Am 31. Dezember 2024 fällt der Vorhang für eine Münchner Institution: Nach drei Jahrzehnten schließt der größte Baumarkt der Stadt seine Pforten. Auf über 12.000 Quadratmetern bot das Fachmarkt-Riesenrad am Stadtrand alles von Schrauben bis zu Komplettküchen – ein Umsatzmagnet, der jährlich Zehntausende Handwerker, Heimwerker und Gartenliebhaber anzog. Die Schließung markiert nicht nur das Ende einer Ära, sondern wirft Fragen nach der Zukunft der Baumarkt-Landschaft in der bayerischen Metropole auf.

Für viele Münchner war der Baumarkt mehr als ein Einkaufsort – er stand für sonntägliche Planungsrunden, spontane Renovierungsprojekte und den typischen Geruch nach Holz, Farbe und frischer Erde. Während andere Baumärkte in der Stadt bereits mit schrumpfenden Flächen oder veränderten Konzepten kämpfen, kommt die Nachricht besonders überraschend. Doch die Branche steht unter Druck: Onlinehandel, steigende Mieten und verändertes Konsumverhalten zwingen selbst etablierte Standorte wie den Münchner Baumarkt zum Umdenken – oder zum Aufgeben.

Ein Münchner Institution sagt ade

Der Abschied fällt schwer: Seit drei Jahrzehnten prägt der riesige Baumarkt an der Landsberger Straße das Bild des Münchner Westens. Mit seinen markanten blauen Fassaden und dem unübersehbaren Logo wurde er für Generationen von Heimwerkern, Gartenliebhabern und Handwerkern zur ersten Anlaufstelle. Über 1,2 Millionen Kunden durchschritten jährlich die Türen des 15.000 Quadratmeter großen Marktes – eine Zahl, die ihn zum umsatzstärksten seiner Kette in ganz Bayern machte.

Besonders die langjährigen Mitarbeiter erinnern sich an die Anfänge, als der Markt 1994 mit nur der Hälfte der heutigen Fläche eröffnete. Damals noch ein Novum in der Stadt, entwickelte er sich schnell zum Geheimtipp für Profis und Hobbyhandwerker gleichermaßen. Die charakteristische Mischung aus riesigem Sortiment und persönlicher Beratung – etwa in der legendären „Holzabteilung“, wo sich Stammkunden oft stundenlang austauschten – machte ihn zu mehr als nur einem Einkaufsort.

Laut Branchenanalysen des Handelsforschungsinstituts Köln verloren klassische Baumärkte in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 12 % ihrer Kunden an Onlinehändler. Doch dieser Rückgang erklärt nur teilweise das Aus für den Münchner Standort. Entscheidender war die strategische Neuausrichtung der Kettenleitung, die sich zunehmend auf kleinere, innerstädtische Filialen konzentriert. Für viele Münchner bleibt der Dezember 2024 dennoch ein trauriges Datum.

Schon jetzt bilden sich in sozialen Medien Gruppen, die nach Alternativen suchen – vergeblich, denn kein anderer Baumarkt in der Stadt bietet vergleichbare Kapazitäten für Großprojekte. Die Lücke, die der Schließung hinterlässt, wird besonders Handwerksbetriebe spüren, die hier seit Jahren ihre Materialien in großen Mengen bezogen. Selbst Konkurrenten räumen ein, dass ein Standort dieser Größe in München so schnell nicht ersetzt werden kann.

30 Jahre Geschichte zwischen Sägen und Schrauben

Drei Jahrzehnte lang prägte der riesige Baumarkt an der Landsberger Straße das Bild des Münchner Westens. 1994 eröffnet, war er mit über 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und mehr als 50.000 Artikeln nicht nur der größte seiner Art in der Stadt, sondern auch ein Symbol für den Wandel des Einzelhandels. Damals strömten Handwerker und Heimwerker gleichermaßen in die Hallen, wo der Geruch von frischem Holz und Metall die Luft erfüllte – eine Ära, in der Fachberatung noch vor Ort stattfand und Kundschaft stundenlang zwischen Regalreihen verschwand.

Die Zahlen sprechen für sich: Allein in den ersten zehn Jahren verzeichnete der Markt über fünf Millionen Besucher. Branchenkenner führen diesen Erfolg auf die Kombination aus Großstadtlage und ländlichem Flair zurück – ein Konzept, das in den 90ern noch selten war. Während andere Baumärkte auf sterile Selbstbedienung setzten, blieb dieser Standort ein Ort der Begegnung, wo sich Generationen von Münchnern über Projekte austauschten.

