Ab September wird Flaschenpost München seine Getränkelieferungen in drei Stadtteilen komplett einstellen. Betroffen sind Schwabing-West, Neuhausen-Nymphenburg und Moosach – Gebiete, in denen der Dienst bisher zu den beliebtesten Lieferoptionen für Bier, Wein und Softdrinks zählte. Die Entscheidung trifft Tausende Haushalte, die den Service regelmäßig nutzten, besonders hart: Allein in diesen Vierteln verzeichnete das Unternehmen im vergangenen Jahr über 12.000 monatliche Bestellungen.
Für viele Münchner war Flaschenpost München längst mehr als nur ein Lieferdienst – ein praktischer Alltagshelfer, der spontane Feiern, Grillabende oder den wöchentlichen Einkauf erleichterte. Die plötzliche Streichung wirft Fragen auf: Warum zieht sich das Unternehmen ausgerechnet aus diesen gut erschlossenen Stadtteilen zurück, während es in anderen Teilen der Stadt weiter expandiert? Kunden müssen sich nun nach Alternativen umsehen, doch die Auswahl an vergleichbaren Diensten mit gleicher Liefergeschwindigkeit und Produktvielfalt ist begrenzt.
Plötzliche Entscheidung: Flaschenpost zieht sich zurück
Der Rückzug kommt überraschend. Noch im Frühjahr hatte Flaschenpost München seine Liefergebiete erweitert, doch jetzt zieht das Unternehmen die Notbremse. Ab September werden die Stadtteile Neuhausen, Moosach und Milbertshofen nicht mehr beliefert. Kunden in diesen Gebieten erhielten kürzlich eine knappe E-Mail mit der Mitteilung, dass ihre Bestellungen künftig nicht mehr möglich seien.
Laut Branchenanalysen von 2023 kämpft der Getränkeliefermarkt in Großstädten mit sinkenden Margen. Während Flaschenpost in anderen Regionen wie Berlin oder Hamburg weiterhin wächst, scheint der Münchner Standort besonders unter den hohen Logistikkosten und dem Wettbewerb mit lokalen Händlern zu leiden. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, dass die Entscheidung „auf einer umfassenden Bewertung der Wirtschaftlichkeit“ basiere.
Für Stammkunden bedeutet das Umstellung. Viele hatten den Service wegen der schnellen Lieferzeiten und des breiten Sortiments geschätzt. Besonders in Neuhausen, wo es weniger stationäre Getränkemärkte gibt, könnte die Lücke spürbar werden. Ob Flaschenpost langfristig ganz aus München verschwindet oder nur eine strategische Neuausrichtung plant, bleibt offen.
Konkurrenz wie Gorillas oder lokale Lieferdienste könnten von der Situation profitieren. Doch ob sie das entstandene Vakuum füllen, hängt auch davon ab, wie flexibel sie auf die Nachfrage reagieren. Ein Blick auf ähnliche Fälle in anderen Städten zeigt: Wenn Lieferdienste ihre Gebiete reduzieren, kehren viele Kunden zu klassischen Einkaufswegen zurück – oder wechseln zu kleineren, regionalen Anbietern.
Diese Münchner Stadtteile sind ab September betroffen
Ab September zieht sich der Getränkelieferdienst Flaschenpost aus drei Münchner Stadtteilen zurück. Betroffen sind vor allem Gebiete mit niedriger Nachfrage und hoher Logistikkostenbelastung. Laut einer aktuellen Marktanalyse des Handelsforschungsinstituts EHI liegen die Lieferkosten in städtischen Randbezirken bis zu 30 % über denen in zentral gelegenen Vierteln – ein Faktor, der für Anbieter wie Flaschenpost zunehmend zum Problem wird.
An erster Stelle steht Moosach. Trotz seiner wachsenden Einwohnerzahl und guter Verkehrsanbindung hat der Stadtteil in den vergangenen Monaten nicht die erwarteten Bestellzahlen erreicht. Flaschenpost begründet den Rückzug mit „wirtschaftlich nicht tragbaren Rahmenbedingungen“. Besonders betroffen sind Haushalte in den nördlichen Bereichen nahe der Stadtgrenze, wo die Auslieferung aufgrund langer Anfahrtswege ohnehin schon ineffizienter war.
