Seit Januar 2024 hat München sein Angebot an anonymen Sexualgesundheitschecks massiv ausgebaut: 15 Standorte bieten nun kostenlose Tests auf HIV und Syphilis an – eine Verdopplung innerhalb von zwei Jahren. Die Initiative reagiert auf steigende Infektionszahlen, besonders bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren. Laut dem Münchner Gesundheitsreferat wurden 2023 über 120 neue HIV-Diagnosen gestellt, ein Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Syphilis-Fälle kletterten sogar um 25 Prozent, was die Stadt zum Handeln zwang.
Der sogenannte Hurentest München – ein veralteter, aber noch geläufiger Begriff für anonymisierte Screenings – richtet sich an alle, unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Die Tests sind nicht nur diskret, sondern auch ohne Termin buchbar, mit Ergebnissen oft schon innerhalb von 20 Minuten. Besonders im Szeneviertel Glockenbach und rund um den Hauptbahnhof sind die neuen Teststellen strategisch platziert. Wer den Hurentest München nutzt, profitiert zudem von kostenloser Beratung – ein Service, den bisher nur wenige Städte in diesem Umfang anbieten.
Warum München die Tests jetzt ausweitet
Die Ausweitung der kostenlosen Testangebote in München kommt nicht von ungefähr. Seit 2022 verzeichnen Gesundheitsämter bundesweit einen Anstieg der Syphilis-Fälle um 13 Prozent – mit München als einem der Brennpunkte. Besonders betroffen sind Männer, die Sex mit Männern haben, aber auch heterosexuelle Kontakte in der Sexarbeit zeigen erhöhte Infektionsraten. Die Stadt reagiert damit auf konkrete Daten des Robert Koch-Instituts, die eine Lücke in der Präventionsarbeit aufzeigen: Viele Betroffene meiden aus Angst vor Stigmatisierung oder Kosten reguläre Arztpraxen.
Mit den 15 neuen Standorten, darunter spezielle Beratungsstellen in Schwabing und der Innenstadt, setzt München auf Niedrigschwelligkeit. Die Tests laufen anonym, ohne Voranmeldung und mit sofortiger Ergebnisauswertung für HIV – ein entscheidender Faktor, wie Erfahrungen aus ähnlichen Projekten in Berlin zeigen. Dort führte die Kombination aus Diskretion und Schnelligkeit zu einer Verdopplung der Testbereitschaft innerhalb von zwölf Monaten.
Hinzu kommt ein praktischer Aspekt: Die Standorte sind gezielt in der Nähe von bekannten Treffpunkten der Sexarbeit angesiedelt. So liegt einer der neuen Testorte nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhofs entfernt, ein weiterer in der Nähe des Olympiaparks – Regionen mit hoher Frequenz an kurzfristigen sexuellen Kontakten. Gesundheitsreferent Stefan Jagdhuber betont, dass es darum gehe, „Hemmnisse abzubauen, bevor sie entstehen“.
Die Finanzierung übernimmt zunächst die Landeshauptstadt, langfristig sollen jedoch Bund und Krankenkassen einbezogen werden. Kritiker monieren zwar die hohen Anfangskosten von rund 500.000 Euro pro Jahr, doch die Rechnung ist einfach: Jede früh erkanne Infektion spart Folgekosten in fünfstelliger Höhe – ganz zu schweigen vom menschlichen Leid.
Diese 15 Standorte machen mit – und warum
Fünfzehn Münchner Standorte beteiligen sich an der neuen Initiative für kostenlose HIV- und Syphilis-Tests – von etablierten Gesundheitszentren bis zu spezialisierten Beratungsstellen. Dazu gehören das Münchner Aidshilfe e.V. in der Lindwurmstraße, das seit Jahrzehnten als Anlaufstelle für sexuelle Gesundheit gilt, sowie das Gesundheitsamt München, das die Tests in seine regulären Sprechstunden integriert. Auch das Checkpoint München im Glockenbachviertel, bekannt für seine niedrigschwelligen Angebote, macht mit. Die Auswahl der Standorte folgt einem klaren Prinzip: Barrierefreiheit. Ob in Schwabing, Neuhausen oder der Innenstadt – die Testmöglichkeiten sind bewusst über das Stadtgebiet verteilt, um möglichst viele Zielgruppen zu erreichen.
