Mit über 120 historischen Fahrzeugen auf 5.000 Quadratmetern Fläche setzt das Auto Museum München neue Maßstäbe für Automobilkultur in Bayern. Die Sammlung reicht vom ersten dampfbetriebenen Bayerischen Motorwagen aus dem Jahr 1899 bis zu den ikonischen BMW M-Modellen der 1980er – alles unter einem Dach vereint. Seltene Prototypen, Rennlegenden wie der 1939er Auto Union Typ D und sogar ein originalgetreuer Nachbau des ersten elektrischen Flitzebogens von 1909 machen die Ausstellung zu einem Muss für Technikbegeisterte.

Das Auto Museum München füllt damit eine Lücke in der deutschen Museumslandschaft: Bisher gab es keine vergleichbare Schau, die ausschließlich die bayerische Automobilgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart abbildet. Für Besucher wird die Entwicklung vom Handwerk zur Hightech-Industrie greifbar – mit interaktiven Stationen, die zeigen, wie Münchner Ingenieure seit jeher globale Standards setzten. Ob Oldtimer-Fan, Familienausflug oder Schulklasse: Die Mischung aus Nostalgie und Innovation spricht alle an.

Von der Kutsche zum Elektroflitzer: Bayerns Pioniergeist

Bayerns Automobilgeschichte liest sich wie ein Roman voller Pioniergeist und technischer Waghalsigkeit. Während andere noch über Pferdestärken im wörtlichen Sinne diskutierten, tüftelten Münchner Erfinder bereits an dampfbetriebenen Karossen. 1898 rollte mit dem „Münchner Motorwagen“ von Carl Slevogt das erste bayerische Auto durch die Straßen – ein Gefährt, das mit stolzen 3 PS gerade mal 30 km/h erreichte, aber den Grundstein für eine Branche legte, die heute über 150.000 Arbeitsplätze in der Region sichert.

Die Ausstellung zeigt, wie schnell aus Experimenten Industrie wurde. BMWs Ursprung als Flugzeugmotorenhersteller 1916 oder die legendären DKW-Kleinwagen der 1920er beweisen: Bayern setzte früh auf Innovation statt Tradition. Besonders eindrucksvoll das Exponat eines originalen „Glas Goggomobil“ aus den 1950ern – ein dreirädriges Wirtschaftswunder auf Rädern, das mit 200.000 verkauften Einheiten zum Volksauto avancierte.

Technikhistoriker betonen, dass gerade die bayerische Mischung aus handwerklicher Präzision und unternehmerischem Mut die Automobilentwicklung prägte. So entstand 1972 mit dem BMW 3.0 CSL nicht nur ein Rennsport-Ikone, sondern auch ein frühes Beispiel für Leichtbau – ein Prinzip, das heute bei jedem Elektroauto Standard ist.

Von der Kutsche zum Hochleistungs-Elektroflitzer: Die Ausstellung macht deutlich, dass Bayerns Automobilgeschichte stets eine von Brüchen und Neuanfängen war. Selbst die aktuelle Wende zur E-Mobilität hat hier Tradition – bereits 1972 experimentierte BMW mit dem elektrischen 1602, lange bevor Tesla den Markt revolutionierte.

Raritäten und Rekordstücke unter der Museumsglaskuppel

Unter der filigranen Glaskuppel des Münchner Auto-Museums glänzen nicht nur Ikonen der Serienproduktion, sondern auch einige der seltensten Fahrzeuge Bayerns. Ein absolutes Highlight: der 1923er BMW R32, das erste Motorrad der Marke – eines von nur 3.000 jemals gebauten Exemplaren. Daneben thront der Dixi 3/15 PS DA-1 aus dem Jahr 1927, der erste BMW-Pkw, von dem gerade einmal 1.200 Stück die Fabrik verließen. Beide Stücke sind nicht nur technisch, sondern auch historisch von unschätzbarem Wert, da sie die Geburtsstunde der bayerischen Automobiltradition markieren.

Besonders kurios mutet der Glas Goggomobil T250 an, ein winziges Dreirad aus den 1950ern, das mit seinem 250-ccm-Zweitaktmotor gerade 13 PS leistete. Mit einer Länge von nur 2,60 Metern und einem Gewicht von 280 Kilogramm war es eines der kleinsten Serienautos der Welt – und heute eine gesuchte Rarität. Experten schätzen, dass weniger als 10 % der ursprünglichen Produktion von 28.000 Einheiten erhalten geblieben sind.

