Auf 1.500 Quadratmetern mitten in München reifen seit Kurzem Ananasfrüchte heran – kein Gewächshaus, kein botanischer Garten, sondern eine urbane Plantage, die selbst Kenner überrascht. Der Pineapple Park München verwandelt eine ehemalige Industriehalle in ein tropisches Ökosystem, wo über 3.000 Pflanzen unter künstlichem Sonnenlicht gedeihen. Die Temperaturen liegen konstant bei 26 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei 70 Prozent. Ein Stück Amazonas im Herzen Bayerns, betrieben mit Hydroponik und LED-Technologie, die den Wasserverbrauch um 90 Prozent reduziert.

Was wie ein exotisches Experiment klingt, ist Teil eines wachsenden Trends: Stadtlandwirtschaft, die Obst und Gemüse dort anbaut, wo es verbraucht wird. Der Pineapple Park München liefert nicht nur Früchte an lokale Restaurants und Supermärkte, sondern zeigt auch, wie nachhaltige Lebensmittelproduktion in Ballungsräumen funktionieren kann. Für Besucher wird das Projekt ab Herbst zugänglich sein – mit Führungen durch die Plantage und einem Café, das Gerichte mit hausgeernteten Ananas serviert. Ein Vorzeigeprojekt, das München um eine ungewöhnliche Attraktion reicher macht.

Von der Brachfläche zur urbanen Tropenoase

Wo früher Beton und Schotter die Fläche zwischen den Münchner Bahnschienen dominierten, wächst jetzt eine der ungewöhnlichsten urbanen Begrünungsprojekte Deutschlands. Die 1.500 Quadratmeter große Brache am Ostbahnhof verwandelten Landschaftsarchitekten innerhalb von zwölf Monaten in eine funktionierende Tropenplantage – komplett mit Mikroklima, das Temperaturen bis 28°C und 80% Luftfeuchtigkeit hält. Möglich macht das ein geschlossener Glaskomplex mit Wärmetauschern, die Abwärme aus nahen Industrieanlagen recyceln.

Besonders auffällig: Die Ananas-Kultivierung folgt dem Vorbild kolumbianischer Kleinbauern, allerdings mit Münchner Präzision. Statt Monokulturen setzen die Betreiber auf ein mehrstufiges Agroforst-System. Zwischen den Ananasreihen gedeihen Bananenstauden, Süßkartoffeln und sogar Kaffeepflanzen – eine Kombination, die Studien der Tropenlandwirtschaft zufolge die Erträge um bis zu 30% steigert. Der Clou: Die Pflanzen reinigen gleichzeitig die Abluft aus den angrenzenden Gewächshäusern.

Die Idee entstand in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Urbanes Grün der TU München. Die Forscher hatten berechnet, dass selbst in gemäßigten Zonen tropische Nutzpflanzen rentabel werden, wenn man Energiequellen wie Abwärme oder Geothermie nutzt. In München fällt diese Energie quasi als Nebenprodukt an – ein Glücksfall für das Projekt.

Für Besucher wird die Anlage ab Herbst zugänglich sein, allerdings nicht als reiner Schaugarten. Geplant sind Workshops zur tropischen Landwirtschaft und ein Café, das ausschließlich Erzeugnisse aus dem eigenen Anbau verarbeitet. Die erste Ernte – etwa 2.000 Ananasfrüchte – ist bereits für den lokalen Großmarkt reserviert.

Wie 12.000 Ananas-Pflanzen in München gedeihen

Auf 1.500 Quadratmetern mitten in München wachsen seit Kurzem 12.000 Ananas-Pflanzen – und das ohne Tropenklima. Das Geheimnis liegt im geschlossenen Kreislaufsystem der urbanen Farm, das Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht präzise steuert. Die Pflanzen gedeihen hier in Hydrokultur, ihre Wurzeln ziehen Nährstoffe aus einer speziellen Lösung statt aus Erde. So spart das Projekt nicht nur Platz, sondern reduziert auch den Wasserverbrauch um bis zu 90 Prozent im Vergleich zu herkömmlichem Anbau.

