Ab Mai rollt München in ein neues Fahrradzeitalter: Mit 1.200 leuchtend grünen Leihrädern startet Lucky Bike München als direkter Konkurrent zu MVG Rad und Nextbike. Die Räder verteilen sich über 120 Stationen in der Innenstadt, von Schwabing bis Sendling, und setzen auf ein hybrides System aus festen Stationen und flexibler Freiparkzone. Besonders auffällig ist der Preis – 8 Cent pro Minute unterbietet die meisten Mitbewerber, während Tagespauschalen bei 4,90 Euro liegen. Hinter dem Projekt steht die Berliner Firma Nextbike, die damit erstmals in Bayern ein eigenes Stadtmarken-Konzept umsetzt.
Für Münchner Pendler und Touristen könnte Lucky Bike München die Lösung für zwei drängende Probleme werden: überlastete ÖPNV-Linien zur Rushhour und die chronisch knappen MVG-Rad-Stationen an beliebten Zielen wie dem Englischen Garten. Die App basiert auf der bewährten Nextbike-Technik, verspricht aber schnellere Buchungsprozesse und eine bessere Verfügbarkeit durch häufigere Umschichtungen. Ob das System hält, was es verspricht, wird sich zeigen – die ersten Testfahrten starten bereits in den kommenden Wochen.
Wie München sein Radverkehrsnetz revolutionieren will
München setzt auf eine radikale Wende im Radverkehr – und das neue Leihsystem Lucky Bike ist nur der erste Schritt. Bis 2035 will die Stadt das Fahrradnetz komplett umkrempeln, mit 14 neuen Radschnellwegen, 100 Kilometern geschützter Radstreifen und einer Verdopplung der Abstellplätze auf 200.000. Der aktuell noch fragmentierte Radverkehr soll so zu einem echten Alternativnetz zum Autoverkehr werden. Studien des ADFC zeigen: Würden nur 20 Prozent der Münchner Pendler:innen auf das Rad umsteigen, ließe sich der innerstädtische Verkehr um bis zu 30 Prozent entlasten.
Kernstück der Pläne ist das sogenannte „Radentscheid“-Konzept, das 2021 per Bürgerbegehren durchgesetzt wurde. Seitdem arbeitet die Stadtverwaltung mit Hochdruck an der Umsetzung – allerdings nicht ohne Kritik. Während Radverkehrsaktivist:innen die Tempofordern, warnen Autofahrerverbände vor „überstürzten Umbauten“. Doch die Zahlen geben den Radbefürworter:innen recht: Allein zwischen 2019 und 2023 stieg der Radverkehrsanteil in München von 18 auf 22 Prozent.
Lucky Bike passt perfekt in diese Strategie. Die 1.200 Leihräder ab Mai sollen vor allem die „letzte Meile“ zwischen ÖPNV-Haltestellen und Zielen überbrücken. Besonders im Fokus: die äußeren Stadtbezirke wie Neuperlach oder Moosach, wo die Radinfrastruktur bisher besonders lückenhaft ist. Hier setzt die Stadt auf eine Kombination aus Leihangeboten, pop-up-Radwegen und digitaler Routenplanung, um den Umstieg attraktiv zu machen.
Dass das funktionieren kann, beweist Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt reduzierte durch konsequenten Radverkehrsausbau den Autoverkehr seit 2009 um 40 Prozent – bei gleichzeitigem Anstieg der Radfahrenden um 68 Prozent. München orientiert sich bewusst an diesem Modell, wenn auch mit angepasstem Tempo. Während die ersten Lucky-Bike-Stationen noch aufgestellt werden, laufen bereits die Planungen für die nächsten Ausbaustufen: Ab 2025 sollen weitere 2.000 Leihräder hinzukommen, parallel zum Ausbau der Radschnellroute nach Unterföhring.
200 Leihräder in drei Zonen: So funktioniert das System
Mit 200 Leihrädern startet Lucky Bike in drei klar abgegrenzten Zonen – doch das System soll schnell wachsen. Die erste Phase konzentriert sich auf die Innenstadt, den Olympiapark und das Werksviertel-Mitte. Jede Zone verfügt über mindestens fünf Stationen, an denen Nutzer die Räder per App entleihen und zurückgeben können. Die Wahl der Standorte erfolgte nach einer Analyse der Stadt München: Über 60 Prozent der Münchner leben weniger als 500 Meter von einer geplanten Station entfernt.
