Mit einem 50-Meter-Becken, das olympischen Standards entspricht, setzt das Westbad München ab sofort neue Maßstäbe für den Schwimmsport in der Stadt. Nach 27 Monaten und Investitionen in Höhe von 42 Millionen Euro eröffnet das modernisierte Bad nicht nur als größtes Hallenbad Münchens, sondern auch als architektonisches Highlight: Glasfassaden lassen Tageslicht fluten, während energieeffiziente Systeme den Betrieb klimaneutral gestalten. Die Kapazität verdoppelt sich auf 800 Besucher gleichzeitig – ein klares Signal gegen die chronische Hallenbad-Knappheit in der Landeshauptstadt.
Für Münchner Sportler, Familien und Schulen wird das Westbad München damit zum Gamechanger. Wo früher veraltete Anlagen und Engpässe den Badespaß trübten, locken nun ein separates Lehrschwimmbecken, ein Großraum-Saunabereich und barrierefreie Zugänge auf 7.000 Quadratmetern. Besonders die Schwimmvereine atmen auf: Mit den neuen Bahnenzahlen und Trainingsmöglichkeiten entfällt das ständige Ringen um knappe Zeitfenster. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann die nächsten Wettkämpfe hier ausgetragen werden – die Anfragen laufen bereits.
Vom Problemfall zum Prunkstück: Die Sanierungsgeschichte
Das Westbad war einst ein Sorgenkind der Münchner Bäderlandschaft. Jahrzehntelang kämpfte die Anlage mit maroden Rohren, undichten Dächern und einer veralteten Technik, die selbst einfache Reparaturen zu einer Herausforderung machte. Als die Stadt 2021 die umfassende Sanierung beschloss, stand fest: Hier ging es nicht um kosmetische Korrekturen, sondern um eine Rettungsaktion. Die Kosten explodierten von ursprünglich veranschlagten 38 auf schließlich 52 Millionen Euro – ein Preis, den die Verantwortlichen angesichts des Zustands aber als alternativlos einstuften.
Besonders kritisch war der Zustand des 50-Meter-Beckens. Risse im Beton und verrostete Armaturen machten eine Komplettsanierung unvermeidlich. Bauingenieure sprachen von einem „konstruktiven Notstand“, da die Statik an einigen Stellen nicht mehr den Sicherheitsstandards entsprach. Statt wie geplant sechs Monate dauerte allein die Trockenlegung und Fundamentverstärkung über ein Jahr – ein Beweis für die Unterschätzung des Sanierungsaufwands.
Dass aus dem Problemfall nun ein Prunkstück wurde, verdankt das Westbad auch einer klugen Priorisierung. Die Stadt setzte auf hochwertige Materialien wie Edelstahlbeckenwannen und energieeffiziente Wärmepumpen, die langfristig Betriebskosten sparen. Laut einer Studie des Bayerischen Schwimmverbandes reduzieren solche Modernisierungen den Energieverbrauch um bis zu 40 Prozent. Die Investition in nachhaltige Technik zahlt sich also nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich aus.
Der größte Erfolg aber zeigt sich im Detail: Wo früher Schimmel an den Wänden wuchs, glänzen nun helle Fliesen, und die einst trübe Wasserqualität gehört der Vergangenheit an. Selbst kritische Stimmen, die die Sanierung als „Geldverbrennerei“ bezeichnet hatten, geben heute zu, dass das Ergebnis überzeugt. Das Westbad ist kein Provisorium mehr, sondern ein Ort, der Münchens Ruf als Sportstadt neu definiert.
50 Meter Bahn, 10 Meter Sprungturm – was das neue Westbad kann
Wer durch die gläsernen Türen des frisch sanierten Westbads tritt, spürt sofort den Unterschied: Hier ist kein gewöhnliches Hallenbad entstanden, sondern ein Sporttempel mit Olympiamaßen. Das Herzstück bildet das 50-Meter-Becken – eines der wenigen in München, das den strengen Normen des Deutschen Schwimmverbands (DSV) für Wettkämpfe entspricht. Mit acht Bahnen, einer Wassertiefe von bis zu 2,30 Metern und einer modernen Zeitmessanlage richtet sich das Becken gleichermaßen an Leistungs- wie an Freizeitschwimmer. Die Akustikdecken dämpfen dabei den Hallenschall, während großzügige Oberlichter für natürliches Licht sorgen.
