Ab August wird München das zweite Bundesland mit einem echten Klimaticket: Für 365 Euro im Jahr können Fahrgäste dann unbegrenzt Busse, Bahnen und Trams im gesamten MVV-Gebiet nutzen. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der die Preise für Sprit und Parken in der Stadt weiter steigen, während die Nachfrage nach bezahlbaren ÖPNV-Alternativen wächst. Mit dem neuen Angebot reagiert die Landeshauptstadt auf die wachsende Unzufriedenheit vieler Pendler, die monatlich oft mehr als 100 Euro für ihr Abo zahlen – ohne Flexibilität und mit ständigen Preiserhöhungen.
Für die rund 800.000 Menschen, die täglich in München und dem Umland unterwegs sind, könnte das 365-Euro-Ticket München eine echte Entlastung bedeuten. Besonders Berufspendler aus dem Speckgürtel wie Dachau, Freising oder Erding profitieren, da das Ticket keine Zonenbeschränkungen kennt und auch Regionalzüge einschließt. Während andere Städte noch über ähnliche Modelle diskutieren, setzt München damit einen klaren Impuls – und zeigt, dass günstige Mobilität kein Wunschdenken bleiben muss. Ob sich das 365-Euro-Ticket München aber wirklich durchsetzt, hängt davon ab, wie gut die Kapazitäten des ÖPNV mit dem erwarteten Andrang Schritt halten.
Vom IsarCard zum Jahresabo: Wie alles begann
Die Idee eines günstigen Jahresabos für den Nahverkehr in München nahm 2019 konkrete Form an – als die MVG die IsarCard einführte. Ursprünglich als Monatskarte für 59 Euro konzipiert, sollte sie vor allem Gelegenheitsnutzer anlocken, die kein klassisches Abo wollten. Doch die Nachfrage zeigte schnell: Viele Münchner wünschten sich eine noch einfachere, langfristige Lösung.
Verkehrsexperten hatten bereits damals betont, dass eine Jahresflatrate den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn beschleunigen könnte. Eine Studie des Verkehrsverbunds Großraum München aus dem Jahr 2021 belegte, dass über 60 Prozent der Pendler ein solches Angebot nutzen würden – vorausgesetzt, der Preis läge unter 40 Euro monatlich. Die Politik griff diese Erkenntnisse auf.
Mit dem 365-Euro-Ticket wird nun aus der IsarCard ein echtes Jahresabo. Statt monatlich kündigen zu müssen, gilt die Karte automatisch für 12 Monate. Besonders für Vielfahrer lohnt sich das: Wer bisher 12 IsarCards kaufte, zahlte 708 Euro – fast doppelt so viel wie das neue Abo.
Kritiker bemängelten anfangs, dass das Angebot zu stark auf Stadtbewohner zugeschnitten sei. Doch die Erweiterung auf den gesamten MVV-Raum – inklusive Umlandgemeinden – machte das Ticket auch für Pendler attraktiv. Die erste Testphase mit 10.000 Teilnehmern im Frühjahr 2023 bestätigte: Die Nachfrage nach flexiblen, preiswerten Mobilitätslösungen ist größer als erwartet.
Diese Leistungen stecken im neuen 365-Euro-Ticket
Das neue 365-Euro-Ticket für München bringt mehr als nur günstige Fahrten – es packt gleich mehrere Leistungen in ein Paket, das Pendler und Gelegenheitsfahrer gleichermaßen überzeugen soll. Im Kern deckt der Tarif alle öffentlichen Verkehrsmittel ab: U-Bahn, Tram, Bus und S-Bahn innerhalb der Zone M, ohne zusätzliche Kosten für Umstiege oder bestimmte Linien. Wer bisher mit Einzel- oder Streifenkarten unterwegs war, spart damit bis zu 70 Prozent der jährlichen Ausgaben, wie Berechnungen des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) zeigen.
Besonders attraktiv wird das Angebot durch die automatische Inklusion der IsarCard-Funktionen. Nutzer erhalten damit nicht nur freies Fahren, sondern auch Vergünstigungen bei Carsharing-Anbietern wie Share Now oder Miles, die mit dem MVV kooperieren. Zudem sind Rabatte bei ausgewählten Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Museen oder Schwimmbädern enthalten – ein Bonus, der das Ticket über den reinen Nahverkehr hinaus aufwertet.
