Mit 210 festlich geschmückten Ständen verwandelt sich die Münchner Innenstadt ab dem 27. November in ein strahlendes Wintermärchen. Der Münchner Weihnachtsmarkt auf dem Marienplatz übertrifft damit alle bisherigen Rekorde – nicht nur als größter der Stadt, sondern auch mit einem Angebot, das von handgefertigtem Kunsthandwerk bis zu kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Welt reicht. Zwischen dem 100 Meter hohen Christbaum, dessen 2.500 Lichter die Altstadt erhellen, und dem historischen Rathaus im Hintergrund entsteht eine Atmosphäre, die selbst eingefleischte München-Kenner jedes Jahr aufs Neue begeistert.
Wer den Münchner Weihnachtsmarkt besucht, taucht nicht einfach in eine Vorweihnachtsstimmung ein, sondern erlebt eine Tradition, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Für Einheimische ist er fester Bestandteil der Adventszeit, für Touristen ein Pflichttermin – und für Händler eine Chance, ihre besten Kreationen zu präsentieren. Ob Glühwein aus regionalem Anbau, lebkuchenverzierte Marzipanherzen oder handgeschnitzte Krippenfiguren: Hier findet jeder, was das Herz im Dezember höher schlagen lässt. Die Eröffnung am 27. November markiert den Startschuss für einen Monat voller Magie, Musik und Münchner Gemütlichkeit.
Münchens Weihnachtsmarkt-Tradition seit dem 14. Jahrhundert
Die Wurzeln des Münchner Weihnachtsmarktes reichen bis ins Jahr 1310 zurück, als König Ludwig der Bayer den ersten „Nikolausmarkt“ auf dem Marienplatz genehmigte. Damals noch ein bescheidener Handel mit Lebkuchen, Kerzen und einfachen Holzspielzeugen, entwickelte sich die Veranstaltung über die Jahrhunderte zu einem der prächtigsten Feste der Stadt. Historische Aufzeichnungen belegen, dass bereits im 17. Jahrhundert Münchner Bürger den Markt als festen Bestandteil der Vorweihnachtszeit feierten – selbst während kriegerischer Zeiten oder Wirtschaftskrisen blieb die Tradition weitgehend ungebrochen.
Besonders im 19. Jahrhundert erlebte der Weihnachtsmarkt einen Aufschwung, als die Wittelsbacher Monarchen die Feierlichkeiten mit prunkvollen Dekorationen und öffentlichen Festen unterstützten. Der Christbaum, heute ein zentrales Symbol, wurde 1850 erstmals auf dem Marienplatz aufgestellt. Stadtchroniken verweisen darauf, dass die Anzahl der Stände damals bereits auf über 50 anwuchs – ein Beleg für die wachsende Beliebtheit.
Laut Angaben des Münchner Stadtarchivs zählt der Weihnachtsmarkt zu den ältesten kontinuierlich stattfindenden Adventsmärkten Deutschlands. Während andere Städte ihre Traditionen aufgrund von Kriegen oder politischen Umbrüchen unterbrechen mussten, blieb München eine Ausnahmer. Selbst nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs öffnete der Markt 1945 wieder – wenn auch mit nur 17 einfachen Buden. Diese Widerstandsfähigkeit unterstreicht die tiefe Verwurzelung des Festes in der städtischen Identität.
Heute verbindet der Markt historische Elemente wie das Krippenspiel am Rathaus mit modernen Attraktionen. Doch die Grundidee bleibt: ein Ort der Begegnung, der seit über 700 Jahren Generationen von Münchnern und Gästen in der dunklen Jahreszeit Licht und Wärme schenkt.
Ein Fest der Sinne: Glühwein, Handwerk und Lichterglanz
Der Duft von gebrannten Mandeln und frischem Lebkuchen zieht durch die Gassen, während sich die ersten Besucher zwischen den 210 Holzbuden drängen. Münchens größter Weihnachtsmarkt verwandelt den Marienplatz ab dem 27. November in ein sinnliches Erlebnis: Über 500.000 Lichterketten verwandeln die historischen Fassaden in ein goldenes Meer, das sich im Glanz der handgefertigten Christbaumkugeln spiegelt. Besonders die traditionellen Glühweinstände – darunter der berühmte „Münchner Christkindl-Glühwein“ mit seinem geheimen Gewürzrezept – locken Jahr für Jahr Tausende an. Laut einer Studie der Münchner Tourismusamt besuchen rund 3,5 Millionen Menschen den Markt während der vierwöchigen Laufzeit, viele allein wegen der regionalen Spezialitäten.
