich gesehen greift für laufende Verträge wie Hochzeitsfeiern oder Konferenzen, die nach dem 31. Dezember terminiert sind, die allgemeine Stornierungsklausel. Eventplaner raten betroffenen Kunden, umgehend Kontakt mit der Hotelverwaltung aufzunehmen, um Kulanzlösungen zu vereinbaren. In Einzelfällen wurden bereits Kooperationen mit Partnerhotels in der Innenstadt vermittelt.

Alternativen für Stammgäste und Geschäftsreisende

Für Stammgäste des Marco Polo München, die das Haus über Jahre als zweite Heimat nutzten, wird der Abschied schwer. Besonders Geschäftsreisende schätzten die zentrale Lage am Olympiapark und die zuverlässige Infrastruktur mit Tagungsräumen, die laut einer Studie der Deutschen Hotelklassifizierung 2023 zu den am häufigsten gebuchten in Schwabing gehörten. Wer ähnliche Standards sucht, findet im Hilton Munich Park oder NH München Deutschherrn vergleichbare Angebote – beide bieten nicht nur moderne Konferenztechnik, sondern auch eine vergleichbare Nähe zu Messegelände und Innenstadt.

Wer Wert auf persönliche Atmosphäre legt, könnte im Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski fündig werden. Das Traditionshaus am Maximiliansplatz setzt seit Jahrzehnten auf diskreten Luxus und einen Service, der viele Stammgäste des Marco Polo an die gute alte Zeit erinnern dürfte. Für Geschäftsleute mit Fokus auf Networking lohnt sich ein Blick ins The Charles Hotel, dessen Lobby seit jeher als inoffizieller Treffpunkt der Münchner Wirtschaftselite gilt.

Preisbewusste Alternativen bieten Designhotels wie das 25hours Hotel The Royal Bavarian oder das Ruby Lotti – beide kombinieren modernen Komfort mit individuellen Konzepten, die besonders jüngere Geschäftsreisende ansprechen. Wer auf die gewohnte Größe des Marco Polo nicht verzichten möchte, dem bleibt das Sofitel Munich Bayerpost mit seinen 396 Zimmern und historischem Charme.

Langfristig könnte sich der Markt weiter verändern: Branchenanalysten erwarten, dass bis 2026 mindestens drei weitere Vier-Sterne-Hotels in Schwabing entstehen, darunter ein Projekt der Marriott-Gruppe. Bis dahin bleibt die Suche nach dem perfekten Ersatz eine Frage des persönlichen Geschmacks – und der Bereitschaft, neue Lieblingsorte zu entdecken.

Neue Pläne für das Grundstück an der Lilienthalallee

Das 12.000 Quadratmeter große Grundstück an der Lilienthalallee wird nach dem Abriss des Marco Polo Hotels neu aufgeteilt. Laut aktuellen Plänen der Stadt München soll der nordwestliche Bereich für Wohnraum genutzt werden, während der südöstliche Teil Gewerbe- und Büroflächen vorhält. Eine Machbarkeitsstudie des Münchner Stadtplanungsamts aus dem Jahr 2023 zeigt, dass auf dem Areal bis zu 200 Wohneinheiten entstehen könnten – davon 40 Prozent gefördert.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Verkehrsanbindung. Die Nähe zur U-Bahn-Linie U6 und zur Tram-Haltestelle „Pinakotheken“ macht das Gelände attraktiv, wirft aber auch Fragen zur Kapazität der bestehenden Infrastruktur auf. Stadtentwickler betonen, dass eine Verdichtung nur mit begleitenden Maßnahmen wie Fahrradstellplätzen und Carsharing-Zonen sinnvoll sei.

Kritik kommt von Anwohnerinitiativen, die eine Überlastung des Viertels befürchten. Der Bezirk Schwabing-Freimann verzeichnet bereits jetzt eine Wohnraumdichte von über 150 Einwohnern pro Hektar – deutlich über dem Münchner Durchschnitt. Ob die Pläne wie vorgesehen 2026 umgesetzt werden, hängt auch von den Ergebnissen des laufenden Bürgerbeteiligungsverfahrens ab.

Ein Teil des Grundstücks könnte zudem für Grünflächen reserviert bleiben. Diskutiert wird die Anlage eines kleinen Parks mit Spielbereich, der die bestehende Grünachse entlang der Lilienthalallee verlängert. Die finale Entscheidung über die Aufteilung fällt voraussichtlich im ersten Quartal 2025.

Mit dem Schließen des Marco Polo München am 31. Dezember 2024 endet eine Ära: Fünf Jahrzehnte lang prägte das Hotel als festen Ankerpunkt für Geschäftsreisende, Touristen und Münchner Events die Stadtlandschaft zwischen Isar und Innenstadt, wo es mit seinem markanten Design und internationalem Flair eine Lücke hinterlässt. Wer die letzten Monate noch nutzen möchte, sollte schnell buchen – die Nachfrage nach Zimmern und dem legendären Sky-Restaurant mit Panoramablick auf die Alpen wird bis zum Finale voraussichtlich stark steigen, besonders während der Weihnachtsmärkte.

Doch der Abschied bedeutet nicht das Ende der Geschichte: Der Standort an der Hochstraße bleibt ein begehrtes Stück München – und was dort entsteht, könnte die Stadt erneut verändern.