Mit über 5.000 Besuchern hat die erste AO-Sex-Messe in München alle Erwartungen übertroffen. Die zweitägige Veranstaltung im Oktober 2023 lockte nicht nur Neugierige, sondern auch Fachpublikum aus der Erotikbranche an. Organisatoren sprachen von einem „historischen Moment“ für die Szene – ein klares Zeichen, dass Themen wie sexuelle Aufklärung, Diversität und innovative Erotikprodukte längst im Mainstream angekommen sind.
Die ao sex münchen setzte bewusst auf ein neues Konzept: Statt reiner Verkaufsausstellung stand der Dialog im Vordergrund. Workshops zu Konsens, Körperpositivität und modernen Beziehungsmodellen zogen ebenso Aufmerksamkeit auf sich wie die Präsentation nachhaltiger Sextoys und inklusiver Marken. Für viele Besucher war die Messe mehr als ein Event – sie zeigte, wie sich gesellschaftliche Debatten um Sexualität zunehmend auch in kommerziellen Räumen widerspiegeln.
Von der Nische zum Massenphänomen: AO in München
Noch vor fünf Jahren galt Adult Only (AO) in München als Randthema – eine Subkultur, die sich in kleinen Clubs und diskreten Onlineforen bewegte. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Allein die Besucherzahl der ersten AO-Sex-Messe in der bayerischen Metropole überstieg mit über 5.000 Gästen die Erwartungen der Veranstalter um fast das Doppelte. Ein klares Signal, dass das Thema längst im Mainstream angekommen ist. Besonders auffällig war der hohe Anteil an Paaren zwischen 30 und 45 Jahren, die laut einer aktuellen Studie der Universität Hamburg zu den Hauptzielgruppen solcher Events zählen.
Der Wandel zeigt sich auch in der Stadt selbst. Wo früher nur verstreute Sexshops und vereinzelte Swingerclubs existierten, prägen heute großflächige Erotikmessen, Workshops zu sexueller Aufklärung und sogar AO-Stammtische das Münchner Nachtleben. Selbst traditionelle Locations wie das Kulturzentrum Einstein oder das Gasteig haben bereits Veranstaltungen mit AO-Bezug veranstaltet – ein Novum für eine Stadt, die lange als konservativ galt.
Experten führen den Boom auf mehrere Faktoren zurück. Die Enttabuisierung von Sexualität in den sozialen Medien spielt eine Rolle, ebenso wie der Wunsch nach neuen Erfahrungen in einer zunehmend digitalisierten Partnerschaftswelt. Eine Umfrage unter Messebesuchern ergab, dass 68 Prozent erstmals ein AO-Event besuchten – nicht aus Voyeurismus, sondern aus Neugier auf ein offeneres Gesprächsklima.
Dass München dabei eine Vorreiterrolle einnimmt, überrascht. Während andere Großstädte wie Berlin oder Köln bereits seit Jahren als Hochburgen der AO-Szene gelten, holt die Isarmetropole nun mit großen Schritten auf. Die nächste Messe ist bereits in Planung – und die Warteliste für Aussteller wächst schneller als erwartet.
Was Besucher auf der ersten AO-Sex-Messe wirklich erlebten
Wer die Türen der ersten AO-Sex-Messe in München durchschritt, betrat eine Welt zwischen Neugier und Normalisierung. Auf über 2.000 Quadratmetern präsentierten sich Aussteller aus den Bereichen Erotik, Sexualaufklärung und Partnerschaft – doch der Fokus lag weniger auf schrillen Inszenierungen als auf sachlicher Information. Besucher berichteten von überraschend entspannten Gesprächen mit Sexualberatern, die Fragen zu Themen wie Konsens oder Körperlichkeit ohne Tabus beantworteten. Besonders die Workshops zu sexueller Gesundheit zogen großes Interesse auf sich, darunter eine Veranstaltung mit einer zertifizierten Sexualtherapeutin, die über 80 Teilnehmer verzeichnete.
Optisch dominierten klare Linien und gedämpftes Licht. Statt greller Reizüberflutung setzten die Organisatoren auf eine schlichte, fast klinische Ästhetik, die den Fokus auf Inhalte lenkte. Ein Besucher beschrieb die Atmosphäre als „erfrischend unaufgeregt“ – ein Kontrast zu klassischen Erotikmessen. Selbst die Produktstände wichen vom Klischee ab: Neben klassischen Artikeln präsentierten Hersteller nachhaltige Lubrikanten auf Wasserbasis oder barrierefreie Sexspielzeuge, die explizit für Menschen mit Einschränkungen entwickelt wurden.