Rekordverdächtig ist auch der BMW 328 Mille Miglia Roadster von 1938, der mit seinem aerodynamischen Aluminiumkörper und 80 PS damals Rennstrecken dominierte. Ein baugleiches Modell gewann 1940 die Mille Miglia in der 2-Liter-Klasse. Das ausgestellte Exemplar gehört zu den wenigen überlebenden Fahrzeugen dieser legendären Rennversion – und ist mit einem Marktwert im siebenstelligen Bereich eines der wertvollsten Ausstellungsstücke.

Abgerundet wird die Sammlung durch Prototypen wie den BMW Turbo von 1972, ein futuristisches Konzeptfahrzeug mit Flügeltüren und einer keilförmigen Karosserie. Obwohl nie in Serie gegangen, prägte sein Design die Ära der 1970er-Jahre und gilt unter Sammlern als einer der einflussreichsten Showcars der BMW-Geschichte. Die Kombination aus Pioniergeist und handwerklicher Perfektion macht diese Stücke zu den Stars der Ausstellung – und zu Zeugen einer Ära, in der Bayern die Automobilwelt revolutionierte.

Interaktive Erlebnisstationen für Technikfans und Familien

Wer im neuen Münchner Auto-Museum nur stumm hinter Absperrungen stehen will, verpasst das Beste. Über 20 interaktive Stationen laden Besucher ein, bayerische Automobilgeschichte mit allen Sinnen zu erleben – vom originalgetreuen Fahrsimulator eines BMW 2002 aus den 1970ern bis zum virtuellen Rundgang durch die Produktionshallen der 1920er-Jahre. Besonders bei Familien kommt das Konzept an: Laut einer aktuellen Umfrage unter Münchner Kulturinstitutionen steigt die Verweildauer in Ausstellungen mit Mitmach-Elementen um durchschnittlich 40 Prozent.

Technikbegeisterte können an den Stationen selbst Hand anlegen. Ein Highlight ist die zerlegbare Motorwand, wo sich Besuche:rinnen durch die Entwicklung vom Einzylinder-Verbrennungsmotor bis zum modernen E-Antrieb klicken. Daneben wartet ein Tastmodell der legendären BMW-Kurvenlicht-Technologie, das selbst Laien die Funktionsweise der adaptiven Scheinwerfer begreiflich macht. Für die jüngeren Gäste gibt es einen kindgerechten Parcours, auf dem sie mit Miniatur-Modellen von Dixi, Glas oder Audi die physikalischen Grundlagen des Fahrens testen.

Multimediale Installationen ergänzen die mechanischen Exponate. An der „Zeitreise-Wand“ projizieren Beamer historische Werbefilme und Rennaufnahmen, die per Berührungsbildschirm abrufbar sind – von den ersten Automobilausflügen in die Alpen bis zu den Siegen bayerischer Marken bei der Mille Miglia. Wer mag, kann sich sogar in einen Original-Overall aus den 1960ern zwängen und vor einem Greenscreen als Rennfahrer der Classic-Epoche fotografieren lassen.

Die Kuratoren haben besonders Wert auf den Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft gelegt. So zeigt eine Augmented-Reality-Station, wie sich das Design des BMW 3.0 CSL von 1972 in modernen Elektro-Prototypen wiederfindet. Familien profitieren zudem von speziellen Audioguides, die technische Details in kindgerechten Geschichten verpacken – etwa wie ein Motor „atmet“ oder warum frühe Autos oft wie Kutschen ohne Pferde aussahen.

Besucherinfos: Tickets, Führungen und versteckte Highlights

Wer das neue Auto-Museum München besuchen möchte, findet flexible Ticketoptionen vor. Tageskarten kosten für Erwachsene 18 Euro, ermäßigt 12 Euro, während Familienkarten (2 Erwachsene + bis zu 3 Kinder) für 36 Euro erhältlich sind. Online gebuchte Tickets sparen nicht nur Wartezeit, sondern gewähren zudem Zugang zu exklusiven Digitalinhalten – etwa 3D-Modellen historischer Fahrzeuge, die per QR-Code im Museum abrufbar sind. Laut einer aktuellen Umfrage unter Münchner Kulturinstitutionen nutzen bereits 68 % der Besucher diese Option, um ihren Rundgang vorab zu planen.

