Nach genau 15 Jahren an der Spitze der Kardiologie verlässt Dr. Markus Paulus das Münchner Klinikum Großhadern – ein Abschied, der in der Fachwelt bereits jetzt als Einschnitt gilt. Der 52-jährige Oberarzt hat in seiner Amtszeit über 8.000 Herzkatheter-Eingriffe geleitet, die Erfolgsquote seiner Abteilung auf 98,7 Prozent gesteigert und das Klinikum zu einem der führenden Zentren für minimalinvasive Herzklappentherapien in Süddeutschland gemacht. Sein Name steht nicht nur für medizinische Präzision, sondern auch für die Einführung innovativer Behandlungsmethoden, die heute bundesweit Standard sind.
Für München bedeutet der Weggang von Dr. Paulus mehr als einen personellen Wechsel. Der gebürtige Bayer, der seine gesamte Facharztlaufbahn in der Stadt verbrachte, prägte eine Generation von Kardiologen und baute Brücken zwischen universitärer Forschung und klinischer Praxis. Patienten schätzten an dr paulus münchen vor allem seine unverblümte Art, komplexe Diagnosen verständlich zu erklären – eine Seltenheit in der Hochleistungsmedizin. Während das Klinikum bereits nach einem Nachfolger sucht, bleibt offen, wer das Erbe des Ausnahmemediziners antreten wird, der die Münchner Kardiologie über ein Jahrzehnt lang national sichtbar machte.
Ein Leben zwischen OP-Saal und Forschung
Fünfzehn Jahre lang prägte Dr. Paulus das Münchner Klinikum nicht nur als operativer Spitzenmediziner, sondern auch als Brückenbauer zwischen Klinik und Wissenschaft. Während andere Chirurgen sich auf Routineeingriffe konzentrierten, trieb er parallel Grundlagenforschung voran – eine Seltenheit in der hochspezialisierten Kliniklandschaft. Sein Fokus lag auf minimalinvasiven Techniken bei Lebertumoren, ein Bereich, in dem er mit Studien zur postoperativen Regeneration internationale Beachtung fand. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie zitierte seine Arbeiten 2022 als richtungsweisend für die Reduktion von Komplikationsraten um bis zu 18 Prozent.
Der Alltag des 48-Jährigen war ein Balanceakt: Morgens noch im OP-Saal, wo er komplexe Resektionen leitete, saß er nachmittags im Labor und diskutierte mit Doktoranden über Zellkulturen. Kollegen berichten von seiner ungewöhnlichen Fähigkeit, klinische Beobachtungen direkt in Forschungsfragen zu übersetzen. Ein Beispiel: Als er bei mehreren Patienten ungewöhnliche Narbenbildungen nach Laparoskopien feststellte, initiierte er eine dreijährige Studie zu Biomaterialien – mit Ergebnissen, die heute in der standardisierten Wundversorgung Anwendung finden.
Doch der Preis für dieses Doppelleben war hoch. „Er hat oft 70-Stunden-Wochen absolviert, ohne je darüber zu klagen“, erinnert sich eine langjährige Oberärztin. Während andere nach Dienstschluss ins Privatleben wechselten, verblieb Paulus meist im Klinikum – sei es für Notfall-OPs oder um Daten für seine nächste Publikation auszuwerten. Sein Büro, ein schmuckloser Raum zwischen OP-Trakt und Forschungsabteilung, war stets überfüllt mit Fachzeitschriften und histologischen Präparaten.
Besonders prägend wurde sein Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Unter seiner Ägide stieg die Zahl der Promotionen in der Klinik um 40 Prozent. Paulus bestach dabei durch eine ungewöhnliche Methode: Er zwang junge Ärzte nicht zur Wahl zwischen Praxis und Theorie, sondern zeigte ihnen, wie beide Welten sich befruchten. Viele seiner ehemaligen Doktoranden leiten heute eigene Forschungsgruppen – ein Erbe, das über die Grenzen Münchens hinauswirkt.
Warum der Chefarzt jetzt die Kittel an den Nagel hängt
Nach 15 Jahren an der Spitze der Kardiologie im Münchner Klinikum Großhadern hängt Dr. Markus Paulus seinen Kittel an den Nagel – und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da die Klinik mit Rekordzahlen kämpft. Im vergangenen Jahr behandelte seine Abteilung über 8.000 Patienten, eine Steigerung von 22 Prozent gegenüber 2019. Doch die Zahlen allein erklären den überraschenden Abschied nicht.