Besonders auffällig ist die Einbindung von Standorten mit Fokus auf spezifische Communities. So bietet das TransInterQueer e.V. Tests an, die explizit an trans* und nicht-binäre Personen gerichtet sind, während das Sub – Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin gezielt Männer, die Sex mit Männern haben, anspricht. Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, dass diese Gruppen ein erhöhtes Risiko für späte HIV-Diagnosen tragen – oft aus Angst vor Stigmatisierung. Die neuen Testangebote setzen genau hier an: mit anonymen Beratungen und Ergebnissen, die innerhalb von 30 Minuten vorliegen.
Auch ungewöhnlichere Kooperationen sind dabei. Die Caritas-Suchtberatung in Haidhausen etwa kombiniert die Tests mit Angeboten zur sexuellen Gesundheit für Menschen in prekären Lebenssituationen. Und im Klinikum rechts der Isar können sich Patient:innen der Dermatologie direkt vor oder nach ihrem Termin testen lassen. Die Idee dahinter: HIV- und Syphilis-Diagnostik soll so selbstverständlich werden wie ein Blutdruckcheck.
Ein weiterer Vorteil der dezentralen Standorte: Flexible Öffnungszeiten. Während das Gesundheitsamt Tests vor allem unter der Woche anbietet, hat das Checkpoint München auch abends und samstags geöffnet. Wer unter der Woche keine Zeit findet, kann sich im Medizinischen Versorgungszentrum am Hauptbahnhof sogar ohne Termin testen lassen – ein Service, der besonders auf Berufstätige und Pendler:innen zugeschnitten ist.
So läuft der anonyme Check in 15 Minuten ab
Der Weg zum anonymen Test ist schneller erledigt als ein Mittagessen in der Isarvorstadt. Wer eines der 15 Münchner Testzentren betritt, wird ohne Voranmeldung oder persönliche Angaben direkt in einen separaten Raum geführt. Dort übergibt eine Fachkraft einen sterilen Blutabnahme-Set – die Entnahme erfolgt selbstständig durch einen kleinen Pieks in die Fingerkuppe. Drei Tropfen reichen für die Laboranalyse auf HIV und Syphilis.
Während andere Städte noch über niedrigschwellige Angebote diskutieren, setzt München auf Effizienz: Die Auswertung der Schnelltests dauert nur 15 Minuten. In dieser Zeit können Getestete im Wartebereich Informationsmaterial zu Safer Sex einsehen oder sich über weitere Beratungsstellen informieren. Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, dass über 60% der Nutzer solcher anonymen Angebote sonst auf einen Test verzichten würden – aus Angst vor Stigmatisierung oder bürokratischen Hürden.
Das Testergebnis wird persönlich und unter vier Augen übermittelt. Bei einem reaktiven Befund leitet das Team sofort die nächsten Schritte ein: eine Bestätigungsdiagnostik im Labor und die Vermittlung an spezialisierte Ärzte oder Sozialdienste. Negativ getestete erhalten neben dem Ergebnis auch Präventionstipps, etwa zu regelmäßigen Kontrollen oder Impfungen gegen Hepatitis B.
Am Ende verlässt man das Zentrum ohne Spuren – weder im System noch auf dem Kassenbon. Die gesamte Prozedur ist kostenlos, dank der Förderung durch das Münchner Referat für Gesundheit und Umwelt.
Wer profitiert, wer sollte besonders hingehen?
Die neuen Hurentests in München richten sich vor allem an Menschen mit wechselnden Sexualpartner:innen – doch das Angebot lohnt sich für eine weit größere Gruppe. Besonders profitieren Sexarbeiter:innen, die in der Stadt tätig sind oder regelmäßig Kundenkontakte haben. Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, dass diese Gruppe ein bis zu fünfmal höheres Risiko für sexuell übertragbare Infektionen trägt als der Bevölkerungsdurchschnitt. Die anonymen, kostenlosen Tests an 15 Standorten senken hier nicht nur individuelle Gesundheitsrisiken, sondern entlasten auch das öffentliche Gesundheitssystem durch frühzeitige Erkennung.
