Seit Dezember 2023 bereichert ein neues kulinarisches Juwel die Münchner Gastronomieszene: Das erste uigurische Restaurant der Stadt hat in Schwabing seine Türen geöffnet – und bringt damit eine der ältesten Fleischtraditionen Zentralasiens direkt in die Maxvorstadt. Mit originalen Lamb Skewers, die nach uralten Rezepten aus Kaschgar zubereitet werden, setzt das Lokal Maßstäbe. Die Gewürzmischung aus Kreuzkümmel, Paprika und wildem Fenchel, die das zarte Lammfleisch umhüllt, ist allein schon eine Reise wert. Wer hier isst, bekommt nicht einfach ein Gericht serviert, sondern ein Stück lebendige Seidenstraßen-Kultur.

Für München bedeutet die Eröffnung mehr als nur eine weitere Essensoption. Das uigurische Restaurant München füllt eine Lücke in einer Stadt, die zwar für ihre internationale Küche bekannt ist, aber bisher kaum Berührungspunkte mit der uigurischen Tradition hatte. Besonders die handgeformten Naan-Brote, die im Tandoor-Ofen gebacken werden, und die scharfen Laghman-Nudeln ziehen bereits Foodies aus ganz Bayern an. Wer authentische zentralasiatische Aromen sucht, findet im Herzen Schwabings nun einen Ort, der Geschmack und Geschichte auf einem Teller vereint. Das uigurische Restaurant München beweist: Echte kulinarische Entdeckungen brauchen manchmal nur eine Adresse – und die heißt jetzt Türlü Sofrasi.

Vom Xinjiang in die Maxvorstadt: Eine kulinarische Reise

Wer die Tür des neuen Dolan Uighur Restaurant in der Schellingstraße betritt, spürt sofort den Duft von Kreuzkümmel und geröstetem Lammfleisch – eine olfaktorische Brücke über 6.000 Kilometer. Die Maxvorstadt, sonst bekannt für ihre Studentenkneipen und Museumsnähe, bekommt damit einen kulinarischen Außerposten der Seidenstraße. Die Besitzer, eine uigurische Familie aus Kaschgar, haben nicht nur Originalrezepte im Gepäck, sondern auch handgefertigte Gewürzmischungen, die sie direkt aus Xinjiang beziehen. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu regionalen Migrationsküchen wächst die Nachfrage nach authentischen zentralasiatischen Gerichten in Deutschland seit 2020 jährlich um 12 Prozent – ein Trend, den das Dolan nun bedient.

Das Herzstück der Karte bilden die Yangrou Chuan, Lammspieße, die nach traditioneller Methode über offener Holzkohle gegrillt werden. Anders als bei türkischen oder arabischen Varianten kommt hier kein Metallspieß zum Einsatz, sondern dünne Holzstäbchen aus Aprikosenbaumholz, die dem Fleisch einen leicht süßlichen Rauchgeschmack verleihen. Dazu gibt es Naan, das nicht im Tandoor, sondern in einem flachen Tonofen gebacken wird – eine Technik, die in Ostturkestan seit Jahrhunderten verbreitet ist.

Besonders auffällig: die Gewürzbalance. Während viele westliche Interpretationen asiatischer Küche auf scharfe Chili- oder Knoblauchnoten setzen, dominieren hier erdige Aromen wie schwarzer Kardamom, Sternanis und getrocknete Chili-Schoten der Heinän-Sorte, die milder als ihre südostasiatischen Pendants sind. Selbst die scharfe Laghman-Suppe, ein Nudelgericht mit Rindfleisch und Paprika, überrascht durch ihre komplexe Würze statt reiner Schärfe.

Das Lokal selbst ist schlicht gehalten – weiße Wände, dunkle Holztische, an einer Wand ein großformatiges Foto der Taklamakan-Wüste. Einziger farbiger Akzent: die handbemalten Schüsseln aus Fayence, wie sie in den Basaren von Hotan verkauft werden. Wer hier isst, bekommt nicht nur ein Gericht serviert, sondern eine geographische Erzählung auf dem Teller.

Lammspieße wie in Kaschgar – Authentizität auf dem Grill

Wer die Lammspieße des neuen uigurischen Restaurants in Schwabing probiert, wird sofort nach Kaschgar versetzt – nicht durch Dekoration, sondern durch den unverwechselbaren Geschmack. Die zarten Fleischstücke, mariniert in einer Mischung aus Kreuzkümmel, Paprika und einer Prise Koriander, werden traditionell über Holzkohle gegrillt. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsforschung zu regionalen Grilltechniken entwickelt das Lammfleisch durch diese Methode ein besonders rauchiges Aroma, das in China als yangrou chuan bekannt ist. Die Spieße kommen ohne künstliche Aromen aus; stattdessen sorgt die langsame Garzeit für eine karamellisierte Kruste, während das Innere saftig bleibt.