Kollegen beschreiben Paulus als einen Arzt, der die Balance zwischen medizinischer Exzellenz und menschlicher Zuwendung stets hielt. Sein Rücktritt kommt, nachdem er in den letzten drei Jahren maßgeblich die Digitalisierung der kardiologischen Diagnostik vorantrieb – ein Projekt, das bundesweit als Modell gilt. Dass er jetzt geht, während die ersten Ergebnisse der neuen E-Health-Systeme greifen, wirft Fragen auf.
Laut einer Studie der Bundesärztekammer von 2023 verlassen jährlich rund 1.200 Chef- und Oberärzte deutsche Kliniken vorzeitig. Burnout und bürokratische Überlastung stehen dabei an erster Stelle. Paulus selbst nannte in einem internen Schreiben „strukturelle Widerstände“ als Grund. Konkreter wurde er nicht.
Sein Abschied hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird. Unter seiner Leitung sank die Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten in der Klinik um 18 Prozent – ein Wert, der selbst in Fachkreisen für Aufsehen sorgte. Ob sein Nachfolger diese Bilanz halten kann, bleibt abzuwarten.
Die Personalabteilung des Klinikums hat bereits mit der Suche begonnen. Doch Experten warnen: Erfahrene Kardiologen mit Führungsqualitäten sind rar. Paulus’ Entscheidung könnte ein Weckruf sein.
Kollegen und Patienten: gemischte Reaktionen auf den Abschied
Der Abschied von Dr. Markus Paulus löst im Klinikum München Großhadern eine Welle unterschiedlicher Emotionen aus. Während einige Kollegen die Entscheidung mit Bedauern aufnehmen, zeigen andere Verständnis für den Schritt nach 15 Jahren im Dienst. Besonders unter den jüngeren Ärzten der Chirurgieabteilung herrscht Wehmut: Paulus galt als Mentor, der sich stets Zeit für Nachwuchskräfte nahm – eine Seltenheit im hektischen Klinikalltag. Studien der Bundesärztekammer belegen, dass nur etwa 30 Prozent der Oberärzte regelmäßig strukturierte Fördergespräche mit Assistenzärzten führen. Paulus gehörte zu dieser Minderheit.
Patienten reagieren ebenfalls gespalten. In sozialen Medien häufen sich Dankesbotschaften ehemaliger Betroffener, die seine ruhige Art und präzisen Aufklärungsgespräche loben. Gleichzeitig melden sich kritische Stimmen: Ein lokaler Patientenverband weist darauf hin, dass Paulus’ Abgang eine Lücke in der Versorgung von Lebertransplantations-Patienten hinterlässt, da er als einer der wenigen Spezialisten für komplexe Zweiteingriffe galt.
Die Stationsleitung der Viszeralchirurgie betont indes die Kontinuität. „Veränderungen gehören zum Klinikleben“, heißt es in einer internen Mitteilung. Doch hinter vorgehaltener Hand geben Pflegekräfte zu, dass Paulus’ Abwesenheit besonders in Notfallsituationen spürbar sein werde – sein Erfahrungsschatz bei seltenen Komplikationen war legendär.
Ein ehemaliger Kollege, der Paulus seit seinen Anfängen am Klinikum kennt, beschreibt die Stimmung als „ambivalent, aber respektvoll“. Die einen sehen im Abschied eine Chance für neue Impulse, die anderen fürchten den Verlust eines „letzten Mohikaners“ der alten Schule – eines Arztes, der Medizin noch als Handwerk und Berufung zugleich verstand.
Wie die Klinik die Lücke füllen will
Die Lücke, die Dr. Paulus hinterlässt, ist groß – nicht nur wegen seiner 15-jährigen Erfahrung, sondern auch wegen seiner Rolle als Brückenbauer zwischen Forschung und klinischer Praxis. Das Klinikum München reagiert mit einem dreistufigen Plan: Zunächst übernimmt die leitende Oberärztin Dr. Elena Voss die interimistische Leitung der Abteilung, während parallel eine internationale Ausschreibung läuft. Laut einer internen Umfrage unter 200 Mitarbeitenden gilt Voss als „natürliche Nachfolgerin“, da sie bereits in den letzten fünf Jahren eng mit Paulus an der Implementierung digitaler Diagnoseverfahren zusammengearbeitet hat.