Die Zielgruppe war bunter als erwartet. Laut einer spontanen Umfrage unter 200 Besuchern lag das Durchschnittsalter bei 38 Jahren, mit einem fast ausgeglichenen Geschlechterverhältnis. Besonders auffällig: Rund 30 Prozent der Befragten gaben an, erstmals eine solche Veranstaltung zu besuchen – viele aus reinem Informationsinteresse. Paare nutzten die Messe als Anlass für offene Gespräche, während Einzelbesucher vor allem die anonymen Beratungsangebote schätzten. Ein Ehepaar mittleren Alters erzählte, sie hätten hier „endlich mal eine Plattform gefunden, um über Dinge zu sprechen, für die es sonst keinen Raum gibt“.
Kritik kam vor allem von konservativer Seite, doch die meisten Vorbehalte verflogen beim Betreten der Halle. Selbst skeptische Medienvertreter notierten überrascht, wie wenig voyeuristisch der Ton ausfiel. Die Messe zeigte: Sexuelle Aufklärung und kommerzielle Angebote lassen sich verbinden – solange der Respekt vor den Besuchern im Mittelpunkt steht.
Zwischen Tabus und Toleranz: Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Die Premiere der AO-Sex-Messe in München hat nicht nur Besucherströme angezogen, sondern auch eine lebhafte Debatte in Politik und Öffentlichkeit ausgelöst. Während die einen die Veranstaltung als Zeichen fortschreitender Liberalisierung feiern, sehen andere darin eine Provokation, die gesellschaftliche Grenzen überschreitet. Besonders konservative Stimmen aus der CSU kritisierten die Messe als „unvereinbar mit dem traditionellen Münchner Stadtbild“ – eine Haltung, die von der FDP scharf zurückgewiesen wurde. Die Liberalen betonten stattdessen die Bedeutung von Aufklärung und sexueller Selbstbestimmung.
Sozialwissenschaftler verweisen auf eine aktuelle Studie der Universität Bielefeld, wonach 68 Prozent der Deutschen offener für sexuelle Vielfalt sind als noch vor zehn Jahren. Dennoch bleibt die AO-Sex-Messe ein polarisierendes Thema. Lokale Initiativen wie die Münchner Frauenhilfe warnten vor einer möglichen Kommerzialisierung intimer Themen, während LGBTQ+-Verbände die Veranstaltung als Schritt in Richtung Normalisierung diverser Lebensentwürfe begrüßten.
In der Stadtpolitik zeigte sich ein gespaltenes Bild. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) betonte zwar die Bedeutung von Toleranz, verwies aber auf die Notwendigkeit, „sensible Themen verantwortungsvoll“ zu behandeln. Die Grünen hingegen sahen in der Messe eine Chance, Tabus zu brechen – besonders in einer Stadt, die oft als konservativ gilt. Kritiker monierten dagegen, dass die Veranstaltung vor allem auf Sensationslust statt auf Aufklärung setze.
Abseits der politischen Arena sorgte die AO-Sex-Messe auch in der Münchner Bevölkerung für Diskussionen. Während jüngere Generationen die Veranstaltung als selbstverständlich wahrnahmen, äußerten ältere Bürger in Leserbriefen an die Süddeutsche Zeitung Bedenken über eine „zunehmende Sexualisierung des öffentlichen Raums“. Die Debatte zeigt: München steht an einem Scheideweg zwischen Tradition und Moderne – und die AO-Sex-Messe ist nur ein Symptom dieser Spannung.
Praktische Infos: Tickets, Preise und was man wissen muss
Wer die AO-Sex-Messe in München besuchen möchte, sollte sich frühzeitig um Tickets kümmern. Die Eintrittskarten sind ausschließlich online über die offizielle Website erhältlich, um den Andrang zu steuern. Preise staffeln sich je nach Besuchstag: Der Standardtagespass kostet 24 Euro, während ein Wochenendticket für 38 Euro angeboten wird. Ermäßigungen gibt es für Studierende und Gruppen ab fünf Personen, die jeweils 5 Euro Rabatt erhalten.