Doch das Westbad setzt nicht nur auf Länge, sondern auch auf Höhe. Der neue 10-Meter-Sprungturm, ausgestattet mit drei Sprungbrettern auf 1, 3 und 5 Metern, zieht bereits jetzt Blicke auf sich. Laut Angaben der Stadt München ist er der einzige seiner Art in einem öffentlichen Münchner Bad – und damit ein Magnet für Turmspringer und mutige Hobby-Sportler. Sicherheitsvorkehrungen wie rutschfeste Beläge und ein separates Aufwärmbecken unterstreichen den professionellen Anspruch.
Für Familien und Schwimmanfänger bietet das kombinierte Lehr- und Kinderbecken mit 25 Metern Länge und verstellbarem Boden eine flexible Lösung. Hier lässt sich die Wassertiefe stufenlos von 0 auf 1,35 Meter anpassen – ideal für Schwimmkurse oder Therapieeinheiten. Ein separater Babybereich mit 32°C Wassertemperatur rundet das Angebot ab.
Hinter den Kulissen arbeitet eine hochmoderne Filter- und Aufbereitungsanlage, die pro Stunde bis zu 240 Kubikmeter Wasser reinigt. Das entspricht etwa 960 gefüllten Badewannen – und garantiert kristallklares Wasser bei minimalem Chemikalieneinsatz. Die Energie dafür liefert zu großen Teilen eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, die das Bad näher an die Klimaneutralität bringt.
Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit: Wie das Bad modernisiert wurde
Das Westbad München setzt mit seiner Sanierung nicht nur architektonische Akzente, sondern auch Maßstäbe in Sachen Barrierefreiheit. Alle Bereiche – vom Eingangsbereich bis zu den Umkleiden – wurden stufenlos gestaltet, Aufzüge verbinden nun alle Ebenen inklusive des neuen Dachbereichs mit Sauna. Besonders die Schwimmbecken sind mit speziellen Einstiegshilfen und Hubsystemen ausgestattet, die Rollstuhlfahrern eigenständiges Nutzen ermöglichen. Laut einer Studie des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) nutzen nur 12 % der öffentlichen Bäder bundesweit solche umfassenden Lösungen – das Westbad gehört damit zu den Vorreitern.
Nachhaltigkeit durchzieht das Konzept wie ein roter Faden. Die Energieversorgung erfolgt zu 80 % über ein Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt. Regenwasser wird gesammelt und für die Toilettenspülung sowie die Bewässerung der begrünten Dachflächen genutzt. Selbst die Materialwahl folgte ökologischen Kriterien: Recycelte Fliesen, schadstoffarme Dämmstoffe und Holz aus zertifizierter Forstwirtschaft prägen das Innenbild.
Besonders auffällig ist die Kombination aus moderner Technik und natürlichen Elementen. Die Beleuchtung passt sich automatisch dem Tageslicht an, während große Glasfronten den Energiebedarf für künstliches Licht reduzieren. Die begrünten Wände im Foyer verbessern nicht nur das Raumklima, sondern schaffen auch eine beruhigende Atmosphäre – ein bewusster Kontrast zum sportlichen Treiben in den Becken.
Experten loben vor allem die langfristige Planung. Statt kurzfristiger Lösungen setzte man auf wartungsarme Systeme wie die salzwasserbasierte Desinfektion der Becken, die den Chemikalieneinsatz um 30 % senkt. Auch die barrierefreien Duschen mit wassersparenden Armaturen zeigen: Hier wurde an Details gedacht, die den Alltag erleichtern – ohne Kompromisse bei Design oder Funktionalität.
Öffnungszeiten, Preise und Tipps für den ersten Besuch
Das neu eröffnete Westbad glänzt nicht nur mit seinem 50-Meter-Becken, sondern auch mit durchdachten Öffnungszeiten für jeden Typ Besucher. Montags bis freitags öffnet das Bad bereits um 6:30 Uhr – ideal für Frühschwimmer, die vor der Arbeit ihre Bahnen ziehen wollen. Am Wochenende startet der Betrieb um 8 Uhr, während die Abendschwimmer bis 22 Uhr (Freitag/Samstag) oder 21 Uhr (Sonntag) ihre Runden drehen können. Besonders familienfreundlich: An Werktagen schließt das Becken erst um 20 Uhr, was nach Schul- oder Arbeitsschluss noch genug Zeit für einen gemeinsamen Besuch lässt.
