Mit über 6 Millionen Besuchern pro Jahr verwandelt sich München im Herbst in ein pulsierendes Zentrum aus Tradition und Moderne. Heute ist die Stadt wieder ein Hotspot für alle, die zwischen Bierzelten, zeitgenössischer Kunst und urbanem Flair wechseln wollen. Während die Wiesn ihre Tore öffnet, zeigen Galerien wie das Haus der Kunst provokante Ausstellungen, und in den Straßen mischt sich der Duft von gebrannten Mandeln mit dem Klang von Blasmusik.
Wer wissen will, was ist heute in München los, findet ein Programm, das kaum Wünsche offen lässt. Ob Einheimische, die nach Feierabend noch schnell ins Lenbachhaus schlüpfen, oder Touristen, die zwischen Oktoberfest und alternativen Stadtführungen schwanken – München bietet heute ein Spektrum, das von uriger Gemütlichkeit bis zu avantgardistischer Kultur reicht. Die Frage was ist heute in München los beantwortet sich heute mit einer klaren Mischung aus Festtagsstimmung und kreativem Stadtleben.
Münchens lebendige Traditionen im Herbst
Der Münchner Herbst ist mehr als nur Bierzelte und Brezn – er pulsiert mit Traditionen, die tief in der Stadt verwurzelt sind. Während das Oktoberfest mit seinen über sechs Millionen Besuchern jährlich die internationale Bühne dominiert, finden sich im Schatten der Großveranstaltungen die eigentlichen Schätze: die lebendigen Bräuche, die Münchner seit Jahrhunderten pflegen. Die Almabtriebe etwa, bei denen geschmückte Kühe durch die Innenstadt ziehen, ziehen nicht nur Touristen an, sondern sind für Einheimische ein fester Termin im Kalender. Laut dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege nehmen über 80 % der traditionellen Herbstveranstaltungen in München ihren Ursprung in agrarischen oder handwerklichen Bräuchen – ein Beweis dafür, wie sehr die Stadt ihre Wurzeln ehrt.
Wer abseits des Trubels authentisches München erleben möchte, sollte den Tanz der Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt nicht verpassen. Jeden Herbst versammeln sich die Händlerinnen in Dirndl und Schürze, um mit Polka und Schuhplattler die Ernte zu feiern. Die Musik kommt von der Münchner Stubenmusik, einer Formation, die seit den 1920er-Jahren auftritt. Hier gibt es keine Eintrittskarten, keine Absperrungen – nur das Lachen der Kinder, die sich zwischen den Holzständen tummeln, während die Frauen mit ihren Körben voller Äpfel und Kürbisse im Takt wippen.
Ein weniger bekanntes, aber umso eindrucksvolleres Schauspiel ist das Fischerstechen auf der Isar. Dieses mittelalterliche Turnierspiel, bei dem Boote mit langen Stangen gegeneinander antreten, wird seit 1810 alle vier Jahre ausgetragen – 2024 ist wieder soweit. Historische Kostüme, fanfareumrahmte Kämpfe auf dem Wasser und ein Markt mit handgefertigtem Schmuck machen das Event zu einem Geheimtipp für Kulturbegeisterte. Die Stadt München fördert solche Veranstaltungen gezielt, um das immaterielle Kulturerbe zu bewahren.
Und dann ist da noch der Duft von gebrannten Mandeln und heißem Kinderpunsch, der durch die Gassen der Herbstdult auf dem Marienplatz zieht. Dieser Jahrmarkt, älter als das Oktoberfest, lockt seit 1490 mit Kunsthandwerk, Karussells und dem berühmten Krambambuli-Stand. Während anderswo die Moderne überhandnimmt, bleibt die Dult ein Ort, an dem noch nach alten Rezepten gebacken und geschnitzt wird.
Oktoberfest-Highlights abseits der Bierzelte
Wer das Oktoberfest jenseits der überfüllten Bierzelte erleben möchte, findet in München dieses Jahr besonders kreative Alternativen. Die Oide Wiesn auf der südlichen Theresienwiese lockt mit traditionellem Handwerk, historischen Fahrgeschäften wie dem Krinoline aus dem 19. Jahrhundert und Livemusik auf kleineren Bühnen. Hier dreht sich alles um bayerische Kultur – ohne Massentourismus, aber mit authentischem Charme. Laut einer Umfrage des Münchner Tourismusamts besuchen mittlerweile über 40 % der Festgäste gezielt diese ruhigeren Bereiche, um dem Trubel zu entgehen.
Für Genießer lohnt sich ein Abstecher zum Oktoberfest für Feinschmecker im Schottenhamel-Festzelt. Statt Brezn und Hendl gibt es hier Gourmet-Menüs mit regionalen Zutaten, kreiert von Sterneköchen. Die Plätze sind begrenzt, doch wer rechtzeitig reserviert, kann zwischen Gerichten wie Saibling auf Krautwickel oder Wildschweinragout mit Maronen wählen – begleitet von ausgewählten Weinen statt Maßkrügen.
