Nach genau 15 Jahren zieht MediaMarkt München einen Schlussstrich unter seine Filiale in der Kaufingerstraße – ein Schritt, der nicht nur die Innenstadt prägt, sondern auch das Ende einer Ära für Elektronikfans markiert. Die 2.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche, einst ein Magnet für Technikbegeisterte und Schnäppchenjäger, wird bis Ende Juli geräumt. Damit verliert die Fußgängerzone einen ihrer letzten großen Elektronikfachmärkte, der trotz Online-Konkurrenz und Pandemie-Jahren jahrelang Bestand hatte.
Für viele Münchner war die Filiale mehr als nur ein Laden: Sie stand für spontane Beratung, das Anfassen von Neuheiten und den typischen MediaMarkt-Sound aus Werbejingles und Kundengesprächen. Dass ausgerechnet der Standort in der Kaufingerstraße schließt, während MediaMarkt München andere Häuser wie am Olympiapark oder in Perlach weiterbetreibt, wirft Fragen auf – nicht nur über die Zukunft des Einzelhandels in der Innenstadt, sondern auch darüber, wie sich Kaufverhalten und Mietpreise auf traditionelle Elektronikmärkte auswirken. Die Lücke wird spürbar sein.
Einstiger Elektronik-Riese verlässt Münchens Einkaufsmeile
Die Schließung der MediaMarkt-Filiale in der Münchner Kaufingerstraße markiert das Ende einer Ära für den einst dominierenden Elektronikhandel in der Innenstadt. 15 Jahre lang prägte der blaue Riese mit seiner markanten Fassade die Einkaufsmeile – doch jetzt zieht er sich zurück, während Online-Händler und veränderte Konsumgewohnheiten den stationären Handel umkrempeln. Branchenanalysen zeigen: Seit 2010 hat MediaMarkt in Deutschland über 100 Standorte geschlossen, ein Rückgang von fast 20 Prozent. München folgt damit einem bundesweiten Trend, der selbst traditionsreiche Handelsketten vor existenzielle Fragen stellt.
Besonders auffällig ist der Standort: Die Kaufingerstraße zählt zu den umsatzstärksten Einkaufslagen Europas, mit Mieten von bis zu 300 Euro pro Quadratmeter. Dass ausgerechnet hier ein Elektronikmarkt aufgibt, unterstreicht die Krise der Branche. Während Modeketten und Gastronomie in der Fußgängerzone boomen, kämpfen Elektronikmärkte mit sinkenden Besucherzahlen. Laut einer Studie des EHI Retail Institute geben 68 Prozent der Verbraucher an, große Elektronikgeräte lieber online zu kaufen – vor allem wegen besserer Preisvergleiche und Lieferoptionen.
Doch der Rückzug betrifft nicht nur MediaMarkt. Saturn, der Schwesterkonzern, hatte bereits 2021 seine Filiale am Marienplatz geschlossen. Damit verschwindet eine ganze Kategorie aus der Innenstadt: Große Elektronikmärkte mit Ausstellungsflächen für Fernseher, Küchengeräte oder Hi-Fi-Anlagen werden zur Seltenheit. Stattdessen setzen Händler auf kleinere Showrooms oder reinen Online-Vertrieb. Für München bedeutet das einen Verlust an Vielfalt – und vielleicht auch an jenem typischen Großstadt-Flair, das einst mit grellen Werbetafeln und Techniktests in den Geschäften verbunden war.
Die Immobilie selbst wird kaum lange leerstehen. Experten rechnen damit, dass internationale Modeketten oder Luxusmarken das Objekt übernehmen – ein Muster, das sich in vielen Großstädten wiederholt. Für die Stadtplanung wirft der Abschied von MediaMarkt dennoch Fragen auf: Soll die Innenstadt künftig nur noch Shopping-Touristen anziehen, oder braucht es neue Konzepte, um auch lokale Kundschaft zu halten?
Warum die Kaufingerstraße-Filiale nach 15 Jahren dichtmacht
Nach genau 15 Jahren zieht MediaMarkt die Reißleine: Die Filiale in der Münchner Kaufingerstraße schließt Ende September ihre Türen. Der Standort, einst ein Hotspot für Technikbegeisterte mitten in der Innenstadt, konnte sich wirtschaftlich nicht mehr tragen. Branchenkenner führen das auf veränderte Einkaufsgewohnheiten zurück – seit 2010 hat der Online-Handel mit Elektronikartikeln in Deutschland jährlich um durchschnittlich 12 % zugelegt, während stationäre Händler kämpfen.