Authentizität zeigt sich hier in Details: Die Fleischstücke werden nicht, wie oft in europäischen Imbissen, maschinell geschnitten, sondern per Hand in unregelmäßige, daumengroße Würfel zerteilt. Diese Technik stammt direkt aus den Basaren der Seidenstraße, wo Metzger das Fleisch mit speziellen, gekrümmten Messern bearbeiten. Dazu gibt es frisches nang-Brot, das im Tonofen gebacken wird und mit seiner knusprigen Oberfläche perfekt die fettigen Tropfen der Spieße aufnimmt.

Besonders überzeugend ist die Würzung. Während viele Grillrestaurants in München auf standardisierte Gewürzmischungen setzen, arbeitet die Küche hier mit original uigurischen Zutaten – darunter scharfer roter Chili aus Hotan und wild gesammelter Fenchel aus dem Pamir-Gebirge. Die Kombination aus scharf, süß und erdigen Noten macht jeden Bissen zu einem Erlebnis. Wer schon einmal in Xinjiang war, wird den Unterschied sofort schmecken.

Ein weiterer Beweis für die handwerkliche Qualität: Die Spieße werden erst nach Bestellung zubereitet. Keine vorgegrillten Vorräte, keine Mikrowelle. Die Wartezeit von etwa 15 Minuten lohnt sich – das Ergebnis ist ein Gericht, das selbst anspruchsvolle Kenner der uigurischen Küche überzeugt. Dazu passt ein Glas kumys, die traditionelle fermentierte Stutenmilch, die im Restaurant in einer abgepackten, aber originalgetreuen Variante serviert wird.

Zwischen Döner und Dumplings: Was die Speisekarte überrascht

Wer das Uyghur Dastan in Schwabing betritt, findet keine klassische Speisekarte vor, sondern eine kulinarische Landkarte zwischen Zentralasien und München. Neben den obligatorischen Lammspießen, die nach originaler Uigur-Tradition über offener Glut zubereitet werden, überraschen Gerichte wie Laghman – handgezogene Nudeln mit Rindfleisch und Gemüse – oder Manti, gedämpfte Teigtaschen, die an chinesische Dumplings erinnern, aber mit einer würzigeren Note. Selbst eingefleischte Asia-Fans staunen über die Vielfalt: Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kombinieren nur etwa 15 % der asiatischen Restaurants in Deutschland Küchenstile aus mehr als zwei Regionen so konsequent wie hier.

Besonders kurios: die Fusion mit bayerischen Einflüssen. Wer mag, bestellt die Samsa, eine knusprige Teigtasche mit Lammhack, die an eine herzhafte Brezel erinnert – nur mit Kreuzkümmel statt Salz. Oder den Ayran, ein Joghurtgetränk, das hier mit einem Schuss Münchner Hell gebraut wird. „Eine Hommage an die neue Heimat“, erklärt das Team, während im Hintergrund Uigur-Pop aus den Lautsprechern dröhnt.

Dass die Küche mehr kann als Döner-Klischees, beweist auch das Frühstücksangebot: Nan-Brot mit Honig und Walnüssen, dazu ein Glas Chai mit Kardamom. Wer abends kommt, sollte die Big Plate Chicken probieren – ein Eintopf mit Kartoffeln, Paprika und zartem Hühnchen, der in Xinjiang als Festtagsgericht gilt. Die Portionen sind großzügig, die Preise fair (Hauptgerichte zwischen 12 und 18 Euro), und wer fragt, bekommt eine kostenlose Tasse grünen Tee aus dem Tarim-Becken.

Einzig die Desserts wirken noch etwas schüchtern: Qurt, ein getrockneter Joghurt-Snack, polarisiert mit seiner säuerlichen Note, während die Baklava-Variante mit Pistazien und Rosenwasser selbst gestandene Naschkatzen überzeugt. Doch das, so verspricht die Küche, ist erst der Anfang – bald sollen auch Samsa mit Kürbisfüllung und ein hausgemachtes Walnuss-Eis auf die Karte kommen.

Schwabings neuer Geheimtipp: Lage, Preise und Öffnungszeiten

Wer durch Schwabings Seitenstraßen schlendert, könnte das unscheinbare Lokal mit dem goldenen Schriftzug leicht übersehen. Doch hinter der Tür der Dolan Uighur Kitchen in der Hohenzollernstraße 87 tut sich kulinarisch Großes auf. Das erste uigurische Restaurant Münchens hat hier seine Heimat gefunden – und das in einem Viertel, das sonst für seine schicken Cafés und internationalen Küchen bekannt ist. Die Lage könnte kaum besser sein: Nur fünf Gehminuten von der Münchner Freiheit entfernt, lockt das Restaurant sowohl Studierende der nahegelegenen Uni als auch Feinschmecker aus dem ganzen Stadtgebiet an.