Führungen vertiefen das Erlebnis. Die klassische Überblicksführung (90 Minuten) startet täglich um 11 und 14 Uhr, während thematische Touren wie „Von Dixi zu BMW: Die Geburt einer Marke“ oder „Elektromobilität made in Bavaria“ nur am Wochenende angeboten werden. Gruppen ab zehn Personen können private Führungen buchen – auch auf Englisch oder Bayerisch. Besonders gefragt: die *„Hinter den Kulissen“-Tour**, die sonst nicht zugängliche Restaurierungswerkstätten zeigt.

Versteckte Highlights lohnen den zweiten Blick. Im Untergeschoss wartet ein originalgetreuer Nachbau der ersten Münchner Autowerkstatt von 1903, komplett mit historischen Werkzeugen und einem seltenen „Fafnir“ – einem der ersten in Serie gefertigten bayerischen Autos. Wer genau hinschaut, entdeckt zwischen den Exponaten auch Kuriositäten wie den „Münchner Motorkutschen-Führerschein“ von 1910, ausgestellt auf Pergament.

Barrierefreiheit und Service sind durchdacht. Rollstuhlfahrer nutzen Aufzüge mit extra breiten Türen, und an der Kasse gibt es kostenlose Leih-Rollstühle. Für Familien stehen Kinderwagen-Parkplätze und ein „Junge Fahrer“-Bereich mit interaktiven Spielstationen bereit. Wer länger bleibt, findet im Museumscafé regionale Spezialitäten – vom Obazda bis zur *„Autobahn“-Breze**, eine XXL-Variante mit 30 cm Durchmesser.

Wie das Museum Münchens Automobil-Zukunft mitgestaltet

Das Auto-Museum München begnügt sich nicht mit der bloßen Darstellung historischer Fahrzeuge – es will aktiv die Mobilitätswende der Stadt prägen. Durch Kooperationen mit der Technischen Universität München und lokalen Start-ups dient die Ausstellung als lebendiges Labor für zukunftsweisende Konzepte. Besonders die Sonderfläche „Mobilität 2040“ zeigt, wie bayerische Ingenieurskunst Elektroantriebe, Wasserstofftechnologie und autonome Systeme vorantreibt. Laut einer Studie des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) aus 2023 könnte Bayern bis 2035 zum führenden Standort für nachhaltige Antriebe in Europa aufsteigen – das Museum macht diese Entwicklung für Besucher greifbar.

Ein zentrales Element ist die interaktive Werkstatt, in der Besucher selbst an Prototypen arbeiten können. Hier werden nicht nur historische Reparaturtechniken gezeigt, sondern auch aktuelle Herausforderungen wie Recycling von Lithium-Ionen-Batterien thematisiert. Die Verbindung von Handwerkstradition und Hightech soll vor allem junge Menschen für technische Berufe begeistern.

Auch die Stadtplanung Münchens profitiert von den Erkenntnissen des Museums. In regelmäßigen Workshops mit dem Referat für Verkehr und Tiefbau werden Daten aus der Ausstellung genutzt, um Ladeinfrastruktur und Verkehrsflüsse zu optimieren. So fließen historische Erfahrungen – etwa aus der frühen Elektrifizierung der 1920er-Jahre – direkt in moderne Lösungen ein.

Mit seiner doppelten Rolle als Ausstellungsort und Thinktank beweist das Museum, dass Automobilgeschichte mehr ist als Nostalgie. Es schafft Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft – und positioniert München als Gestalter der nächsten Mobilitätsrevolution.

Das Auto-Museum München beweist, dass Automobilgeschichte weit mehr ist als bloße Technik – es ist ein lebendiges Stück bayerischer Identität, das Innovation, Handwerkskunst und Leidenschaft unter einem Dach vereint. Mit über 120 Jahren Entwicklung von den ersten motorisierten Kutschen bis zu den Hightech-Fahrzeugen von heute schafft die Ausstellung eine Brück zwischen Vergangenheit und Zukunft, die nicht nur Enthusiasten begeistert.

Wer die Ausstellung besucht, sollte sich Zeit nehmen für die interaktiven Stationen und die seltenen Exponate wie den originalen Dixi aus den 1920er-Jahren oder die futuristischen Studien von BMW – die Audioguides vertiefen das Erlebnis mit persönlichen Geschichten der Konstrukteure. Die Kombination aus historischem Tiefgang und moderner Präsentation macht das Museum zu einem Pflichttermin für alle, die verstehen wollen, wie Bayern die globale Automobilkultur geprägt hat.

Mit der geplanten Erweiterung um eine Werkstatt für Live-Restaurierungen wird das Museum bald noch greifbarer – und zeigt damit, dass die bayerische Automobiltradition längst nicht am Ende ist, sondern weiter fahrbar bleibt.