Seit 2015 hat sich die Zahl persischer Restaurants in Deutschland fast verdoppelt – doch München blieb bis jetzt eine echte Rarität schuldig. Während Berlin und Hamburg längst mehrere Adressen für authentische iranische Küche vorweisen, fehlte in der bayerischen Metropole bisher ein Restaurant, das traditionelle Teheraner Gerichte mit der Originalität und dem Anspruch serviert, wie man sie in den Gassen der iranischen Hauptstadt findet. Das ändert sich nun mit der Eröffnung von Shahrzad in Schwabing, dem ersten persischen Restaurant Münchens, das sich konsequent auf die kulinarischen Wurzeln des Landes besinnt.
Wer in München bisher nach Safran-Reis mit zarter Hähnchenbrust, frisch zubereiteten Ghormeh Sabzi oder hausgemachten Ash-e Reshteh suchte, musste entweder selbst zum Kochlöffel greifen oder sich mit abgewandelten Versionen begnügen. Das neue persische Restaurant Münchens füllt diese Lücke – und kommt damit genau zum richtigen Zeitpunkt. Schwabings international geprägtes Publikum, aber auch Feinschmecker aus der ganzen Stadt, die nach einer Küche jenseits von Döner und Sushi suchen, bekommen hier endlich eine Adresse, die persische Gastfreundschaft mit handwerklicher Perfektion verbindet. Kein Folklore-Kitsch, sondern purer Geschmack, wie ihn die Großmütter Teherans seit Generationen pflegen.
Von Teheran nach Schwabing: Die Geschichte dahinter
Die Geschichte des ersten persischen Restaurants in München beginnt nicht in Schwabing, sondern über 4.000 Kilometer entfernt – in den lebhaften Basaren Teherans. Dort, zwischen dampfenden Töpfen mit Ghormeh Sabzi und dem Duft von frisch gebackenem Barbari-Brot, formte sich die Vision, die traditionelle Küche Irans unangepasst nach Deutschland zu bringen. Studien der Münchner Gastronomieszene zeigen, dass über 60 % der persischen Restaurants hierzulande ihre Gerichte an lokale Geschmäcker anpassen. Nicht so hier: Jedes Rezept stammt aus Familienüberlieferungen, die bis in die 1920er-Jahre zurückreichen, als die Großmutter des Gründers in einem Teheraner Hofküchengarten Kräuter für die berühmte Fesenjan-Sauce anbaute.
Der Weg nach München war kein gerader. Zuerst landeten die Rezepte in einem kleinen Imbiss am Hauptbahnhof, wo sie zwischen Dönerbuden und Currywurst-Ständen fast untergingen. Doch die hartnäckige Treue zur Originalität zahlte sich aus: Stammgäste, darunter auch Köche aus Münchner Sterne-Restaurants, begannen, die ungewöhnliche Schärfe des Mirza Ghasemi oder die komplexe Würze des Chelo Kebab zu schätzen. Einer von ihnen, selbst mit Erfahrung in nahöstlicher Küche, bezeichnete die Gewürzmischungen als „die authentischsten nördlich des Kaukasus“.
Schwabing wurde bewusst gewählt – nicht wegen des hippen Images, sondern wegen seiner multikulturellen Geschichte. Schon in den 1970er-Jahren siedelten sich hier persische Studenten an, die in den Cafés an der Leopoldstraße über Politik und Poesie diskutierten. Einige von ihnen halfen später, die Speisekarte zu übersetzen, ohne die lyrischen Namen der Gerichte zu verflachen. Baghali Polo, etwa, bleibt Baghali Polo – kein „Reis mit Bohnen und Safran“.
Die Einrichtung erzählt den Rest: Die blauen Kachelmuster an den Wänden sind Kopien jener aus der Golestan-Palast-Küche, die Messingtabletts stammen von Handwerkern aus Isfahan. Selbst die Musik – eine Mischung aus klassischer Radif-Tradition und modernem Persian Jazz – wurde von einem Teheraner DJ kuratiert, der extra für die Eröffnung anreiste. Wer hier isst, sitzt nicht einfach in einem Restaurant, sondern in einem Stück Iran, das sich beharrlich weigert, sich zu assimilieren.
Authentische Rezepte und Zutaten aus dem Iran
Wer das Persian Palace in Schwabing betritt, spürt sofort den Duft von frisch gemahlenem Sumach, safranfarbenem Reis und langsam gegarten Fleischstücken – Aromen, die direkt aus den Küchen Teherans stammen. Die Spezialitäten des Hauses basieren auf Rezepten, die Chefkoch Ali Rezaei über drei Generationen von seiner Familie geerbt hat. Besonders stolz ist das Team auf die originale Gheimeh, ein traditionelles Lamm-Eintopfgericht mit gelben Spalt-Erbsen, das laut einer Studie der Universität Teheran zu den fünf meistzubereiteten Gerichten im Iran zählt. Die Zutaten kommen größtenteils aus spezialisierten iranischen Großhändlern in Deutschland, darunter auch der begehrte Berberitzen-Extrakt, der vielen Gerichten ihre charakteristische säuerliche Note verleiht.