Doch die Zeit ließ auch hier ihre Spuren. Die Regale füllten sich mit immer mehr Plastikverpackungen, die einst dominierenden Holzbearbeitungsmaschinen wichen kompakten Elektrowerkzeugen. Selbst die legendäre Sägeabteilung, einst Herzstück des Marktes, schrumpfte zugunsten von Fertigbausätzen. Was blieb, war der charakteristische Klang der Rolltore, der morgens um sieben die Nachbarschaft weckte – ein Sound, der bald für immer verstummen wird.

Für viele Stammkunden war der Baumarkt mehr als ein Einkaufsort. Er wurde zum Ort der Inspiration, wo aus skizzierten Ideen reale Projekte entstanden. Ob der Tischler, der hier seit 25 Jahren sein Material bezog, oder die Studentin, die 2018 mit drei Paletten Euroholz ihr erstes Hochbeet baute – die Geschichten sind so vielfältig wie die Ware, die hier über die Jahre ihren Besitzer wechselte.

Was Kunden vor dem finalen Hammerschlag wissen müssen

Der endgültige Schlusspunkt unter 30 Jahre Baumarktgeschichte in München-Perlach wirft Fragen auf – besonders für Stammkunden, die jetzt nach Alternativen suchen. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts Köln aus 2023 nutzen 68 Prozent der Baumarkt-Kunden in Großstädten regelmäßig drei oder mehr Filialen verschiedener Ketten. Wer bisher auf die große Auswahl und die zentralen Lagerbestände des Standortes an der Hanns-Seidel-Platz setzte, muss sich nun umorientieren. Die nächsten vergleichbaren Märkte liegen in Neuperlach Süd oder am Ostbahnhof, doch beide bieten weder die gleiche Fläche noch das identische Sortiment.

Besonders für Handwerker und Gewerbekunden wird der Wegfall des Standortes spürbar. Die Filiale war bekannt für ihr umfangreiches Profi-Sortiment an Baustoffen, Werkzeugen und Elektromaterial – oft in Mengen, die andere Märkte nicht vorrätig halten. Wer jetzt größere Projekte plant, sollte vorab prüfen, ob die benötigten Materialien in anderen Märkten überhaupt verfügbar sind oder ob längere Lieferzeiten einkalkuliert werden müssen.

Ein oft übersehener Punkt: die Rückgaberegelungen. Viele Kunden nutzen Baumärkte als temporäre Lager für überschüssiges Material, das sie bei Bedarf zurückgeben. Doch nicht alle Filialen übernehmen Rücknahmen von Artikeln, die in anderen Märkten der Kette gekauft wurden. Hier lohnt ein Blick in die AGB der alternativen Standorte – sonst drohen böse Überraschungen, wenn Paletten mit Fliesen oder Dachziegeln plötzlich nicht mehr angenommen werden.

Auch die Preispolitik könnte sich ändern. Großflächige Märkte wie der schließende Standort verhandeln oft bessere Konditionen mit Herstellern und können Sonderangebote in größerem Stil anbieten. Kleinere Filialen haben hier weniger Spielraum. Wer bisher von günstigen Großpackungen oder Aktionsware profitierte, wird künftig möglicherweise tiefer in die Tasche greifen müssen – oder muss weiter fahren, um ähnliche Deals zu finden.

Für die letzten Wochen vor der Schließung im Dezember 2024 ist mit einem Ansturm auf reduzierte Ware zu rechnen. Erfahrungsgemäß werden in solchen Fällen Restposten wie Farbreste, Sonderanfertigungen oder saisonale Artikel stark heruntergesetzt. Wer flexibel ist, kann hier noch einmal sparen – doch die Auswahl wird mit jedem Tag kleiner.

Alternativen für Heimwerker: Wo geht’s jetzt hin?

Der Aus für den OBI-Markt an der Landsberger Straße hinterlässt eine Lücke – nicht nur für Profis, sondern für die vielen Münchner, die hier seit Jahrzehnten ihre Wochenendprojekte planten. Rund 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche fallen weg, eine Fläche, die etwa 21 Fußballfeldern entspricht. Besonders betroffen sind Heimwerker aus den Stadtteilen Laim, Neuhausen und Moosach, für die der Markt oft die erste Anlaufstelle war. Studien des Handelsforschungsinstituts Köln zeigen, dass Großbaumärkte wie dieser bis zu 30 Prozent der lokalen Nachfrage nach Baumaterialien decken – eine Kapazität, die sich nicht einfach ersetzen lässt.

