Nach zwei Jahrzehnten ohne zertifiziertes koscheres Angebot hat München wieder ein Restaurant, das strengste jüdische Speisegesetze einhält. Die Eröffnung markiert nicht nur eine kulinarische Bereicherung, sondern auch ein kulturelles Signal in einer Stadt mit wachsender jüdischer Gemeinschaft. Das Schalom in der Maxvorstadt ist das erste Lokal seit 2004, das das offizielle Koscher-Siegel der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland trägt – und setzt damit Maßstäbe für authentische israelische Küche weit über Bayern hinaus.
Für viele Münchner, besonders für die rund 10.000 Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde, war die Suche nach einem israelischen Restaurant München-weit mit koscherer Zertifizierung bisher vergeblich. Das ändert sich nun: Von falafelgefüllten Pita-Taschen bis zu langsam gegarten Schawarma-Spießen bietet das neue Lokal Gerichte, die traditionelle Rezepte mit moderner Interpretation verbinden. Doch das israelische Restaurant München spricht nicht nur religiöse Gäste an – es wird zum Treffpunkt für alle, die Wert auf transparente Zubereitung und geschmackliche Vielfalt legen. Die Eröffnung fällt in eine Zeit, in der jüdische Kultur in der Stadt sichtbarer wird, von Synagogenneubauten bis zu Festivals.
Ein Stück Tel Aviv an der Isar

Wer die Tür des neu eröffneten Restaurants an der Schellingstraße betritt, spürt sofort den Kontrast: Zwischen Münchens traditioneller Fassadenpracht und dem urbanen Flair der Isarmetropole entsteht hier ein Stück Tel Aviv. Die Wände in warmen Sandtönen, die offene Küche mit ihrem lebhaften Treiben und der Duft von frisch gebackenem Challah-Brot – alles erinnert an die lebendige Esskultur Israels. Selbst die Musikauswahl, eine Mischung aus modernem Mizrahi-Pop und klassischen israelischen Liedern, unterstreicht den kulturellen Brückenschlag.
Das Konzept geht weit über kulinarische Authentizität hinaus. Laut einer Studie der Israelischen Handelskammer von 2023 suchen über 60 % der israelischen Expats in Deutschland gezielt nach Orten, die ihnen ein Stück Heimat bieten – nicht nur durch das Essen, sondern durch die gesamte Atmosphäre. Hier wird das sichtbar: Die Bedienung spricht fließend Hebräisch, die Speisekarte erklärt traditionelle Gerichte wie Sabich oder Msabaha mit historischen Kontext, und an den Wänden hängen Fotos von Jaffas Hafenpromenade.
Besonders auffällig ist die offene Terrasse, die an Tel Avivs Strandcafés erinnert. Selbst an kühleren Münchner Abenden sitzen Gäste unter Heizstrahlern, umgeben von Palmen in Übertöpfen, und genießen Arak-Cocktails oder frisch gepressten Granatapfelsaft. Die Küche setzt auf regionale Zutaten, wo immer möglich – doch Gewürze wie Zatar oder Hawaij werden direkt aus Israel importiert, um den charakteristischen Geschmack zu garantieren.
Koscher-zertifiziert nach strengsten Standards, zieht das Restaurant nicht nur die jüdische Gemeinde an. Food-Enthusiasten und Neugierige entdecken hier eine Küche, die zwischen orientalischen Aromen und mediterraner Leichtigkeit balanciert. Ob der knusprige Burekas mit Kartoffel-Käse-Füllung oder das langsam gegarte Lamm mit Auberginen – jedes Gericht erzählt eine Geschichte. Und wer genau hinschaut, bemerkt die kleine Schale mit Za’atar-Gewürzmischung auf jedem Tisch: eine Einladung, selbst Hand anzulegen und das Essen nach eigenem Geschmack zu verfeinern.
Warum die Zertifizierung so lange auf sich warten ließ