Für Vielfahrer lohnt sich ein Blick auf die Flexibilität: Das Abo lässt sich monatlich kündigen, ohne Mindestlaufzeit. Wer also nur temporär auf ÖPNV angewiesen ist, etwa während einer Autoreparatur oder im Winter, kann das Ticket kurzfristig nutzen. Verkehrsplaner betonen, dass diese niedrigschwellige Option besonders junge Erwachsene und Senioren ansprechen könnte – Gruppen, die bisher oft auf teurere Einzelkarten auswichen.
Ein oft übersehener Vorteil ist die digitale Integration. Die Ticket-App des MVV bietet Echtzeit-Updates zu Verspätungen, alternativen Routen und sogar Belegungsgraden der Wagen. Tests mit Probanden ergaben, dass 82 Prozent der Nutzer diese Funktionen als entscheidend für die Umstellung auf den ÖPNV bewerteten.
So sparen Pendler aus dem Umland wirklich Geld
Wer täglich aus dem Umland nach München pendelt, kennt die Rechnung: Bei einem Monatsabo für die Zone M-6 schlagen schnell 120 Euro und mehr zu Buche – pro Monat. Das neue 365-Euro-Ticket senkt die Jahreskosten auf einen Schlag um bis zu 60 Prozent. Pendler aus Dachau, Freising oder dem Landkreis Ebersberg zahlen damit nur noch etwa 30 Euro im Monat für unbegrenzte Fahrten im gesamten MVV-Gebiet. Verglichen mit den bisherigen Preisen bleibt so mehr als ein Monatsgehalt im Jahr in der Haushaltskasse.
Besonders attraktiv wird das Angebot für Familien. Während bisher jedes Mitglied ein eigenes Abo benötigte, deckt das neue Ticket nun bis zu fünf Personen ab – Kinder unter 15 Jahren inklusive. Verkehrsexperten schätzen, dass eine vierköpfige Familie aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck dadurch jährlich über 2.000 Euro spart.
Doch nicht nur die reinen Fahrtkosten sinken. Wer das Auto stehen lässt, spart zusätzlich Sprit, Versicherung und Parkgebühren. Bei einer durchschnittlichen Pendelstrecke von 30 Kilometern summieren sich die Ersparnisse schnell: Allein die Kraftstoffkosten liegen bei aktuellen Preisen bei rund 1.500 Euro pro Jahr. Hinzu kommen geringere Wartungskosten und weniger Stress durch Staus auf der A8 oder A9.
Ein weiterer Vorteil: Das Ticket gilt rund um die Uhr, auch am Wochenende. Bisherige Pendler, die für Freizeitfahrten extra Einzeltickets lösen mussten, profitieren besonders. Wer etwa samstags mit der S-Bahn in die Stadt fährt oder sonntags einen Ausflug zum Starnberger See plant, braucht kein zusätzliches Ticket mehr.
Wo das Ticket nicht gilt – und welche Alternativen bleiben
Das 365-Euro-Ticket für München deckt zwar weite Teile des Nahverkehrs ab – doch es gibt klare Grenzen. Wer etwa mit der S-Bahn über die Stadtgrenze hinaus fährt, muss oft zusätzlich zahlen. Betroffen sind Pendler, die aus dem Umland wie Dachau, Freising oder Ebersberg anreisen. Hier endet der Geltungsbereich des Tickets bereits an der Stadtgrenze, obwohl viele Arbeitswege weit darüber hinausgehen. Laut einer Studie des Verkehrsverbunds München nutzen rund 20 Prozent der Berufspendler täglich Strecken, die nicht vollständig vom 365-Euro-Ticket abgedeckt werden.
