Eine 4-Zimmer-Wohnung in München für 3.200 Euro kalt – was vor wenigen Jahren noch wie eine absurde Ausnahme klang, ist heute in Schwabing bittere Realität. Die Mietpreise in der bayerischen Metropole haben erneut einen Rekord geknackt, mit Steigerungen von über 12 Prozent innerhalb nur eines Jahres. Selbst gut verdienende Haushalte stoßen an ihre Grenzen, wenn selbstständige Immobilienportale für eine durchschnittliche Altbauwohnung in beliebten Vierteln wie Haidhausen oder Maxvorstadt längst fünfstellige Jahreskaltmieten ausweisen. Die Stadt am Isarhochufer bleibt damit unangefochtene Spitzenreiterin beim Wohnkosten-Wahnsinn.

Wer eine 4-Zimmer-Wohnung München sucht, muss sich nicht nur auf horrender Mietpreise einstellen, sondern auch auf einen erbitterten Konkurrenzkampf. Familien, WGs oder Paare mit Homeoffice-Bedarf sehen sich mit Dutzenden Bewerbern pro Objekt konfrontiert – oft noch bevor das Inserat überhaupt online steht. Die Kaltmiete von 3.200 Euro für 90 Quadratmeter in Schwabing wirkt da fast schon wie ein Schnäppchen, verglichen mit den 4.000 Euro plus, die in Neubaulagen wie der Parkstadt Schwabing oder im Werksviertel fällig werden. Die Frage ist nicht mehr, ob sich das Wohnen in München noch lohnt, sondern wie lange sich der Markt diese Preisspirale überhaupt leisten kann.

Münchens Mietmarkt: Warum Schwabing zum Luxusviertel wurde

Noch vor 20 Jahren galt Schwabing als lebendiges Künstler- und Studentenquartier – heute ist es eines der teuersten Wohnviertel Deutschlands. Der Wandel begann mit der Jahrtausendwende, als gutverdienende Familien und internationale Fachkräfte die Altbauten mit ihren Stuckfassaden für sich entdeckten. Zwischen Leopoldstraße und Englischem Garten liegen die Quadratmeterpreise mittlerweile bei durchschnittlich 25 Euro Kaltmiete, wie der aktuelle Mietspiegel München 2023 zeigt. Zum Vergleich: In Neuperlach, einst als sozialer Brennpunkt verschrien, kostet der gleiche Quadratmeter kaum die Hälfte.

Die Gentrifizierung traf Schwabing besonders hart, weil das Viertel zwei entscheidende Vorteile vereint: zentrale Lage und scheinbare Idylle. Während die Innenstadt unter Touristenmassen ächzt, wirkt Schwabing mit seinen grünen Seitenstraßen und Cafés wie ein Rückzugsort – für den man tief in die Tasche greifen muss. Immobilienexperten führen den Preisanstieg auch auf die begrenzte Bausubstanz zurück: Historische Villen und denkmalgeschützte Häuser lassen kaum Platz für Neubauprojekte, die den Markt entlasten könnten.

Besonders krass zeigt sich die Entwicklung bei großen Wohnungen. Eine 4-Zimmer-Altbauwohnung in der Ainmillerstraße, 1995 noch für 1.200 D-Mark warm zu haben, kostet heute schnell 3.200 Euro kalt – und findet trotzdem innerhalb von Tagen einen Mieter. Die Nachfrage treiben nicht nur Münchner an, sondern zunehmend Zuzügler aus dem In- und Ausland, die bereit sind, für den „Schwabing-Lifestyle“ hohe Mieten in Kauf zu nehmen.

Dass der Trend anhält, liegt auch an der Infrastruktur: U-Bahn-Anbindung, Elite-Schulen wie das Wilhelmsgymnasium und die Nähe zur Ludwig-Maximilians-Universität machen das Viertel für Familien attraktiv. Selbst die Pandemie bremste den Preisanstieg kaum – im Gegenteil. Laut einer Analyse des F+B Forschungsinstituts stiegen die Mieten in Schwabing 2022 um 8,3 Prozent, während andere Stadtteile stagnierten.

200 Euro kalt – was bekommt man für den Preis?

Eine 4-Zimmer-Wohnung in München-Schwabing für 3.200 Euro kalt – das klingt nach einem Luxussegment. Doch was bekommt man eigentlich für die Hälfte, also rund 200 Euro kalt pro Zimmer?

Laut dem Mietspiegel 2023 der Landeshauptstadt München liegt der Durchschnittspreis für ein WG-Zimmer bei etwa 600 bis 800 Euro warm. Für 200 Euro kalt bleibt da nicht viel Spielraum. In der Regel handelt es sich um winzige Zimmer von 10 bis 12 Quadratmetern, oft in Altbauten mit Gemeinschaftsküche und -bad. Sanitäre Anlagen aus den 70er-Jahren, dünne Wände und eine Lage im Hinterhof sind keine Seltenheit. Wer Glück hat, findet ein Angebot in den Außenbezirken wie Neuperlach oder Moosach – doch selbst dort werden solche Preise zunehmend zur Rarität.