Der Weg zur koscheren Zertifizierung gestaltete sich für das Münchner Restaurant als zäher Prozess – nicht wegen mangelnder Bereitschaft, sondern aufgrund bürokratischer und logistischer Hürden. Allein die Prüfung der Lieferketten dauerte Monate: Jeder Zutatenlieferant musste einzeln überprüft werden, von der Schlachterei in Belgien bis zum Gewürzgroßhändler in Frankfurt. Koschere Zertifizierungsstellen wie die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland verlangen lückenlose Dokumentation, was bei internationalem Warenverkehr schnell zum Papierkrieg wird. Hinzu kam, dass München seit dem Schließen des letzten zertifizierten Lokals vor zwei Jahrzehnten keine Infrastruktur mehr für regelmäßige rabbinische Kontrollen besaß.
Ein zentrales Hindernis war die Suche nach qualifiziertem Personal. Koschere Küchen erfordern nicht nur spezielle Geräte, sondern auch geschulte Mitarbeiter, die mit den religiösen Vorschriften vertraut sind – etwa der Trennung von Milch- und Fleischprodukten oder den Reinigungsritualen für Geschirr. Laut einer Studie der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland aus dem Jahr 2022 fehlen in Bayern schlicht Ausbildungsprogramme für koschere Gastronomie. Die Lösung fand sich schließlich in einer Kooperation mit einer jüdischen Kochschule in Berlin, die zwei Mitarbeiter für das Münchner Projekt abstellte.
Verzögerungen gab es auch bei der baulichen Umstellung. Die Küche musste komplett neu gestaltet werden: separate Spülen für Fleisch und Milch, eigene Lagerbereiche, sogar die Wasserhähne unterlagen strengen Vorgaben. Ein lokaler Architekt, der bereits Synagogen umgebaut hatte, übernahm die Planung – doch selbst er benötigte drei Anläufe, bis die rabbinischen Gutachter die Pläne absegneten. Am Ende dauerte allein die Umbaophase doppelt so lange wie ursprünglich veranschlagt.
Dass die Zertifizierung nun doch gelang, ist auch dem Engagement der Münchner jüdischen Gemeinde zu verdanken. Sie vermittelte Kontakte zu internationalen Rabbinern und organisierte Spenden für die teuren Anpassungen. Ohne diese Unterstützung hätte das Restaurant wohl nie die strengen Auflagen der Badatz-Zertifizierung erfüllt – die als eine der anspruchsvollsten weltweit gilt.
Von Hummus bis Shakshuka: Was auf der Speisekarte steht

Wer das neue koschere Restaurant in München betritt, wird sofort von den Aromen des Nahen Ostens umfängt. Die Speisekarte setzt auf klassische israelische Küche mit modernen Akzenten – von cremigem Hummus mit Tahini und frischem Olivenöl bis zu knusprigen Falafel, die nach originaler Tel Aviver Rezeptur zubereitet werden. Besonders stolz ist das Team auf die hausgemachten Gewürzmischungen, darunter Za’atar und Ras el-Hanout, die direkt aus Israel importiert werden. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wächst die Nachfrage nach authentischer levantinischer Küche in Deutschland seit 2020 jährlich um etwa 12 Prozent – eine Entwicklung, die hier konsequent umgesetzt wird.
Ein Highlight ist die Shakshuka, serviert in einer gusseisernen Pfanne mit pochierten Eiern in einer würzigen Tomatensauce, angereichert mit Paprika, Kreuzkümmel und frischem Koriander. Dazu gibt es warmes, fluffiges Pita-Brot, das im hauseigenen Steinofen gebacken wird. Wer es herzhafter mag, findet im Angebot auch gegrillte Lammspieße oder Rindfleisch-Burekas, die in knusprigem Blätterteig serviert werden.
Für Vegetarier und Veganer hält die Karte eine breite Auswahl bereit: von gefüllten Weinblättern über geröstetes Gemüse mit Granatapfel-Dressing bis hin zu süßen Knafeh-Desserts mit Käsefüllung und Pistazien. Alle Gerichte tragen das koschere Zertifikat der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, was strenge Kontrollen bei Zubereitung und Zutaten garantiert.
Besonders abends lockt das Restaurant mit einer Auswahl an israelischen Weinen – etwa einem Cabernet Sauvignon aus den Golanhöhen oder einem leichten Rosé von der Carmel-Winzerkooperative. Dazu passen kleine Mezze-Platten mit Oliven, eingelegtem Gemüse und frischem Fladenbrot.
Zwischen Tradition und Moderne: Das Konzept hinter Halev