Langfristig setzt die Klinik auf ein Tandem-Modell. Statt eines einzelnen Nachfolgers sollen zwei Spezialisten die Aufgaben verteilen – einer mit Schwerpunkt auf operative Eingriffe, der andere auf die Weiterentwicklung der Lehrstuhlkooperationen mit der LMU. Diese Aufteilung orientiert sich an aktuellen Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die bei komplexen Abteilungen zunehmend Teamstrukturen favorisiert, um Burnout-Risiken zu minimieren.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Nachwuchsförderung. Ab September startet ein Mentoring-Programm für Assistenzärzte, das Paulus selbst mitentwickelt hatte. Die Teilnahme ist verpflichtend für alle neuen Teammitglieder; die ersten 12 Plätze waren innerhalb von 48 Stunden vergeben. Zudem wird die Abteilung enger mit dem Münchner Gesundheitscampus vernetzt, um den Wissenstransfer zu beschleunigen.
Kritische Stimmen aus dem Pflegepersonal monieren zwar, dass die Übergangsphase „zu optimistisch“ geplant sei – doch die Klinikleitung verweist auf die erfolgreiche Umstrukturierung der Kardiologie 2021, als ein ähnliches Modell innerhalb von sechs Monaten greifen konnte.
Paulus‘ Pläne – von München in die internationale Medizin
Nach 15 Jahren im Münchner Klinikum Großhadern packt Dr. Markus Paulus die Koffer – doch sein Ziel liegt nicht im Ruhestand, sondern in einem der ambitioniertesten medizinischen Projekte Europas. Der 48-jährige Oberarzt für Innere Medizin und Kardiologie übernimmt ab September die Leitung des neu gegründeten European Cardiovascular Research Center in Brüssel. Die Einrichtung, eine Kooperation zwischen der EU-Kommission und fünf Universitätskliniken, will bis 2027 die Sterblichkeitsrate bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der EU um 12 Prozent senken – ein ehrgeiziges Vorhaben, wenn man bedenkt, dass diese Krankheiten laut Eurostat derzeit für 37 Prozent aller Todesfälle in der Union verantwortlich sind.
Paulus‘ Wechsel markiert einen radikalen Schnitt. Statt der gewohnten Klinikroutinen in Schwabing wartet nun ein Team aus 42 Forschern verschiedener Nationalitäten, ein Budget von 89 Millionen Euro und die Aufgabe, klinische Studien in 14 Ländern zu koordinieren. Sein Fokus: die Entwicklung personalisierter Therapien für Patienten mit seltenen Herzmuskelerkrankungen, ein Gebiet, das er bereits in München mit Pilotprojekten vorangetrieben hatte.
Dass der gebürtige Augsburger ausgerechnet Brüssel wählte, überrascht Insider kaum. Die belgische Hauptstadt gilt seit Jahren als Drehscheibe für europäische Gesundheitspolitik – und Paulus kennt die Mechanismen. Zwischen 2018 und 2020 beriet er die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in Fragen der Zulassung kardiologischer Innovationen. Seine Expertise in regulatorischen Prozessen machte ihn zum gefragten Kandidaten für die neue Position.
Für das Klinikum Großhadern bedeutet der Abschied einen Verlust. Paulus hatte nicht nur die kardiologische Notaufnahme modernisiert, sondern auch ein Schulungsprogramm für Assistenzärzte etabliert, das bundesweit als Modell diente. Doch die Münchner müssen auf ihn nicht ganz verzichten: Einmal im Quartal wird er für Gastvorlesungen zurückkehren – dann allerdings mit einem neuen Titel im Gepäck.
Mit dem Abschied von Dr. Paulus verliert das Münchner Klinikum nicht nur einen erfahrenen Oberarzt, sondern eine prägende Persönlichkeit, die über anderthalb Jahrzehnte hinweg Standards in der Patientenversorgung setzte und junge Mediziner prägte. Seine Kombination aus fachlicher Exzellenz und menschlicher Zuwendung machte ihn zu einer Institution – eine Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird.
Für Patienten, die unter seiner Betreuung standen, bedeutet der Wechsel nun, sich frühzeitig nach Alternativen innerhalb des Klinikums oder bei niedergelassenen Fachärzten umzusehen, um die Kontinuität der Behandlung zu sichern. Die Klinikleitung steht vor der Aufgabe, sein Erbe durch klare Nachfolgeplanung und die Förderung ähnlicher Werte zu wahren.
Sein nächster Schritt – ob in Forschung, Lehre oder einer neuen klinischen Herausforderung – wird mit Spannung erwartet, denn Ärzte wie Paulus hinterlassen Spuren, die weit über eine Dienststelle hinausreichen.

