Nach einem halben Jahrhundert zieht sich ein Stück Münchner Einzelhandelsgeschichte zurück: Die Merkur München-Filiale in der Innenstadt schließt ihre Türen für immer. Was 1974 als einer der ersten Supermärkte in der Fußgängerzone begann, endet nun als Symbol für den Wandel des stationären Handels. Die 800 Quadratmeter große Verkaufsfläche an der Kaufingerstraße, einst ein Anlaufpunkt für Tausende Kunden täglich, wird bis Ende September geräumt.
Der Abschied fällt nicht nur langjährigen Stammkunden schwer. Merkur München prägte mit seinem Angebot an regionalen Produkten und der typisch bayerischen Theke über Jahrzehnte das Einkaufserlebnis in der Stadt. Während andere Ketten längst auf Vorstadtstandorte oder Online-Handel setzen, markiert diese Schließung einen Einschnitt – besonders für diejenigen, die den Charme des klassischen Innenstadt-Einkaufs schätzen. Was bleibt, sind Erinnerungen an vollgepackte Einkaufstaschen, das Klirren der Kassen und den Geruch frischer Brezn über den Regalen.
Ein Münchner Einzelhandelsinstitution geht
Seit einem halben Jahrhundert prägte der Merkur-Markt an der Münchner Sonnenstraße das Bild der Innenstadt. Die Filiale, 1974 eröffnet, entwickelte sich zu einer festen Größe im lokalen Einzelhandel – ein Ort, an dem Stammkunden ihre Einkäufe erledigten, während Touristen zwischen Regalen mit bayerischen Spezialitäten und frischen Backwaren stöberten. Mit ihrer zentralen Lage zwischen Marienplatz und Isartor war sie mehr als nur ein Supermarkt: Sie verkörperte den pulsierenden Alltag der Stadt.
Laut einer Studie der IHK München aus dem Jahr 2022 zählen traditionelle Lebensmittelhändler in Innenstadtlagen zu den am stärksten von strukturellen Veränderungen betroffenen Branchen. Steigende Mieten, verändertes Kaufverhalten und die Konkurrenz durch Online-Händler setzten auch etablierte Märkte wie Merkur unter Druck. Die Schließung der Sonnenstraßen-Filiale unterstreicht diesen Trend.
Besonders die älteren Münchner werden den Markt vermissen. Hier gab es noch persönliche Beratung, regionale Produkte und das Gefühl, Teil einer Nachbarschaft zu sein. Während moderne Supermarktketten auf Effizienz und Standardisierung setzen, blieb Merkur ein Stück weit altmodisch – und genau das machte seinen Charme aus.
Mit dem Auszug verliert die Innenstadt nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern auch ein Stück Identität. Wo einst Regale mit Brezen und Weißwurst standen, wird bald eine Lücke klaffen. Ob und was nachfolgt, steht noch in den Sternen.
Warum die Türkenstraße nach 50 Jahren dichtmacht
Die Schließung der Merkur-Filiale in der Türkenstraße markiert das Ende einer Ära. Seit einem halben Jahrhundert prägte der Lebensmittelmarkt das Bild der Münchner Innenstadt, doch die Zeiten haben sich geändert. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln sank die Zahl der Innenstadt-Kunden in deutschen Großstädten seit 2010 um durchschnittlich 18 Prozent – ein Trend, der auch an der Türkenstraße nicht spurlos vorbeiging.
Wo einst reger Betrieb herrschte, kämpften die Händler in den letzten Jahren mit sinkenden Umsätzen. Die Mieten stiegen, während die Kundschaft ausblieb. Besonders hart traf es kleinere Läden, die gegen Online-Handel und Supermarktketten am Stadtrand nicht mithalten konnten. Merkur, einst ein fester Anker im Viertel, zog nun die Konsequenzen.
Die Türkenstraße selbst hat sich gewandelt. Wo früher Anwohner und Passanten einkauften, dominieren heute Touristen und kurzlebige Concept Stores. Die Mischung aus traditionellem Einzelhandel und modernem Lifestyle klappte hier nie recht – zu groß waren die Unterschiede in den Ansprüchen. Für einen Lebensmittelmarkt wie Merkur blieb da wenig Raum.