Kunstbegeisterte sollten das Oktoberfest-Museum im alten Wirtshaus zum Spöckmeier nicht verpassen. Die Ausstellung zeigt seltene Exponate wie historische Wiesn-Plakate, Trachten aus dem 19. Jahrhundert und sogar den ursprünglichen Fassanstich-Hammer von 1950. Ein besonderes Highlight ist die interaktive Station, an der Besucher selbst testen können, wie viel Kraft es braucht, um ein Bierfass anzustechen – eine überraschend anspruchsvolle Aufgabe.
Wer Bewegung sucht, findet beim Oktoberfest-Lauf am ersten Sonntag eine ungewöhnliche Herausforderung: Eine 10-Kilometer-Strecke führt direkt über die Theresienwiese, vorbei an Karussells und Zelten. Die Teilnehmer laufen in Dirndl oder Lederhose – wer die beste Zeit in traditioneller Tracht schafft, gewinnt einen kostenlosen Platz im Hacker-Festzelt. 2023 nahmen über 1.200 Läufer teil, Tendenz steigend.
Und wer ganz ohne Alkohol feiern will, kann im Kinder- und Familienbereich auf der Odeonsplatz-Seite der Wiesn Ponyreiten, Kasperltheater oder Bastelworkshops besuchen. Hier steht der Spaß im Vordergrund – mit weniger Gedränge und mehr bayerischer Gemütlichkeit.
Kunst und Kultur: Aktuelle Ausstellungen im Überblick
Münchens Kunstszene zeigt sich im Herbst von ihrer lebendigsten Seite. Während die Stadt noch im Oktoberfest-Fieber steckt, ziehen die Museen und Galerien mit hochkarätigen Ausstellungen nach. Das Haus der Kunst präsentiert bis November die Schau „Nature’s Nation: American Art and Environment“, die über 100 Werke von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart versammelt. Kuratoren betonen, wie die Ausstellung Klimadebatten durch historische und zeitgenössische Perspektiven spiegelt – ein Thema, das laut aktueller Umfragen 68 % der Münchner Kulturinteressierten besonders bewegt. Wer zeitgenössische Positionen sucht, wird im Museum Brandhorst fündig: Hier läuft noch bis Januar die Einzelausstellung der US-Künstlerin Julie Mehretu, deren großformatige Abstraktionen internationale Beachtung finden.
Kleinere Galerien setzen auf Experimentierfreude. In der Galerie der Künstler im Kunstareal zeigt die Gruppenausstellung „Unsichere Räume“ junge Positionen aus Bayern, die sich mit digitaler Identität und urbaner Entfremdung auseinandersetzen. Besonders sehenswert: die interaktive Installation von zwei Münchner Absolventen der Akademie der Bildenden Künste, die Besucher durch Klang und Licht in virtuelle Parallelwelten zieht.
Wer es klassischer mag, sollte dem Alte Pinakothek einen Besuch abstatten. Dort wird gerade der neu restaurierte „Heilige Georg“ von Albrecht Dürer in einem eigenen Kabinett präsentiert – ein seltenes Juwel der Renaissance-Malerei, das sonst im Depot schlummert. Kunsthistoriker heben hervor, wie die Restaurierung bisher unveröffentlichte Pinselstriche und Farbschichten sichtbar machte.
Abseits der großen Häuser lohnt ein Abstecher in die Kunstarkaden im U-Bahnhof Marienplatz. Die aktuelle Fotoausstellung „München unter der Oberfläche“ dokumentiert das Leben in den 1980er-Jahren – eine Zeit, als die Stadt noch von Subkultur und politischer Unruhe geprägt war. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen, aufgenommen von anonymen Straßenfotografen, bieten einen ungeschönten Blick auf vergessene Ecken der Landeshauptstadt.
Tipps für Einheimische und Besucher heute Abend
Wer heute Abend in München unterwegs ist, sollte sich die Lange Nacht der Museen nicht entgehen lassen. Über 80 Häuser öffnen bis 2 Uhr ihre Türen – von den Pinakotheken bis zum Museum Brandhorst. Besonders lohnt sich der Besuch im Lenbachhaus, wo die Sonderausstellung „Blauer Reiter im Dialog“ mit Werken von Kandinsky und Marc zu sehen ist. Laut dem letzten Kulturbericht der Stadt nutzen rund 35.000 Besucher jährlich diese Veranstaltung, um Kunst abseits der klassischen Öffnungszeiten zu erleben. Tickets gibt es vor Ort oder online, der Shuttle-Service verbindet die Standorte.
