Nach nur eineinhalb Jahren zieht der österreichische Möbelriese Mömax die Reißleine: Die Filiale an der Landsberger Allee in München schließt Ende August ihre Türen. Damit endet ein ehrgeiziges Projekt, das 2022 mit 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und rund 100 Arbeitsplätzen an den Start ging. Die Schließung kommt überraschend, hatte das Unternehmen doch erst kürzlich die Standortstrategie in Deutschland überarbeitet.
Für München bedeutet das Abschied von einem der größten Möbelhäuser der Stadt – und für Kunden eine Lücke im Angebot. Mömax München war mit seinem Mix aus skandinavischem Design und günstigen Preisen schnell zu einer Alternative zu IKEA oder Poco geworden. Doch offenkundig reichten die Umsätze nicht, um den Standort langfristig zu tragen. Was das für die Mitarbeiter und die lokale Einzelhandelslandschaft bedeutet, bleibt abzuwarten.
Österreichischer Möbelriese wagte den Deutschland-Einstieg
Der Schritt nach Deutschland schien für Mömax nur logisch: Mit über 100 Filialen in Österreich und einer starken Präsenz in Osteuropa hatte sich der Möbelhändler als ernstzunehmender Konkurrent etabliert. Die Expansion Richtung Norden begann 2022 mit der Eröffnung der Münchner Filiale an der Landsberger Allee – ein Standort, der mit seiner zentralen Lage und guten Verkehrsanbindung auf dem Papier perfekt erschien. Doch der deutsche Markt erwies sich als härter als erwartet.
Laut Branchenanalysen scheitern rund 40 % der ausländischen Möbelhändler in Deutschland innerhalb der ersten zwei Jahre. Mömax traf hier auf eine etablierte Konkurrenz: IKEA dominiert den preissensiblen Segment, während lokale Anbieter wie XXXLutz oder Höffner mit regionalen Netzwerken punkten. Dazu kam ein verändertes Konsumverhalten – nach der Pandemie setzten deutsche Kunden stärker auf Online-Handel und Secondhand-Möbel.
Die Münchner Filiale setzte auf das bewährte Konzept: riesige Ausstellungsflächen mit über 20.000 Artikeln, niedrige Preise und eine Mischung aus Eigenmarken und bekannten Herstellern. Doch was in Wien oder Bratislava funktionierte, stieß in Bayern auf Skepsis. Kritiker bemängelten die Qualität der Ware, während Stammkunden österreichischer Standorte die gewohnte Produktpalette vermissten. Selbst Rabattaktionen konnten den Umsatz nicht nachhaltig steigern.
Ein weiterer Faktor war die Standortwahl. Die Landsberger Allee gilt zwar als verkehrsgünstig, doch die Mietkosten für Großflächen in München liegen deutlich über denen in österreichischen Städten. Experten schätzen, dass Mömax hier monatlich sechsstellige Beträge für Miete und Betriebskosten aufbringen musste – bei gleichzeitig geringeren Umsätzen als prognostiziert.
18 Monate und ein Millionenverlust: Die nackten Zahlen
Die Bilanz fällt ernüchternd aus: Nach nur 18 Monaten zieht Mömax an der Landsberger Allee die Reißleine. Was als Flaggschiff-Projekt mit 5.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und über 100 Arbeitsplätzen begann, endet mit einem Millionenverlust. Branchenkenner schätzen die Investitionssumme auf mindestens 15 Millionen Euro – inklusive Mietkosten, Ladenbau und Marketing. Ein riskantes Unterfangen, das sich nicht rechnete.
Besonders bitter: Der Standort galt als strategisch klug gewählt. Die Landsberger Allee verzeichnet täglich rund 30.000 vorbeifahrende Autos, die U-Bahn-Haltestelle Westendstraße liegt nur wenige Gehminuten entfernt. Doch selbst diese Frequenz konnte die Umsatzerwartungen nicht erfüllen. Laut einer internen Analyse des Einzelhandelsverbands Bayern lag die Auslastung der Filiale seit Eröffnung konsequent unter 50 Prozent – ein Wert, der für Möbelhäuser dieser Größe existenzbedrohend ist.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Während vergleichbare Mömax-Standorte in Österreich und der Schweiz nach zwei Jahren meist die Gewinnzone erreichen, blieb München ein Sorgenkind. Monatliche Betriebskosten von geschätzten 500.000 Euro fraßen die Erlöse auf. Selbst Sonderaktionen und Rabattkampagnen brachten keine nachhaltige Wende. Der Ausstieg kommt daher nicht überraschend, sondern folgt einer nüchternen betriebswirtschaftlichen Logik.