Immobilienexperten bestätigen: Unter 300 Euro kalt ist der Münchner Wohnungsmarkt für Einzelzimmer praktisch leergefegt. Die wenigen verbleibenden Angebote stammen meist von Genossenschaften oder werden über persönliche Kontakte vermittelt. Selbst in weniger begehrten Stadtteilen wie Milbertshofen oder Hasenbergl liegen die Preise für ein einfaches Zimmer selten unter 400 Euro – und das oft ohne Parkplatz oder Aufzug.

Wer wirklich sparen will, muss Kompromisse eingehen. Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft mit sechs oder mehr Mitbewohnern, 30 Minuten Pendelzeit zur Innenstadt oder ein Dachgeschoss ohne Aufzug – das sind die Realitäten. Alternativ bleibt nur das Umland: In Städten wie Freising oder Dachau beginnen die Preise für ein Zimmer bei etwa 250 Euro, allerdings kommen dann noch Fahrtkosten und Zeitaufwand hinzu.

Vergleich: So viel kostet dieselbe Wohnung in anderen Städten

Wer in München für eine 4-Zimmer-Wohnung in Schwabing 3.200 Euro Kaltmiete hinblättern muss, findet in anderen Großstädten oft deutlich günstigere Alternativen. In Berlin etwa liegt der Durchschnittspreis für eine vergleichbare Wohnung in beliebten Kiezen wie Prenzlauer Berg oder Charlottenburg bei rund 1.800 bis 2.200 Euro kalt – fast 1.000 Euro weniger als in der bayerischen Metropole. Selbst in aufstrebenden Vierteln wie Neukölln oder Friedrichshain bleiben die Mieten meist unter der 2.000-Euro-Marke, während München damit fast die Spitzenposition im bundesweiten Vergleich einnimmt.

Noch günstiger wird es in Hamburg, wo eine 4-Zimmer-Wohnung in zentralen Lagen wie Altona oder Eimsbüttel durchschnittlich 1.600 bis 2.000 Euro kostet. Laut dem aktuellen Mietspiegelbericht 2023 des Deutschen Mieterbunds liegt Hamburg damit etwa 25 % unter den Münchner Preisen – ein Unterschied, der bei einer monatlichen Belastung von mehreren tausend Euro im Jahr schnell fünfstellige Beträge ausmacht.

In kleineren Universitätsstädten wie Heidelberg oder Freiburg sinken die Mieten weiter: Hier sind 1.200 bis 1.500 Euro für eine geräumige Familienwohnung realistisch, selbst in gefragten Stadtteilen. Die Ausnahmen bestätigen die Regel – etwa in Frankfurt, wo Bankenviertel und Innenstadtlagen mit 2.500 bis 2.800 Euro fast Münchner Niveau erreichen, während die Peripherie deutlich günstiger bleibt.

Besonders krass wird der Vergleich bei Blick über die Grenze: In Wien zahlt man für eine 4-Zimmer-Wohnung in guten Lagen selten mehr als 1.200 Euro, in Prag liegen die Preise oft unter 1.000 Euro. Selbst Zürich, sonst für seine hohen Lebenshaltungskosten bekannt, bleibt mit durchschnittlich 2.500 Euro kalt unter München – ein Beleg dafür, wie extrem der Münchner Wohnungsmarkt mittlerweile aufgestellt ist.

Tipps für Mieter: Wie man in München noch bezahlbar wohnt

Tipps für Mieter: Wie man in München noch bezahlbar wohnt

Wer in München eine 4-Zimmer-Wohnung sucht, muss kreativ werden – besonders, wenn das Budget nicht für die horrenden Preise in Schwabing oder der Maxvorstadt reicht. Laut aktuellem Mietspiegel des Münchner Mietervereins liegen die Durchschnittsmieten für solche Wohnungen bei 22 bis 28 Euro pro Quadratmeter, doch in gefragten Vierteln schießen die Preise oft weit darüber hinaus. Wer nicht auf halblegale WG-Zimmer oder stundenlange Besichtigungstouren ausweichen will, sollte gezielt nach Alternativen suchen.

Ein bewährter Trick: die Randbezirke nicht unterschätzen. Viertel wie Moosach, Neuperlach oder Riem bieten oft ähnliche Wohnqualität wie das teure Stadtzentrum – aber zu Mieten, die bis zu 30 Prozent niedriger liegen. Hier lohnt sich der Blick auf Neubauprojekte, die häufig noch unter dem Marktpreis vermietet werden, um Mieter anzulocken. Auch die Anbindung an die U-Bahn (etwa U1 oder U5) macht diese Gebiete für Pendler attraktiv.