Handwerker aus dem bayerischen Oberland präsentieren zwischen den festlich geschmückten Pavillons ihre Kunst: Von filigranen Holzschnitzereien über handgewebte Wollschals bis zu den typischen „Räuchermännern“ aus dem Erzgebirge. Wer genau hinschaut, entdeckt sogar die letzten Meister der traditionellen „Schwibbögen“-Herstellung, deren leuchtende Holzkonstruktionen einst die Fenster der Bergleute schmückten. Die Stände sind bewusst nach historischen Vorbildern gestaltet – mit schmiedeeisernen Beschlägen und Tannenzweigen als Dekoration.
Abends, wenn die Dämmerung über die Stadt fällt, entfaltet der Markt seine volle Magie. Die 30 Meter hohe Tanne auf dem Marienplatz, geschmückt mit über 2.500 handgeblasen Glaskugeln, wird zum Mittelpunkt eines Lichterfestes. Kinder staunen über die pyrotechnischen Effekte der „Feuerzangenbowle“-Shows, während Chöre in Trachten traditionelle Adventslieder anstimmen. Selbst die Münchner U-Bahn fügt sich in das Fest ein: Die Station Marienplatz ist während der Marktzeit mit speziellen Weihnachtsmotiven illuminiert.
Ein Geheimtipp für Kenner: Die kleinen „Hütt’n“ am Rande des Marktes, wo lokale Winzer ihren selbst hergestellten Kinderpunsch und würzigen Met anbieten. Hier, abseits der Hauptwege, findet man noch die ursprüngliche Gemütlichkeit, die den Münchner Weihnachtsmarkt seit 1310 prägt.
210 Stände zwischen Rathaus und Frauenkirche im Überblick
Zwischen dem historischen Rathaus und der Frauenkirche verwandelt sich der Marienplatz ab dem 27. November in ein lebendiges Labyrinth aus 210 liebevoll gestalteten Ständen. Jeder dritte davon stammt von regionalen Handwerkern, die seit Generationen ihre Waren auf Münchens Weihnachtsmärkten anbieten. Von handgeschnitzten Krippen aus dem Berchtesgadener Land bis zu filigranen Lebkuchenherzen aus Nymphenburg – die Auswahl spiegelt die Vielfalt bayerischer Tradition wider. Besonders auffällig: Rund 40 Stände widmen sich ausschließlich nachhaltigen Produkten, ein Trend, der laut einer Studie der Handwerkskammer München in den letzten fünf Jahren um 120 Prozent zugenommen hat.
Wer durch die Gassen schlendert, trifft auf seltene Spezialitäten. Im Schatten des Christkindlbaums reihen sich Stände mit original Münchner Zwetschgendatschi, der nur hier in der traditionellen Rezeptur mit Zimt und Rum gebacken wird. Daneben locken Würstchen vom Bio-Bauernhof aus dem Umland, deren Räucheraroma sich mit dem Duft von frisch gebrannten Mandeln vermischt. Ein Geheimtipp: die kleinen Holzhütten am Rand des Platzes, wo Kunsthandwerker vor Ort Glasbläserarbeiten oder Kerzen ziehen.
Für Kinder wird der Markt zum Abenteuer. Zwischen den Ständen verstecken sich drei Mini-Werkstätten, in denen sie unter Anleitung selbst Weihnachtsdekoration basteln können. Die beliebteste Attraktion bleibt aber der Stand mit den lebensgroßen Holzpferden, die seit den 1950er Jahren jedes Jahr neu bemalt werden. Eltern schätzen derweil die ruhigeren Ecken nahe der Frauenkirche, wo lokale Buchbinder handgefertigte Adventskalender anbieten – manche mit versteckten Münchner Stadtansichten aus dem 19. Jahrhundert.
Wer genau hinschaut, entdeckt Kurioses: Ein Stand verkauft ausschließlich Weihnachtsbaumschmuck aus recyceltem Bierkrug-Glas, ein anderer bietet „Glücksbringer“ aus Altholz der Isarbrücken. Selbst die Standgestaltung erzählt Geschichten – die ältesten Hütten stammen noch aus den 1920er Jahren und tragen Schnitzereien, die an Münchens Stadtwappen erinnern. Die Organisatoren betonen, dass jeder Stand mindestens ein Unikat im Sortiment führen muss, um die Einzigartigkeit des Marktes zu bewahren.
Tipps für Besucher: Beste Zeiten und versteckte Highlights
Wer den Münchner Weihnachtsmarkt am Marienplatz in voller Pracht erleben möchte, sollte die ersten beiden Wochen nach der Eröffnung nutzen. Laut einer Umfrage unter Münchner Tourismusexperten ist die Zeit zwischen dem 27. November und dem 10. Dezember ideal: Die Stände glänzen noch frisch dekoriert, die Besucherströme sind überschaubarer als kurz vor Heiligabend, und die Temperaturen liegen oft knapp über dem Gefrierpunkt – perfekt für einen gemütlichen Glühwein unter freiem Himmel.