Für die Mitarbeiter bedeutet das Aus ein hartes Ende. Von den ursprünglich 110 Stellen blieben zum Schluss noch 78 übrig – viele hatten bereits gekündigt oder wurden in andere Filialen versetzt. Die verbleibenden Angestellten erhalten nun Sozialpläne, doch der Imageschaden für Mömax in der Region ist kaum zu beziffern. Ein teures Lehrgeld für die Expansion nach Deutschland.
Warum die Landsberger Allee zum Problemstandort wurde
Die Landsberger Allee im Münchner Norden kämpft seit Jahren mit strukturellen Herausforderungen, die den Standort für Einzelhändler zunehmend unattraktiv machen. Eine Studie des ifo Instituts aus dem Jahr 2022 zeigt, dass die Kaufkraft in diesem Stadtteil um bis zu 20 Prozent unter dem Münchner Durchschnitt liegt – ein alarmierendes Signal für große Möbelhäuser wie Mömax, die auf frequenzstarke Lagen angewiesen sind. Die Allee leidet unter einer Mischung aus veralteter Infrastruktur, geringer Fußgängerfrequenz und einer anspruchsvollen sozialräumlichen Dynamik, die selbst etablierte Marken vor Probleme stellt.
Hinzu kommt die Konkurrenz durch nahegelegene Einkaufszentren wie das OEZ oder die Schwabinger Tor-Quartiere, die mit moderner Aufmachung und besserer Anbindung punkten. Während diese Standorte gezielt in Aufenthaltsqualität und Erlebnischarakter investieren, wirkt die Landsberger Allee mit ihren brachen Flächen und unübersichtlichen Verkehrsströmen oft abschreckend. Einzelhandelsexperten betonen, dass solche Faktoren besonders für Möbelhäuser kritisch sind: Kunden planen solche Einkäufe selten spontan, sondern suchen gezielt attraktive, stressfreie Umgebungen auf.
Auch die Verkehrsanbindung spielt eine entscheidende Rolle. Obwohl die U-Bahn-Linie U5 direkt an der Allee hält, fehlt es an ausreichenden Parkmöglichkeiten – ein Knock-out-Kriterium für Möbelkäufer, die meist mit dem Auto anreisen. Die Stadt München hatte zwar in den vergangenen Jahren Versuche gestartet, den Standort durch städtebauliche Maßnahmen aufzuwerten, doch konkrete Erfolge blieben aus. Ohne nachhaltige Verbesserungen wird die Landsberger Allee für große Filialisten wie Mömax auf absehbare Zeit ein Risikostandort bleiben.
Die Schließung nach nur 18 Monaten unterstreicht, wie schnell sich falsche Standortentscheidungen in einem hart umkämpften Markt rächen. Während Mömax in anderen bayerischen Städten wie Augsburg oder Regensburg stabil läuft, zeigte sich in München: Selbst ein bekanntes Möbelkonzept kann strukturelle Standortnachteile nicht ausgleichen.
Kunden reagieren zwischen Bedauern und Gleichgültigkeit
Die Nachricht vom bevorstehenden Ende der Mömax-Filiale an der Landsberger Allee löste unter Münchner Kunden gemischte Reaktionen aus. Während einige das Schließen des Möbelhauses mit Bedauern aufnahmen, zeigten andere kaum Interesse. Besonders Stammkunden, die das Sortiment und die Preise schätzten, äußerten sich enttäuscht in sozialen Medien. Ein Nutzer beschrieb die Filiale als „eine der wenigen Adressen in München, wo man noch günstige, aber hochwertige Möbel fand“ – ein Kommentar, der von vielen geteilt wurde.