Preislich bewegt sich die Dolan Uighur Kitchen im moderaten Mittelfeld. Ein Teller der berühmten Lagman-Nudeln mit Lamm kostet 16,90 Euro, die traditionellen Manti (gedämpfte Teigtaschen) liegen bei 12,50 Euro. Die Lammspieße, das Herzstück der Speisekarte, gibt es bereits ab 14,80 Euro – ein fairer Preis, wenn man bedenkt, dass das Fleisch nach original uigurischer Methode über Holzkohle gegrillt und mit Gewürzen aus Xinjiang mariniert wird. Laut einer aktuellen Erhebung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Bayern liegen die Preise damit etwa 15 % unter denen vergleichbarer Spezialitätenrestaurants in der Maxvorstadt.

Geöffnet hat das Restaurant dienstags bis sonntags von 12 bis 22 Uhr, freitags und samstags sogar bis 23 Uhr. Wer es ruhiger mag, sollte außerhalb der Stoßzeiten zwischen 18 und 20 Uhr kommen – dann füllt sich der schmale, aber charmant eingerichtete Gastraum schnell mit Gästen. Besonders beliebt: die kleine Terrasse mit drei Tischen, die bei gutem Wetter als Geheimtipp unter Schwabinger Stammgästen gilt.

Ein Insider-Tipp für alle, die es authentisch mögen: Die Küche bietet auf Anfrage auch Naan-Brot frisch aus dem Tandoor-Ofen an – eine Rarität in München. Wer es scharf mag, sollte nach den hausgemachten Chili-Ölen fragen, die in kleinen Schälchen serviert werden.

Mehr als ein Restaurant: Uigurische Kultur in München verankern

Das Dolan in Schwabing ist mehr als ein Ort für authentische Lammspieße – es wird zum kulturellen Ankerpunkt. Hinter der Theke hängen handgefertigte Teppiche mit uigurischen Mustern, während an den Wänden Fotos der Seidenstraße die Geschichte der Region erzählen. Jedes Detail, vom blauen Keramikgeschirr bis zu den traditionellen Dastar-Kopfbändern der Servicekräfte, wurde bewusst gewählt, um die uigurische Identität sichtbar zu machen. Laut einer Studie der Universität Göttingen von 2022 gibt es in Deutschland etwa 12.000 Uiguren, doch nur wenige Restaurants, die ihre Kultur so umfassend präsentieren.

Besonders die musikalischen Abende setzen Akzente. Jeden Freitag spielt ein lokaler Dutar-Spieler, dessen langhalsige Laute typisch für die Region Xinjiang ist, während Gäste zu Gerichten wie Laghman (handgezogene Nudeln) oder Samsa (gefüllte Teigtaschen) sitzen. Die Inhaberin, eine Münchnerin mit uigurischen Wurzeln, betont: „Kultur lebt durch Austausch.“ Deshalb finden auch Kochkurse statt, bei denen Besucher lernen, wie man Gewürze wie Kreuzkümmel und Sternanis richtig kombiniert.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Sprache. Die Speisekarte ist zweisprachig – Deutsch und Uigurisch in arabischer Schrift – und erklärt Begriffe wie Naan (Fladenbrot) oder Chai (Tee). Regelmäßig werden Lesungen mit uigurischen Dichtern veranstaltet, deren Werke ins Deutsche übersetzt werden. So entsteht ein Raum, in dem Tradition nicht nur bewahrt, sondern aktiv weitergegeben wird.

Das Konzept zieht auch Nicht-Uiguren an. Viele Stammgäste kommen mittlerweile wegen der Atmosphäre, nicht nur wegen des Essens. Ein Gast beschrieb es als „ein Stück Zentralasien mitten in München“ – und genau das ist das Ziel.

Wer in München authentische uigurische Küche probieren will, muss nicht mehr bis nach Xinjiang reisen—das Dolan in Schwabing bringt die würzigen Aromen der Seidenstraße jetzt direkt in die Stadt. Mit seinen knusprigen Lammspießen, handgezogenen Lagman-Nudeln und der unnachahmlichen Mischung aus Kreuzkümmel, Chili und frischen Kräutern setzt das Restaurant Maßstäbe für eine Küche, die in Deutschland noch immer ein Geheimtipp ist.

Ein Besuch lohnt sich besonders für Gruppen, die an den langen Holztischen Platz nehmen und sich durch die vielfältigen Vorspeisen wie Manti oder Nan-Brot arbeiten—am besten mit einem Glas des hausgemachten Ayran oder einem kräftigen Schwarztee. Wer einmal hier war, wird schnell verstehen, warum die uigurische Küche als eine der unterschätztesten Asiens gilt.

Dass München nun ein solches Restaurant hat, ist mehr als eine kulinarische Bereicherung—es ist ein Zeichen für die wachsende Vielfalt der Stadt, die längst über Brezn und Weißwurst hinausgeht.