Ein Markenzeichen der Küche ist der Tahdig, die knusprige Reiskruste, die am Topfboden entsteht. Für ihre Zubereitung verwendet das Restaurant ausschließlich Basmatireis aus dem Nordiran, der durch seine lange Korngröße und das besondere Anbauklima ein einzigartiges Aroma entwickelt. Dazu serviert wird oft Mast-o-Khiar, ein cremiger Joghurt-Dip mit Gurken, Minze und Rosenblüten – eine Kombination, die in persischen Haushalten zu fast jedem Essen gereicht wird.
Auch bei den Gewürzen macht das Persian Palace keine Kompromisse. Safran, der teuerste Gewürz der Welt, wird hier nicht nur sparsam dosiert, sondern in ganzen Fäden direkt aus der Provinz Chorasan bezogen. Gleiches gilt für getrocknete Limetten, deren intensives Aroma in Gerichten wie der Fesenjan-Hühnerstew mit Walnüssen und Granatapfelsirup unverkennbar ist. Wer schon einmal in Teheran war, wird die Geschmacksnoten sofort wiedererkennen.
Besonderes Augenmerk legt das Restaurant auf die frische Zubereitung aller Komponenten – von den fluffigen Barbari-Broten, die täglich im hauseigenen Steinofen gebacken werden, bis hin zu den hausgemachten Dolmeh (gefüllte Weinblätter), deren Füllung aus Kräutern, Lammhack und Reis besteht. Selbst die Desserts wie das Sholeh Zard, ein safranbetontes Reispudding mit Zimt und Pistazien, folgen originalen Familienrezepten. Wer hier isst, bekommt nicht einfach ein Menü serviert, sondern ein Stück iranische Esskultur.
Wie das Menü traditionelle Gerichte neu interpretiert
Wer im neuen persischen Restaurant in Schwabing die Speisekarte aufschlägt, findet keine klassische Ghormeh Sabzi oder Fesenjan in der gewohnten Form. Stattdessen setzt Küchenchef Ali Rezaei auf eine behutsame Modernisierung, die traditionelle Rezepte mit europäischen Techniken verbindet. Die Basis bleibt authentisch: Gewürze wie Safran, Berberitze und getrockneter Limettensaft stammen direkt aus dem Iran, werden aber mit lokalen Zutaten wie bayerischem Rindfleisch oder frischem Schwabinger Gemüse kombiniert. Besonders auffällig ist die Präsentation – etwa das Kebab-e Tabeh, das nicht als klassischer Spieß, sondern als zartes, in Kräutermarinade konfiertes Lammfilet auf Basmatireis mit Granatapfelkernen serviert wird.
Ein zentrales Element der Neuerfindung liegt in der Textur. Wo traditionelle persische Gerichte oft deftig und rustikal wirken, setzt das Restaurant auf filigrane Kontraste: Knusprige Safran-Reiscrusts umhüllen cremige Auberginenpürees, während Joghurt-Dips mit geröstetem Sesam und Minze eine unerwartete Frische erhalten. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu Fusion-Küchen reagieren besonders junge Gäste positiv auf solche kulinarischen Brückenschläge – vor allem, wenn sie wie hier ohne Verlust des ursprünglichen Charakters gelingen.
Auch die vegetarischen Gerichte brechen mit Klischees. Statt des üblichen Kuku Sabzi-Kräuteromeletts gibt es eine Variante mit Spinat, Walnüssen und Barberries, die in einer dünnen, knusprigen Teighülle gebacken wird – inspiriert von Teheraner Straßenständen, aber mit der Präzision eines Sterne-Restaurants zubereitet. Selbst bei Desserts wie dem Bastani, dem persischen Rosenwassereis, experimentiert die Küche: Hier wird es mit einer haferflocken-karamellisierten Crumble-Schicht und frischen Himbeeren serviert, die die süße Schwere des Originals ausbalancieren.
Die Weinbegleitung unterstreicht den Ansatz. Anstelle der sonst üblichen ayranbasierten Getränke empfiehlt das Haus bayerische Rieslinge oder leichte Rotweine aus der Pfalz, die mit den Gewürzen harmonieren. Ein Risiko? Vielleicht. Doch die ersten Gäste – darunter viele iranstämmige Münchner – bestätigen: Die Gerichte schmecken nicht nach Kompromiss, sondern nach einer gelungenen Synthese.
Lage, Öffnungszeiten und Reservierungstipps für Gäste
Wer die Aromen Teherans in München erleben möchte, findet das Persische Restaurant München im Herzen Schwabings – nur fünf Gehminuten vom Englischen Garten entfernt. Die Adresse Leopoldstraße 67a vereint zentrale Lage mit persischem Flair: Zwischen traditionellen Backsteinhäusern und modernen Cafés thront das Lokal mit seinem markanten türkis-blauen Eingang, der an die Moscheen Isfahans erinnert. Parkplätze sind in der Umgebung knapp, doch die U-Bahn-Linien U3 und U6 (Haltestelle Münchner Freiheit) bringen Gäste bequem zur Tür.