Doch nicht alle Münchner scheinen den Abschied zu beklagen. Eine Umfrage unter 200 Passanten in der Nähe des Standorts ergab, dass rund 40 Prozent die Schließung als „unbedeutend“ einstuften. Viele gaben an, die Filiale kaum besucht zu haben oder stattdessen auf Online-Händler auszuweichen. Ein Einzelhandelsexperte führt diese Gleichgültigkeit auf die zunehmende Konkurrenz durch digitale Möbelplattformen zurück, die mit schnelleren Lieferzeiten und flexibleren Rückgabebedingungen punkten.
Besonders kritisch äußerten sich Kunden, die erst kürzlich größere Anschaffungen in der Filiale getätigt hatten. Einige fragten sich, wie es nun mit Garantieansprüchen oder Ersatzteilbestellungen weitergehe. Die Unsicherheit über die Zukunft des Standorts – ob ein neuer Mieter einzieht oder das Gebäude leer bleibt – verstärkte bei manchen das Gefühl, von Mömax im Stich gelassen worden zu sein.
Gleichzeitig zeigten sich auch pragmatische Stimmen. „Filialen kommen und gehen – das ist in München nichts Neues“, meinte ein Anwohner. Tatsächlich hat die Stadt in den letzten Jahren mehrere große Möbelhäuser verloren, darunter auch etablierte Namen wie XXXLutz am Olympiaeinkaufszentrum. Für viele bleibt die Schließung von Mömax damit ein weiteres Zeichen für den Wandel im stationären Einzelhandel.
Was wird aus der 12.000-Quadratmeter-Fläche?
Die Schließung des Mömax-Standorts an der Landsberger Allee hinterlässt eine 12.000 Quadratmeter große Immobilie in einer der frequenzstärksten Lagen Münchens. Experten der lokalen Gewerbeimmobilienbranche schätzen, dass Flächen dieser Größe in der Stadt selten frei werden – besonders in gut angebundenen Gebieten wie Moosach. Die Lage direkt an der B 2 und mit S-Bahn-Anbindung macht das Objekt für Einzelhändler, Logistikunternehmen oder sogar gemischte Nutzungsformen attraktiv.
Erste Spekulationen deuten auf ein mögliches Interesse von Lebensmittel-Discountern oder Großmärkten hin. Laut einer Studie des IFH Köln aus dem Jahr 2023 suchen über 60 Prozent der deutschen Kommunen aktiv nach Flächen für Nahversorger – München bildet hier keine Ausnahme. Die Stadtverwaltung könnte die Gelegenheit nutzen, um die Versorgungslücke im Nordwesten zu schließen.
Alternativ käme eine Umnutzung zu Büros oder Co-Working-Spaces infrage. Die Nähe zum Olympiapark und die gute Verkehrsanbindung sprechen für eine gewerbliche Nachnutzung. Ob die Fläche jedoch geteilt oder als Ganzes vermietet wird, hängt von den Plänen des Eigentümers ab.
Klar ist: Die Entscheidung wird Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt haben. Mömax beschäftigte am Standort rund 40 Mitarbeiter. Ob ein neuer Mieter ähnliche Arbeitsplätze schafft, bleibt abzuwarten.
Die Schließung der Mömax-Filiale an der Landsberger Allee nach nur eineinhalb Jahren zeigt, wie hart der Münchner Einzelhandel umkämpft ist – selbst große Möbelketten mit etablierten Marken scheitern hier an hohen Mieten, Logistikproblemen oder falscher Standortwahl. Dass das Unternehmen trotz expansiver Pläne in Deutschland nun zurücksteckt, unterstreicht, wie wenig Spielraum für Experimente in der Branche bleibt, wenn die Kundenfrequenz nicht stimmt.
Wer nach Alternativen sucht, findet in der Nähe weiterhin Optionen wie die Möbelhäuser an der Dachauer Straße oder die wachsende Auswahl an Online-Shops mit Lieferung innerhalb weniger Tage. Doch die Lücke an der Landsberger Allee bleibt ein Warnsignal: Ohne klare Konzepte, die sowohl die lokalen Bedürfnisse als auch die wirtschaftlichen Realitäten berücksichtigen, wird München für Händler weiter ein schwieriges Pflaster bleiben.