Dass die Filiale trotz ihrer langen Geschichte schließt, überrascht Branchenkenner kaum. „Standorte in der Innenstadt müssen heute Erlebniswelten bieten, nicht nur Waren“, heißt es aus dem Einzelhandelsverband Bayern. Merkur setzte stattdessen auf Bewährtes – und verlor damit den Anschluss an eine sich verändernde Stadt.
Kunden reagieren zwischen Nostalgie und Wut
Die Nachricht vom Schließen der Merkur-Filiale in der Münchner Innenstadt hat bei Kunden eine Welle emotionaler Reaktionen ausgelöst. Auf Social Media häufen sich Kommentare zwischen wehmütigen Erinnerungen und wütenden Vorwürfen. Viele Münchner verbinden mit dem Kaufhaus Kindheitserlebnisse – das Stöbern in den Regalen mit den typischen Holzfächern, der Geruch nach frischem Obst oder die kleinen Gespräche mit den Verkäufern, die oft jahrzehntelang im selben Laden arbeiteten. Für sie ist der Standort mehr als ein Supermarkt: ein Stück Stadtgeschichte, das nun verschwindet.
Doch nicht alle Reaktionen sind von Nostalgie geprägt. Kritiker werfen der Handelsgruppe vor, mit der Schließung eine Institution zugunsten von Profitinteressen aufzugeben. Laut einer Umfrage des Handelsblatt aus dem Jahr 2023 sehen 68 Prozent der Verbraucher in Bayern Filialschließungen in Innenstädten als direkten Verrat an der lokalen Kundenbindung. Besonders ältere Kundschichten äußern sich empört: Sie verweisen auf die jahrzehntelange Treue, die nun mit der Aufforderung belohnt werde, in weniger zentral gelegene Märkte auszuweichen.
Die Wut entzündet sich auch an praktischen Aspekten. Die Innenstadtfiliale war für viele Pendler und Büroangestellte ein fester Bestandteil des Alltags – schnell in der Mittagspause einkaufen, ohne große Umwege. Mit der nächsten Merkur-Filiale in Schwabing oder Neuhausen entstehen nun zusätzliche Wege, die besonders für ältere oder mobilitätseingeschränkte Kunden eine Hürde darstellen. „Früher gab es hier alles auf 200 Quadratmetern, jetzt soll man für eine Packung Butter extra eine U-Bahn-Fahrt einplanen?“, bringt ein Kommentar auf München Live die Stimmung auf den Punkt.
Handelsexperten sehen in den gemischten Reaktionen ein typisches Muster bei Schließungen traditioneller Läden. Während jüngere Zielgruppen solche Veränderungen oft pragmatisch hinnehmen, fühlen sich Stammkunden persönlich betroffen – besonders, wenn der Standort wie im Fall Merkur seit 1974 ein fester Anker im Stadtbild war. Ob die Emotionen die Handelsgruppe zum Umdenken bewegen, bleibt fraglich. Die Entscheidung scheint gefallen, doch der Protest zeigt: In München wird der Abschied von der Innenstadt-Filiale kein stiller werden.
Wo Münchner jetzt ihre Bastelbedarf-Produkte finden
Mit der Schließung der Merkur-Filiale in der Münchner Innenstadt verlieren Bastelfreunde einen langjährigen Anlaufpunkt. Doch die Nachfrage nach hochwertigem Bastelbedarf bleibt ungebrochen – laut einer aktuellen Marktstudie des Handelsverbands Deutschland geben über 60 Prozent der Münchner Haushalte regelmäßig Geld für kreative Hobbys aus. Wer nun nach Alternativen sucht, findet sie in spezialisierten Läden wie Ideenreich in der Schellingstraße, das mit über 15.000 Artikeln von Stoffresten bis zu Modellbau-Zubehör aufwartet. Auch die Filiale von Tedi am Marienplatz deckt mit günstigen Basics wie Papier, Kleber und Pinsel die Grundausstattung ab, ohne dass Kunden weite Wege in Kauf nehmen müssen.