Wer flexibel ist, kann mit ungewöhnlichen Wohnformen sparen. Genossenschaftswohnungen bleiben eine der letzten bezahlbaren Optionen, auch wenn die Wartezeiten oft Jahre betragen. Eine andere Strategie: ältere Wohnungen mit „Makeln“ wie fehlendem Aufzug oder sanierungsbedürftigen Bädern. Solche Objekte werden seltener beworben, aber wer gezielt bei lokalen Maklern nachfragt oder Kleinanzeigen durchforstet, findet mit Glück ein Schnäppchen. Immobilienportale filtern solche Angebote oft aus – hier hilft nur Hartnäckigkeit.

Ein weiterer Tipp für Familien oder Wohngemeinschaften: die Suche auf benachbarte Landkreise ausweiten. Städte wie Unterschleißheim, Garching oder sogar Freising bieten gute S-Bahn-Anbindungen und Mieten, die kaum mit Münchens Niveau vergleichbar sind. Laut einer Studie der LBS Research zahlen Mieter in diesen Gebieten im Schnitt 400 bis 600 Euro weniger für eine vergleichbare Wohnung – bei nur 20 bis 30 Minuten längerer Fahrzeit.

Expertenprognosen: Steigen die Mieten weiter oder droht ein Umbruch?

Expertenprognosen: Steigen die Mieten weiter oder droht ein Umbruch?

Die Entwicklung der Mietpreise in München bleibt weiter unberechenbar – doch aktuelle Analysen von Immobilienforschern zeichnen ein differenziertes Bild. Während die Nachfrage nach großen Wohnungen wie der 4-Zimmer-Variante in Schwabing unvermindert hoch bleibt, deuten erste Signale auf eine mögliche Entspannung hin. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte verzeichnete im ersten Halbjahr 2024 einen leichten Rückgang der Neuvertragsmieten in Top-Lagen um 1,8 Prozent – ein Trend, der sich allerdings noch nicht flächendeckend bestätigt.

Wohnungsmarkt-Experten führen diese Entwicklung auf zwei Faktoren zurück: die gestiegenen Finanzierungskosten für Eigentümer und eine zögerliche Investitionsbereitschaft bei Neubauten. Banken verlangen mittlerweile Zinsen von über vier Prozent für Baukredite, was viele Projekte unwirtschaftlich macht. Gleichzeitig drängen vermehrt institutionelle Anleger wie Pensionsfonds in den Markt, die langfristige Mietverträge zu moderateren Konditionen anbieten – ein Lichtblick für Mieter, der jedoch die Preisspirale in gefragten Vierteln wie Schwabing kaum bremsen wird.

Besonders ambivalent zeigt sich die Situation bei Bestandswohnungen. Hier treiben Sanierungsauflagen und energetische Vorgaben die Nebenkosten in die Höhe, was Vermieter oft als Argument für Mieterhöhungen nutzen. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass bis 2026 jeder dritte Münchner Haushalt mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens für Miete aufbringen muss – ein Wert, der die Sozialverträglichkeit infrage stellt. Ob sich dieser Druck in politischen Regulierungen niederschlägt oder den Markt weiter überhitzt, bleibt abzuwarten.

Klar ist: Kurzfristige Entlastungen sind unwahrscheinlich. Selbst wenn die Inflation sinkt, bleiben Baukosten und Grundstückspreise auf Rekordniveau. Für Mieter heißt das: Wer in Schwabing oder vergleichbaren Lagen eine 4-Zimmer-Wohnung sucht, muss weiterhin mit Kaltmieten jenseits der 3.000-Euro-Marke rechnen – es sei denn, der Gesetzgeber greift mit schärferen Mietpreisbremse-Regelungen ein.

Die Mietpreisbombe in München zeigt keine Anzeichen von Entschärfung – eine 4-Zimmer-Wohnung in Schwabing für 3.200 Euro kalt ist kein Einzelfall mehr, sondern bitterer Alltag für viele Haushalte, die sich den Traum vom Wohnen in der Isarmetropole kaum noch leisten können. Wer hier nicht auf ein Erbe, einen gut bezahlten Job oder Wohneigentum zurückgreifen kann, wird zunehmend an die Stadtgrenzen oder in weniger attraktive Viertel gedrängt.

Wer trotzdem in Schwabing oder ähnlichen Lagen bleiben will, sollte alle Register ziehen: WG-Optionen prüfen, Genossenschaftswohnungen jahrelang vorab anmelden oder gezielt nach Altbauwohnungen mit Mietpreisbremse suchen – selbst wenn das oft monatelange Suche und Kompromisse bedeutet. Langfristig wird sich die Situation nur entspannen, wenn der Wohnungsbau massiv beschleunigt wird und die Politik endlich wirksame Gegenmaßnahmen gegen Spekulation und Leerstand durchsetzt.