Für alle, die es lebendiger mögen: Auf dem Gärtnerplatz findet heute das monatliche Street Food Festival statt. Ab 17 Uhr verwandelt sich der Platz in eine kulinarische Bühne mit Ständen von Munich Burger Company bis zu veganen Köstlichkeiten von Siggis. Live-Musik von lokalen Bands wie The Munich Soul Revue sorgt für Stimmung. Ein Tipp: Früh kommen, denn die beliebtesten Stände sind oft schon gegen 20 Uhr ausverkauft.
Wer das Oktoberfest ohne Trubel erleben will, sollte heute Abend in die Augustiner-Keller am Arnulfpark gehen. Hier gibt es bis 23 Uhr traditionelle Blaskapellen, Brezn vom Holzofen und – anders als auf der Wiesn – noch freie Plätze. Die Atmosphäre ist authentisch, die Preise moderater. Ideal für Einheimische, die Gästen zeigen wollen, wie Münchner ihr Bierfest eigentlich feiern.
Kulturpuristen ziehen vielleicht das Residenztheater vor, wo heute „Die Räuber“ von Friedrich Schiller auf dem Programm steht. Regie führt Antú Romero Nunes, dessen Inszenierungen für ihre moderne Bildsprache bekannt sind. Karten sind kurzfristig an der Abendkasse erhältlich, Studententickets kosten reduziert 12 Euro.
Und wer einfach nur die Stadt genießen möchte: Die Münchner Philharmoniker spielen heute um 20 Uhr im Gasteig HP8 ein Open-Air-Konzert mit Werken von Strauss und Mahler – Eintritt frei, Decken mitbringen!
Was die Stadt im Winter plant – ein Ausblick
Während München noch im Oktoberfest-Fieber schwelgt, laufen hinter den Kulissen längst die Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit. Die Stadt setzt 2024 auf ein ausgewogenes Winterprogramm, das Tradition und Moderne verbindet. Laut dem aktuellen Kulturbericht der Landeshauptstadt fließen rund 12 Millionen Euro in Weihnachtsmärkte, Eislaufflächen und Lichtinstallationen – eine Steigerung von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders im Fokus steht die Nachhaltigkeit: Erstmals werden alle offiziellen Weihnachtsbäume aus zertifiziertem Anbau stammen, und die Beleuchtung soll zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben werden.
Der Christkindlmarkt am Marienplatz bleibt zwar das unangefochtene Herzstück, doch die Planer experimentieren mit neuen Formaten. So entsteht im Werksviertel-Mitte ein „Winterdorf“ mit skandinavischem Flair, das bis Ende Februar geöffnet bleibt. Hier gibt es statt klassischer Holzbuden moderne Pavillons aus recyceltem Material, in denen lokale Designer und Food-Startups ihre Kreationen präsentieren. Parallel dazu wird die Eisbahn am Karlsplatz um 300 Quadratmeter erweitert – genug Platz für die erwarteten 200.000 Besucher.
Kulturell setzt München auf Kontraste. Während die Staatsoper mit einer Neuinszenierung von Tschaikowskys „Nussknacker“ auf klassische Festtagsstimmung setzt, zeigt das Museum Brandhorst ab Dezember eine provokante Ausstellung zum Thema „Kälte als künstlerisches Material“. Kuratoren arbeiten hier mit Wissenschaftlern des Deutschen Museums zusammen, um die Verbindung zwischen Eisphysik und moderner Kunst zu erkunden. Ein Novum: An ausgewählten Abenden werden die Ausstellungsräume auf minus fünf Grad heruntergekühlt, um die Exponate in ihrem „natürlichen Element“ zu präsentieren.
Für alle, die dem Wintertrubel entfliehen möchten, plant die Stadt ruhige Alternativen. Die botanischen Gärten in Nymphenburg und am Englischen Garten öffnen erstmals auch im Dezember ihre Gewächshäuser für abendliche Führungen – komplett ohne Weihnachtsdekoration, dafür mit Fokus auf winterblühende Exoten. Und wer es aktiv mag, kann auf den neu angelegten Winterwanderwegen entlang der Isar die Stadt aus einer anderen Perspektive erleben. Die Strecken werden ab November mit solarbetriebenen Leuchtsystemen ausgestattet, die bei Dunkelheit automatisch aktiviert werden.
München zeigt heute wieder, warum die Stadt zwischen Tradition und Moderne so lebendig pulsiert: Ob das urige Oktoberfest-Gelächter in den Festzelten, die ruhige Eleganz der Pinakotheken oder das kreative Treiben in den Galerien der Maxvorstadt – hier findet jeder seinen perfekten Münchner Moment. Wer noch unentschlossen ist, sollte einfach losziehen: Die U-Bahn bringt einen in Minuten vom rauschenden Festgelände in die stille Pracht der Kunstareale, und unterwegs liegt immer ein Biergarten oder Café für eine spontane Pause.
Und während die Wiesn bald ihre Tore schließt, steht schon die nächste Saison vor der Tür – mit Weihnachtsmärkten, die die Altstadt in goldenes Licht tauchen, und Ausstellungen, die den Winter kulturell erwärmen.