Die nächstgelegenen Alternativen liegen verstreut: Der Hagebaumarkt in Pasing bietet mit seiner 10.000-Quadratmeter-Fläche zwar ein breites Sortiment, doch die Parkplatzsituation ist seit Jahren ein bekanntes Ärgernis. Wer Wert auf Bio-Baumaterialien legt, findet im Naturbaumarkt an der Nymphenburger Straße eine kleinere, aber fein kuratierte Auswahl – allerdings zu deutlich höheren Preisen. Für spontane Einkäufe bleibt oft nur der Weg zu den kleineren Märkten wie Toom in der Agnes-Bernauer-Straße, wo das Angebot jedoch auf Basics beschränkt ist.

Online-Händler wie Amazon oder spezialisierte Shops wie Hornbach.at gewinnen an Bedeutung, doch hier fehlt vielen Kund:innen die Möglichkeit, Materialien vor Ort zu prüfen. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus 2023 bestellen zwar 68 Prozent der Deutschen Baumaterialien gelegentlich online, doch bei größeren Projekten bevorzugen 89 Prozent den stationären Handel – vor allem wegen der Beratung und der sofortigen Verfügbarkeit.

Langfristig könnte der Wegfall des OBI-Standorts sogar die Nachbarschaft verändern. Immobilienexperten rechnen damit, dass die frei werdende Fläche für Wohnungsbau oder Gewerbe genutzt wird – was die Versorgungslage für Heimwerker weiter verschärfen würde. Bis dahin bleibt vielen nur der Umweg in die äußeren Bezirke, etwa zum OBI in Unterschleißheim oder zum Bauhaus in Perlach.

Neubauprojekt oder Leerstand? Die Pläne für die Fläche

Die 12.000 Quadratmeter große Fläche an der Landsberger Straße 567 wird seit der Schließungsankündigung des Baumarkts zum Zankapfel. Stadtplaner und Investoren diskutieren bereits hinter verschlossenen Türen über die Zukunft des Grundstücks – doch konkrete Pläne gibt es noch nicht. Laut einer aktuellen Marktanalyse der BulwienGesa AG steigt die Nachfrage nach Gewerbeflächen in diesem Teil Münchens um jährlich 3,2 Prozent, was die Attraktivität des Standorts unterstreicht. Ob hier jedoch ein neues Einkaufszentrum, Wohnraum oder eine Mischnutzung entsteht, bleibt vorerst Spekulation.

Erste Gerüchte deuten auf ein Neubauprojekt mit Fokus auf nachhaltige Stadtentwicklung hin. Die Nähe zur S-Bahn-Haltestelle München-Laim und die gute Anbindung an die A8 machen das Areal besonders für Logistikunternehmen oder moderne Bürokomplexe interessant. Kritiker warnen jedoch vor einer weiteren Verdichtung des Viertels, das bereits unter Verkehr und Lärm leidet.

Eine Alternative wäre der vorübergehende Leerstand – doch das scheint unwahrscheinlich. Die Stadt München hat in der Vergangenheit mehrmals betont, Brachflächen möglichst schnell zu reaktivieren, um Leerstand zu vermeiden. Ob hier ein Interimsprojekt wie ein Pop-up-Park oder ein soziales Zentrum entsteht, hängt nun von den Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer ab.

Einig sind sich alle Beteiligten darin, dass die Entscheidung über die Nachnutzung nicht nur wirtschaftliche, sondern auch städtebauliche Weichen stellt. Die Landsberger Straße gilt als wichtige Entwicklungsachse – doch ob hier künftig Wohnungen, Büros oder ein neues Einzelhandelskonzept entstehen, wird sich frühestens 2025 zeigen.

Mit dem Schließen des Hornbach-Baumarkts in München-Neuaubing endet im Dezember 2024 eine 30-jährige Ära – ein deutliches Zeichen dafür, wie sich der Einzelhandel und die Kundenbedürfnisse in der Stadt gewandelt haben. Wo einst Familien ihre Wochenendprojekte planten und Handwerker Material in Großmengen besorgten, entsteht nun Platz für neues städtisches Leben, das den Wandel des Viertels widerspiegelt.

Für Stammkunden und Hobbyhandwerker lohnt sich ein Blick auf die verbliebenen Alternativen wie die OBI-Filiale in Laim oder den Toom Markt in Moosach, die mit ähnlichem Sortiment und teilweise erweiterten Services wie Online-Bestellung und Lieferoptionen punkten. Wer die besondere Atmosphäre des alten Standorts schätzte, wird sich wohl an die neuen Konzepte gewöhnen müssen – denn München bleibt eine Stadt im Umbruch, in der Tradition und Fortschritt selten lange nebeneinander bestehen.