Die Kaufingerstraße, eine der teuersten Einkaufsstraßen Europas, machte es dem Elektronikhändler nicht leichter. Mietkosten von bis zu 300 Euro pro Quadratmeter im Jahr und sinkende Kundenfrequenz in der Innenstadt nach der Pandemie setzten dem Standort zu. Während andere Ketten wie Saturn oder Apple ihre Präsenz in der Fußgängerzone ausbauten, verlor MediaMarkt hier zunehmend an Sichtbarkeit.
Dass der Standort trotz seiner zentralen Lage nie zur profitablen Flaggschiff-Filiale wurde, überrascht Insider kaum. Die Fläche von rund 1.200 Quadratmetern war für das moderne MediaMarkt-Konzept – mit Erlebniszonen für Gaming oder Smart Home – schlicht zu klein. Vergleichbare Filialen in Randlagen wie Perlach oder Neuperlach erzielen heute höhere Umsätze pro Quadratmeter, da sie mehr Platz für Präsentation und Lager bieten.
Einzelhandelsexperten betonen, dass der Rückzug kein Einzelfall bleibt: Bis 2025 könnten bis zu 20 % der innerstädtischen Elektronikfachmärkte in Deutschland verschwinden. MediaMarkt selbst setzt bereits auf größere Standorte an Stadträndern oder in Einkaufszentren, wo Parkplätze und niedrigere Mieten die Kunden zurücklocken sollen.
Kundenreaktionen und Alternativen für Technikkäufer in der Innenstadt
Die Schließung der MediaMarkt-Filiale in der Kaufingerstraße hinterlässt bei Stammkunden gemischte Gefühle. Viele schätzen die zentrale Lage und das breite Sortiment, das von Haushaltsgeräten bis zu High-End-Elektronik reichte. Besonders ältere Käufer betonen die persönliche Beratung, die in Online-Shops oft fehlt. Doch nicht alle reagieren überrascht: Eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts EHI aus dem Vorjahr zeigte, dass 62 % der Münchner Technikkäufer inzwischen bevorzugt online bestellen – vor allem wegen der Preistransparenz und Lieferoptionen.
Für diejenigen, die weiterhin auf stationären Handel setzen, bieten sich Alternativen in der Innenstadt. Das Saturn-Geschäft am Marienplatz bleibt mit seinem ähnlichen Sortiment eine direkte Option, auch wenn die Verkaufsfläche kleiner ausfällt. Kleinere Fachhändler wie der Elektronikmarkt in der Sonnenstraße punkten mit Nischenprodukten und individueller Beratung, die Großkonzerne seltener leisten können.
Einige Kunden nutzen die Schließung als Anlass, um ihr Kaufverhalten grundlegend zu überdenken. Refurbished-Geräte oder Mietmodelle gewinnen an Beliebtheit, besonders bei jüngeren Zielgruppen. Lokale Initiativen wie der Repair-Café München zeigen zudem, dass Nachhaltigkeit für viele Münchner mittlerweile ein entscheidendes Kriterium ist – ein Trend, den MediaMarkt in der Kaufingerstraße trotz seiner Serviceangebote nie vollends bedienen konnte.
Die Reaktionen in sozialen Medien reichen von Nostalgie bis zu pragmatischer Akzeptanz. Während einige Nutzer die Filiale als „Institution“ bezeichnen und Fotos alter Kaufbelege teilen, verweisen andere auf die ohnehin sinkende Bedeutung klassischer Elektronikmärkte. Ein Kommentar unter einem Post der Süddeutschen Zeitung bringt es auf den Punkt: „Wer heute noch extra in die Stadt fährt, um ein Kabel zu kaufen, hat die letzten zehn Jahre verschlafen.“
Was aus den 80 Mitarbeitern und dem Standort wird
Die Schließung der MediaMarkt-Filiale in der Münchner Kaufingerstraße betrifft rund 80 Mitarbeiter, deren Zukunft nun ungewiss ist. Laut Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) führt jede Filialschließung im Einzelhandel durchschnittlich zu einer sechsmonatigen Phase der Neuorientierung für die Beschäftigten – eine Herausforderung in einem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt. Ob und wie viele der Angestellten in anderen MediaMarkt-Standorten unterkommen oder alternative Lösungen wie Abfindungen angeboten werden, bleibt vorerst offen.