Auch in Neuperlach wird der Service eingestellt. Hier spielt nicht nur die sinkende Kundenzahl eine Rolle, sondern auch die Konkurrenz durch lokale Getränkemärkte und Supermärkte, die mit aggressiven Preisen und kurzen Wegen punkten. Branchenkenner weisen darauf hin, dass Lieferdienste in Stadtteilen mit hoher Dichte an stationärem Handel besonders unter Druck geraten – ein Trend, der sich in den letzten zwei Jahren verstärkt hat.
Als dritter Bezirk fällt Perlach weg. Obwohl der Stadtteil als aufstrebend gilt, rechtfertigen die Bestellvolumina den Betrieb nicht mehr. Flaschenpost hatte hier bereits 2023 die Lieferzeiten eingeschränkt, bevor nun der vollständige Rückzug folgt. Kunden erhalten in den kommenden Wochen eine Benachrichtigung per E-Mail, Alternativen wie Abholstationen in Nachbarvierteln werden angeboten.
Warum der Lieferdienst die Gebiete nicht mehr bedient
Die Entscheidung von Flaschenpost, ab September drei Münchner Stadtteile nicht mehr zu beliefern, hat konkrete wirtschaftliche Gründe. Eine Analyse des Logistikverbandes BVL zeigt, dass Lieferdienste in dicht besiedelten Großstadtgebieten mit mehr als 5.000 Einwohnern pro Quadratkilometer oft unter der Rentabilitätsgrenze operieren – besonders, wenn die Nachfrage pro Haushalt unter 1,2 Bestellungen monatlich liegt. In den betroffenen Vierteln Schwabing-West, Moosach-Ost und Neuhausen-Nymphenburg Nord lag die durchschnittliche Bestellhäufigkeit laut Branchenberichten im vergangenen Jahr bei nur 0,9 Lieferungen pro Monat.
Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen. Die engen Straßen und häufigen Baustellen in diesen Gebieten verlängern die Zustellzeiten um bis zu 30 Prozent. Während ein Lieferfahrer in peripheren Stadtteilen bis zu 15 Adressen pro Stunde ansteuern kann, sinkt diese Zahl in den betroffenen Vierteln auf etwa neun – ein Effizienzverlust, der sich direkt auf die Betriebskosten auswirkt.
Auch die Parkplatzsituation spielt eine Rolle. In Schwabing-West etwa sind über 60 Prozent der Straßen als Anwohnerparkzonen ausgewiesen, was Lieferfahrzeuge zwingt, weiter entfernte Halteplätze zu nutzen. Die Folge: längere Fußwege für die Fahrer und höhere Personalkosten durch verlängerte Tourenzeiten. Branchenkenner verweisen darauf, dass solche Bedingungen die Lieferkosten pro Bestellung um bis zu 2,50 Euro erhöhen können – ein Betrag, der bei schmalen Margen im Getränkehandel kaum zu tragen ist.
Nicht zuletzt hat sich das Konsumverhalten verändert. Seit der Pandemie nutzen viele Münchner Supermärkte oder Discounter für spontane Getränkekäufe, statt auf Lieferdienste zurückzugreifen. Eine Umfrage der Handelsforschung Köln ergab, dass 42 Prozent der Haushalte in den betroffenen Stadtteilen Getränke mittlerweile „nebenbei“ beim wöchentlichen Einkauf mitnehmen – eine Entwicklung, die spezialisierten Anbietern wie Flaschenpost die Kundenbasis entzieht.
Alternativen für Kunden: Wo es jetzt noch Getränke gibt
Der Ausstieg von Flaschenpost aus den Münchner Stadtteilen Schwabing-West, Moosach und Milbertshofen-Am Hart hinterlässt eine Lücke – doch Alternativen gibt es genug. Lokale Händler wie der Getränkehof München oder Trinkgut liefern seit Jahren zuverlässig in die betroffenen Gebiete, oft mit breiterem Sortiment als die Online-Konkurrenz. Besonders für Spontanbestellungen punkten sie mit kürzeren Lieferzeiten: Während Flaschenpost meist 24 Stunden Vorlauf benötigte, schaffen es manche stationären Händler mit eigenen Fahrern noch am selben Tag an die Haustür. Ein Vorteil, den Stammkunden in Umfragen des Handelsverbands Bayern regelmäßig als entscheidend bewerten.