Bei den Preisen setzt die Stadt München auf Transparenz und Sozialtarife. Ein Einzeleintritt kostet für Erwachsene 6,50 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Wer regelmäßig kommt, profitiert vom 10er-Karten-System (55 Euro) oder dem Jahresabo (ab 390 Euro). Familienkarten und Gruppenermäßigungen runden das Angebot ab. Laut einer aktuellen Erhebung des Deutschen Städtetags liegen die Münchner Bäderpreise damit im unteren Mittelfeld deutscher Großstädte – bei deutlich höherer Ausstattung.
Erstbesucher sollten einige Praxistipps beachten. Die Umkleiden sind mit elektronischen Schließfächern ausgestattet (1- oder 2-Euro-Münzen bereithalten), und die Duschen aktivieren sich per Knopfdruck – ein Wassersparsystem, das anfangs überrascht. Für Schwimmtraining empfiehlt sich die Reservierung einer Bahn über die Westbad-App, besonders in den Stoßzeiten zwischen 17 und 19 Uhr. Die Saunalandschaft (ab 16 Jahren) verlangt separate Eintrittskarten und Badekleidung ist dort tabu – klassische Textilbereiche gibt es im Hauptbecken.
Ein Geheimtipp für Genießer: Das hauseigene Café mit Terrasse zum Innenhof serviert regionalen Kaffee und frische Snacks bis 18 Uhr. Wer nach dem Schwimmen noch Energie braucht, findet hier Bio-Äpfel aus dem Münchner Umland oder selbstgebackene Brezen – perfekt, um den Besuch ausklingen zu lassen.
Münchens Bäderkonzept: Was als Nächstes geplant ist
Das frisch sanierte Westbad markiert erst den Anfang von Münchens ehrgeizigem Bäderkonzept. Bis 2030 plant die Stadt insgesamt 1,2 Milliarden Euro in den Neubau, die Sanierung und Modernisierung ihrer 25 öffentlichen Bäder zu investieren – ein Rekordbudget, das selbst Fachleute als „historische Weichenstellung für die Schwimmkultur“ bezeichnen. Priorität haben dabei Standorte mit besonders hohem Sanierungsstau wie das Dantebad in Schwabing oder das Michaelibad in Berg am Laim, deren Technik teilweise noch aus den 1970er-Jahren stammt.
Konkrete Projekte nehmen bereits Gestalt an: Noch 2024 beginnt die Generalsanierung des Nordbads, das nach Plänen der Stadtwerke München mit einer neuen Saunalandschaft und barrierefreien Umkleiden aufwarten soll. Parallel läuft die Ausschreibung für das geplante „Ostbad 2.0“ in Ramersdorf – ein Vorhaben, das durch Bürgerbeteiligung geprägt wird und unter anderem ein Lehrschwimmbecken für Schulen vorsieht.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Energieeffizienz. Alle Neubauten müssen künftig den KfW-40-Standard erfüllen, bestehende Anlagen werden schrittweise auf Wärmepumpen und Solaranlagen umgestellt. Das Westbad dient hier als Pilot: Seine neue Lüftungsanlage spart laut Betreiberangaben jährlich 300.000 Kilowattstunden ein – genug, um 75 Haushalte zu versorgen.
Kritische Stimmen monieren allerdings die langen Planungszeiten. Während das Westbad nach 27 Monaten wieder eröffnet, dauert die Sanierung des kleiner dimensionierten Riemerbads bereits seit 2021 an. Die Stadt verweist auf Lieferengpässe und gestiegene Materialkosten, betont aber, dass die Qualität der Umbauten nicht leiden dürfe. Ob der Zeitplan für die kommenden Projekte gehalten werden kann, wird sich zeigen.
Das Westbad ist nicht nur ein saniertes Schwimmbad, sondern ein Statement: München beweist mit dem 50-Meter-Becken, der modernen Architektur und dem durchdachten Nachhaltigkeitskonzept, wie öffentliche Sportstätten im 21. Jahrhundert aussehen können—funktional, inklusiv und zukunftsweisend. Wer die Kombination aus Wettkampfatmosphäre, Familienfreundlichkeit und barrierefreiem Design erleben möchte, sollte sich die neuen Öffnungszeiten und Kursangebote auf der Website der Stadtwerke München ansehen, denn die Nachfrage nach den ersten Schwimmzeiten ist bereits jetzt hoch.
Mit der Wiedereröffnung startet auch eine neue Ära für den Münchner Schwimmsport—und die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell andere Städte diesem Vorbild folgen werden.