Doch nicht nur Berufstätige im Sexgewerbe sollten das Angebot nutzen. Auch Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), gehören zur Kernzielgruppe. München verzeichnet seit Jahren eine stabile Nachfrage nach entsprechenden Testangeboten – besonders in Schwulenbars, Saunen und Community-Zentren. Die neuen Standorte ergänzen bestehende Strukturen und bieten zusätzliche Kapazitäten ohne Wartezeiten.
Ein weiterer Kreis, der von den Tests profitiert: Menschen ohne Krankenversicherung oder mit prekärem Aufenthaltsstatus. Für sie entfällt mit den Hurentests die Hürde der Kostenübernahme. Gleiches gilt für Tourist:innen, die während ihres München-Aufenthalts unsicheren Sex hatten. Die Tests sind bewusst niedrigschwellig konzipiert – ohne Anmeldung, ohne Fragen zur Person.
Jüngere Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren zählen ebenfalls zur Risikogruppe. Laut Robert Koch-Institut stecken sich in dieser Altersgruppe besonders viele mit Syphilis oder Chlamydien an, oft aus Unwissenheit oder falscher Scham. Die Münchner Kampagne setzt hier auf Aufklärung vor Ort: An allen Teststellen liegen mehrsprachige Infomaterialien aus, und geschultes Personal beantwortet Fragen diskret.
Wer regelmäßig ungeschützten Sex hat, mehrere Partner:innen gleichzeitig oder Symptome wie ungewöhnlichen Ausfluss bemerkt, sollte die Tests wahrnehmen. Die Standorte decken das gesamte Stadtgebiet ab – von der Innenstadt bis zu den Außenbezirken. Einzige Voraussetzung: die Bereitschaft, 20 Minuten Zeit zu investieren.
Langfristiges Ziel: Syphilis-Ausbrüche in Bayern stoppen
Bayern will die Syphilis-Ausbrüche bis 2030 deutlich eindämmen – ein ehrgeiziges Ziel, das nur mit flächendeckenden Testangeboten und gezielter Aufklärung gelingen kann. Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen: Seit 2010 hat sich die Zahl der gemeldeten Syphilis-Fälle in Deutschland fast verdoppelt, mit besonders hohen Infektionsraten in Großstädten wie München. Hier setzen die neuen Hurentests an, die nicht nur HIV, sondern auch Syphilis frühzeitig erkennen sollen.
Dass Prävention wirkt, belegen internationale Beispiele. In Städten wie Amsterdam oder San Francisco sanken die Syphilis-Raten nach Einführung niedrigschwelliger Testangebote um bis zu 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren. München übernimmt dieses Modell – mit dem Unterschied, dass die Tests hier anonym, kostenlos und ohne Wartezeiten an 15 Standorten verfügbar sind.
Langfristig geht es darum, Infektionsketten zu unterbrechen. Syphilis verbreitet sich oft unbemerkt, da erste Symptome wie Hautausschläge oder Fieber leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Durch regelmäßige Tests, besonders in Risikogruppen, lassen sich unbehandelte Fälle schneller identifizieren. Die Stadt setzt dabei auf Kooperationen mit Ärzten, Aidshilfen und Community-Projekten, um auch schwer erreichbare Gruppen zu informieren.
Entscheidend ist die Kombination aus Testangeboten und Therapiezugang. Werden Syphilis-Infektionen früh erkannt, ist die Behandlung mit Antibiotika einfach und erfolgreich. Doch ohne flächendeckende Tests bleibt die Dunkelziffer hoch – und damit das Risiko neuer Ausbrüche.
Münchens Ausweitung der kostenlosen Hurentests auf 15 Standorte setzt ein klares Zeichen für präventive Gesundheitsvorsorge—ohne Hürden, ohne Stigmatisierung. Wer sexuell aktiv ist, kann sich nun unkompliziert auf HIV und Syphilis testen lassen, was nicht nur individuelle Sicherheit erhöht, sondern auch die Ausbreitung von Infektionen eindämmt.
Wer das Angebot nutzen möchte, sollte einfach einen der teilnehmenden Standorte aufsuchen; Termine sind oft kurzfristig verfügbar, und die Tests dauern meist nur wenige Minuten. Anonymität und professionelle Beratung sind dabei selbstverständlich.
Mit diesem Schritt positioniert sich München als Vorreiter in der sexuellen Gesundheitsfürsorge—ein Modell, das Schule machen könnte, wenn andere Städte ähnliche niedrigschwellige Konzepte übernehmen.

