Mit 6.800 unbesetzten Stellen im Juli schlägt das Arbeitsamt München erneut Alarm: Der Fachkräftemangel bleibt ein hartnäckiges Problem, das Unternehmen und Wirtschaft gleichermaßen belastet. Besonders betroffen sind Branchen wie Handwerk, Pflege und IT, wo offene Positionen monatelang unbesetzt bleiben. Die Zahlen des aktuellen Berichts zeigen klar, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage weiter wächst – trotz sinkender Arbeitslosenzahlen.

Für Arbeitssuchende könnte dies eine Chance sein, doch die Realität sieht oft anders aus: Viele Stellen bleiben vakant, weil Bewerber die geforderten Qualifikationen nicht mitbringen. Das Arbeitsamt München setzt daher auf gezielte Weiterbildungsprogramme und Kooperationen mit Betrieben, um die Situation zu entschärfen. Doch ohne rasche Lösungen droht die Lücke weiter zu wachsen – mit Folgen für die gesamte regionale Wirtschaft.

Rekordhoch bei Stellenangeboten: Warum München händeringend sucht

Mit 6.800 offenen Stellen im Juli hat das Arbeitsamt München einen neuen Rekord verzeichnet – doch die Zahlen täuschen nicht über die wahren Herausforderungen hinweg. Besonders im Handwerk, der IT und dem Gesundheitssektor klaffen die Lücken am stärksten. Laut dem aktuellen Fachkräftereport des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung fehlen allein in Bayern über 120.000 qualifizierte Arbeitskräfte, wobei München als wirtschaftliches Zentrum besonders betroffen ist.

Die Gründe für den akuten Mangel sind vielfältig. Einerseits zieht die Stadt zwar hochqualifizierte Fachkräfte an, doch der Wettbewerb um diese Talente ist hart. Andererseits scheitert die Besetzung vieler Positionen an formalen Hürden: Fast ein Drittel der gemeldeten Stellen erfordert eine anerkannte Berufsausbildung oder spezifische Zertifizierungen, die Bewerber oft nicht vorweisen können. Hinzu kommt der demografische Wandel – in den nächsten fünf Jahren wird jeder fünfte Beschäftigte in München das Renteneintrittsalter erreichen.

Besonders dramatisch zeigt sich die Situation in der Pflege. Hier bleiben Stellen monatelang unbesetzt, obwohl die Nachfrage durch den medizinischen Fortschritt und die alternde Bevölkerung stetig steigt. Das Arbeitsamt hat reagiert und gemeinsam mit lokalen Trägern beschleunigte Qualifizierungsprogramme gestartet. Doch selbst mit diesen Maßnahmen dauert es mindestens sechs Monate, bis neue Kräfte einsatzbereit sind.

Ein Lichtblick: Die Zahl der Arbeitslosen in München sank im Juli auf 3,2 Prozent – der niedrigste Stand seit 2019. Doch dieser Rückgang spiegelt auch eine bittere Realität wider: Viele Langzeitarbeitslose passen schlicht nicht in das Anforderungsprofil der offenen Stellen.

Branchen im Vergleich: Wo die Lücken am größten klagen

Der Fachkräftemangel trifft München nicht gleichmäßig – einige Branchen kämpfen deutlich härter um Personal als andere. Besonders betroffen ist der Gesundheitssektor, wo laut aktuellem Arbeitsmarktbericht des Arbeitsamts fast 1.200 Stellen für Pflegekräfte und medizinisches Fachpersonal unbesetzt bleiben. Die Lücke wächst hier seit Monaten, obwohl die Stadt mit gezielten Förderprogrammen und Anwerbekampagnen im Ausland gegensteuert. Doch selbst attraktive Gehaltsangebote und flexible Arbeitszeitmodelle locken zu wenige Bewerber an, da die Arbeitsbedingungen in Kliniken und Pflegeheimen weiterhin als belastend gelten.

Ebenfalls unter Druck steht die Gastronomie. Mit über 800 offenen Stellen – von Köchen bis zu Servicekräften – klagt die Branche über einen chronischen Personalnotstand, der sich in den Sommermonaten noch verschärft. Viele Betriebe reduzieren Öffnungszeiten oder streichen Speisekarten zusammen, um den Mangel zu kompensieren. Ein Münchner Hotelierverband spricht von einer „stillen Schließungswelle“, da vor allem kleinere Cafés und Restaurants die Personalkosten nicht mehr tragen können.