Experten der Technischen Universität München begleiten das Vorhaben wissenschaftlich. Ihre Messungen zeigen: Die Ananas-Sorte Smooth Cayenne, die hier kultiviert wird, erreicht unter den künstlichen Bedingungen ähnliche Wachstumsraten wie in ihren ursprünglichen Anbaugebieten. Entscheidend ist die Kombination aus LED-Licht mit einem Spektrum, das dem Sonnenlicht der Äquatorregionen nachempfunden ist, und einer konstanten Temperatur von 24 bis 28 Grad Celsius.

Die Ernte der ersten Früchte ist für Ende 2024 geplant. Dann wird sich zeigen, ob die Münchner Ananas den typisch süß-säuerlichen Geschmack entwickelt – oder ob das Stadtklima doch subtile Spuren hinterlässt. Bis dahin dienen die Pflanzen auch als lebendes Labor: Sensoren erfassen rund um die Uhr Daten zu Wachstum, CO₂-Gehalt und Nährstoffaufnahme.

Besucher können die Plantage durch große Glasfronten einsehen, doch Betreten ist nur mit Schutzkleidung erlaubt. Zu groß wäre das Risiko, Keime einzuschleppen, die das empfindliche Ökosystem stören. Ein kleines Paradox: Ausgerechnet in einer der kühlsten Städte Deutschlands entsteht so ein Stück Tropen – streng kontrolliert, aber voller Leben.

Besucherinfos: Öffnungszeiten, Preise und Führungen

Wer die exotische Ananas-Plantage in München besuchen möchte, findet das Tropenparadies im Herzen der Stadt an der Landsberger Straße 386. Das Gewächshaus öffnet seine Türen dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, montags bleibt es geschlossen. An Feiertagen gelten Sonderregelungen, die rechtzeitig auf der offiziellen Website bekannt gegeben werden. Besonders in den Morgenstunden, wenn die Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus am höchsten ist, entfaltet sich das Aroma der über 2.000 Ananaspflanzen am intensivsten – ein Erlebnis, das Botaniker als „optimale Besuchszeit für Sinneswahrnehmungen“ empfehlen.

Die Eintrittspreise staffeln sich nach Alter und Gruppengröße. Erwachsene zahlen 14,50 Euro, ermäßigt sind es 11 Euro. Kinder zwischen 6 und 14 Jahren kommen für 7 Euro hinein, unter 6-Jährige haben freien Eintritt. Familienkarten (2 Erwachsene + bis zu 3 Kinder) gibt es für 35 Euro. Wer mehr als 10 Personen anmeldet, profitiert von Gruppenrabatten und exklusiven Führungen außerhalb der regulären Öffnungszeiten.

Führungen durch die 1.500 Quadratmeter große Anlage dauern etwa 60 Minuten und kosten zusätzlich 5 Euro pro Person. Sie finden samstags um 11 und 15 Uhr sowie sonntags um 13 Uhr statt – ohne Voranmeldung, aber mit begrenzter Teilnehmerzahl. Für Schulklassen und Fachgruppen werden thematische Touren angeboten, etwa zur Ökologie tropischer Früchte oder zur Geschichte der Ananas als Handelsgut. Interessierte können diese über das Buchungssystem auf der Website reservieren.

Barrierefreiheit ist gegeben: Rollstuhlfahrer und Besucher mit Kinderwagen nutzen den separaten Eingang an der Nordseite des Gebäudes. Ein Aufzug verbindet alle Ebenen der Plantage, inklusive der erhöhten Aussichtsplattform über den Palmenkronen. Hunde dürfen nicht mitgebracht werden – eine Maßnahme zum Schutz der empfindlichen Pflanzen.

Nachhaltigkeit im Fokus: Energie, Wasser, CO₂-Bilanz

Das Münchner Tropenparadies setzt Maßstäbe, wenn es um ökologische Verantwortung geht. Die 1.500 Quadratmeter große Ananas-Plantage arbeitet mit einem geschlossenen Wasserkreislauf, der bis zu 90 Prozent des benötigten Wassers durch Kondensation und Filterung zurückgewinnt. Ein intelligentes Bewässerungssystem steuert die Feuchtigkeit präzise – Tropf für Tropf, ohne Verschwendung. Klimatechniker bestätigen, dass solche Systeme in Gewächshäusern den Wasserverbrauch im Vergleich zu konventionellem Anbau um bis zu 70 Prozent reduzieren können.