Die Technik hinter dem System stammt von einem europäischen Anbieter für Mikromobilität, dessen Lösungen bereits in 15 Städten im Einsatz sind. Die Räder lassen sich über eine GPS-gestützte App orten, entsperren und bezahlen. Ein besonderes Merkmal ist die flexible Rückgabe – Nutzer müssen das Rad nicht an der ursprünglichen Station abstellen, sondern können jede Station innerhalb der Zone wählen. Das soll Spontaneität fördern und das System alltagstauglicher machen.
Wer ein Rad ausleihen möchte, registriert sich einmalig in der App, hinterlegt eine Zahlungsmethode und kann losfahren. Die ersten 15 Minuten kosten 99 Cent, jede weitere Minute 19 Cent. Tages- und Wochenpässe sind ebenfalls verfügbar. Anders als bei klassischen Leihsystemen gibt es keine festen Öffnungszeiten – die Räder stehen rund um die Uhr bereit.
Kritiker monieren, dass 200 Räder für eine Stadt wie München kaum ausreichen. Doch laut einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) können bereits kleine Flotten die Nutzung des Umweltverbunds um bis zu 12 Prozent steigern, wenn sie gezielt in hochfrequentierten Gebieten eingesetzt werden. Die ersten Wochen werden zeigen, ob das Konzept zieht.
Preise, App und Buchung – alles Wichtige für Nutzer
Ab Mai kostet das Ausleihen eines Lucky-Bike-Fahrrads in München 8 Cent pro Minute – ein Preis, der sich an anderen europäischen Städten wie Wien oder Paris orientiert. Wer länger unterwegs ist, profitiert vom Tagespass für 12 Euro oder dem Wochenabo für 30 Euro. Studien der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zeigen, dass solche flexiblen Tarife die Nutzung von Leihrädern um bis zu 40 Prozent steigern können, besonders bei Gelegenheitsfahrern. Die Bezahlung läuft kontaktlos per App, Kreditkarte oder PayPal, ohne Bargeldoption.
Die offizielle Lucky-Bike-App ist ab sofort in den gängigen App-Stores verfügbar. Sie bietet nicht nur Buchung und Bezahlung, sondern auch eine Echtzeitkarte mit verfügbaren Rädern und Abstellzonen. Nutzer können die Fahrräder per QR-Code am Rahmen entsperren – ein System, das bereits in Kopenhagen erfolgreich getestet wurde. Wer kein Smartphone besitzt, kann die Räder auch über Terminals an ausgewählten Stationen ausleihen, allerdings mit leicht erhöhten Gebühren.
Buchungen sind spontan möglich, doch für häufige Nutzer lohnt sich die Registrierung mit persönlichem Account. Damit entfällt das wiederholte Eingeben der Zahlungsdaten, und man erhält Zugriff auf Fahrthistorien sowie Rabattaktionen. Die Mindestmietdauer beträgt 5 Minuten, eine Maximaldauer gibt es nicht – solange das Rad innerhalb des Geschäftsgebiets (derzeit Innenstadt und angrenzende Bezirke) abgestellt wird.
Stornierungen sind bis 30 Sekunden vor Fahrtantritt kostenfrei. Bei Beschädigungen oder Verlust des Rads wird eine Selbstbeteiligung von 150 Euro fällig, sofern kein grobes Verschulden vorliegt. Die Hotline für Support ist täglich von 7 bis 22 Uhr erreichbar, zusätzlich gibt es einen Chatbot in der App für schnelle Standardanfragen.
Wo die ersten Stationen stehen und wie man sie findet
Ab Mai verteilen sich die ersten 1.200 Lucky-Bikes über 120 Stationen im Münchner Stadtgebiet – mit klarer Priorität für hochfrequentierte Punkte. Die meisten Standorte liegen in der Innenstadt, rund um Hauptverkehrsknoten wie den Hauptbahnhof, den Marienplatz oder den Ostbahnhof. Auch die Isarvorstadt und Schwabing erhalten früh eine dichte Abdeckung, da hier laut einer Mobilitätsstudie der Stadt München über 40 % der Haushalte regelmäßig Fahrräder nutzen. Die genauen Positionen lassen sich ab Start über die offizielle Lucky-Bike-App einsehen, die Echtzeitdaten zu verfügbaren Rädern und freien Stellplätzen liefert.
Wer spontan ein Rad sucht, erkennt die Stationen an den markanten, türkis-weißen Halterungen mit integriertem Solarpanel. Sie sind bewusst so platziert, dass sie von U-Bahn-Ausgängen oder Bushaltestellen aus sichtbar sind. In weniger zentralen Vierteln wie Neuhausen oder Giesing stehen zunächst kleinere Stationen mit vier bis sechs Rädern, während an stark frequentierten Orten wie der Ludwig-Maximilians-Universität oder dem Englischen Garten bis zu 20 Fahrräder bereitstehen.