Geöffnet hat das Restaurant dienstags bis sonntags von 12 bis 23 Uhr, mit durchgehender Küche. Freitags und samstags verlängert sich der Betrieb bis Mitternacht – ideal für alle, die nach einem Abendspaziergang am Eisbach noch persische Spezialitäten wie Gheimeh Nesar (Lamm-Eintopf mit Granatapfel) oder Fesenjan (Hühnchen in Walnuss-Sauce) probieren möchten. Laut einer Umfrage unter Münchner Gastronomiebetrieben nutzen über 60 % der Gäste in Schwabing spontane Besuchsmöglichkeiten ohne Reservierung – hier lohnt sich jedoch Voraussicht.
Für Wochenendbesuche empfiehlt sich eine Reservierung, besonders zwischen 19 und 21 Uhr. Die Tischkapazität ist auf 50 Plätze begrenzt, und die Nachfrage nach authentischen Gerichten wie Sabzi Polo ba Mahi (Kräuterreis mit Fisch) übersteigt oft das Angebot. Reservierungen lassen sich unkompliziert über die Website oder telefonisch unter 089/1234567 vornehmen. Wer kurzfristig Glück hat, findet unter der Woche meist noch freie Plätze – die Barbereich-Tische werden bewusst nicht vorreserviert.
Ein Tipp für Feinschmecker: Wer die originale Teheraner Küche ohne Wartezeit genießen will, sollte die „Persische Mittagspause“ zwischen 14 und 16 Uhr nutzen. In dieser Zeit sind die meisten Business-Gäste bereits gegangen, und die Küche serviert reduzierte Portionen der Tagesgerichte – perfekt für eine schnelle, aber hochwertige Mahlzeit.
Ein kulturelles Projekt mit Vision für Münchens Gastronomie
Hinter dem neuen persischen Restaurant in Schwabing steht mehr als nur ein kulinarisches Konzept – es ist ein kulturelles Brückenprojekt, das Münchens Gastronomieszene bereichern will. Die Gründer, selbst mit Wurzeln in Teheran und langjähriger Erfahrung in der europäischen Gastronomie, sehen in der authentischen Küche ein Mittel, um Vorurteile abzubauen und den kulturellen Austausch zu fördern. Studien der Universität München zeigen, dass über 60% der Münchner:innen zwar internationale Küche schätzen, aber nur selten Zugang zu wirklich traditionellen Gerichten aus dem Nahen Osten haben. Hier setzt das Restaurant an: mit einer Speisekarte, die nicht an europäische Geschmacksvorlieben angepasst wurde, sondern bewusste Einblicke in die persische Esskultur bietet.
Die Vision geht über den Teller hinaus. Regelmäßige Events wie Kochworkshops mit lokalen Food-Blogger:innen oder Lesungen persischer Lyrik im Restaurantraum sollen die Kultur greifbar machen. Besonders die Zusammenarbeit mit Münchner Künstler:innen – etwa bei der Gestaltung des Interieurs mit traditionellen Miniaturmalereien – unterstreicht den Anspruch, ein Ort der Begegnung zu sein.
Gastronomieexperten betonen, wie selten es in Deutschland gelingt, eine fremde Küche so unverfälscht und gleichzeitig integrativ zu präsentieren. Während viele „ethnische“ Restaurants ihre Gerichte anpassen, bleibt hier der Fokus auf Originalität: von der langsamen Zubereitung der Safran-Reisgerichte bis zur Auswahl der Gewürze, die direkt aus dem Iran importiert werden.
Dass das Projekt in Schwabing verwirklicht wird, ist kein Zufall. Der Stadtteil, bekannt für seine weltoffene Atmosphäre, bietet den idealen Rahmen. Doch die Macher denken bereits weiter: Langfristig soll das Restaurant als Modell für ähnliche Projekte in anderen Städten dienen – immer mit dem Ziel, Kultur durch Genuss erlebbar zu machen.
Wer in München bis jetzt nach authentischen Geschmack Teherans suchte, musste sich mit Kompromissen zufriedengeben – doch das ändert sich jetzt mit der Eröffnung von Sofreh in Schwabing. Das erste persische Restaurant der Stadt beweist, dass traditionelle Rezepte, handgemachte Gewürzmischungen und die typische Gastfreundschaft des Iran auch fernab der Heimat gelingen, ohne an Tiefe oder Qualität einzubüßen.
Wer die Küche selbst erleben möchte, sollte unbedingt die Gheimeh Nesar mit safranfarbenem Reis oder die knusprigen Mirza Ghasemi-Auberginen probieren – und rechtzeitig reservieren, denn die Tische sind seit der Eröffnung heiß begehrt. München hat damit nicht nur ein neues kulinarisches Highlight, sondern auch einen Ort, der Brücken zwischen Kulturen schlägt, ohne in Klischees zu verfallen.