Energie kommt hier nicht aus der Steckdose, sondern von der Sonne. Photovoltaik-Module auf dem Dach decken den Großteil des Strombedarfs, unterstützt von einer hocheffizienten Wärmepumpe, die Abwärme aus der Beleuchtung nutzt. Selbst an trüben Münchner Tagen bleibt die Energiebilanz positiv.

Die CO₂-Bilanz der Anlage überzeugt ebenfalls: Durch lokale Produktion entfallen lange Transportwege, die bei importierten Ananas aus Übersee oft mehr als 10.000 Kilometer betragen. Stattdessen wachsen die Früchte direkt im Herzen der Stadt – frisch, regional und mit minimalem ökologischem Fußabdruck. Ein unabhängiges Gutachten des Umweltbundesamts bescheinigt dem Projekt eine Reduktion der klimaschädlichen Emissionen um etwa 85 Prozent im Vergleich zum herkömmlichen Handel.

Doch Nachhaltigkeit endet nicht bei Technik. Auch die Abfälle werden genutzt: Blätter und Schalen der Ananas landen in der hauseigenen Biogasanlage, die wiederum Energie für die Gewächshäuser liefert. Ein Kreislauf, der fast ohne Reste auskommt.

Mehr als nur Touristenattraktion – Pläne für die Zukunft

Das Münchner Ananas-Projekt denkt weiter als nur an exotische Fotos für Instagram. Hinter den 1.500 Quadratmetern tropischem Grün steckt ein ambitionierter Plan: Bis 2026 soll die Anlage zu einem Forschungs- und Bildungszentrum für nachhaltige Stadtlandwirtschaft ausgebaut werden. Kooperationen mit der Technischen Universität München und dem Botanischen Garten sind bereits in der Pipeline.

Besonders im Fokus steht die Erprobung geschlossener Kreislaufsysteme. Studien zeigen, dass urbane Gewächshäuser bis zu 90% weniger Wasser verbrauchen als konventioneller Anbau – ein entscheidender Faktor angesichts der wachsenden Trockenheit in Süddeutschland. Die Münchner Anlage könnte zum Modell für andere Städte werden, die Lebensmittelproduktion und Freizeitnutzung verbinden wollen.

Auch wirtschaftlich hat das Konzept Potenzial. Während die ersten Ananasfrüchte vor allem als lokal produzierte Rarität vermarktet werden, plant man langfristig den Verkauf von Ablegern und Saatgut. Stadtgärtner könnten so künftig eigene tropische Pflanzen züchten – ein Novum für Mitteleuropa.

Kritiker monieren zwar den hohen Energieaufwand für Beheizung und Beleuchtung. Doch die Betreiber setzen auf innovative Lösungen wie Abwärmenutzung aus benachbarten Gebäuden und LED-Technologie mit minimalem Stromverbrauch. Ob das Konzept aufgeht, wird sich zeigen – fest steht: München wagt hier ein Experiment, das weit über den Charme einer Touristenattraktion hinausgeht.

Mit der 1.500 Quadratmeter großen Ananas-Plantage mitten in München beweist die Stadt, dass exotische Landwirtschaft und urbanes Leben kein Widerspruch sein müssen—sondern eine fruchtbare Symbiose bilden können. Wer hier zwischen üppigem Grün steht und die süß-säuerlichen Aromen der reifenden Früchte einatmet, spürt sofort: Nachhaltigkeit und Genuss lassen sich verbinden, selbst auf begrenztem Raum.

Ein Besuch lohnt besonders für alle, die wissen wollen, wie regionale Tropenfrüchte angebaut werden—oder einfach Lust auf frische, transportkilometerfreie Ananas haben. Die integrierte Café-Ecke macht den Ausflug zum kulinarischen Erlebnis.

Dass solche Projekte Schule machen, ist nur eine Frage der Zeit: München zeigt vor, wie Städte der Zukunft schmecken könnten.