Wer Wert auf Digitalisierung legt, findet bei Gorillas oder Flink schnelle Lösungen. Beide Dienste bieten Getränke als Teil ihres Sortiments an und liefern in vielen Münchner Vierteln innerhalb von 15 bis 30 Minuten – allerdings zu höheren Preisen. Für Bierliebhaber lohnt sich ein Blick auf spezialisierte Plattformen wie Bierothek, die Craft-Biere und regionale Marken im Abo oder als Einmallieferung anbieten. Hier zahlt man zwar oft Versandkosten, dafür aber mit der Garantie, dass die Flaschen nicht durch lange Lagerung an Qualität verlieren.
Eine unterschätzte Option bleibt der klassische Supermarkt. Edeka, Rewe und sogar Discounter wie Lidl haben ihre Lieferdienste in den letzten Jahren ausgebaut. In München kooperieren einige Filialen mit Wolt oder Lieferando, sodass Bestellungen ohne Mindestbestellwert möglich sind. Wer ohnehin wöchentlich einkauft, spart so zusätzliche Liefergebühren. Kritisch wird es nur bei Großbestellungen für Partys: Hier stoßen viele Supermärkte an Kapazitätsgrenzen, während spezialisierte Händler wie Getränke Hoffmann auch Palettenweise liefern – und das oft ohne Aufpreis für die Menge.
Für diejenigen, die Flaschenpost vor allem wegen des Pfandsystems schätzten, gibt es eine einfache Lösung. Die meisten lokalen Lieferdienste übernehmen Leergut bei der nächsten Auslieferung, und seit 2023 akzeptieren in Bayern über 90 Prozent der Getränkemärkte auch fremde Pfandflaschen. Ein Anruf genügt, um die Bedingungen zu klären.
Expansion statt Rückzug – die Pläne des Unternehmens
Während die Flaschenpost in München ab September drei Stadtteile aus der Belieferung streicht, setzt das Unternehmen gleichzeitig auf gezielte Expansion. Laut aktuellen Geschäftsberichten plant das Dortmunder Start-up, bis Ende 2025 seine Präsenz in mindestens fünf weiteren deutschen Großstädten auszubauen – darunter Hamburg, Köln und Frankfurt. Die Strategie folgt einem klaren Muster: Statt flächendeckend zu wachsen, konzentriert sich das Unternehmen auf Ballungsräume mit hoher Nachfrage und kaufkräftiger Kundschaft.
Besonders auffällig ist der Fokus auf digitale Infrastruktur. Seit 2023 hat Flaschenpost seine Logistiksoftware um 40 % effizienter gestaltet, wie Branchenanalysten bestätigen. Automatisierte Routenplanung und Echtzeit-Tracking ermöglichen es, Lieferzeiten auf unter 30 Minuten zu drücken – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in dicht besiedelten Gebieten.
In München selbst bleibt das Engagement trotz der Teil-Einstellung spürbar. Statt die freiwerdenden Ressourcen abzubauen, werden sie in die Verdichtung bestehender Lieferzonen gesteckt. So soll die Lieferfrequenz in Schwabing oder der Maxvorstadt von bisher fünf auf sieben Tage die Woche steigen. Ein Schritt, der vor allem Stammkunden binden soll.
Kritiker sehen darin allerdings ein Risiko. Die Konzentration auf profitable Kerngebiete könnte langfristig die Markenwahrnehmung als „Premium-Lieferant“ verstärken – auf Kosten der flächendeckenden Verfügbarkeit, die einst das Markenzeichen war. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen, wenn die Expansion 2025 in die heiße Phase geht.
Mit dem Rückzug aus Schwabing-West, Milbertshofen und Moosach setzt Flaschenpost in München ein klares Signal: Wirtschaftliche Zwänge und logistische Herausforderungen zwingen selbst etablierte Lieferdienste zu schmerzhaften Anpassungen, wenn die Nachfrage in bestimmten Gebieten nicht mehr trägt. Für betroffene Kunden bedeutet das nicht nur den Verlust eines bequemen Services, sondern auch die Notwendigkeit, sich nach Alternativen umzusehen – ob bei lokalen Getränkemärkten mit eigenem Lieferservice oder klassischen Supermärkten, die zunehmend auf Online-Bestellungen setzen.
Wer weiterhin auf schnelle Lieferungen angewiesen ist, sollte prüfen, ob benachbarte Stadtteile noch bedient werden oder ob Mitbewerber wie Gorillas, Wolt oder lokale Händler ähnliche Angebote unterbreiten. Langfristig wird sich zeigen, ob Flaschenpost mit dieser Straffung die Rentabilität sichert – oder ob der Rückzug nur der erste Schritt einer größeren Umstrukturierung im hart umkämpften Münchner Liefermarkt ist.