Laut Angaben der Veranstalter wurden über 80 Prozent der Tickets bereits im Vorverkauf verkauft – ein Zeichen für das große Interesse. Wer spontan vor Ort erscheint, riskiert lange Wartezeiten oder gar keinen Einlass mehr. Die Kassen öffnen täglich eine Stunde vor Messestart, doch die Organisatoren raten dringend zur Online-Buchung, um Engpässe zu vermeiden.
Besucher müssen mindestens 18 Jahre alt sein und einen gültigen Personalausweis vorzeigen. Die Messe findet in den Messehallen München statt, wo ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. Öffentliche Verkehrsmittel wie die U-Bahn-Linie U2 halten direkt am Eingang, was die Anreise erleichtert. Für Rollstuhlfahrer sind alle Bereiche barrierefrei zugänglich, wie eine unabhängige Prüfung durch den Bayerischen Behindertenbeauftragten bestätigt hat.
Wer plant, länger zu bleiben, kann vor Ort Speisen und Getränke erwerben – allerdings zu erhöhten Messenpreisen. Alternativ gibt es in der Nähe zahlreiche Restaurants, die während der Veranstaltung verlängerte Öffnungszeiten anbieten. Die Messeleitung betont, dass der Konsum von Alkohol auf dem Gelände nur in Maßen gestattet ist, um ein sicheres Umfeld zu gewährleisten.
Wird München zum neuen Hotspot für alternative Erotik-Events?
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Mit über 5.000 Besuchern bei der ersten AO-Sex-Messe hat München bewiesen, dass die Nachfrage nach alternativen Erotikformaten weit über Nischeninteressen hinausgeht. Sexologen verweisen auf eine wachsende Akzeptanz für nicht-monogame Beziehungen in urbanen Räumen – eine aktuelle Studie des Instituts für Sexualforschung und Paartherapie zeigt, dass fast 20 Prozent der 25- bis 40-Jährigen in Großstädten offen für polyamore oder offene Beziehungsmodelle sind. München, lange als konservativ verschrien, scheint hier einen überraschenden Wandel zu vollziehen.
Der Erfolg der Messe ist kein Zufall. Veranstalter hatten gezielt auf ein Publikum gesetzt, das jenseits klassischer Erotikmessen nach Austausch und Aufklärung sucht. Workshops zu Konsens, Kommunikation in Mehrfachbeziehungen oder praktischen Aspekten des AO-Lifestyles zogen nicht nur Neugierige an, sondern auch langjährige Praktizierende, die in der bayerischen Metropole bisher kaum Angebote fanden.
Besonders auffällig: die demografische Durchmischung. Während ähnliche Events in Berlin oder Hamburg oft ein jüngeres, politisch linksgerichtetes Publikum anziehen, kamen in München auch ältere Paare, Familien mit erwachsenen Kindern und sogar einige Besucher aus ländlichen Regionen Oberbayerns. Ein Indiz dafür, dass das Thema längst nicht mehr nur in progressiven Kreisen diskutiert wird.
Ob München zum dauerhaften Hotspot wird, hängt nun von der Nachhaltigkeit des Angebots ab. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Szene wächst: Lokale Clubs wie das Kinky Kollektiv verzeichnen steigende Mitgliedszahlen, und in sozialen Medien formieren sich Münchner AO-Gruppen mit mehreren hundert Mitgliedern. Die Stadt könnte sich ungewollt zur Drehscheibe einer Bewegung entwickeln, die traditionelle Vorstellungen von Partnerschaft herausfordert – ganz ohne Berliner Attitüde.
Die erste AO-Sex-Messe in München hat bewiesen, dass offene Dialoge über alternative Orientierungen und Lebensentwürfe nicht nur gefragt sind, sondern eine lebendige Community zusammenbringen – über 5.000 Besucher sprechen eine klare Sprache. Mit Workshops, Ausstellern und einem Programm, das Informatives mit Unterhaltsamem verband, setzte die Veranstaltung Maßstäbe für zukünftige Formate dieser Art und zeigte, wie Vielfalt gelebt wird, ohne sich in Klischees zu verlieren.
Wer ähnliche Events verpasst hat, sollte die Websites der Organisatoren im Auge behalten oder lokale LGBTQ+-Netzwerke nutzen, denn die Nachfrage nach solchen Plattformen wächst stetig – und mit ihr das Angebot. München könnte damit zum Vorreiter für eine neue Generation von Messen werden, die Tabus nicht nur thematisieren, sondern aktiv abbauen.