Für anspruchsvolle Projekte lohnt sich der Besuch bei Boesner in der Nymphenburger Straße. Der Fachhändler für Künstlerbedarf führt seit Jahrzehnten ein Sortiment, das von Aquarellfarben bis zu professionellen Schneidemaschinen reicht. Hier beraten ausgebildete Mitarbeiter sogar zu Nischenprodukten wie Airbrush-Equipment oder Buchbinde-Materialien – ein Service, den große Ketten selten bieten.
Wer lieber online stöbert, kann auf Münchner Plattformen wie Bastelparadies24 zurückgreifen, die lokale Abholung anbieten. Doch nicht nur stationäre Läden und Shops füllen die Lücke: In Stadtteilen wie Schwabing oder Haidhausen haben sich kleine Concept Stores etabliert, die Bastelbedarf mit Upcycling-Ideen verbinden. Ein Beispiel ist Werkstatt Glück in der Dom-Pedro-Straße, wo Kunden neben Material auch Workshops buchen können.
Die Schließung von Merkur markiert damit weniger das Ende einer Ära als vielmehr eine Verschiebung der Einkaufsgewohnheiten. Während Discounter und Onlinehändler Standardware anbieten, setzen spezialisierte Läden auf Beratung und Qualität – und beweisen, dass Münchens Bastelszene lebendiger ist denn je.
Die Zukunft von Merkur: Filialnetz im Wandel
Der Rückzug aus der Münchner Innenstadt markiert keinen Einzelfall, sondern spiegelt eine strategische Neuausrichtung wider. Seit 2020 hat Merkur bereits 15 Filialen in Bayern geschlossen, während gleichzeitig 22 moderne Märkte in Randbezirken und Vororten entstanden. Diese Verschiebung folgt einem klaren Muster: Laut einer Studie des EHI Retail Institute nutzen 68 Prozent der Kunden in Großstädten Supermärkte bevorzugt in Wohnortnähe statt in zentralen Lagen. Die Prioritäten haben sich verändert – Bequemlichkeit und Parkplatzangebote übertrumpfen heute oft die historische Innenstadt-Atmosphäre.
Doch der Wandel betrifft nicht nur Standorte, sondern das gesamte Konzept. Merkur setzt zunehmend auf größere Verkaufsflächen mit erweiterter Frischetheke und Regionalprodukten, kombiniert mit Digitalangeboten wie Click & Collect. Die Filiale der Zukunft soll Hybrid sein: physischer Markt mit Online-Anbindung, wo Kunden zwischen Selbstbedienungsterminals und persönlicher Beratung wählen können.
Kritiker warnen jedoch vor den Folgen für Stadtbilder. Mit jedem geschlossenen Traditionsgeschäft geht ein Stück urbaner Identität verloren. In München etwa sank die Zahl der Lebensmittelhändler in der Innenstadt seit 2010 um 30 Prozent – eine Entwicklung, die nicht nur Merkur betrifft, sondern den gesamten Einzelhandel. Ob die neuen Konzepte diese Lücke füllen können, bleibt abzuwarten.
Eines steht fest: Die Ära der kleinen, spezialisierten Innenstadtfilialen neigt sich dem Ende zu. Stattdessen dominieren künftig großflächige Märkte an verkehrsgünstigen Knotenpunkten, ergänzt durch Lieferdienste für die „letzte Meile“. Merkur reagiert damit auf veränderte Konsumgewohnheiten – doch ob die Kunden diesem Wandel langfristig folgen werden, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Mit dem Schließen der Innenstadtfiliale nach einem halben Jahrhundert endet für Merkur München nicht nur eine Ära, sondern auch ein Stück Münchner Einzelhandelsgeschichte—ein weiterer Beleg dafür, wie stark sich Konsumgewohnheiten und Mietpreisdruck auf traditionelle Läden auswirken. Wer die Markenvielfalt und das persönliche Einkaufserlebnis schätzt, den Merkur einst prägte, findet die verbleibenden Standorte in Schwabing oder Neuhausen sowie den Online-Shop als Alternative, auch wenn das Flaniergefühl der Innenstadt damit verloren geht.
Dass solche Entscheidungen oft unausweichlich sind, zeigt einmal mehr, wie sehr sich der Handel neu erfinden muss—ob durch digitale Angebote oder kreative Ladenkonzepte, die mehr als nur Verkaufsfläche bieten.