Frühaufsteher belohnt der Markt mit einer fast meditativen Stimmung. Vor 10 Uhr, wenn die meisten Touristen noch schlafen, lässt sich das historische Ambiente zwischen Rathaus und Frauenkirche am intensivsten genießen. Die ersten Sonnenstrahlen lassen die goldenen Verzierungen der 210 Stände aufleuchten, während der Duft von frisch gebackenen Mandeln und gebrannten Maroni noch ungetrübt durch die Gassen zieht.
Ein verstecktes Juwel liegt abseits des Haupttrubels: der kleine Kripperlmarkt am Rande des Platzes, wo seit Generationen handgeschnitzte Figuren aus dem Berchtesgadener Land angeboten werden. Wer hier mit den Ausstellern ins Gespräch kommt, erfährt oft Geschichten über jahrhundertealte Handwerkskunst – und geht mit einem einzigartigen Stück bayerischer Tradition nach Hause. Ein Geheimtipp für Familien sind die kostenlosen Laternenführungen, die dienstags und donnerstags um 16:30 Uhr starten.
Abends verwandelt sich der Markt in ein Lichtermeer. Wer den besten Blick auf die beleuchtete Fassade des Neuen Rathauses sucht, sollte sich gegen 18 Uhr am Christkindl-Café positionieren – von hier aus lässt sich nicht nur die berühmte Uhrenglockenspiel-Show (täglich um 17:00, 18:00 und 19:00 Uhr) optimal verfolgen, sondern auch die Stimmung beobachten, wenn die ersten Kerzen in den Tannenbäumen entzündet werden.
Nachhaltigkeit und Innovation beim Christkindlmarkt 2023
Der Münchner Christkindlmarkt setzt 2023 auf ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit – ohne dabei auf den traditionellen Zauber zu verzichten. Rund 80 Prozent der Holzhütten bestehen aus recycelten Materialien oder stammen aus regionaler Forstwirtschaft, wie eine aktuelle Erhebung der Marktorganisation zeigt. Die Dekoration kommt weitgehend ohne Plastik aus: Strohsterne, Holzfiguren und natürliche Tannenzweige prägen das Bild. Selbst die Lichterketten sind auf LED umgestellt, was den Stromverbrauch im Vergleich zu 2019 um fast 40 Prozent reduziert.
Innovativ wird es bei den Anbietern. Mehrere Stände experimentieren mit biologisch abbaubarem Geschirr aus Zuckerrohr oder Maisstärke. Die Münchner Stadtwerke unterstützen das Projekt mit einer speziellen Sammelstelle für Kompostabfälle direkt am Marienplatz. Besonders auffällig: Ein Pilotprojekt testet Pfandsysteme für Glühweinbecher aus recyceltem Glas – eine Premiere für den Christkindlmarkt.
Hinter den Kulissen arbeitet ein Team von Umweltberatern mit den Marktbeschickern zusammen. Ihr Ziel ist es, den CO₂-Fußabdruck des gesamten Events bis 2025 um mindestens 25 Prozent zu senken. Dazu gehören auch Logistikkonzepte, die Lieferungen bündeln und Leerfahrten vermeiden. Die ersten Erfolge sind messbar: Allein durch die Umstellung auf Ökostrom bei den Festbeleuchtungen spart der Markt jährlich etwa 12 Tonnen CO₂ ein.
Doch Nachhaltigkeit zeigt sich auch in kleinen Details. Die traditionellen Lebkuchenherzen werden dieses Jahr erstmals mit Bio-Zutaten und kompostierbaren Stielen angeboten. Und wer genau hinschaut, entdeckt zwischen den Buden vermehrt Solarmodule – diskret integriert in die Dachkonstruktionen der größeren Pavillons.
Wenn München im Advent seinen größten Weihnachtsmarkt auf dem Marienplatz eröffnet, wird aus der Stadt für 210 Händler und unzählige Besucher ein leuchtendes Fest der Tradition und des Genusses – mit handgefertigtem Schmuck, dampfenden Glühweintassen und dem Duft von gebrannten Mandeln, der sich zwischen den historischen Fassaden ausbreitet. Wer das volle Flair erleben möchte, sollte den Besuch in die frühen Abendstunden legen, wenn die Lichterketten das Rathaus in goldenes Licht tauchen und die Stimmung zwischen Besinnlichkeit und vorweihnachtlicher Vorfreude am intensivsten ist.
Doch der Zauber endet nicht mit dem 24. Dezember: Schon jetzt lohnt es, die Termine für die begleitenden Konzerte und den alljährlichen Christkindlmarkt-Umzug im Kalender zu markieren, der Münchens Herz noch einmal besonders zum Strahlen bringt.