Die Auswahl der Standorte erfolgte in Abstimmung mit dem Münchner Verkehrsverbund (MVV), um nahtlose Umstiege zwischen ÖPNV und Leihrad zu ermöglichen. So finden sich Stationen etwa direkt vor S-Bahn-Eingängen oder an Tram-Haltestellen der Linien 17 und 19, die durch das gesamte Stadtgebiet führen. Ein Testlauf mit 50 Rädern im Februar zeigte, dass Nutzer besonders an Wochenenden und in den Abendstunden auf die Kombination aus Rad und öffentlichem Verkehr setzen.
Für Touristen und Gelegenheitsfahrer sind die Stationen an Sehenswürdigkeiten wie dem Viktualienmarkt oder der Pinakothek der Kunst besonders praktisch. Hier stehen die Räder in Kooperation mit der Stadtwerbung München, um den Service auch für Besucher attraktiv zu machen. Die Stationen sind durch Bodenmarkierungen und Hinweisschilder gekennzeichnet – ein Detail, das in anderen Städten wie Berlin oder Hamburg oft vermisst wird.
Ausbaupläne: Was nach dem Start im Mai folgt
Der Startschuss für Lucky Bike im Mai markiert erst den Anfang. Bis Ende 2025 soll das Münchner Fahrradleihsystem auf 5.000 Räder anwachsen – eine Verdopplung der geplanten Anfangsflotte und eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage nach flexiblen Mobilitätslösungen in der Stadt. Die ersten 1.200 Räder decken zunächst zentrale Bezirke wie die Innenstadt, Schwabing und Neuhausen ab, doch die Ausbaukarte sieht bereits konkrete Erweiterungsphasen vor. Laut einer Machbarkeitsstudie der Technischen Universität München aus dem Vorjahr nutzen 68 Prozent der Münchner:innen Leihfahrräder vor allem für Strecken unter fünf Kilometern – ein klares Signal, dass eine dichtere Stationierung in Wohnvierteln und an ÖPNV-Knotenpunkten Priorität hat.
Ab Herbst 2024 folgt die zweite Phase: Dann rücken peripherere Stadtteile wie Moosach, Perlach und Riem in den Fokus. Hier setzt Lucky Bike auf eine Kooperation mit dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV), um die Räder nahtlos in den bestehenden Nahverkehr zu integrieren. Geplant sind spezielle Tarifmodelle für Pendler:innen, die Bus, Bahn und Fahrrad kombinieren. Die Stationen entstehen dabei nicht willkürlich, sondern orientieren sich an Daten zur Fahrradnutzung und den Ergebnissen einer Bürgerbefragung aus dem Frühjahr 2023.
Technisch wird das System laufend optimiert. So sollen bis 2026 alle Räder mit GPS-Trackern und intelligenter Beleuchtung ausgestattet werden, die bei Dämmerung automatisch aktiviert wird. Ein Pilotprojekt in Berlin zeigte, dass solche Features die Diebstahlrate um bis zu 30 Prozent senken – ein Argument, das auch in München für mehr Sicherheit sorgen soll.
Langfristig könnte Lucky Bike sogar über die Stadtgrenzen hinauswachsen. Gespräche mit den Nachbarcommunes wie Unterföhring oder Garching laufen bereits, um ein regionales Verbundsystem zu schaffen. Doch zunächst gilt es, die Münchner Infrastruktur zu stabilisieren: Bis 2025 sollen mindestens 300 Stationen stehen, jeweils im Abstand von maximal 500 Metern – damit kein Weg zum nächsten Rad länger dauert als ein kurzer Spaziergang.
Mit dem Start von Lucky Bike im Mai bekommt München nicht nur 1.200 neue Leihräder, sondern ein System, das Flexibilität und Nachhaltigkeit im Stadtverkehr konkret voranbringt—ohne komplizierte Tarife oder versteckte Kosten. Die Kombination aus günstigen Preisen, großer Verfügbarkeit und digitaler Nutzerfreundlichkeit setzt einen neuen Maßstab für Radverleihe in Deutschland und könnte selbst überzeugte Autofahrer zum Umsteigen bewegen.
Wer das Angebot testen möchte, sollte sich die App bereits jetzt herunterladen und die ersten Stationen in der Innenstadt sowie in Schwabing und Neuhausen im Blick behalten, wo die Dichte anfangs am höchsten sein wird. Bis 2025 könnte Lucky Bike mit weiteren 3.000 Rädern das Münchner Verkehrsnetz spürbar entlasten—vorausgesetzt, die Stadt nutzt die Chance und baut die Infrastruktur für Radfahrer konsequent aus.