Deutlich entspannter zeigt sich die Lage in der IT-Branche. Zwar sind auch hier rund 500 Stellen vakant, doch die Besetzungsdauer liegt mit durchschnittlich sechs Wochen deutlich unter dem Münchner Schnitt. Experten führen das auf die hohe Mobilität von IT-Fachkräften und die Möglichkeit zur ortsunabhängigen Arbeit zurück. Zudem ziehen internationale Tech-Konzerne mit Niederlassungen in der Stadt qualifizierte Arbeitskräfte an, was den lokalen Markt stabilisiert.

Überraschend groß ist die Lücke dagegen im Handwerk. Elektriker, Sanitärinstallateure und Dachdecker werden händeringend gesucht – rund 650 Stellen warten auf Bewerber. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt, dass sich der Mangel langfristig auf den Wohnungsbau auswirken könnte, da Projekte wegen Personalengpässen verzögert werden. Besonders problematisch: Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, obwohl die Branche mit überdurchschnittlichen Übernahmequoten und guten Aufstiegschancen wirbt.

Gehaltscheck: Was Arbeitgeber jetzt für dringend gesuchte Kräfte bieten

Wer in München aktuell als Fachkraft in der IT, im Gesundheitswesen oder im Handwerk sucht, hat die Qual der Wahl – und oft auch ein überdurchschnittliches Gehaltsangebot. Die Arbeitsagentur München bestätigt: Bei dringend gesuchten Berufen liegen die Einstiegsgehälter mittlerweile 15 bis 20 Prozent über dem bayerischen Durchschnitt. Besonders gefragt sind Softwareentwickler, Pflegekräfte mit Spezialisierung und Mechatroniker, für die Arbeitgeber bis zu 50.000 Euro Jahresbrutto bieten, um die Stellen schnell zu besetzen.

Laut einer aktuellen Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erhalten Bewerber in Mangelberufen nicht nur höhere Grundgehälter, sondern zunehmend auch Zusatzleistungen wie Homeoffice-Optionen, flexible Arbeitszeitmodelle oder einmalige Einstiegsprämien von bis zu 3.000 Euro. Ein Münchner Personaldienstleister berichtet von Fällen, in denen Unternehmen sogar die Umzugskosten für Fachkräfte aus anderen Bundesländern übernehmen – ein Zeichen dafür, wie sehr der Wettbewerb um qualifiziertes Personal eskaliert.

Doch nicht alle Branchen können mithalten. Während IT-Spezialisten mit Berufserfahrung locker 70.000 Euro verhandeln, bleiben Gehälter im Einzelhandel oder der Gastronomie trotz Fachkräftemangels oft stagnieren. Hier setzen Arbeitgeber stattdessen auf andere Anreize: kostenlose Fortbildungen, betriebliche Altersvorsorge oder Bonuszahlungen bei längerer Betriebszugehörigkeit.

Die Dynamik zeigt Wirkung: Im Juli verzeichnete das Arbeitsamt München einen Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Offensichtlich locken die verbesserten Konditionen vor allem gut ausgebildete Kräfte zurück in den Arbeitsmarkt – oder direkt aus der Konkurrenz ab.

Bewerbungstipps: Wie Quereinsteiger die Chancen im Münchner Markt nutzen

Der Münchner Arbeitsmarkt öffnet Quereinsteigern derzeit Türen wie selten zuvor. Mit über 6.800 gemeldeten offenen Stellen im Juli – viele davon in Branchen wie IT, Pflege oder Handwerk – suchen Unternehmen händeringend nach Personal. Besonders gefragt sind Bewerber, die bereit sind, sich umzuorientieren. Eine aktuelle Studie der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Rund 40 Prozent der Münchner Betriebe sind offen für Quereinsteiger, wenn diese grundlegende Qualifikationen und Lernbereitschaft mitbringen.