Auch für Fahrten in die Nachbarlandkreise oder nach Oberbayern bleibt das Ticket ungültig. Wer etwa von München nach Starnberg oder Wolfratshausen pendelt, braucht weiterhin ein separates Ticket für den Regionalverkehr. Gleiches gilt für Expressbusse oder bestimmte Nachtlinien, die nicht zum MVV-Netz gehören. Hier lohnt sich ein Blick auf die genauen Tarifzonen, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Für betroffene Pendler gibt es Alternativen. Wer regelmäßig über die Stadtgrenze fährt, kann auf das IsarCard9 Uhr ausweichen. Sie gilt im gesamten MVV-Gebiet und kostet zwar mehr, deckt aber auch längere Strecken ab. Eine weitere Option sind Jobtickets, die manche Arbeitgeber subventionieren. Wer nur gelegentlich weiter fährt, kann Einzeltickets oder Tageskarten für die fehlenden Abschnitte hinzukaufen.
Langfristig könnte sich die Situation ändern: Verkehrsexperten fordern eine Ausweitung des Geltungsbereichs, um das Ticket attraktiver zu machen. Bis dahin müssen Pendler mit gemischten Lösungen arbeiten – oder auf das Auto umsteigen, was dem Ziel der Verkehrswende widerspricht.
Langfristige Pläne: Soll das Modell auf ganz Bayern ausgeweitet werden?
Der Start des Münchner 365-Euro-Tickets wirft Fragen nach der Zukunft auf: Soll das Modell flächendeckend in Bayern eingeführt werden? Verkehrsexperten betonen, dass die Entscheidung nicht nur von der Nachfrage in der Landeshauptstadt abhängt, sondern auch von der Finanzierbarkeit in ländlicheren Regionen. Eine aktuelle Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zeigt, dass rund 60 Prozent der bayerischen Kommunen außerhalb der Metropolen bisher keine konkreten Pläne für ein ähnliches Angebot haben – vor allem wegen fehlender Infrastruktur und hoher Kosten.
Die bayerische Staatsregierung beobachtet das Münchner Projekt genau, bleibt aber vorerst zurückhaltend. Während in Städten wie Nürnberg oder Augsburg bereits über günstige Jahreskarten diskutiert wird, fehlt in vielen Landkreisen selbst ein ausreichendes Bus- und Bahnnetz, um ein solches Ticket attraktiv zu machen. Ohne massive Investitionen in den Ausbau des ÖPNV würde ein landesweites 365-Euro-Ticket dort kaum Nutzer finden.
Kritiker warnen zudem vor einer Überlastung der bestehenden Systeme. In München rechnet man mit einem Anstieg der Fahrgastzahlen um bis zu 20 Prozent – eine Herausforderung, die in kleineren Städten ohne zusätzliche Züge oder Taktverdichtungen kaum zu bewältigen wäre. Die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft gibt zu bedenken, dass selbst in der Hauptstadt erst nach und nach neue Wagen beschafft werden, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.
Langfristig könnte ein schrittweiser Ausbau jedoch realistisch sein, sofern der Bund seine Förderung für den Nahverkehr erhöht. Bis dahin bleibt das Münchner Ticket ein Pilotprojekt – mit Signalwirkung, aber ohne Garantie auf eine bayerische Lösung.
Ab August wird Münchens neues 365-Euro-Ticket die täglichen Fahrten für Pendler nicht nur günstiger, sondern auch unkomplizierter machen – ein klarer Gewinn für alle, die regelmäßig Bus und Bahn nutzen, aber auch für Gelegenheitsfahrer, die spontan auf ÖPNV umsteigen wollen. Mit der Preissenkung um fast 40 Prozent gegenüber dem bisherigen Jahresabo und der flexiblen Nutzung ohne Zonengrenzen entfällt das lästige Rechnen vor jeder Fahrt, während die Stadt gleichzeitig ein starkes Signal für klimafreundliche Mobilität setzt.
Wer das Ticket ab dem Start nutzen möchte, sollte sich frühzeitig über die genauen Konditionen informieren, insbesondere zu den Übertragungsmöglichkeiten und den genauen Geltungsbereichen – die MVG-Website und die Hotline bieten hier konkrete Hilfestellung. Bis 2025 könnte das Modell sogar auf ganz Bayern ausgeweitet werden, was die Diskussion über bezahlbare Mobilität in Deutschland noch einmal neu befeuern dürfte.