Der Standort selbst wird voraussichtlich nicht lange leer stehen. Immobilienexperten zufenolge sind Ladenflächen in der Kaufingerstraße trotz des aktuellen Einzelhandelswandels weiterhin begehrt, besonders für internationale Marken oder Concept Stores. Die Mietpreise in der Innenstadt liegen mit etwa 250 Euro pro Quadratmeter im Jahr nach wie vor deutlich über dem Münchner Durchschnitt.
MediaMarkt hat bisher keine konkreten Pläne für die Nachnutzung bekannt gegeben. Typisch für solche Fälle ist jedoch, dass die Fläche zunächst an einen Zwischenmieter vermietet wird, während langfristige Lösungen verhandelt werden. Ob Elektronikhandel an diesem Standort überhaupt eine Zukunft hat, hängt auch davon ab, wie sich das Konsumverhalten in der Innenstadt entwickelt – aktuell sinkt der stationäre Umsatz mit Unterhaltungselektronik bundesweit um etwa 3 % pro Jahr.
Für die betroffenen Mitarbeiter laufen derzeit Gespräche mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. Branchenkenner betonen, dass Qualifizierungsprogramme für den digitalen Handel oder Unterstützung bei der Existenzgründung in solchen Fällen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ob MediaMarkt hier eigene Initiativen startet, bleibt abzuwarten.
MediaMarkts Strategie: Weniger Läden, mehr Online-Fokus
Die Schließung der MediaMarkt-Filiale in der Münchner Kaufingerstraße ist kein Einzelfall, sondern Teil einer klaren strategischen Neuausrichtung. Seit 2020 reduziert der Elektronikhändler kontinuierlich seine stationäre Präsenz in Deutschland – von einst über 400 Standorten auf aktuell rund 320. Statt auf Fläche setzt das Unternehmen auf Effizienz: Kleinere, aber profitablere Läden in frequentierten Lagen sollen bleiben, während weniger rentable Standorte geschlossen oder zu Saturn-Filialen umgewandelt werden.
Parallel dazu treibt MediaMarkt den Ausbau des Onlinegeschäfts voran. 2023 generierte der Konzern bereits 40 Prozent seines Umsatzes über digitale Kanäle – ein Plus von 12 Prozentpunkten innerhalb von drei Jahren. Branchenanalysten sehen darin eine notwendige Reaktion auf verändertes Kaufverhalten: Immer mehr Kunden informieren sich online, vergleichen Preise und bestellen direkt nach Hause. Die Pandemie hat diesen Trend beschleunigt, doch die Entwicklung war bereits vorher absehbar.
Ein zentrales Element der Strategie ist die Vernetzung von Online- und Offline-Angeboten. Kund:innen können etwa online bestellen und die Ware in der nächsten Filiale abholen oder dort zurückgeben. Diese „Click & Collect“-Option nutzten 2023 bereits 30 Prozent der Online-Käufer bei MediaMarkt. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in digitale Services wie virtuelle Beratung oder erweiterte Garantieoptionen, um sich von reinen Preisvergleichsplattformen abzuheben.
Kritiker bemängeln, dass die Filialschließungen Arbeitsplätze kosten und die Innenstädte weiter ausbluten lassen. MediaMarkt kontert mit dem Verweis auf die wachsende Zahl an Mitarbeitenden in Logistik und Kundenservice – Bereiche, die für das Onlinegeschäft essenziell sind. Ob die Strategie langfristig aufgeht, hängt davon ab, ob es gelingt, die Marke im digitalen Wettbewerb gegen Amazon, Otto oder spezialisierte Händler wie Cyberport zu behaupten.
Mit der Schließung der MediaMarkt-Filiale in der Kaufingerstraße nach 15 Jahren verliert Münchens Innenstadt nicht nur einen etablierten Elektronikhandelsstandort, sondern auch ein Stück gewohnter Einkaufskultur – ein weiterer Beleg dafür, wie stark sich der Einzelhandel durch Online-Shopping und veränderte Konsumgewohnheiten wandelt. Gerade in einer Stadt mit hohen Mieten und wachsendem Leerstandsdruck zeigt der Rückzug des Unternehmens, dass selbst große Ketten vor den Herausforderungen des stationären Handels nicht gefeit sind.
Wer nun nach Alternativen sucht, findet die nächsten MediaMarkt-Standorte in der Landsberger Straße oder am Olympiaeinkaufszentrum, während lokale Fachhändler oder der direkte Online-Kauf für viele Kund:innen ohnehin längst zur Normalität geworden sind. Wie sich die Kaufingerstraße langfristig neu erfinden wird, hängt davon ab, ob es gelingt, attraktive Konzepte zu entwickeln, die über reinen Konsum hinausgehen.