Der Schlüssel liegt in der zielgerichteten Bewerbung. Statt pauschal auf Stellenausschreibungen zu reagieren, sollten Quereinsteiger gezielt nach Positionen suchen, in denen ihre bisherigen Fähigkeiten übertragbar sind. Ein ehemaliger Einzelhandelskaufmann könnte etwa im Vertriebsbereich Fuß fassen, eine Bürokraft mit Organisationstalent im Projektmanagement. Die Arbeitsvermittler des Münchner Arbeitsamts raten dazu, im Anschreiben klar zu benennen, welche Skills aus vorherigen Tätigkeiten relevant sind – und wie sie sich auf die neue Rolle anwenden lassen.

Praktische Erfahrungen sammeln, bevor die Bewerbung rausgeht, erhöht die Chancen deutlich. Viele Münchner Unternehmen bieten Schnupperpraktika oder berufsbegleitende Qualifizierungen an, etwa im Rahmen des Programms „Weiterbildung für Beschäftigte“. Wer hier mitmacht, signalisiert nicht nur Engagement, sondern knüpft gleichzeitig Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern. Besonders in der Gastronomie oder im Gesundheitswesen, wo der Fachkräftemangel am stärksten spürbar ist, führen solche Initiativen oft direkt in ein Arbeitsverhältnis.

Netzwerken bleibt ein oft unterschätzter Hebel. Münchner Jobmessen wie die „Vocatium“ oder Branchenveranstaltungen der IHK bieten Quereinsteigern die Möglichkeit, persönlich mit Personalverantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Wer hier überzeugt, wird nicht selten direkt zu Vorstellungsgesprächen eingeladen – selbst ohne perfekten Lebenslauf.

Langfristige Strategien: Wie die Stadt dem Fachkräftemangel begegnen will

München setzt auf langfristige Lösungen, um den Fachkräftemangel strukturell anzugehen. Die Stadt hat gemeinsam mit der Agentur für Arbeit ein Programm gestartet, das gezielt junge Menschen in MINT-Berufen fördert. Kooperationen mit Hochschulen und Berufsschulen sollen die Ausbildungskapazitäten erhöhen – besonders in den Bereichen IT, Ingenieurwesen und Pflege, wo der Bedarf am größten ist. Laut einer Studie der IW Köln könnten bis 2035 bundesweit rund 7 Millionen Fachkräfte fehlen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Ein zentraler Baustein ist die gezielte Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland. Das Münchner Arbeitsamt hat dafür ein eigenes Welcome Center eingerichtet, das internationale Bewerber bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse und der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt. Besonders gefragt sind Fachkräfte aus Osteuropa und Asien, wo die Qualifikationen oft den hiesigen Anforderungen entsprechen. Die Bürokratie wird vereinfacht, um die Prozesse zu beschleunigen.

Gleichzeitig investiert die Stadt in Weiterbildungsprogramme für bereits Beschäftigte. Unternehmen erhalten Zuschüsse, wenn sie ihre Mitarbeiter in Zukunftstechnologien wie KI oder nachhaltige Energien schulen lassen. Diese Maßnahmen sollen nicht nur den Fachkräftemangel lindern, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der Münchner Wirtschaft sichern.

Langfristig setzt München auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um mehr Menschen – besonders Frauen – in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Ausbau von Kita-Plätzen und flexiblen Arbeitsmodellen steht dabei im Fokus.

Die Juli-Zahlen des Münchner Arbeitsamts bestätigen, was Unternehmen seit Monaten spüren: Der Fachkräftemangel ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine strukturelle Herausforderung, die ganze Branchen von der IT bis zum Handwerk lähmt. Dass trotz 6.800 gemeldeter Stellen viele Positionen monatelang unbesetzt bleiben, zeigt, wie dringend Qualifizierung und Arbeitsmarktstrategien an die Realität angepasst werden müssen.

Für Arbeitssuchende bedeutet das konkrete Chancen – wer bereit ist, sich gezielt weiterzubilden oder in Engpassberufen umzuschulen, findet in München aktuell schnell einen Einstieg, oft mit attraktiven Konditionen. Unternehmen wiederum sollten jetzt Kooperationen mit Bildungsträgern ausbauen und interne Weiterbildungsprogramme aufsetzen, statt auf die perfekte Bewerbung zu warten.

Ohne entschlossene Maßnahmen von Politik, Wirtschaft und Arbeitsverwaltung wird sich die Lücke bis 2025 weiter verschärfen – und München droht, im Wettbewerb um Fachkräfte den Anschluss zu verlieren.