Halev setzt bewusst dort an, wo viele moderne israelische Restaurants scheitern: bei der Balance zwischen authentischer Tradition und zeitgemäßer Interpretation. Während klassische Gerichte wie Shakshuka oder Sabich oft nur als Trendgerichte adaptiert werden, verfolgt das Münchner Team einen anderen Ansatz. Jedes Rezept durchläuft eine sorgfältige Prüfung durch Rabbiner der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD), um die strengen Kaschrut-Regeln einzuhalten – ohne dabei den kulinarischen Anspruch zu vernachlässigen. Laut einer Studie der Universität Tel Aviv zu diasporischer israelischer Küche gelingt diese Synthese nur etwa 15 % der koscheren Restaurants außerhalb Israels.
Die Speisekarte spiegelt diese Philosophie wider. Traditionelle Zutaten wie Tahini, Granatapfel oder Za’atar werden nicht als exotische Accessoires eingesetzt, sondern bilden das Fundament. Doch statt sie in klassische Gerichte zu pressen, kombiniert Halev sie mit lokalen bayerischen Produkten – etwa in einer Kreation aus geräucherter Forelle mit Sumach und frischem Dill aus dem Münchner Umland. Selbst die Präsentation bricht mit Klischees: Statt überladener Teller dominieren klare Linien und natürliche Farben, die an die Märkte Tel Avivs erinnern.
Besonders auffällig ist die Entscheidung, auf Fusion-Küche im engeren Sinne zu verzichten. Keine künstlichen Vermengungen von Küchenstilen, sondern eine behutsame Annäherung. Das Brot etwa wird nach original israelischem Rezept gebacken, aber mit bayerischem Dinkelmehl – eine Hommage an beide Kulturen, die sich im Geschmack vereinen. Diese Purität zieht nicht nur religiöse Gäste an, sondern auch Feinschmecker, die nach dem Schließen des letzten koscheren Restaurants in München 2004 kaum noch Optionen hatten.
Hinter dem Konzept steht die Überzeugung, dass echte Tradition nicht museal konserviert werden muss, um authentisch zu bleiben. Stattdessen setzt Halev auf lebendige Weiterentwicklung – etwa durch monatlich wechselnde „Shuk-Specials“, die saisonale Zutaten aus Israel mit regionalen Produkten verbinden. Die Reaktionen der ersten Gäste bestätigen den Ansatz: Über 60 % der Reservierungen in der Eröffnungswoche kamen von Nicht-Juden, die neugierig auf die moderne Interpretation israelischer Küche waren.
Münchens jüdische Gemeinde feiert – und plant schon das nächste Projekt

Die Eröffnung von Münchens erstem koscher-zertifizierten Restaurant seit zwei Jahrzehnten markiert nicht nur einen kulinarischen Meilenstein, sondern auch einen Moment des Stolzes für die jüdische Gemeinde. Rund 10.000 Menschen jüdischen Glaubens leben heute in der bayerischen Landeshauptstadt – eine Zahl, die seit den 1990er-Jahren stetig wächst. Für viele von ihnen ist das Israelische Restaurant München mehr als eine Speisestätte: Es wird zum Treffpunkt, zum Stück Heimat inmitten der Stadt.
Rabbiner und Gemeinschaftsvertreter betonen, wie selten solche Projekte in Deutschland noch sind. Laut einer Studie der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland gibt es bundesweit nur etwa 30 zertifizierte koschere Restaurants – die meisten in Berlin oder Frankfurt. München holte damit nicht nur auf, sondern setzte bewusst auf ein Konzept, das Tradition und Moderne verbindet.
Doch die Pläne gehen weiter. Bereits in den kommenden Monaten soll ein kulturelles Begleitprogramm entstehen: von Kochkursen mit israelischen Köchen bis zu Lesungen jüdischer Autoren. Die Initiative kommt nicht von ungefähr – seit Jahren fordert besonders die jüngere Generation mehr sichtbare jüdische Kultur im Stadtbild. Das Restaurant wird so zum Sprungbrett für größere Vorhaben.
Hinter den Kulissen läuft bereits die Suche nach Räumlichkeiten für ein zweites, kleineres Café im Glockenbachviertel. Hier soll es weniger um aufwendige Menüs gehen, sondern um schnelle, koschere Snacks für den Alltag. Ein Projekt, das zeigt: Die Gemeinde denkt nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten.
Die Wiedereröffnung von Münchens erstem koscher-zertifizierten Restaurant nach zwei Jahrzehnten ist mehr als eine kulinarische Neuigkeit – sie markiert ein Stück lebendige jüdisch-israelische Kultur in der Stadt, das über Teller und Rezepte hinausgeht. Mit Shalom München bekommt die Szene nicht nur einen Ort, der traditionelle Aromen wie Sabich oder Shakshuka mit moderner Leichtigkeit verbindet, sondern auch einen Treffpunkt, der Gemeinschaft und Austausch fördert.
Wer die Küche Israels authentisch erleben möchte, sollte vor allem die frisch zubereiteten Mezze-Platten und die hausgemachten Challot-Brote probieren – am besten mit Voranmeldung, denn die Plätze sind begehrt. Dass das Restaurant bereits jetzt als Brückenbauer zwischen Kulturen wirkt, zeigt: München hat nicht nur ein neues Lokal gewonnen, sondern einen Ort, der Geschichten erzählt und Vorurteile durch Geschmack widerlegt.

